Archiv des Autors: Hans-Georg Kloetzen

Ein Job für Bernd

Bernd hat einen Job, wenn auch vorerst nur begrenzt für 4 Wochen: Er wird Dresser beim Musical „Titanic“, das hier am 8. Dezember Premiere hat. Es besteht aber die Möglichkeit, dass er übernommen wird.

Seine Aufgabe wird es sein, den Darstellern bei notwendigen Kostümwechseln zu assistieren. Tagsüber muss er die Kostüme auf Beschädigungen durchsehen und notwendige kleine Reparaturen daran durchführen. Er freut sich und ich freu mich auch. Theater, Musical, dass ist eine Welt, an der er sehr interessiert ist. Erblich vorbelastet? Vielleicht. Ein Onkel von ihm hat ein Instrument gespielt und ist in den 60er Jahren mit einer damals – zumindest hier im norddeutschen Raum – bekannten Band aufgetreten. Damals sagte man wohl Tanzkapelle.

Montag ist sein erster Arbeitstag. Es wird sicher eine ziemlich anstrengende Zeit bis zur Premiere und ich werde wohl abends einen müden Mann zu Hause haben, wenn er denn schon hier ist, wenn ich nach Hause komme. Egal, die Hauptsache ist, dass es ihm Spass macht.

Futterhäuschen

Die Fütterung von Vögeln im Winter ist ja nicht ganz unumstritten. Wir machen es trotzdem und haben zu diesem Zweck ein Futterhäuschen am Balkon. Vor ein paar Tagen haben wir mit der Fütterung begonnen. Es ist erstaunlich, wie schnell die Vögel die Futterquelle angenommen haben. Scharen von Meisen tummeln sich auf unserem Balkon, dazwischen ein Dompfaffpärchen und gelegentlich auch mal eine Drossel oder Amsel.

Interessant ist es, die Meisen zu beobachten: Einige picken sich ein Körnchen und fliegen dann damit in den nächsten Baum, knacken und verzehren es dort und kommen dann zurück um sich das nächste Körnchen zu holen. Eine andere Meise bleibt im Häuschen sitzen und klopft dort den Sonnenblumenkern auf. Tock – tock – tock hören wir, wenn er auf dem Holzboden zertrümmert wird.

Die Nahrungsaufnahme findet so ziemlich zu festen Zeiten statt. Selten ist eine einzelne Meise zwischen den gemeinsamen Mahlzeiten anzutreffen.

Bernd hat mir erzählt, dass gestern eine Meise bei uns im Wohnzimmer war. Sie ist durch eine schmale Lüftungsklappe in der Balkontür hereingekommen. Ohne Schaden zu nehmen konnte sie durch die geöffnete Balkontür wieder in die Freiheit gelangen. Die kleinen Dinger sind ja sooo niedlich. Wäre ja schade gewesen, wenn sie gegen die Fensterscheibe geflogen wäre und sich das Genick gebrochen hätte.

Gammeltag

Es ist „Bettwetter“: Windig, grau, regnerisch und kalt. Meine Wellnessstunde habe ich schon gemacht und mich in der Badewanne von Vanilleschaum umspülen lassen. Eigentlich müssten ein paar kleine Dinge in der Wohnung erledigt werden, nichts Wichtiges, aber wir können uns nicht aufraffen. Stattdessen sitzen wir jeder vor unserem Rechner. Ich diskutiere mit Marcus über die Nützlichkeit von Nasenhaarrasierern, mit Holli über die Lust am Joggen und bastle ein wenig an meiner Homepage. Holger vom Chor hat eine Rundmail geschickt, ob wir uns heute Abend auf dem Spielbudenplatz treffen wollen. Aus Anlass der Premiere von „Mamma Mia“ gibt es dort Freibier. Einerseits würden wir gerne hingehen, andererseits ist es so ungemütlich draussen. Die Chancen stehen 50:50 – oder doch eher 25:75? Fragt sich nur wofür.

Schiffsmakleressen

Alljährlich findet im 1. Freitag im November in Hamburg das Schiffsmakleressen oder auch Eisbeinessen statt. Über 4.000 offizielle Teilnehmer essen im CCH Eisbein oder Kasseler. Insgesamt kommen ca. 5.000 Leute aus aller Welt zusammen, die irgendwie auch nur im weitesten Sinn mit der Schifffahrt zu tun haben.

Ich habe in meinem 35-jährigen Berufsleben schon etliche Male daran teilgenommen, teils als Gast, teils als Gastgeber wenn wir selbst Geschäftsfreunde eingeladen hatten.

In diesem Jahr wollten wir keine Gäste einladen und ich bin froh, an dieser Massenveranstaltung nicht teilnehmen zu müssen. Man trifft eh nur die Leute, die man persönlich kennt. Es ist kaum möglich, sich dort zu verabreden weil man dauernd aufgehalten wird: Hallo, lange nicht gesehen, wie geht’s? usw. Ausserdem ist die Luft zum schneiden dick, die Geräuschkulisse besteht aus einem tausendfachen Stimmengewirr, mehr oder weniger betrunkene Teilnehmer wanken durch die Gänge – deshalb wird diese Veranstaltung scherzhaft auch als „Eisbeintrinken“ bezeichnet. Im Foyer stehen die Nutten und verteilen ihre Visitenkarten.

Oft schon hab ich darüber nachgedacht, dass unter den vielen Männern (der Frauenanteil ist sehr gering) doch auch ein paar Schwule sein müssten. Mir ist dort noch nie einer begegnet von dem ich sagen könnte: Der! Wir scheinen in der Schifffahrtswelt eher rar gesät zu sein.

Ein ruhiger Tag

Morgen ist in Hamburg Schiffsmakleressen, das grösste der Welt mit über 4.000 offiziellen Teilnehmern. Am Donnerstag ist Reisetag, dass heisst, in der Schifffahrtsbranche ist es schon sehr ruhig weil alle auf dem Weg nach Hamburg sind.

Der Tag vor dem Schiffsmakleressen wird von einigen Firmen genutzt um zu einem Treffen im kleinen Kreis einzuladen. Allerdings kann so ein Kreis schon mal aus ca. 150 Leuten bestehen. Ich war zu 2 solcher Veranstaltungen eingeladen. Da unsere Firma aber selbst so ein Treffen veranstaltet, konnte ich die Einladungen nicht annehmen.

Unser Kreis war wirklich klein: 12 Leute waren wir. Gegessen – und getrunken auch – haben wir in einem rustikalen, aber guten Restaurant in der Nähe unseres Büros. Der Wein war gut, zu gut. Das letzte Glas hätte ich eigentlich nicht trinken dürfen. Die kühle Luft auf meinem Heimweg tat gut, aber sie hat nicht viel geholfen. Mein Schatz servierte mir einen Cocktail aus ASS +C. Die Toilettenschüssel musste ich zum Glück nicht umarmen – gerade noch mal gutgegangen!

Es reicht

Yaccs scheint zur Zeit ziemliche Probleme zu haben. Heute Abend waren die Links in meinem Tagebuch zwar sichtbar, aber die neuen Kommentare konnte ich nicht lesen: Die Seite konnte nicht geöffnet werden. 10 Minuten später war die Kommentarfunktion gar nicht mehr da, genau wie gestern. Bei Ingrid sieht es genau so aus, Marcus hat sich schon beschwert, dass er seinen Senf nicht mehr loswerden kann. Ich werde mich nach einer anderen Lösung umsehen. Die Frage ist nur, ob ich mir die Arbeit mache bzw. ob es überhaupt möglich ist, die alten Kommentare in das neue System zu übernehmen.

Das war’s

Heute kam ein Brief des Vermieters bzw. Verwalters für den Stellplatz in der Tiefgarage. Da ich seine Bedingungen nicht akzeptiere soll ich die Unterlagen und den Schlüssel zurückschicken. Jetzt steht das Auto wieder draussen. Die Bäume sind fast entlaubt, also ist das Schlimmste überstanden. Kritisch wird es erst wieder nächstes Jahr im Sommer. Wir hoffen, dass wir bis dahin einen günstigeren Stellplatz mieten können.

Der Brief für die Rücksendung des Schlüssels und des Mietvertrages – der wird vorher noch fotokopiert – ist bereits geschrieben und wird morgen abgeschickt.

Auftritt in Münster I

Um 1030 Uhr trafen sich alle zum Brunch im „Luf“, direkt am Dortmund-Ems-Kanal und am Hafen von Münster. Ein orkanartiger Sturm wehte durch das Hafenbecken. Gischt wurde aufgewirbelt und wehte über das Wasser. Eine Möwe versuchte in den Wellen gegen den Wind zu schwimmen, sie verschwand rückwärts aus unserem Blick. Es war beeindruckend, der Kraft der Natur zuzusehen. Und es passte zu unserem Stück „Piraten“. Sie gehen mit ihrem Schiff unter (Es gibt aber ein Happyend).

Es wurde Zeit, zum Bahnhof aufzubrechen. In der Bahnhofshalle wurden Abschiedslieder gesungen. Über uns zeigte die Anzeigentafel für alle Züge Verspätungen an. Der Orkan und bestimmt auch „schlüpfrige Schienen“ waren die Gründe dafür. Die Wartezeit auf dem Bahnsteig wurde mit weiteren Liedern verkürzt. Ansage: „Der IC nach Hamburg fährt heute abweichend von Gleis 2!“ Menschenmassen machten sich auf den Weg von Gleis 12 nach Gleis 2. Planmässig 25 Minuten verspätet traf unser Zug ein und machte sich nach kurzem Stopp auf den Weg nach Hamburg mit Halt in Osnabrück und Bremen. Die Ansagen im Zug vor der jeweiligen Ankunft machte uns klar, dass es draussen ziemlich ungemütlich war. Unsere Verspätung betrug vor Bremen inzwischen 70 Minuten. Teile des Streckennetzes waren unterbrochen.

Um 17.45 Uhr waren wir endlich in Hamburg, 90 Minuten später als geplant. Nach einer kurzen Verabschiedung ging jeder seiner Wege. Wir waren froh, wieder zu Hause zu sein, besonders Bernd. Sein Auftritt gestern Abend war dem Genesungsprozess sicher nicht förderlich, er sah ziemlich mitgenommen aus und war entsprechend müde und abgespannt. Das Wochenende klang aus als Sofa-Kuschel-Fernsehabend – müde und zufrieden. Mein letzter Gedanke für dem Einschlafen: Morgen hast du noch frei!

Aufritt in Münster II

Unser erster Auswärtsauftritt mit dem Programm „Piraten“ fand an diesem Wochenende in Münster statt.

Bernd hat seit 2 Tagen eine Erkältung mit Halsschmerzen, heute morgen kommt noch ein Husten dazu. Er weiss noch nicht, ob er heute Abend auftreten kann. Ich packe alles mit ein, was unsere Hausapotheke hergibt.

Samstag Mittag Abfahrt mit dem Zug nach Münster. Mit einer Verspätung von 10 Minuten verlassen wir den Hamburger Hauptbahnhof. Die Fahrt verläuft eher ruhig, was wohl daran liegt, dass keine Sektflasche die Runde macht: Vor einem Auftritt herrscht absolutes Alkoholverbot! Ja, so ernst nehmen wir das. Bis Münster vergrössert sich die Verspätung auf ca. 30 Minuten, hervorgerufen durch „schlüpfrige Schienen“ (Originalton einer Durchsage auf dem Bahnhof in Münster). Es ist ja wohl klar, dass dieser Begriff uns das ganze Wochenende begleitete und der Anlass zu allerlei Albernheiten war.

Unsere Gastgeber, „Homophon – Erster schwuler Männerchor Münster“, hatten für das Konzert die Aula der Freien Waldorfschule Münster gemietet. Na ja, Aula ist ja wohl leicht untertrieben. Es ist fast schon ein kleines Theater mit einer Kapazität von ca. 500 Plätzen, ausgestattet mit einer grossen Bühne. Ein grosses, selbsterstelltes Buffet wartete auf uns zur Stärkung. Leider mussten wir uns vorerst zurückhalten: Mit vollem Magen zu singen und zu spielen kann sich auch negativ auf Leistung und Konzentration auswirken.

Es ist üblich, dass der jeweilige Gastchor – in diesem Fall also wir – den ersten Teil der Konzerte bestreitet. Heute Abend war es aber anders: Homophon feiert in diesem Jahr sein 15-jähriges Bestehen und hat sich „Schola Cantorosa“ zum Geburtstag geschenkt. Die Akteure wollten sich einen entspannten Abend machen und zuerst auftreten um sich danach an unserer
Darbietung zu erfreuen.

Da im Zuschauerraum nicht ausreichend Platz für uns vorhanden war, um das Programm unserer Gäste zu verfolgen, verbrachten wir die Zeit im Backstagebereich. So gab es genügend Zeit für unsere Jungs, sich in Ruhe umzuziehen und sich schminken zu lassen (Ja, einen Stuckateur haben wir auch!)
Bernd hat sich entschlossen aufzutreten.

Nach der Pause brachten wir „Die Piraten“ auf die Bühne. Ich war fast so nervös wie bei der Premiere im Juli. Zum Glück hatte ich Torsten an meiner Seite. Er ist neu im Chor und konnte deshalb noch nicht mit auftreten. Während ich mich auf die Toneinspielungen konzentrierte kümmerte sich Torsten um die Beleuchtung.

Von ein paar Kleinigkeiten abgesehen, ging diese Vorstellung hervorragend über die Bühne. Langanhaltender Beifall belohnte unsere Sänger. Der Ruf nach Zugaben verhallte nicht unbeachtet. „Theater“ und „Divas“ aus unserem vorherigen Programm begeisterten das Publikum. Ein besonderes Lob verdient Dirk, unser Ersatzpianist. Er hatte nur 2 Proben Zeit, um sich auf uns und das Stück einzustellen. Bravo! Als er nach der Vorstellung in unsere Garderobe kam, wurde er mit dem Beifall der Truppe empfangen.

Unsere Gastgeber servierten Sekt und eine Geburtstagstorte. Als alle abgeschminkt und umgezogen waren, ging es zum „Ballhaus“ in die Stadt um dort die Geburtstagsparty zu feiern. Morgens um 0300 Uhr fielen wir müde ins Bett.

Menschen

Es hat wohl jeder schon mal erlebt: Auf unserem Weg zur Arbeit, den wir in den meisten Fällen täglich zur gleichen Zeit zurücklegen, begegnen uns Menschen die uns auffallen – positiv oder negativ – die uns auffallen in erster Linie durch Äusserlichkeiten. Jeden Tag sehen wir sie in etwa an der gleichen Stelle auf unserem Weg. Wir wissen nichts über sie, nicht Mal, ob sie uns auch bemerken. Manchmal sehen wir einen schüchternen Blick aus den Augenwinkeln, selten ein Lächeln und noch seltener wird ein Gruss ausgetauscht. Sie begleiten uns ein paar Tage, Wochen, Monate oder sogar Jahre. Sie tauchen auf aus dem Nichts und verschwinden eines Tages dort wieder, ohne dass es uns sofort auffällt. Bis uns irgendwann einfällt: Den oder Die hast Du ja schon lange nicht mehr gesehen. Wir kennen nicht den Grund, warum sie unseren Weg nicht mehr kreuzen. Vielleicht sind sie umgezogen oder sie haben ihren Arbeitsplatz gewechselt. Aber an manchen Tagen denken wir noch an sie.