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Einfach nur gucken

Ich brauche keine Action. Ich muss nicht jeden Tag Leute treffen oder irgendwo hinfahren. Ich kann stundenlang auf der Terrasse sitzen – so das Wetter es den zulässt – und lesen, den Vögeln lauschen oder in den Himmel gucken.

Ich brauche keine Onlinespiele, keine langen Telefonate, keine täglichen Joggingrunden. Einfach nur sitzen und gucken, das reicht mir völlig und ist auch nicht langweilig. Vielleicht liebe ich es deshalb, auf dem Meer mit Kreuzfahrtschiffen unterwegs zu sein, den E-Reader in der einen, ein Glas Champagner in der anderen Hand.

Letztens, im Urlaub auf Santorini, gab es keinen Champagner und den E-Reader habe ich nur kurz vor dem Schlafengehen benutzt um das noch zu Hause angefangene Buch zu beenden. Sonst habe ich dort den lieben langen Tag auf der Terrasse gesessen und auf das Meer geschaut, wo überhaupt nichts los war. Und das war so beruhigend und entspannend.

Wir sind nun nicht am Meer und schon gar nicht auf dem Meer. Aber wir haben Elphi und Glinda, unsere beiden Katzenkinder. Stundenlang kann ich denen zugucken, wie sie miteinander ringen, wie sie durch die Wohnung wetzen, wie sie sich mit dem Katzenspielzeug beschäftigen – oder einfach nur schlafen. Auch das ist beruhigend und entspannend anzusehen.

Für viele Menschen mag es ja langweilig sein, was ich mache, bzw. eher nicht mache. Aber ich kann damit gut leben, sehr gut leben – mit Meer und mit Katzen.

Wir reisen


Die Gerüchteküche brodelte ja schon etwas länger: Kreuzfahrten würden demnächst zu Kurzreisen für 3 – 4 Nächte starten. Auch wenn wir sozusagen vor der Haustür der Kreuzfahrtterminals von Hamburg wohnen, konnten wir uns nicht damit anfreunden, für so eine Kurzreise die Koffer zu packen.

Seit ein paar Tage ist es offiziell: Unsere Stammreederei TUICruises startet am 24. Juli mit Kurzreisen von Hamburg nach Südnorwegen. Zielhäfen sind jweils Kristiansand und Oslo. Hm???? Also???? Nee, für 3 bzw. 4 Nächte lohnt sich das nicht. Aber wenn man 2 Reisen nacheinander macht???? Leider ist es nicht erlaubt, 2 aufeinanderfolgende Reisen zu machen, es wäre so schön gewesen. Aber wir wollen mal für eine Woche raus.

Santorin steht schon lange auf unserer Bucket List, man kann die Insel ja auch mit dem Schiff ansteuern. Dann hat man aber nur ein paar Stunden zeit, sich mit vielen anderen Menschen durch die engen Gassen zu schieben. Da wäre es doch viel schöner, dort mal eine Woche Urlaub zu machen. Und das machen wir jetzt wahr.

Tagelang haben wir uns auf den einschlägigen Seiten die vielen Unterkünfte angeschaut, Bewertungen gelesen, Lagepläne studiert und Preise verglichen. Irgendwann kamen wir immer wieder auf 2 von uns ausgewählte Unterkünfte zurück, wobei eine davon absolute Präferenz hatte. Heute Morgen waren wir im Reisebüro unseres Vertrauens weil wir das sehr gern unterstützen würden. Leider kann die Unterkunft dort nicht gebucht werden. Also haben wir das dann selbst in die Hand genommen.

Am 23. Juli fliegen wir also für 7 Tage nach Santorin. Gebucht haben wir eine nagelneue Unterkunft, wobei „Unterkunft“ sich leicht untertrieben anhört. Wir haben eine Sea View Suite with Loft & Private Pool gebucht. Wenn der Pool dann ein größeres Tauchbecken sein sollte, wäre das auch ok. Man muss ja immer ein wenig vorsichtig sein bei den Beschreibungen. Wir werden sehen.

Schön war’s!

Kann eine Trauerfeier schön sein? Ja!

Montag fand die Trauerfeier für meine kürzlich verstorbene 96 Jahre alte Mutter statt. Es war genau so, wie ich mir das gewünscht hatte: Niemand erschien in Trauerkleidung, es gab keine Schleifen am Blumenschmuck. Die Urne stand vor dem Altar, umrandet von Rosen, die sich nach unten hin in einem großen Gesteck verloren. Links daneben stand eine Staffelei mit einem Farbfoto (ohne Trauerflor) meiner Mutter, welches vor 2 Jahren aufgenommen wurde. Davor das Blumengesteck meines Sohnes und seiner Familie, farblich harmonierend mit dem Hauptblumenschmuck.

Zu Beginn der Trauerfeier wurde auf der Orgel „Memory“ aus dem Musical Cats gespielt. Der Pastor sprach zunächst ein paar christliche Worte. Immer wieder wies er darauf hin, dass wir nicht wissen, dass es so ist, wie es in Bibel steht, dass es ein Leben „danach“ gibt. Niemals behauptete er, dass es so ist.

Nach auf der Orgel gespieltem Lied „Lobe den Herren“ erzählte der Pastor aus der Lebensgeschichte meiner Mutter, soweit sie mir bekannt war. Seine Worte veranlassten uns nie zu Tränen, aber ab und zu zu einem Lächeln. Er hatte das, was ich ihm in einem Vorgespräch erzählte, perfekt zu einer Lebensgeschichte zusammengefasst, mit den Höhen und Tiefen eines 96-jährigen Lebens. Niemand ist perfekt, was in der Rede auch erwähnt wurde. Das gehört zu einem langen Leben auch dazu.

Nach dem Kirchenlied „Bewahre und Gott, behüte uns Gott“ erfolgten noch ein paar bilblische Worte und ein Gebet. Dann wurde die Urne unter den Klängen zu „Morgenstimmung“ aus der Suite Per Gynt von Edvard Grieg aus der Friedhofskapelle hinausgetragen. Am Familiengrab nahmen wir dann endgültig Abschied.

Am Grab hatte ich für eine kleine Überraschung gesorgt. Nachdem wir alle 3 Mal eine handvoll Erde auf die Urne geworfen hatten, gab es für die Anwesenden einen Schnaps am offenen Grab. Es versteht sich von selbst, dass ich den ersten Schnaps auf die Urne goss. Dann stießen wir auf das Wohl meiner Mutter an. Auch der Pastor trank ein Gläschen mit. Er bestätigte, dass er sowas noch nicht erlebt hätte und fand, dass das eine sehr schöne Idee sei.


Ein großer Leichenschmaus konnte „unter den gegenwärtigen Umständen“ nicht stattfinden. Bernd und ich fuhren mit unserem Sohn nach Travemünde, die zweite Heimat meiner Eltern und mir in vielen Sommern, wo wir in Angesicht des Hafens und der „Passat“ ein leichtes Mittagessen einnahmen. Ein kleiner Spaziergang rundete den Tag ab.

Kann eine Trauerfeier schön sein? Ja, sie kann. Eine Trauerfeier muss nicht traurig sein. Ich hatte unsere kleine Familie gebeten, nicht in Trauerkleidung zu erscheinen. Es gab keine Schleifen an den Blumengestecken und am Urnenschmuck. Der Pastor hielt die Predigt auf meinen Wunsch so, dass er nicht auf die Tränendrüse drückte. Die Trauerfeier war in Teilen ergreifend, wohl auch wegen der Musikstücke, die ich ausgesucht hatte, aber nie traurig.

Es war eine schöne Trauerfeier. Es war „eine schöne Leich“, auch wenn es nur noch die Asche einer einst stolzen Frau war, die bis zum Tod auf ihr Äußeres geachtet hat.

Der Accu war wohl leer


Heute wurde meine Mutter 96 Jahre alt. Das Ende des Tages hat sie leider nicht erlebt. Nachdem ich heute Nachmittag noch bei ihr gewesen bin, sie schlafend angetroffen habe, ist sie am Nachmittag sanft eingeschlafen.

96 Jahre, ein nahezu biblisches Alter. Nach 12 Jahren ist sie ihrem lieben Mann und meinem Vater gefolgt. Gute Reise!

Und plötzlich bist du das Familienoberhaupt.

Fast wie im Knast


Seit gestern sind Besuche im Seniorenheim, in dem meine Mutter lebt, erlaubt – unter Auflagen natürlich.

Vor ein paar Jahren wurde das Heim neu gebaut, ein Teil der alten Anlagen exisiert noch, wird aber nicht mehr bewohnt. Hier finden jetzt die Besuche statt. Die Auflagen sind u.a.:
Max. 10 Besucher am Tag für das ganze Haus
Max. Besuchszeit 30 Minuten
Besuch nur auf Anmeldung zu einer bestimmen Uhrzeit
Besuch nur 1 x in der Woche
Sicherheitsabstand
Heimbewohner und Besucher getrennt durch eine Plexiglasscheibe
Nur 1 Kontaktperson darf den Heimbewohner besuchen

Am Freitag bekam ich den Anruf, dass es diese Möglichkeit jetzt gibt, ziemlich kurzfristig für dieses Wochenende. Spontang ließ ich mir einen Termin für nächste Woche Freitag geben, Mutters 96. Geburtstag.

Ich rief meine Mutter an und erzählte ich ihr die frohe Botschaft. Sie wirkte am Telefon ziemlich deprimiert. Dazu ist zu sagen, dass die Heimbewohner seit Wochen auf ihren Zimmern isoliert sind. Die Mahlzeiten werden auf das Zimmer gebracht. Kontakt besteht nur zum Pflegepersonal, zu anderen Heimbewohnern besteht kein Kontakt. Es ist wie Einzelhaft. Aber wie wir alle wissen, ist das zum gesundheitlichen Wohl der Bewohner.

Nachdem ich mit Mutter telefoniert hatte, ließ ich mir dann doch noch einen Termin für heute Vormittag geben.

Ich fuhr also ca. 90 Minuten nach Lübeck um mich 30 Minuten mit meiner Mutter zu unterhalten, bzw. ich versuchte, mich mit ihr zu unterhalten. Sie ist stark schwerhörig.

Ich fand mich also am alten Gebäude ein und trug die geforderten Angaben in ein Formular ein. Die Pflegekraft fragte, wen sie denn jetzt bringen dürfte. Nach ein paar Minuten wurde meine Mutter im Rollstuhl herangeschoben, in das alte Gebäude gebracht und dann in das Zimmer an den Tisch geschoben. Meinen Gesichts-BH hatte ich umgeschnallt, befürchte aber schon, dass Mutter mich kaum verstehen würde. Die Pflegerin sagte dann, dass sie nun verschwinden würde und blinzelte mir zu. Alles klar. Ich zog den Mundschutz also runter.

Die Unterhaltung mit Mutter war dann doch etwas zäh. Mehrmals fragte sie Dinge nach, die sie nicht verstand. Der Tisch und dann die Scheibe – es ist halt schwierig wenn man nicht richtig hören kann.

Zwischendurch erschien der Leiter des Hauses. Ich unterhielt mich ein wenig mit ihm. Dass ich den Gesichtsschutz nicht richtig trug, war ihm egal. Er hofft, dass er das Haus zum nächsten Wochenende wieder öffnen darf. Wenn die Reproduktionszahl weiterhin steigt, bezweifel ich, dass das der Fall sein wird. Schlimmstenfalls wird sogar diese kleine Möglichkeit, seine Angehörigen im Seniorenheim zu besuchen, wieder eingestellt.

Meine Mutter meinte selbst, das Prozedere sei ja wie im Strafvollzug, auch eben deshalb, weil sie ihr Zimmer nicht verlassen darf, ich erwähnte oben ja schon „Einzelhaft“.

Nach gut 30 Minuten kam eine Pflegekraft und verkündete, dass die Besuchszeit nun leider beendet sei und schob Mutter zurück ins Haupthaus und brachte sie auf ihr Zimmer. Ich fuhr 90 Minuten wieder nach Hause in die kleine Stadt an der Elbe.

Ich habe nicht bereut, meiner Mutter diesen kleinen Gefallen getan zu haben, nicht weil heute Muttertag ist. Dieser Tag existiert einfach nicht. Ich hätte jeden anderen Tag die Chance genutzt, meine Mutter nach Wochen mal wieder zu sehen. Wie es nun weitergeht, werden die nächsten Tage bringen.

Die Heimleitung hat ein Konzept entwickelt, welches unter den gegebenen Voraussetzungen möglich ist und genehmigt wurde. Es ist wirklich nicht optimal für Heimbewohner und Besucher, aber es ist eine Möglichkeit für beide Seiten, ein paar Worte von Angesicht zu Angesicht zu wechseln.

Geisterstunde

Es war in der Nacht als ich erwachte, lag so einen Augenblick vor mich hin und merkte, dass sich meine Blase meldete. Ich schlug die Augen auf, ja, es war noch dunkel. Auf den Wecker schaue ich grundsätzlich nicht, wenn ich mal wach werde. Durch die dünnen Fenstervorhänge, die eher als Sicht- denn als Lichtschutz gedacht sind (ich hasse es, in kompletter Dunkelheit zu schlafen), fiel ein wenig Licht in das Schlafzimmer, Mond- und Straßenlaternenlicht.

Schlaftrunken stand ich auf und ging zur Toilette, öffnete die Tür, und …… ein erschrockener Schrei hallte mir entgegen worauf ich ebenso einen Schreckschrei ausstieß.

Was war passiert?: Als ich wach wurde und aufstand hatte ich nicht bemerkt, dass mein Schatz nicht im Bett lag, was total ungewönlich ist. Als ich die Toilettentür öffnete, saß mein Mann auf der Toilette und erleichterte seine Blase. Er hatte zwar gehört, dass ich aufgestanden war, hörte ein Geräusch und wunderte sich, was ich mitten in der Nacht im Schrank in der Diele suchen würde. Da er ebenfalls im Halbschlaf war und mit geschlossenen Augen dort hockte, hatte er nicht bemerkt, dass ich die Tür geöffnet hatte und dachte, ich würde am Schrank hantieren. Dann öffnete er seine Augen und sah mich in der Tür stehen woraufhin er sich so erschrocken hat, dass er diesen merkerschütternden Schrei ausstieß, so dass ich mich ebenfalls erschreckte und schrie.

So eine Szenerie, wenn zwei Personen sich gegenseitig erschrecken, kennt man sonst nur aus Filmen oder Theaterstücken. Dass sowas auch mal im täglichen Miteinander passieren könnte, hakt man dann als Phantasie ab. Tja, ist nun mal passiert.

Nachdem wir uns aneinandergekuschelt hatten, schliefen wir beide gleich wieder ein und amüsierten uns am Morgen danach über die kleine Geisterstunde.

Halleluja!


Micheal row the boat ashore – ein Spiritual, welches von den Sklaven auf St. Helena während Amerikanischen Bürgerkrieges gesungen wurde. Als uns kürzlich damit auseinandersetzten, uns ein Rudergerät zu kaufen, fiel mir dieses Spirtitual ein, welches wir seinerzeit im Englischunterricht gesungen haben. Tja nun, ich habe wohl eher weniger gesungen, wohl eher irgendwas in meinen damals noch nicht vorhandenen Bart gebrummt. Am Ende jeder Textzeile ertönt das „Halleluja“.

Es gibt, wie ich jetzt feststelle, mehrere Textversionen. Der Anfang ist jeweils gleich. Von einer Version finde ich dann die folgenden zwei Zeilen für uns besonders passend: Sister help to trim the sail, hallelujah. Na ja, wir zwei Schwestern wollen hier ja nicht segeln in der Bude, wir wollen was für unsere Muskeln tun, nämlich rudern.

Wir haben uns für dieses Gerät entschieden. Es wird nicht mit Gewichten gearbeitet sondern mit Wasser, was eben ein akustischen Ruderfeeling verusacht. Durch den Zug am Rudergerät wird eine Art Mühle im Wassertank in Drehung versetzt, der Wasserwiderstand sorgt dafür, dass eine gewisse Kraft aufgewendet werden muss. Je mehr Wasser in den Tank eingefüllt wird, umso grösser der Widerstand, umso größer der notwendige Kraftaufwand. Wir haben mit Level 3 begonnen, der Tank ist weniger als halb voll.

In den Zeiten, in denen nicht gerudert wird, wird das Gerät hochgestellt und nimmt dann nur noch wenig Platz ein.

Wir haben gestern schon mal jeder 10 Minuten gerudert und waren danach ziemlich durchgeschwitzt. Es gibt mehrere Programme, die man auf dem kleinen Computer einstellen kann. Damit werden wir uns heute beschäftigen.

Ich habe ja während meiner Reha nach der Bandscheiben-OP an diversen Kraftgeräten gearbeitet. Das Rudergerät war eins meiner Lieblingsgeräte. Ich hoffe, dass wir ausgiebig trainieren werden. Mein Reha-Fitness ist ja wegen Corona noch geschlossen. Unser Freibad wird am 1. Mai wohl auch noch nicht öffnen. Jetzt können wir zu Hause richtig loslegen.

Rosmarin statt Blumen


In diesen Zeiten Geburtstag zu haben, ist schon was besonderes. So wurde mir heute ein Topf Rosmarin überreicht statt eines Strauß Tulpen. Die Blumengeschäfte sind ja auch geschlossen. Tulpen vom Samstagsmarkt wären heute am Montag schon sehr aufgegangen. So ein Kräutertopf hält sich ja tapfer.

Eigentlich wären wir ja heute auf der Seereise von Singapore nach Dubai gewesen. Bereits 2018 hatten wir die Reise gebucht, ich wollte ja auch mal auf einer Kreuzfahrt meinen Geburtstag feiern. Heute wären wir irgendwo zwischen Mumbai und Muscat gewesen, hätten gut gegessen, Champagner getrunken und vom Kavier genascht, sowie den einen oder anderen Cocktail geschlürft. Nun, wir wissen alle, dass es anders gekommen ist.

Aber den Champagner haben wir uns nicht nehmen lassen. Ich wusste, dass im Keller noch eine Flasche davon liegt. Bisher hatte ich noch nicht die richtige Gelegenheit gefunden, diese zu öffnen. Bereits als die Reise abgesagt wurde, war mir klar: Das ist die Gelegenheit. Und so machten wir es.

Die Flasche wurde gestern bereits in den Kühlschrank gelegt und heute Morgen stießen wir damit an. Man muss die Gelegenheit beim Schopfe packen. Man wird schließlich nur einmal 70!