Heute Mittag streikte unser Kommunikationssystem in der Firma. Wir erhielten keine Mails und Faxe mehr und was gesendet werden sollte blieb hängen unter dem Status „new task“. Manchmal lässt sich so ein Hänger dadurch beheben, dass die entsprechenden Server resetted werden, aber es nützte nichts. Was ich auch ausprobierte, alles war erfolglos. Das letzte Mittel war also, den Support anzurufen und nach telefonischer Anweisung zu handeln. Brav folgte ich den angewiesenen Schritten, aber die Anzeige auf dem Bildschirm hatte sich auch nach erneutem Hochfahren des Servers nicht geändert. Wieder erhielt ich Anweisungen: Über den Explorer in Laufwerk „p“ und dort diesen und jenen Ordner öffnen und dann nach einer bestimmten Datei suchen. Die Endung dieser Datei sollte ich von .dat in .org ändern. Ja, das war es dann und wir waren wieder erreichbar. Ich frage mich nur, ob sich die Datei selbst in .dat geändert hatte bzw. wenn nicht, wieso das System jahrelang mit .dat funktioniert hat. Computer haben eben ihre Geheimnisse.
Archiv der Kategorie: Job
Gedanken
In der Firma war die Sache mit Kapitän B. auch heute noch Gesprächsthema. Keinen von uns hat sie kalt gelassen. Wir kennen ihn seit vielen Jahren und waren mit seiner fachlichen Leistung immer sehr zufrieden. Ich fragte mich, ob ich den Stein tatsächlich ins Rollen bringen musste. Ja, ich musste – zum Schutz von Menschenleben! Wenn tatsächlich auf dieser Reise oder später etwas auf Grund seines Alkoholkonsums passiert wäre und ich hätte gestern nichts gesagt, dann würde ich damit fertig werden müssen. Und wenn ich dann sagen würde: Ja, damals …. – dann hätte ich die Vorwürfe bekommen: Warum hast du das denn nicht gesagt?
Rausschmiss
Unsere Kapitäne rufen uns jeden Morgen an wenn sie im Hafen sind und berichten über die aktuelle Lage. So auch heute Morgen Kapitän B. Eigentlich ist Steffi für ihn zuständig, aber sie war nicht am Platz. „Meine“ Kapitäne kenne ich natürlich recht gut und weiss sofort wenn sie anrufen, wie sie drauf sind und ob es Probleme gibt. Mit den anderen spreche ich eher selten.
Von Kapitän B. hatte ich heute Morgen einen ganz merkwürdigen Eindruck: Teilweise sprach er recht unverständlich. Ich hätte meinen können, er sei betrunken. Nun, es ist schwierig, so etwas zu beurteilen, besonders deshalb, weil ich ihn nicht so gut kenne. Ich beliess es bei meinem Eindruck und machte nichts weiter daraus. Später am Morgen rief er wieder an und telefonierte mit Steffi. Ihr war nichts besonderes aufgefallen, nur dass er sehr gesprächig war. Eine Weile später, Steffi war nicht am Platz, rief Kapitän B. zum dritten Mal an. Der Eindruck, dass er betrunken war, verstärkte sich. Ich ging zur Personalabteilung und bat darum, an Bord unter einem Vorwand anzurufen um meine Vermutung zu testen. Das Telefon wurde auf Lautsprecher geschaltet. Es war ganz eindeutig: Kapitän B. war betrunken. Teilweise war gar nicht zu verstehen, was er sagte. Ausserdem waren seine Antworten total sinnlos. Das Schiff war unter seinem Kommando gerade aus dem italienischen Hafen Gaeta ausgelaufen und auf dem Weg nach Garrucha in Spanien. Es war also nicht möglich, ihn noch in Gaeta abzulösen. Er rief noch mehrere Male an und redete wirres Zeug, er hatte inzwischen mitbekommen, dass da was lief. Sein 1. Offizier und sein 1. Maschinist hatten uns bestätigt, dass er betrunken war.
Die Personalabteilung schickte ein Telex an Bord mit dem er seine fristlose Kündigung erhielt. Das Kommando wurde ihm entzogen und auf auf den 1. Offizier übertragen. In Garrucha wird Kapitän B. am Sonntag von einem anderen Kapitän abgelöst.
Sein Verhalten ist unverantwortlich und gefährdet in erster Linie das Leben der ihm anvertrauten Besatzung. Des Weiteren ist er natürlich verantwortlich für die Millionenwerte von Schiff und Ladung. Es ist nicht auszudenken, was alles passieren kann wenn ein Kapitän betrunken ist.
Aufräumen
Auf meinem Schreibtisch steht ein Ablagekorb in dem die Dinge liegen, die im Moment unwichtig sind, vielleicht aber mal wichtig werden könnten. Einige von diesen „Dokumenten“ erledigen sich manchmal von alleine und können dann weggeworfen werden. Alle 1 bis 2 Wochen, wenn ich Zeit dafür habe, wird alles durchgesehen und dann eben auch teilweise entsorgt. Heute fiel mir ein Zettel in die Hand, auf dem ich eine geschäftliche Handynummer notiert hatte. Ich wollte sie bei Gelegenheit in unser Kommunikationssystem eingeben. Gerade hatte ich den Zettel beiseite gelegt als das Telefon klingelte. Am anderen Ende war Ali aus Samsun/Türkei, zu dem die Handynummer gehört. Muss ich mir Gedanken machen? Hat das was mit dem hohen religiösen Feiertag in der Türkei und anderen moslemischen Ländern zu tun? Oder war das nur Zufall?
Weihnachtsfeier
Wie schon im vorigen Jahr haben wir auch in diesem Jahr wieder unsere Weihnachtsfeier als Neujahrstreffen veranstaltet. Unser Chef hatte einen Tisch im Kaminzimmer des Restaurant „Kleinhuis“ reserviert. Jeder durfte das essen worauf er Appetit hatte. Ich entschied mich für ein 5-Gängemenue „Wintervariationen“, dessen Hauptgang aus Gänsebraten mit Rotkohl und Knödel bestand. Alles war sehr gut und schmackhaft und am Ende war ich pappsatt.
Wir unterhielten uns prächtig, der Wein war gut und es war gemütlich. Im Kamin loderte das Feuer. Aber niemand kam, um Scheite nachzulegen – sonderbar! Vermutlich handelt es sich um einen Kamin, dessen Flamme mit Gas gespeist wird.
Kurz nach Mitternacht brachen wir auf. Per und ich gingen zu Fuss nach Hause, was nach dem ausgiebigen Mahl recht angenehm war.
Bernd hatte für mich auf dem Wohnzimmertisch ein Glas mit Wasser und die Antikaterdroge „ASS plus C“ bereitgestellt. Obwohl ich ein paar Gläser Wein und 3 „Herzog Alba“, ein spanischer Brandy, getrunken hatte war es nicht nötig, die Droge zu nehmen.
Um 0100 Uhr kroch ich zu Bernd unter die Decke.
Normalität
Es war mein erster Arbeitstag im neuen Jahr. wie ich schon vermutet habe, war ich nach spätestens einer Stunde wieder voll drin und es war so, als wenn ich nie Urlaub gehabt hätte.
Viel Arbeit
Von Weihnachtsstimmung keine Spur bei mir. Es gibt viel zu tun im Büro, ich bin alleine. Steffi hat Urlaub. Zum Glück gibt es keinen Stress durch unvorhergesehene Situationen. Alles nur normale Routinearbeiten, davon aber reichlich. Durch die bevorstehenden Feiertage muss man weit im Voraus denken und planen, z.B. ist in Spanien der 26.12. kein Feiertag, d.h. die Schiffe, die sich in spanischen Häfen aufhalten, werden gelöscht oder beladen. Ich blieb ein wenig länger im Büro um noch ein paar Dinge zu erledigen, die mir am nächsten Tag Zeit sparen würden.
Überminuten
Gestern hatte ich mir einen Tag Urlaub genommen um die Party besser geniessen zu können. In der Firma warteten heute schon alle auf meinen Bericht über das Musical und die Party. Ich weiss nicht mehr, wie oft ich erzählen musste. Es führte jedenfalls dazu, dass ich etwas länger im Büro sein musste um alles wegzuarbeiten.
Neue Rechner
Bei uns in der Firma wurden heute endlich die neuen Rechner installiert. Sie standen ja schon eine Woche im Schrank, da aber unser Hauptserver so alt war, konnte die Festplatte nicht gespiegelt werden. Das musste jetzt mit Hilfe eines 3. Rechners gemacht werden.
Seit 10.00 Uhr konnten wir nicht mehr richtig arbeiten. Irgendwann nachmittags war es wieder möglich, Dokumente zu bearbeiten. Leider lief unser Kommunikationsprogramm noch nicht, und das ist unser wichtigstes Handwerkszeug. Sämtliche ein- und ausgehenden Faxe, Emails und Telexe werden damit verarbeitet. Erst morgen Vormittag kommen die Fachleute und versuchen, es wieder zum Laufen zu bringen.
Die PCs (von Compaq) haben ein – jedenfalls für mich – ungewohntes Design: Kleiner als Scanner, in den Farben Silber/Anthrazit – kein Teil, das unter dem Tisch versteckt werden muss. Wir haben es alle auf dem Schreibtisch stehen. Und die Dinger sind so leise, sie sind kaum zu hören, nur ein ganz leises Rauschen ist wahrnehmbar. Vielleicht können wir morgen damit auch wieder richtig arbeiten.
Schiffsmakleressen
Alljährlich findet im 1. Freitag im November in Hamburg das Schiffsmakleressen oder auch Eisbeinessen statt. Über 4.000 offizielle Teilnehmer essen im CCH Eisbein oder Kasseler. Insgesamt kommen ca. 5.000 Leute aus aller Welt zusammen, die irgendwie auch nur im weitesten Sinn mit der Schifffahrt zu tun haben.
Ich habe in meinem 35-jährigen Berufsleben schon etliche Male daran teilgenommen, teils als Gast, teils als Gastgeber wenn wir selbst Geschäftsfreunde eingeladen hatten.
In diesem Jahr wollten wir keine Gäste einladen und ich bin froh, an dieser Massenveranstaltung nicht teilnehmen zu müssen. Man trifft eh nur die Leute, die man persönlich kennt. Es ist kaum möglich, sich dort zu verabreden weil man dauernd aufgehalten wird: Hallo, lange nicht gesehen, wie geht’s? usw. Ausserdem ist die Luft zum schneiden dick, die Geräuschkulisse besteht aus einem tausendfachen Stimmengewirr, mehr oder weniger betrunkene Teilnehmer wanken durch die Gänge – deshalb wird diese Veranstaltung scherzhaft auch als „Eisbeintrinken“ bezeichnet. Im Foyer stehen die Nutten und verteilen ihre Visitenkarten.
Oft schon hab ich darüber nachgedacht, dass unter den vielen Männern (der Frauenanteil ist sehr gering) doch auch ein paar Schwule sein müssten. Mir ist dort noch nie einer begegnet von dem ich sagen könnte: Der! Wir scheinen in der Schifffahrtswelt eher rar gesät zu sein.
