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Das geht nicht mehr

Heute vor 5 Monaten verstarb meine Mutter im gesgegneten Alter von 96 Jahren. An ihrem Geburtstag einfach eingeschlafen, so, wie sie es sich gewünscht hatte, so, wie wir ihr das gewünscht haben, so, wie wir uns das alle wünschen. Ein glücklicher Tod.

4 Jahre wohnte Mutter in einem Seniorenwohnheim in Lübeck. Sie hat sich dort sehr wohlgefühlt. Bis zuletzt hat sie am Leben teilgenommen, sich für ihre Mitmenschen interessiert, für das Wetter, für das, was in Lübeck und der Welt passierte.

Jede Woche bin ich nach Lübeck gefahren und habe Mutter im Heim besucht, ca. 90 Minuten hin, ca. 90 Minuten zurück und ca. 90 Minuten bin ich bei ihr geblieben. Manchmal waren das sehr zähe Besuche. Was soll man sich erzählen? Sie erlebte nichts im Heim, ich hatte auch wenig Neuigkeiten. Wir sprachen über das Wetter, über das Essen im Heim, was natürlich nicht so perfekt war. Meist war das Fleisch zu hart. Sie erzählte mir von ihren Mitbewohnern, z.B. dass der mit dem einen Bein immer mit den Fingern in der Aufschnittplatte grabbelte. Langsam kannte ich alle Geschichten. Aber ich habe das alles hingenommen und sie nicht darauf hingewiesen, dass sie das schon mal erzählt hatte.

Und was hatte ich zu berichten? Wenig. Und doch gab es ab und zu kleine Begebenheiten aus unserem Leben, aus unserer Nachbarschaft. Oft sagte ich zu mir: Das kannst du Mutter erzählen.

Und so ist das heute immer noch: Das kannst du erzählen! Und im gleichen Moment fällt mir ein, dass das nicht mehr geht. Mutter gibt es nicht mehr.

Ungewohnt

Seit Anfang Februar war der Liebste zu Hause. Die Hintergründe zu erklären würden den Rahmen hier sprengen. Nur so viel sei gesagt: Hätte man damals schon was von Corona bzw. über die Folgen geahnt, hätte er der Vereinbarung nicht zugestimmt. Egal, wir hatten eine tolle gemeinsame Zeit, ohne Probleme, ohne Zank und Streit, sehr harmonisch – wie es seit 23 Jahren der Fall ist.

Seit heute hat der Liebste einen neuen Job, zwar befristet bis Ende des Jahres, aber immerhin. Das bedeutet für ihn frühes Aufstehen, keine Pause zu Hause auf ein Käffchen, dafür aber schon am Nachmittag wieder bei mir. Hoffen wir, dass ihm die neue Arbeit gefällt.

Nachdem Schatz das Haus verlassen hatte, bin ich für ca. 2 Stunden wieder eingeschlafen. Als ich wach wurde, spürte ich Elphi auf dem Bett tapsen und gucken ob ich nun endlich wach bin. Glinda lag, mich beobachtend, auf dem Nachttisch von Bernd. Ich knuddelte sie an einer Hinterpfote worauf sie meine Hand mit einer Vorderpfote leicht anstupste. Diese Geste hatte irgendwie etwas tröstendes, so als wollte sie mir sagen: Du bist nicht allein. Den ganzen Vormittag waren die beiden Samtpfoten viel zutraulicher als sonst. Vielleicht merkten sie, dass da jemand fehlte.

Ja, sie hatten auch ihre wilden Minuten während der Elphi es schaffte, das Insektenrollo an der Terrassentür zu öffnen. Schwupps, waren beide Katzen auf die Terrasse entwischt. Jetzt aufgeregt rauszugehen um sie wieder einzufangen, bringt nichts. Sie sind lernfähig und verstecken sie dann hinter den Blumenkübeln. Verschrecken will ich sie ja auch nicht. Einen Sturz von der 3. Etage oder einen Sprung in die nahen Bäume wollen wir ja vermeiden. Mit Geduld und Katzenspielzeug gelang es mir, die 2 wieder in die Wohnung zu locken. Wie ich schon sagte, sie sind lernfähig. Ich bin gespannt, wie lange mir das auf diesem Weg noch gelingt.

So allein in der Wohnung, von den Katzen mal abgesehen, ist es doch recht ungewohnt für mich. Erstmal hab ich ein wenig Ordnung geschafft. Für die nächsten Tage habe ich mir diesbezüglich noch einiges vorgenommen. In den letzten Tagen haben wir nicht viel gemacht.

Seit Wochen haben wir kein Radio mehr angehabt. So ruhig konnte ich das nicht aushalten. Unser Haus- und Hofsender beschallt jetzt wieder die Wohnung.

Ein paar Termine muss ich noch arrangieren. Schatz wird wohl heute seinen Dienstplan mitbringen. Danach werde ich die Termine abmachen. Denn wenn er zu Hause ist will ich nicht unbedingt weg sein, auch wenn es nur kurze Zeit sein wird.

Nach 8 Monaten 24 Stunden täglich zusammen zu sein, gemeinsam Einkäufe machen, wichtige Dinge erledigt bezüglich unserer Mütter – und nun wieder stundenlang allein in der Wohnung zu sein, das ist eine Umstellung. Und ich freu mich auf nachher, wenn Schatz nach Hause kommt und mir hoffentlich positive Dinge von seinem neuen Arbeitsplatz erzählt.

Bruch

Gestern waren wir in der großen Stadt an der Elbe. Den Termin beim Zahnarzt zur Vorsorge haben wir auch genutzt, um endlich den Familienschmuck zu verkaufen. Da waren noch schwere Goldarmbänder und -ketten von meiner Großmutter, die meine Mutter immer noch aufbewahrt aber nie getragen hat. Zu meiner Oma passte das auch, zu meiner Mutter nicht.

Es waren auch noch ein paar kleine Teile dabei und etwas Silberschmuck meiner Schwiegermutter und versilbertes Besteck. Jetzt haben wir alles versilbert. Das Ergebnis ist höchst erfreulich. Wir werden davon unsere Wohnung renovieren lassen und ein paar Möbel austauschen bzw. ergänzen.

Bereits zum dritten Mal sind wir bei der Edelmetall-Scheideanstalt Schiefer & Co. gewesen. Die angebotenen Teile werden äußerst genau geprüft, sortiert und gewogen. Am Ende bekommt man eine „Ankaufsrechnung“ auf der genau aufgelistet ist, was und welche Mengen (grammgenau) angekauft wurde, zu welchem Preis/Gramm und natürlich der Endpreis. Man hat dann die Wahl, sich den Ankaufspreis in bar auszahlen oder überweisen zu lassen. Da wir keine Filialbank mehr haben, haben wir uns das Geld überweisen lassen, ist übrigens heute schon auf dem Konto.

Etwas befremdlich ist der Ausdruck „Bruchgold“ bzw. „Silberbruch“, waren die Teile doch total unversehrt und in einwandfreiem Zustand. Ich habe Oma vor Augen wie sie das breite Gliederarmband trägt. Bruch war das sicher nicht. Aber man muss sich davon freimachen. Im dunklen Kasten nützt uns das auch nichts.

Fa. Schiefer & Co. schmilzt die edlen Teile jetzt ein und verkauft Gold und Silber dann z.B. an Juweliere, die daraus wieder neuen edlen Schmuck herstellen.

Einfach nur gucken

Ich brauche keine Action. Ich muss nicht jeden Tag Leute treffen oder irgendwo hinfahren. Ich kann stundenlang auf der Terrasse sitzen – so das Wetter es den zulässt – und lesen, den Vögeln lauschen oder in den Himmel gucken.

Ich brauche keine Onlinespiele, keine langen Telefonate, keine täglichen Joggingrunden. Einfach nur sitzen und gucken, das reicht mir völlig und ist auch nicht langweilig. Vielleicht liebe ich es deshalb, auf dem Meer mit Kreuzfahrtschiffen unterwegs zu sein, den E-Reader in der einen, ein Glas Champagner in der anderen Hand.

Letztens, im Urlaub auf Santorini, gab es keinen Champagner und den E-Reader habe ich nur kurz vor dem Schlafengehen benutzt um das noch zu Hause angefangene Buch zu beenden. Sonst habe ich dort den lieben langen Tag auf der Terrasse gesessen und auf das Meer geschaut, wo überhaupt nichts los war. Und das war so beruhigend und entspannend.

Wir sind nun nicht am Meer und schon gar nicht auf dem Meer. Aber wir haben Elphi und Glinda, unsere beiden Katzenkinder. Stundenlang kann ich denen zugucken, wie sie miteinander ringen, wie sie durch die Wohnung wetzen, wie sie sich mit dem Katzenspielzeug beschäftigen – oder einfach nur schlafen. Auch das ist beruhigend und entspannend anzusehen.

Für viele Menschen mag es ja langweilig sein, was ich mache, bzw. eher nicht mache. Aber ich kann damit gut leben, sehr gut leben – mit Meer und mit Katzen.

Wir reisen


Die Gerüchteküche brodelte ja schon etwas länger: Kreuzfahrten würden demnächst zu Kurzreisen für 3 – 4 Nächte starten. Auch wenn wir sozusagen vor der Haustür der Kreuzfahrtterminals von Hamburg wohnen, konnten wir uns nicht damit anfreunden, für so eine Kurzreise die Koffer zu packen.

Seit ein paar Tage ist es offiziell: Unsere Stammreederei TUICruises startet am 24. Juli mit Kurzreisen von Hamburg nach Südnorwegen. Zielhäfen sind jweils Kristiansand und Oslo. Hm???? Also???? Nee, für 3 bzw. 4 Nächte lohnt sich das nicht. Aber wenn man 2 Reisen nacheinander macht???? Leider ist es nicht erlaubt, 2 aufeinanderfolgende Reisen zu machen, es wäre so schön gewesen. Aber wir wollen mal für eine Woche raus.

Santorin steht schon lange auf unserer Bucket List, man kann die Insel ja auch mit dem Schiff ansteuern. Dann hat man aber nur ein paar Stunden zeit, sich mit vielen anderen Menschen durch die engen Gassen zu schieben. Da wäre es doch viel schöner, dort mal eine Woche Urlaub zu machen. Und das machen wir jetzt wahr.

Tagelang haben wir uns auf den einschlägigen Seiten die vielen Unterkünfte angeschaut, Bewertungen gelesen, Lagepläne studiert und Preise verglichen. Irgendwann kamen wir immer wieder auf 2 von uns ausgewählte Unterkünfte zurück, wobei eine davon absolute Präferenz hatte. Heute Morgen waren wir im Reisebüro unseres Vertrauens weil wir das sehr gern unterstützen würden. Leider kann die Unterkunft dort nicht gebucht werden. Also haben wir das dann selbst in die Hand genommen.

Am 23. Juli fliegen wir also für 7 Tage nach Santorin. Gebucht haben wir eine nagelneue Unterkunft, wobei „Unterkunft“ sich leicht untertrieben anhört. Wir haben eine Sea View Suite with Loft & Private Pool gebucht. Wenn der Pool dann ein größeres Tauchbecken sein sollte, wäre das auch ok. Man muss ja immer ein wenig vorsichtig sein bei den Beschreibungen. Wir werden sehen.

Schön war’s!

Kann eine Trauerfeier schön sein? Ja!

Montag fand die Trauerfeier für meine kürzlich verstorbene 96 Jahre alte Mutter statt. Es war genau so, wie ich mir das gewünscht hatte: Niemand erschien in Trauerkleidung, es gab keine Schleifen am Blumenschmuck. Die Urne stand vor dem Altar, umrandet von Rosen, die sich nach unten hin in einem großen Gesteck verloren. Links daneben stand eine Staffelei mit einem Farbfoto (ohne Trauerflor) meiner Mutter, welches vor 2 Jahren aufgenommen wurde. Davor das Blumengesteck meines Sohnes und seiner Familie, farblich harmonierend mit dem Hauptblumenschmuck.

Zu Beginn der Trauerfeier wurde auf der Orgel „Memory“ aus dem Musical Cats gespielt. Der Pastor sprach zunächst ein paar christliche Worte. Immer wieder wies er darauf hin, dass wir nicht wissen, dass es so ist, wie es in Bibel steht, dass es ein Leben „danach“ gibt. Niemals behauptete er, dass es so ist.

Nach auf der Orgel gespieltem Lied „Lobe den Herren“ erzählte der Pastor aus der Lebensgeschichte meiner Mutter, soweit sie mir bekannt war. Seine Worte veranlassten uns nie zu Tränen, aber ab und zu zu einem Lächeln. Er hatte das, was ich ihm in einem Vorgespräch erzählte, perfekt zu einer Lebensgeschichte zusammengefasst, mit den Höhen und Tiefen eines 96-jährigen Lebens. Niemand ist perfekt, was in der Rede auch erwähnt wurde. Das gehört zu einem langen Leben auch dazu.

Nach dem Kirchenlied „Bewahre und Gott, behüte uns Gott“ erfolgten noch ein paar bilblische Worte und ein Gebet. Dann wurde die Urne unter den Klängen zu „Morgenstimmung“ aus der Suite Per Gynt von Edvard Grieg aus der Friedhofskapelle hinausgetragen. Am Familiengrab nahmen wir dann endgültig Abschied.

Am Grab hatte ich für eine kleine Überraschung gesorgt. Nachdem wir alle 3 Mal eine handvoll Erde auf die Urne geworfen hatten, gab es für die Anwesenden einen Schnaps am offenen Grab. Es versteht sich von selbst, dass ich den ersten Schnaps auf die Urne goss. Dann stießen wir auf das Wohl meiner Mutter an. Auch der Pastor trank ein Gläschen mit. Er bestätigte, dass er sowas noch nicht erlebt hätte und fand, dass das eine sehr schöne Idee sei.


Ein großer Leichenschmaus konnte „unter den gegenwärtigen Umständen“ nicht stattfinden. Bernd und ich fuhren mit unserem Sohn nach Travemünde, die zweite Heimat meiner Eltern und mir in vielen Sommern, wo wir in Angesicht des Hafens und der „Passat“ ein leichtes Mittagessen einnahmen. Ein kleiner Spaziergang rundete den Tag ab.

Kann eine Trauerfeier schön sein? Ja, sie kann. Eine Trauerfeier muss nicht traurig sein. Ich hatte unsere kleine Familie gebeten, nicht in Trauerkleidung zu erscheinen. Es gab keine Schleifen an den Blumengestecken und am Urnenschmuck. Der Pastor hielt die Predigt auf meinen Wunsch so, dass er nicht auf die Tränendrüse drückte. Die Trauerfeier war in Teilen ergreifend, wohl auch wegen der Musikstücke, die ich ausgesucht hatte, aber nie traurig.

Es war eine schöne Trauerfeier. Es war „eine schöne Leich“, auch wenn es nur noch die Asche einer einst stolzen Frau war, die bis zum Tod auf ihr Äußeres geachtet hat.

Der Accu war wohl leer


Heute wurde meine Mutter 96 Jahre alt. Das Ende des Tages hat sie leider nicht erlebt. Nachdem ich heute Nachmittag noch bei ihr gewesen bin, sie schlafend angetroffen habe, ist sie am Nachmittag sanft eingeschlafen.

96 Jahre, ein nahezu biblisches Alter. Nach 12 Jahren ist sie ihrem lieben Mann und meinem Vater gefolgt. Gute Reise!

Und plötzlich bist du das Familienoberhaupt.

Fast wie im Knast


Seit gestern sind Besuche im Seniorenheim, in dem meine Mutter lebt, erlaubt – unter Auflagen natürlich.

Vor ein paar Jahren wurde das Heim neu gebaut, ein Teil der alten Anlagen exisiert noch, wird aber nicht mehr bewohnt. Hier finden jetzt die Besuche statt. Die Auflagen sind u.a.:
Max. 10 Besucher am Tag für das ganze Haus
Max. Besuchszeit 30 Minuten
Besuch nur auf Anmeldung zu einer bestimmen Uhrzeit
Besuch nur 1 x in der Woche
Sicherheitsabstand
Heimbewohner und Besucher getrennt durch eine Plexiglasscheibe
Nur 1 Kontaktperson darf den Heimbewohner besuchen

Am Freitag bekam ich den Anruf, dass es diese Möglichkeit jetzt gibt, ziemlich kurzfristig für dieses Wochenende. Spontang ließ ich mir einen Termin für nächste Woche Freitag geben, Mutters 96. Geburtstag.

Ich rief meine Mutter an und erzählte ich ihr die frohe Botschaft. Sie wirkte am Telefon ziemlich deprimiert. Dazu ist zu sagen, dass die Heimbewohner seit Wochen auf ihren Zimmern isoliert sind. Die Mahlzeiten werden auf das Zimmer gebracht. Kontakt besteht nur zum Pflegepersonal, zu anderen Heimbewohnern besteht kein Kontakt. Es ist wie Einzelhaft. Aber wie wir alle wissen, ist das zum gesundheitlichen Wohl der Bewohner.

Nachdem ich mit Mutter telefoniert hatte, ließ ich mir dann doch noch einen Termin für heute Vormittag geben.

Ich fuhr also ca. 90 Minuten nach Lübeck um mich 30 Minuten mit meiner Mutter zu unterhalten, bzw. ich versuchte, mich mit ihr zu unterhalten. Sie ist stark schwerhörig.

Ich fand mich also am alten Gebäude ein und trug die geforderten Angaben in ein Formular ein. Die Pflegekraft fragte, wen sie denn jetzt bringen dürfte. Nach ein paar Minuten wurde meine Mutter im Rollstuhl herangeschoben, in das alte Gebäude gebracht und dann in das Zimmer an den Tisch geschoben. Meinen Gesichts-BH hatte ich umgeschnallt, befürchte aber schon, dass Mutter mich kaum verstehen würde. Die Pflegerin sagte dann, dass sie nun verschwinden würde und blinzelte mir zu. Alles klar. Ich zog den Mundschutz also runter.

Die Unterhaltung mit Mutter war dann doch etwas zäh. Mehrmals fragte sie Dinge nach, die sie nicht verstand. Der Tisch und dann die Scheibe – es ist halt schwierig wenn man nicht richtig hören kann.

Zwischendurch erschien der Leiter des Hauses. Ich unterhielt mich ein wenig mit ihm. Dass ich den Gesichtsschutz nicht richtig trug, war ihm egal. Er hofft, dass er das Haus zum nächsten Wochenende wieder öffnen darf. Wenn die Reproduktionszahl weiterhin steigt, bezweifel ich, dass das der Fall sein wird. Schlimmstenfalls wird sogar diese kleine Möglichkeit, seine Angehörigen im Seniorenheim zu besuchen, wieder eingestellt.

Meine Mutter meinte selbst, das Prozedere sei ja wie im Strafvollzug, auch eben deshalb, weil sie ihr Zimmer nicht verlassen darf, ich erwähnte oben ja schon „Einzelhaft“.

Nach gut 30 Minuten kam eine Pflegekraft und verkündete, dass die Besuchszeit nun leider beendet sei und schob Mutter zurück ins Haupthaus und brachte sie auf ihr Zimmer. Ich fuhr 90 Minuten wieder nach Hause in die kleine Stadt an der Elbe.

Ich habe nicht bereut, meiner Mutter diesen kleinen Gefallen getan zu haben, nicht weil heute Muttertag ist. Dieser Tag existiert einfach nicht. Ich hätte jeden anderen Tag die Chance genutzt, meine Mutter nach Wochen mal wieder zu sehen. Wie es nun weitergeht, werden die nächsten Tage bringen.

Die Heimleitung hat ein Konzept entwickelt, welches unter den gegebenen Voraussetzungen möglich ist und genehmigt wurde. Es ist wirklich nicht optimal für Heimbewohner und Besucher, aber es ist eine Möglichkeit für beide Seiten, ein paar Worte von Angesicht zu Angesicht zu wechseln.

Geisterstunde

Es war in der Nacht als ich erwachte, lag so einen Augenblick vor mich hin und merkte, dass sich meine Blase meldete. Ich schlug die Augen auf, ja, es war noch dunkel. Auf den Wecker schaue ich grundsätzlich nicht, wenn ich mal wach werde. Durch die dünnen Fenstervorhänge, die eher als Sicht- denn als Lichtschutz gedacht sind (ich hasse es, in kompletter Dunkelheit zu schlafen), fiel ein wenig Licht in das Schlafzimmer, Mond- und Straßenlaternenlicht.

Schlaftrunken stand ich auf und ging zur Toilette, öffnete die Tür, und …… ein erschrockener Schrei hallte mir entgegen worauf ich ebenso einen Schreckschrei ausstieß.

Was war passiert?: Als ich wach wurde und aufstand hatte ich nicht bemerkt, dass mein Schatz nicht im Bett lag, was total ungewönlich ist. Als ich die Toilettentür öffnete, saß mein Mann auf der Toilette und erleichterte seine Blase. Er hatte zwar gehört, dass ich aufgestanden war, hörte ein Geräusch und wunderte sich, was ich mitten in der Nacht im Schrank in der Diele suchen würde. Da er ebenfalls im Halbschlaf war und mit geschlossenen Augen dort hockte, hatte er nicht bemerkt, dass ich die Tür geöffnet hatte und dachte, ich würde am Schrank hantieren. Dann öffnete er seine Augen und sah mich in der Tür stehen woraufhin er sich so erschrocken hat, dass er diesen merkerschütternden Schrei ausstieß, so dass ich mich ebenfalls erschreckte und schrie.

So eine Szenerie, wenn zwei Personen sich gegenseitig erschrecken, kennt man sonst nur aus Filmen oder Theaterstücken. Dass sowas auch mal im täglichen Miteinander passieren könnte, hakt man dann als Phantasie ab. Tja, ist nun mal passiert.

Nachdem wir uns aneinandergekuschelt hatten, schliefen wir beide gleich wieder ein und amüsierten uns am Morgen danach über die kleine Geisterstunde.