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Ein ruhiger Tag

Morgen ist in Hamburg Schiffsmakleressen, das grösste der Welt mit über 4.000 offiziellen Teilnehmern. Am Donnerstag ist Reisetag, dass heisst, in der Schifffahrtsbranche ist es schon sehr ruhig weil alle auf dem Weg nach Hamburg sind.

Der Tag vor dem Schiffsmakleressen wird von einigen Firmen genutzt um zu einem Treffen im kleinen Kreis einzuladen. Allerdings kann so ein Kreis schon mal aus ca. 150 Leuten bestehen. Ich war zu 2 solcher Veranstaltungen eingeladen. Da unsere Firma aber selbst so ein Treffen veranstaltet, konnte ich die Einladungen nicht annehmen.

Unser Kreis war wirklich klein: 12 Leute waren wir. Gegessen – und getrunken auch – haben wir in einem rustikalen, aber guten Restaurant in der Nähe unseres Büros. Der Wein war gut, zu gut. Das letzte Glas hätte ich eigentlich nicht trinken dürfen. Die kühle Luft auf meinem Heimweg tat gut, aber sie hat nicht viel geholfen. Mein Schatz servierte mir einen Cocktail aus ASS +C. Die Toilettenschüssel musste ich zum Glück nicht umarmen – gerade noch mal gutgegangen!

Wieder unterwegs

Die Technikabteilung unserer Firmengruppe hat heute einjähriges Bestehen. Aus diesem Anlass fand ein kleines Treffen im OJay’s statt. Alle waren noch ziemlich müde von der Schiffstaufe. Ich bin um kurz nach acht gegangen. Jetzt reicht es aber auch mit den Feierlichkeiten. Ich freue mich auf den freien Tag am 3. Oktober!

Schiffstaufe

Auf den Namen „John-Paul K.“ wurde heute Nachmittag das neueste Schiff der Familie K. getauft. Die gesamte Belegschaft durfte daran teilnehmen. Das Büro wurde geschlossen, die Telefone wurden umgestellt auf die Handys der jeweiligen Sachbearbeiter.

Mit Bussen ging es zur Norderwerft gegenüber den Landungsbrücken. Eine Stunde hatten die Gäste Zeit, sich das Schiff anzusehen. Es wurde Kaffee und Kuchen angeboten sowie Sekt, Bier und alkoholfreie Getränke. Das Wetter war sonnig und warm – ideal für so einen Tag, eben „Taufwetter“.

Eine Schwester der Frau des Reeders vollzog die Taufe. Mit fester Stimme sagte sie den Taufspruch auf:

Vom Schwarzen Meer bist du gekommen,
hast lange Fahrt auf dich genommen.
Nun liegst geschmückt du vor uns hier
in Hamburgs Hafen an der Pier.
Und Michel, Elbe, Landungsbrücken
woll’n jetzt auf dich, den Täufling blicken,
wenn du in schöner Tradition
wirst Mitglied der Familie K..on.
Ein guter Stern soll stets dich leiten,
auf allen Fahrten dich begleiten,
damit auch noch in vielen Jahren
erleichtert wir an Land erfahren,
dass Schiff und Mannschaft unversehrt
und heil von See zurückgekehrt.

Ich taufe dich auf den Namen „John-Paul K.“, wünsche dir allzeit gute Fahrt und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel.

Die Sektflasche zerplatzte leider erst beim zweiten Versuch. Ist das ein schlechtes Vorzeichen? Ich bin ja ein wenig abergläubisch in solchen Dingen. Warten wir es also mal ab. Der kleine Namensgeber des Schiffes, ein Enkel des Reeders, durfte das Schiff mit einer kleinen Sektflasche taufen. Auch diese Flasche zerbarst erst beim zweiten Wurf. Ich hab ja so meine Bedenken:

1. Das Schiff hat bereits 3 Reisen gemacht ohne getauft zu sein
2. Dem Schiff war ursprünglich ein anderer Name zugeteilt
3. 2 Sektflaschen konnten beim ersten Wurf nicht zerspringen

Ich behaupte, einige Leser mögen mich jetzt belächeln, ein Schiff hat eine Seele. Erklären kann ich das nicht. Aber ich fühle das.

Nach der Taufzeremonie ging es mit Bussen zurück in die Stadt zum Hotel Atlantic, wo die Tauffeier stattfand. Über 170 Gäste waren eingeladen, an einem festlichen Essen teilzunehmen. Die Tische waren im maritimen Stil geschmückt: Grosse, mit Wasser gefüllte, Glasschalen, in denen Gräser und weisse Blüten schwammen sowie jeweils 2 kleine Buddelschiffe. Es wurden Reden gehalten, die Taufpatin bekam ein Taufgeschenk. Es wurde gegessen und getrunken. An den Tischen unterhielt man sich mit anderen Gästen. Es war ein gemütlicher, stilvoller Abend. Gegen 2100 Uhr verliessen die ersten Gäste den Saal. Noch müde vom Wochenende machte ich mich ca. 30 Minuten später auf den Weg nach Hause. Auf dem Heimweg genoss ich die milde, fast sommerliche, Luft. Es war ein fast perfekter Tag, wenn da nicht die Sache mit den Sektflaschen gewesen wäre!

Abschliessend ein paar Informationen über das Schiff:
Bauwerft: Rousse Shipyard J.S.C., Bulgarien
Länge: 90,25 m – Breite: 15,20 m – Tragfähigkeit: 4.247 t – Dienstgeschwindigkeit: 12,3 kn

Onlinebanking

Unsere Firma ist vor ein paar Monaten von der Bank aufgefordert worden, Überweisungen nur noch per Onlinebanking auszuführen. Das Programm musste von der Bank gekauft werden. Wir Unterschriftsberechtigten mussten zur Inbetriebnahme des Programms einen aufwendigen Initialisierungsvorgang durchführen. Seit einiger Zeit haben wir eine zweite Bank, die Deutsche Bank, die sich dem System angeschlossen hat.

Jede Überweisung muss von 2 berechtigten Personen unterschrieben werden. Ab Mitte dieser Woche sollte ich nach längerer Zeit wieder unterschreiben, da 2 meiner Kollegen im Urlaub sind.

Ich bekam also die Mappe mit den Belegen auf den Tisch, damit ich die Überweisungen damit vergleichen konnte. Das Programm wurde gestartet, ich gab mein Passwort ein und führte die notwendigen Schritte durch, meine elektronische Unterschrift zu leisten. Fehlermeldung! Ich konnte nicht unterschreiben. Ich rief bei der Hotline der Hamburgischen Landesbank an. Nach den Anweisungen des Administrators musste ich ein neues Passwort generieren. Ergebnis dieser Aktion: Mein neues Passwort wurde nicht erkannt, aber mit dem alten konnte ich jetzt unterschreiben. Wunderbar, dachte ich. Bis ich zu den Überweisungen der Deutschen Bank kam. Hier wurde weder mein altes noch mein neues Passwort akzeptiert. Wir fanden einen Weg, diese Überweisungen zu unterschreiben, schliesslich mussten sie vor 12.00 Uhr übermittelt werden, damit sie noch ausgeführt werden konnten.

Es folgte dann wieder ein Anruf bei der Hotline. Ich erhielt die Auskunft, dass das Problem dann bei der Deutschen Bank liegen müsse. Mit Hilfe der Hotline der Deutschen Bank führte ich ein paar Schritte durch, mit dem Erfolg, dass ich nächsten Tag immer noch nicht unterschreiben konnte. Eine Bank schob den Fehler auf die andere, nur mir war damit nicht geholfen. Gestern dann ein weiterer Versuch, das Programm dazu zu bringen, meine Unterschrift zu akzeptieren. Dazu hatten sie beide Banken kurzgeschlossen.

Heute morgen sollte ich also wieder unterschreiben. Na ja, ihr werdet euch denken können, dass es mit der Deutschen Bank nicht klappte. Ich war so aufgebracht, so sauer, hätte ich in diesem Zustand eine der beiden Hotlines angerufen, ich hätte wohl vollends die Fassung verloren. Ich wartete also bis nach dem Essen um mich zu beruhigen. Während meines Mittagsspaziergangs kam ich zu der Überzeugung, dass der Fehler im Programm liegen muss und nicht bei der Deutschen Bank. Ich rief also die entsprechende Hotline an und erklärte zum wiederholten Mal das Problem und auch, die Schritte, die bisher zur vermeintlichen Lösung durchgeführt wurden. Der Mitarbeiter meinte, er müsse einen Augenblick darüber nachdenken und er würde mich wieder anrufen. Nach ca. 10 Minuten hatte er genug gedacht und meldete sich bei mir: Ich soll nun eine neue Diskette mit der Unterschrift erstellen, was allerdings zur Folge hat, dass ich bei beiden Banken auf „Null“ gestellt werde und ich mich dann neu initialisieren müsste. Auf einem Freitag Nachmittag? Bei Banken? Ich hab das dann auf Montag verschoben, damit ich wenigstens Überweisungen für eine Bank unterschreiben kann. Mal sehen, wie das weitergeht.

Firmenjubiläum

Heute war ich eingeladen zu einer Feier anlässlich eines 25-jährigen Firmenjubiläums. Eigentlich war das Jubiläum schon im vorigen Jahr. Es sollte am 18. September 2001 gefeiert werden. Doch auf Grund der Ereignisse in den USA wurde die Feier abgesagt, besonders auch deswegen, weil es Filialen dieser Firma rund um den Erdball gibt und Gäste aus aller Welt eingeladen waren. Es handelt sich um eine Firma, die weltweit Treibstoffe (Bunkeröle) für die Schifffahrt verkauft.

Die Feier wurde also gestern nachgeholt. Der Veranstaltungsort, der „Palmspeicher“, liegt im südlichen Hamburg, in Hamburg-Harburg und ist ein Restaurant. Dorthin gelangten wir mit Hafenbarkassen, Abfahrt war an den Landungsbrücken.

Für die Fahrt war ca. 1 Stunde eingeplant. Kurz vor dem Ziel mussten wir eine Schleuse passieren, vor der wir etwa 30 Minuten warten mussten. Ein kleines Frachtschiff kam aus dem Hafen und blockierte die Schleuse.

Die Barkassen konnten direkt am Speicher anlegen. Wir wurden von ein paar schrillen Gestalten in Empfang genommen. Drei trugen schwarze Anzüge, weisse Handschuhe und waren maskiert. Einer führte einen Fisch an der Leine spazieren, ein Anderer lief aufgeregt umher und rief „Very Important Persons please follow me!“ Von diesen Leuten wurden wir in den Speicher geleitet.

Im Inneren befinden sich 2 grosse Räume. Die Fenster waren abgedunkelt. Sphärische Musik erfüllte die Räume, dazu gab dezente Lichteffekte und Projektionen.

Nach den üblichen Reden begann eine Reise um die Welt. Während die Gäste sich am Buffet bedienten, an Tischen sassen oder in kleinen Gruppen standen und sich unterhielten, wurde ostasiatische Musik gespielt. Dazu gingen passend gekleidete Asiatinnen durch die Räume. Auf einer kleinen Bühne verrenkte eine Artistin gekonnt ihren Körper.

Die Reise ging weiter zum Orient. Die Musik wechselte entsprechend und Bauchtänzerinnen traten auf. Weiter ging es nach Europa. Ein Männerchor parodierte Opern, vorwiegend sang er aus „Carmen“. Vermutlich deshalb, weil die Firma ein Büro in Madrid hat.

Die Reise führte uns weiter nach Amerika. Ein Elvis-Imitator trat auf, danach Cheerleader, 2 Gruppen mit je 6 Mädchen.

Kurz vor Mitternacht wurden an die Gäste grosse Wunderkerzen verteilt. Zu den Klängen des Gefangenen-Chores aus der Oper „Nabucco“ wurde draussen ein Bodenfeuerwerk gezündet. Die Gäste standen mit den brennenden Wunderkerzen dabei. Ein schöner Anblick.

Anschliessend ging die Reise weiter nach Südamerika. Eine Trommlergruppe trat auf, dazu tanzten Sambatänzerinnen durch die Räume. Es wurde Caipirinha serviert. Damit war die Reise beendet.

Wer wollte konnte dann noch zu Discomusik tanzen.

Mittlerweile war es 01.00 Uhr. Ich ging zum bereitstehenden Shuttlebus, der uns in die Hamburger City bringen sollte. Von dort nahm ich ein Taxi und war um 01.30 Uhr zu Hause. Bernd hörte mich kommen. Es geht ihm so wie mir: Wenn einer von uns Beiden nicht da ist, kann der Andere nicht richtig schlafen. Aneinandergekuschelt sind wir dann schnell eingeschlafen.

Gerüchte

Gestern gab es auf einem unserer Schiffe, der MS „Innsbruck“, im Hamburger Hafen einen Unfall, bei dem zum Glück keine Personen verletzt wurden. Bei Ladearbeiten waren einige Teile der Ladung umgefallen. Bei uns im Büro kam die Meldung an, dass ein Mann schwerverletzt mit dem Rettungshubschrauber ins Unfallkrankenhaus gekommen sei. Später stellte sich diese Meldung als falsch heraus. Der betroffene Mann, ein Stauereiarbeiter, war mit einem Gabelstapler im Laderaum des Schiffes mit Arbeiten beschäftigt. Die umgefallenen Teile hat er wieder an Ort und Stelle gepackt. Auf Grund des Vorfalls wurden die Beladung unterbrochen und der Gabelstaplerfahrer verliess das Schiff und ging an Land. Dort wurde ihm plötzlich unwohl. Erst dann kam er mit einem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus.

Das Schiff war heute noch in Hamburg. Da im Büro wenig zu tun war, entschied ich, dem Kapitän, den ich bisher nur vom Telefon kannte, einen Besuch abzustatten. Die „Innsbruck“ lag im Werkshafen eines Stahlwerkes. Ich musste mich beim Pförtner anmelden und bekam einen Schutzhelm und eine Schutzbrille ausgehändigt.

Mit dem Wagen durfte ich auf das Werksgelände zu einem Parkplatz fahren. Dort setzte ich den Helm auf, die Brille passte nicht, und ging zu Fuss weiter zum Schiff. Dort unterhielt ich mich eine Weile mit dem Kapitän, unter anderem auch über den gestrigen Vorfall. Danach machte ich mir ein Bild über den Zustand des Schiffes und über die Beladung.

Beim Pförtner gab ich den Helm und die Brille wieder ab und sagte: Alles ok – es ist nichts passiert. Mit dieser Bemerkung hatte ich eine Lawine losgetreten. Sofort erzählte er mir, dass es gestern einen schweren Unfall an Bord der MS „Innsbruck“ gegeben hätte. Der Gabelstapler sei auf den Fahrer gefallen und der sei schwerverletzt mit dem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus gekommen usw. usw. Ich stand da und grinste ihn an. Als er fertig war, erzählte ich ihm, wie es sich wirklich zugetragen hatte. Da war er doch sehr erstaunt, über das, was im Werk verbreitet wurde. Als ich die Pförtnerloge verliess, hörte ich, wie er zu seinem Kollegen sagte: „Hein, hast Du gehört, was er eben erzählt hat?“

Es zeigt sich ein Mal mehr, dass man nicht alles glauben darf!

Allein 4

Der letzte Tag, ein arbeitsreicher Tag. Ich hatte nicht mal Zeit, an ein halbes Brötchen vom Koch zu denken. Und das war auch gut so.

Irgendwann schaute ich hoch und mein Blick fiel auf eine Deutsche Flagge, da wo sonst gar keine weht: An der Lombardsbrücke. Ich liess meinen Blick weiter schweifen und auf einem Haus weiter weg wehte die Hamburger und die Deutsche Flagge auf Halbmast: Hamburg trauert um die Verunglückten vom gestrigen Absturz eines Hubschraubers. Eine leichte Gänsehaut überkam mich. Die Arbeit liess mir keine Zeit, weiter darüber nachzudenken.

Heute habe ich viel Geld ausgegeben, das mir nicht gehört: Für 3 Schiffe musste ich Bunker (Treibstoff) bestellen, für insgesamt über 100.000 Euro. Das so etwas an einem Tag passiert kommt eher selten vor. Aber in manchen Monaten kommen schon mal schnell ein paar Hundert Tonnen zusammen.

In der Kantine gab es die ersten Matjes. Ich liebe Matjes – mein Hochzeitskleid war aus Matjes! Aber der Durst hinterher. Trotzdem werde ich wieder Matjes nehmen, wenn er angeboten wird. Die Saison ist ja nicht sehr lang.

Der Nachmittag verging wie im Flug. 2 neue Reisen mussten noch arrangiert werden, ein paar Telefonate, und schon war es 17.00 Uhr – Feierabend! Und ich hatte auch alles erledigt und konnte nach Hause gehen.

Allein 3

Wieder war es ein guter Tag. Laufend gab es etwas, das gemacht werden musste. Z.B. habe ich für ca. 40.000 Euro Gasöl eingekauft. Mit diesem Stoff werden die Motoren einige unserer Schiffe angetrieben. Die Qualität entspricht etwa der des Dieselkraftstoffes, mit dem die Autos fahren.

Die Zeit verging recht schnell. Am Ende des Arbeitstages war ich recht zufrieden.

Morgen ist der letzte Tag, an dem ich alleine bin. Am Montag wird Steffi wieder da sein. Das wird dann meine letzte Arbeitswoche sein bevor ich dann eine Woche Urlaub nehmen werde.

Auf dem Weg nach Hause überkam mich der kleine Hunger. Ich rief Bernd an, ob ich denn mal ein Stück guten Käse mitbringen soll. Warum hab ich ihn eigentlich angerufen? Ich hätte mir doch denken können, dass er nicht nein sagt. Auf meinem Weg liegt ein kleines Geschäft, in dem fast ausschliesslich Käse verkauft wird. Die Inhaberin ist sehr nett und wenn es ihre Zeit erlaubt, plauschen wir einen Moment über dies und das. Ich kaufte dort ein Stück Primadonna, ein sehr leckerer Käse, den sie mir vor Monaten schon mal empfohlen hatte.

Wir machten uns dann einen gemütlichen Sofa-Kuschel-TV-Abend mit Käse und einer Flasche Rotwein.

Allein 2

Das war ein guter Arbeitstag. Die tägliche Routine war, trotz einiger Schiffspositionen, um 09.00 Uhr geschafft. Danach hatte ich einen relativ ruhigen Vormittag. Beim Koch holte ich mir ein halbes Brötchen mit Fleischsalat.

Kurz vor Mittag bekam ich dann den ersten Abschluss auf den Tisch. Ich musste dann den Kapitän des entsprechenden Schiffes, den Agenten im nächsten Hafen unterrichten und eine Ladungsbesichtigung bestellen. Das Schiff soll schon morgen im nächsten Hafen eine Ladung Stahl übernehmen. Anschliessend musste die neue Reise in den Fahrplan eingetragen und noch ein paar andere kleine administrative Arbeiten erledigt werden.

In der Kantine gab es heute eine kleine Auswahl von verschiedenen Gerichten. Ich entschied mich für Erbsensuppe mit Wienerwürstchen und Vanillepudding zum Nachtisch.

Im Laufe des Tages wurden noch zwei weitere Schiffe befrachtet. Auch für diese Reisen mussten die entsprechenden Arbeiten erledigt werden. Da diese Schiffe ihre neue Ladung erst in einigen Tagen laden werden, war hier keine Eile geboten.

Kurz nach 16.00 Uhr war alles gemacht und hätte eigentlich nach Hause gehen können. Leider ist Schifffahrt ein Geschäft, das vollkommen unvorhersehbar ist. Dauernd muss man mit Überraschungen rechnen. Ich blieb deshalb bis zum offiziellen Feierabend um 17.30 Uhr.

Allein 1

Steffi, meine Mitarbeiterin, hat ab heute Urlaub. Die ganze Flotte von 21 Schiffen muss ich alleine betreuen. Ich hatte gehofft, dass ich dadurch etwas mehr Arbeit habe. In den letzten Wochen hätte es nämlich gereicht, wenn ich nur einen halben Tag gearbeitet hätte.

Aber was passierte?: Um 09.20 Uhr war ich mit den morgendlichen Routinearbeiten fertig und da sass ich dann wieder. Zuerst habe ich mir die Zeitung vorgenommen. Zugegeben, sehr ergiebig ist die Hamburger MOPO auch nicht. Dann habe ich meine Emailserver kontrolliert. Gefreut habe ich mich über eine Nachricht über einen neuen Gästebucheintrag. Marcus, ich danke Dir ganz herzlich an dieser Stelle!

Gelegentlich konnte ich ein paar anfallende Kleinigkeiten erledigen. Gegen Mittag bekam ich die tägliche Schifffahrtszeitung auf den Tisch. Leider stand da auch nicht viel Interessantes drin. Endlich wurde das Nichtstun durch das Mittagessen in der Kantine unterbrochen. Wir haben einen super Koch, der die Kantine in der 4. Etage bewirtschaftet. Von dort haben wir einen phantastischen Blick auf die Alster. Heute gab es Geflügelbratwurst, Pommes und Gemüse. Aus der Bratwurst machte ich mit dann Currywurst.

Nach ca. 20 Minuten sass ich wieder an meinem Arbeitsplatz, langweilte mich und wartete auf den Feierabend um 17.30 Uhr. Ich hasse das Nichtstun. Lieber hab ich so viel, dass ich nicht weiss, was ich zuerst machen soll. Dann vergeht die Zeit auch schneller und ich bekomme zwischendurch keinen Hunger. Heute musste ich mir nämlich in der Kantine einen Schokoriegel besorgen – und das, wo ich doch immer noch abnehmen will!

Morgen wird hoffentlich etwas mehr los sein. Mittwochs kommen immer Positonsmeldungen von den Schiffen, die sich auf See befinden. Diese Meldungen müssen bearbeitet werden, d.h. die vom Kapitän vorhergesagten Ankunftszeiten für den nächsten Hafen müssen an die Hafenagenten weitergeleitet werden. Ausserdem gab es in der Befrachtungsabteilung heute Aktivitäten, die hoffentlich zu einem positiven Ende kommen. Dann kann ich morgen die weitergehende Bearbeitung in Angriff nehmen. Na, warten wir’s mal ab.