
Es ist ja nicht ungewöhnlich, dass es hier ein paar Tage ruhig ist, aber jetzt gab es einen Grund, der nicht lustig ist.
Dienstagnacht, was war bereits ca. 00:20 Uhr am Mittwoch morgen, weckte mich die Blase. Ich tat, was in solchen Fällen zu tun ist, trank in der Küche ein Glas Wasser (deshalb die genaue Uhrzeit) und legte mich wieder zu meinem Schatz ins Bett und kuschelte mich an ihn. Ich schlief nicht gleich ein und nach einer Weile wollte ich m ich auf die andere Körperseite legen. Da hakte was, ich kriegte den Dreh nicht hin, mein linker Arm und mein linkes Bein stützten mich nicht ab. Als es nach mehreren Versuchen nicht funktionierte, hatte ich schon eine Befürchtung, was passiert sein könnte. Ich weckte meinen Schatz und wollte ihm sagen, dass ich wohl einen Schlaganfall hätte. Tja, ich konnte mich zwar verständlich machen, aber recht mühsam. Mein Schatz rief sofort den Notruf 112. Nach ein paar Minuten war der Rettungswagen vor Ort.
Zweit Sanitäter bemühten sich um mich, machten Tests und fragten mich, was passiert sei, was ich beantworten konnte, aber eben mit eingeschränkter Sprachmöglichkeit. Ich bekam einen Tropf angeschlossen und wurde auf einem Transportstuhl in den Aufzug geschoben, vor dem KTW wurde ich auf die fahrbare Trage umgebettet und dann ging es mit Blaulicht ins Krankenhaus nach Reinbek. Hier in Geesthacht gibt es zwar auch ein Krankenhaus, aber dort gibt es keine Stroke Unit. Eine Alternative wäre das Bethesda Krankenhaus in HH-Bergedorf, aber dort war geschlossen oder kein Platz.
In der Notaufnahme der Stroke Unit kümmerten sich mehrere Personen um mich. Ich musste Fragen beantworten, es wurden Tests gemacht. Eine Untersuchung im CT wurde gemacht. Mein linker Arm hat diverse blaue Stellen, an denen versucht wurde, mir was zu spritzen oder was anzuschliessen. Ständig wurde gesprüht und gepiekt Es sieht aus, als wäre ich mishandelt worden. Als man dort nichts mehr mit mir anfangen konnte, kam ich auf eine Überwachungsstation. Ein EKG-Monitor wurde an die Gnupsis angeschlossen, die man mir schon im KTW, aufgepappt hatte, eine Bluddruckmanschette wurde mir um den rechten Oberarm gelegt, am linken Zeigefinger wurde auch irgendwas gemessen, ein Tropf tropfte irgendwas in mich rein. Ich war jetzt verkabelt und verstöpselt.
An Schlaf war für den Rest der Nacht nicht mehr zu denken. Ständig kam jemand rein, auch für das Nachbarbett, in dem eine frischoperierte Dame lag. Irgendwann kam Bernd und brachte mir das übliche Zeug, was man im Krankenhaus benötigen könnte. Wir redeten noch eine Weile und wir bemerkten, dass ich schon viel besser sprechen konnte.
Mittwoch morgen ging es dann weiter: Was ist passiert? Wie haben sie es bemerkt? Machen sie mal dies, machen sie mal das. Arm und Bein gehorchten schon recht gut, es waren kaum noch Störungen vorhanden. Mehrmals wurde ich dementsprechend getestet, mehrmals bekam ich zu hören, dass es mein Glück war, dass wir sofort reagiert hätten.
Plötzlich bekam ich eine dicke Lippe und eine dicke Hamsterwange. Das war keine Folge des Schlaganfalls, zwei Medikamente hatten in meinem Körper streit angefangen und vertrugen sich nicht. Ich bekam einen neuen Tropf mit etwas abschwellendem. Der Neurologe hat sich damit beschäftigt und herausgefunden, dass das blutdrucksenkende Medikament, welches ich schon lange nehme, der Auslöser der Schwellung war.
Mittags bekam ich was zu essen, mageres Schweinefleisch, Klösse und Gemüse. Da immer am Vortag für den nächsten Tag nach den Wünschen gefragt wird, bekam ich wohl etwas, was ein entlassener Patient nicht mehr essen konnte. Ich konnte ohne Probleme mit Messer und Gabel essen!
Abends gab es Brot, Käse, Wurst und ….. Butter! (Insider für Martin).
Meine Bettnachbarin wurde „auf Station“ gebracht und ich hatte das Zimmer alleine. Ich hatte das Bedürfnis, mich zu bewegen, so gut es die Kabellage zuliess, die war zum Glück ziemlich lang. Und so konnte ich ein paar Schritte im Zimmer machen, was mir sehr gut tat und was auch ohne Probleme funktionierte, ich war also wieder voll funktionsfähig – super. Es wurden weitere Untersuhungen vorgenommen, wie z.B. Ultraschall der Halsvenen und des Herzens. Die Ergebnisse sind nicht besorgniserregend.
Die Hoffnung auf eine ruhige Nacht erfüllte sich nicht. Am frühen Abend wurde ein neuer Patient hereingschoben. Ich fragte abends nach einer Schlaftablette, ich bekam eine halbe und wurde in einen leichten Dämmerzustand versetzt. Am Tag danach (gestern) war ich morgens recht unmunter.
Die Schwellung im Gesicht ging langsam zurück. Mir wurde schon in Aussicht gestellt, dass ich am nächsten Tag entlassen werden könnte. Ich hatte mich angmeldet für die Nutzung eines Einzelzimmers gegen Bezahlung. Leider war keins frei. Also eine weitere Nacht verkabelt und mit mehreren Besuchen von Ärzten und Pflegepersonal.
Donnerstag wurde ein MRT meines Kopfes bzw. meines Gehirns vorgenommen. Ja, da ist zu sehen, dass ich einen Schlaganfall hatte. Im Entlassungsbericht steht genau drin, was da zu sehen ist. Hab dann wohl jetzt einen Dachschaden.
Wieder ein unruhiger Tag. Der neue Bettnachbar brauchte besondere Pflege, u.a. Augentropfen und 2 x täglich die Entleerung seines Stomas …. nicht sehr angenehm. Abends liess ich mir wieder eine halbe Schlaftablette geben. Die Überwachungsgeräte hatten aber eine Fehlfunktion, die nicht abgestellt werden konnte. In Abständen piepte es immer unangenehm. Ich hoffte ja, dass ich nicht noch eine Nacht dortbleiben müsste.
Heute Morgen dann die erlösende Nachricht: Ich darf nach Hause. Der Chefarzt der Neurologie kam und überbrachte mir die Nachricht. Wir sprachen noch über dies und das. Die nächsten beiden Wochen soll ich mich nicht überanstrengen. Andere Medikamente soll ich nehmen (für die nächsten Tage wurde ich versorgt), d.h. ich brauche ein Rezept, dazu benötige ich einen Termin beim Hausarzt. Der Neurolage sagte noch mal, dass ich sehr sehr viel Glück gehabt hätte, das war ein Schuss vor den Bug. Mein anfänglicher Eindruck, dass es sich um einen leichten Schlaganfall handelte, weil sie Symmptome so schnell wieder weg waren, zerstreute er gnadenlos: Sie hatten einen schweren Schlaganfall. Also war das nicht nur ein Schuss, dass war ein Torpedo vor den Bug!
Als klar war, dass ich entlassen werde, rief ich Bernd an, damit er mich abholen kann. Und jetzt sind wir froh und glücklich, dass alles gut ausgegangen ist.
Also liebe Leute: Bei Verdacht auf einen Schlaganfall ist sofortiges handeln angesagt. Nicht erst warten bis zum Morgen, mal gucken, wird schon wieder, nein, sofort zum Telefon greifen und 112 wählen!
Ich hatte im Krankenhaus nur mit sehr nettem Pflegepersonal und Ärzten zu tun, wobei Reinbek gar nicht meine erste Wahl gewesen wäre, Das Bethesda Krankenhaus in Bergedorf ist mir sympathischer weil neuer. Aber letztlich kommt es ja darauf an, wie mit den Patienten umgegangen wird und dass einem geholfen wird. Ich hatte das Glück, ganz in der Nähe des Waschbeckens zu liegen. Die Kabellage war lang genug, dass ich dort Zähne putzen und mich etwas frisch machen konnte.
Nachdem ich versucht habe, die Eregnisse der letzten Tage zu dokumentieren, werde ich jetzt die Krankenhausatmosphäre abduschen während mein Schatz was zu essen macht.
Frohe Pfingsten und bleibt schön gesund!








