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80 Jahre


4 Monate nach meinem Vater hatte heute meine Mutter ihren 80. Geburtstag. Wir trafen uns um 11.00 Uhr am Anleger der Quandt-Wakenitz-Schifffahrt in Lübeck. Auf der „Melanie Quandt“ ging es ca. 1 Stunde auf dem kleinen, idyllischen Flüsschen Wakenitz zum Ausflugslokal Absalonshorst. An Bord gab es Sekt uns Schnittchen. Mit der Geburtstagsgesellschaft von ca. 30 Gästen waren noch andere Fahrgäste an Bord, die Fahrt Richtung Ratzeburger See war ausgebucht. Leider war das Wetter gar nicht geburtstagsmässig. Die Scheiben waren schnell beschlagen, sodass wir von der wunderbaren, unter Naturschutz stehenden Landschaft kaum was sehen konnten.


Der Schiffsanleger befindet sich direkt am Kaffeegarten, nach wenigen Schritten durch den Regen erreichten wir die Fischerkate, ein separates Gebäude, dass wir nur für uns hatten. Zum „Aufwärmen“ gab es erst mal ein Glas Sekt. In kleinen Gruppen standen wir zusammen, unterhielten uns und freuten uns auf diesen Tag.

Mutter hatte keine Geburtstagswünsche. Sie ist in der glücklichen Lage, sich das leisten zu können, was sie haben möchte. Die Frage war deshalb: Was schenken wir. Karin hatte mal wieder die rettende Idee. Sie kennt Jemanden, der 3 ältere Herren kennt, die Kaffeehausmusik machen, das Reblaus-Trio. Das Trio kann man auch als Duo buchen. Die Familie und ein paar Freunde legten zusammen und Karin buchte das Reblaus-Duo für 2 Stunden am Nachmittag von 15.00 Uhr bis 17.00 Uhr. Wir warteten noch auf den Nachtisch als mir angekündigt wurde, dass die Musik eingetroffen sei. Schnell eine Lagebesprechung wie wir weiter vorgehen wollten. Dieses Geschenk sollte nämlich im Rahmen eines von mir verfassten und von Nina und mir vorgetragenen Gedichts überreicht werden. OK, schnelle Entscheidung, das Geschenk wird vor dem Nachtisch überreicht und die Herren können dann bereits zum Nachtisch aufspielen. Und es war ein voller Erfolg! Leichte Musik mit bekannten Melodien wurden gespielt, ein paar Titel regten die mittlerweile leicht gelockerte Geburtstagsgesellschaft zum schunkeln ein, am Ende wurde sogar getanzt. Ich hatte den Eindruck, dem Duo gefiel es auch. Mittlerweile spielten sie schon weit länger als die 2 Stunden, für die sie gebucht waren. Vermutlich spielten sie auch die Getränke ab, die sie kostenfrei erhielten.


Um 18.00 Uhr brachte uns das Schiff zurück nach Lübeck. Der Regen hatte aufgehört aber kaum einer schaute aus dem Fenster. Alle unterhielten sich vergnügt und angeregt.

Ich hatte den Eindruck, dass es für alle Gäste und besonders für meine Mutter ein schöner, unvergesslicher Tag war.

Frechheit

Heute morgen: Noch müde bin ich auf dem Weg zur Arbeit, hänge meinen Gedanken nach und schaue mir die alten Vorgärten an, in denen es grünt und blüht. Plötzlich hinter mir ein „Hallo!“ Blitzschnell überlege ich, ob mich eventuell jemand kennt oder ob mich jemand was fragen will. Ich drehe mich um und erblicke einen Herrn auf einem Fahrrad. „Sie gehen immer von links nach rechts.“ – Aha, er kam nicht vorbei. Ich erwiderte: „Sie sollen ja auch nicht mit dem Rad auf dem Gehweg fahren.“ Er murmelte was unverständliches und fuhr an mir vorbei.

Ich habe das Gefühl, dass mit meinen Armen was nicht stimmt. Da ist so ein merkwürdiges Zucken drin. Könnte durchaus passieren, dass ein zuckender Ellbogen mal einen Radfahrer trifft.

Flaschen zeigen Wirkung

Die Flaschen haben wohl auf uns beide ihre Wirkung nicht verfehlt. Aussergewöhnlich lange haben wir heute geschlafen, es war fast neun Uhr als wir aufwachten. Noch müde versuchte ich, Klarheit über meinen Zustand zu erlangen. Mit Freude stellte ich fest, dass ich keinen Brummschädel hatte. Das rechtzeitige Umsteigen auf Alsterwasser und die für den Betreiber unangenehme Tatsache, dass es kein Bier mehr gab, hatte sich zu einem grossen Vorteil für uns erwiesen.

Vorsätzlich schlaflos

Obwohl ich wusste, was auf mich zukommen würde, habe ich mich nicht zurückgehalten: Ich habe gestern Abend Kaffee getrunken, und gleich mehrere Tassen. Mir war sehr wohl klar, was passieren könnte, in der Hoffnung, dass es ungeschehen bleibt: Eine schlaflose Nacht. Aber es passte und es schmecke und es war gemütlich auf der kleinen Geburtstagsnachfeier bei Bernds Mutter.

Zu Hause angekommen haben wir noch im Internet gesurft, gechattet usw. So gegen Mitternacht wurden wir trotz des Kaffees müde, glaubten wir, und sind schlafen gegangen – dachten wir. Mit schlafen war aber nichts. Kuscheln half nicht, nicht kuscheln half auch nicht. Bauch-, Rücken-, Seitenlage, Löffelchenstellung und Embryohaltung, alles ausprobiert – alle Versuche blieben erfolglos. Dann das Eine, morgens früh um drei – danach haben wir geschlafen – bis um halb acht, unsere normale Aufwachzeit am Wochenende. Und jetzt, am Samstag Vormittag um 11.00 Uhr bin ich auch nicht richtig munter.

Einfach nichtstun

Ein ganz fauler, schöner Tag war das. Gesurft, gechattet, gekocht (lecker Curry), gegessen, getrunken, gespült. Und wieder gechattet und gesurft. Dann abends aufs Sofa, „Schokolade zum Frühstück“ geschaut, dazu ein Glas Rotwein getrunken. Danach gab’s noch die ABBA-Show im ZDF aus Stuttgart. Sie war interessant und spritzig mit vielen Hintergrundinformationen, Interviews und natürlich mit viel Musik. Die Musik von ABBA ist zeitlos und ich jedenfalls kann mich nicht darin überhören.

Dann wurde es Zeit, die Fotos von den leuchtenden Eiern zu machen. Die Cam wurde auf das Stativ montiert und das ganze dann auf den Balkontisch gestellt. Aufnahmemodus „manuell“ / „Blitz aus“ / „Empfindlichkeit automatisch“ – und 2 x abgedrückt. Hier das Ergebnis:



Bis zum nächsten Wochenende bleiben die Eier noch hängen. Dann wird es auch Zeit, sie abzunehmen, sonst wachsen sie ein und es wird schwierig, sie aus den frischen Trieben der Rosen herauszufriemeln.

Nachfeier

Meinen Geburtstag hatten wir ja in London gefeiert, aber eine kleine Nachfeier für die Familie musste schon sein. Ab 15.00 Uhr trudelten alle ein: Meine Eltern, Oliver und Melli, Bernds Mutter, meine Cousine Andrea und ihr Mann Manfred. Es gab erst mal Kaffee und selbstgebackenen erfrischenden Zitronenkuchen von meiner Mutter, dazu ein paar von mir gekaufte Cookies. Bei Prossecco schauten wir uns danach die Bilder aus London an und von DVDs Ausschnitte aus den Musicals, die wir in London besucht hatten.

Zu 18.00 Uhr hatte ich einen Tisch im Restaurant Bellini um die Ecke reserviert mit einem vorbestellten Menü für alle: Prossecco – Bruschetta – Champignoncremesuppe – Carpaccio – Grillteller mit Lamm-, Puten- und Rinderfilet – Zabaione. Hmmmmm, war das lecker. Wir hatten einen wirklich sehr schönen und gemütlichen Abend. Gibt es im nächsten Jahr eine Wiederholung? Wenn es mir entsprechend gut geht ganz bestimmt.

Haarpflege

Das Shampoo und das Duschgel stehen in einer Ecke auf dem Badewannenrand nebeneinander – immer. Zuerst wasch ich unter der Dusche meine Haare, natürlich mit dem Shampoo, danach den ganzen restlichen Körper, natürlich mit dem Duschgel – immer. Heute Morgen beim Duschen: Ich stellte plötzlich fest, dass ich angefangen hatte, mit dem Shampoo meine Achseln zu waschen statt der Haare auf dem Kopf. Ich hab noch nie mein Augenmerk auf den Zustand meiner Haare in den Achseln gelegt. Sind die nun normal, fettig oder hab ich da vielleicht Schuppen oder sogar Spliss? Auch lege ich an dieser Stelle keinen besonderen Wert auf glänzendes oder kräftiges Haar oder auf natürlichen Halt. War das jetzt ein Hinweis aus dem Unterbewusstsein, dass ich mir mehr Gedanken machen sollte über die Pflege meiner allgemeinen Körperbehaarung? Muss ich mir eine Pflegeserie kaufen, eine pflegende Packung machen? Hab ich mich vernachlässigt? Fragen über Fragen, hoffentlich kann ich noch Schlaf finden und liege nachts nicht grübelnd wach.

Vaterstolz

Oliver hatte heute seinen letzten Arbeitstag bei Daimler Chrysler in Mannheim im Rahmen des Praktikumssemesters. Seine Beurteilung ist so positiv wie es besser kaum sein kann. Herausragend, ideenreich, effizient, aktiv, motiviert sind nur einige der Attribute, die ihm bescheinigt werden. Ausserdem wurde Oliver in Anerkennung seiner besonderen Leistungen eine einmalige Sonderzahlung ausgezahlt. Einen bessere Empfehlung für sein späteres Berufsleben gibt es wohl kaum. Bewertung von praktischer Arbeit sagt meist mehr aus als Noten in einem Zeugnis. Oliver – ich bin sehr sehr stolz auf Dich!

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Das neue Auto – 2. Tag

– Weiterfahrt

Die Nacht war unruhig obwohl das Bett bequem war. Es lag wohl an den köstlichen Entenbeinen vom Abend vorher, dass ich nicht so gut geschlafen hatte.

Nach dem Hotelfrühstück ging es mit dem Taxi zum Bahnhof. Chaos herrschte auf dem Bahnsteig, von dem unserer Zug abfahren sollte. Es gab mal wieder Verspätungen (Hallo Micha!). Wir nahmen den nächsten ICE nach Düsseldorf. 5 Minuten Verspätung auf dem Weg von Berlin kann man halbwegs akzeptieren. In Düsseldorf mussten wir in einen Regionalexpress namens Wupperexpress umsteigen. Na, der war wohl über die Wupper gegangen, hatte er doch auch Verspätung. Auf dem Bahnsteig war es zugig und kalt. Wir waren froh, endlich im warmen Zug Platznehmen zu können. Nach ca. 40 Minuten erreichten wir unseren Zielbahnhof Erkelenz. Von dort waren es noch ein paar Minuten mit dem Taxi nach Wassenberg-Myhl. Unsere Fahrerin wusste genau wo wir hin wollten. Sie hatte schon öfter Fahrgäste zu Auto-Rüsch gebracht.

– die Übernahme

Nach ein paar Unterschriften standen wir vor unserem neuen Wagen. Frau Meyers brachte die Kennzeichen an, gab uns Wagenpapiere und Schlüssel. Erklärungen waren nicht notwendig, das Auto kannten wir ja schon. Wie beim ersten Mal verlief alles freundlich und unkompliziert. Wir verstauten unsere Jacken und die Tasche. Bernd überliess es wieder mir, die erste Etappe zu fahren. Um Punkt 11.36 Uhr fuhren wir vom Hof Richtung Hamburg.

– die Heimfahrt

In der nächsten Ortschaft mussten wir natürlich erst Mal volltanken. Es gab nur eine Araltankstelle. Fast 50 Liter füllte ich den Tank. Der Tankwart (nennt man die Leute heute noch so?) kannte wohl schon die Neubesitzer. Er fragte mich nämlich: „Erstbefüllung?“ Er war ein wenig wortkarg, aber ein kleiner Wortwechsel kam zustande. Beim bezahlen fragte er mich „Sammelnse Punkte?“ – „Nein Danke.“ Ich hätte nämlich lieber bei Shell getankt weil wir eine Kundenkarte haben. Aber Aral war der einzige Anbieter am Ort.

Los ging es Richtung Autobahn. Unser Navigationssystem war nicht einsetzbar weil nur eine CD für die Region BENELUX beigelegt war. Unsere ausgedruckte Routenbeschreibung lag in der Tasche im Kofferraum, wie praktisch. Wir wussten vom letzten Mal, dass wir Richtung Düsseldorf mussten und von da irgendwie weiter. Weltmännisch wie wir sind, orientierten wir uns von dort an den Richtungsschildern und landeten tatsächlich später auf der A1. Die kennen wir – und Bremen stand da dran. Wir waren richtig! Jetzt wo wir wussten, dass wir auf dem richtigen Weg waren, übernahm Bernd das Steuer. Ich fragte ihn: „Wie fühlst du dich?“ – „Angespannt.“ – „Wieso – wir sind doch auf den richtigen Weg?“ – „Ich freu mich erst wenn wir den neuen Wagen heil in der Garage haben.“ Auch als ich später wieder das Kommando übernahm, änderte sich an Bernds Zustand nichts. Aber so ist er halt – und das ist ja auch nicht schlimm. Problemlos und und ohne Staus erreichten wir die Hamburger Stadtgrenze. Auf dem Weg nach Hause kauften wir erst mal reichlich ein. Endlich hat das Schleppen von Getränken wie Milch und Saft ein Ende. Gegen halb sechs stellten wir das Auto in der Tiefgarage ab. Wir waren zu Hause und wir haben endlich wieder ein Auto.

– der Abend

Kurz nach sieben zog ich das Sofa aus für unsern TV-Sofa-Kuschelabend. Mir war kalt. Zum Kochen hatten wir natürlich keine Lust und deshalb bestellten wir Pizza. Das Fernsehprogramm gab nichts interessantes her. „Die Liga der aussergwöhnlichen Gentlemen“ hatten wir kürzlich auf DVD gekauft und noch nicht gesehen. Bevor der eigentliche Film begann mussten wir erst 3 oder 4 Trailer als Werbung für andere Filme über uns ergehen lassen. Ich merkte bereits, dass ich müde Augen bekam. Während des Films fielen mir mehrmals die Augen zu. Nein, es reichte, ich musste ins Bett und schlafen. Dabei war es erst halb zehn. Bernd stellte den Film aus und wir gingen ins Bett, so früh wie lange nicht. Und ich bin auch sofort eingeschlafen.

Das neue Auto – 1. Tag

– die Zulassung

Um halb acht kam das Taxi und brachte uns zur Zulassungsstelle, sozusagen mit gepackten Koffern bzw. gepackter Reisetasche. Man weiss ja nie, wie lange sich die Behören Zeit lassen. An der Information bekamen wir ein Nummernkärtchen mit der Nummer 23 ausgehändigt. Na ja, das geht ja noch. Nach ca. 30 Minuten Wartezeit waren wir dran. Fahrzeugbrief, Deckungskarte und Personalausweis wurden eingehend geprüft. „Aha, ein Importfahrzeug. Haben sie denn das ….. (was weiss ich denn wie das noch heisst)?“. Kalter Schweiss brach aus allen meinen Poren hervor. Ich hatte alles abgegeben, was ich hatte. Fehlt jetzt nur noch, dass der Wagen nicht zugelassen werden kann. „Ich hab nicht mehr bekommen.“ „Hm.“ Es endete damit, dass das Teil zur Zulassung nicht benötigt wurde – Gott sei Dank – die Dame sich aber nicht vorstellen konnte, dass ich es nicht habe da es zum Fahrzeug gehört. Na, jedenfalls war nach insgesamt einer Stunde alles vollbracht. Mit plakettierten Nummernschildern machten wir uns auf den Weg Richtung Bahnhof.

Unser Rechtsanwalt residiert ganz in der Nähe. Da er für eine kleine Resteinforderung von der Versicherung den Kfz-Schein benötigt, schauten wir bei ihm vorbei. Eine Dame mit einem Tuch in der Hand öffnete uns. Da ich glaubte es wäre die Putzfrau fragte ich, ob denn jemand vom Personal da sei. „Ich gehöre zum Personal!“ Oh wie peinlich. Na, die Sache endete ganz freundlich. Sie kopierte den Schein und nahm die Taxiquittung und die Quittungen für die neuen Nummernschilder und die Verwaltungsgebühren auch gleich in ihre Obhut. Die Kosten werden bei der Versicherung mit eingereicht.

– die Bahnfahrt

Zeit hatten wir noch genug bis zur Abfahrt unseres Zuges nach Bochum. Wir entschieden uns für ein Frühstück im Restaurant Zum Goldenen M. Ich stellte fest, dass ich die Kamera zu Hause vergessen hatte. Mist, aber ich habe ja noch die kleine Cam im Büro. Ausserdem mussten wir die Zeit totschlagen. Bernd blieb auf dem Bahnhof und schaute sich schon mal nach Reiselektüre um während ich die Cam aus dem Büro holte. Und wir hatten immer noch reichlich Zeit. Nun, der Bahnhof bietet reichlich Gelegenheit zur kulinarischen Zerstreuung, und zwar qualitativ recht gut. Beim Italiener tranken wir Cappuccino und noch einen mehr. Langsam konnten wir uns dann auf den Weg zum Bahnsteig machen.

Pünktlich rollte der Zug in den Bahnhof ein. Schnell fanden wir unsere Plätze und machten es uns gemütlich so gut es ging. „Ding Dong“ – ich hatte eine SMS von Micha erhalten. Er wollte wissen, ob wir uns nachmittags zu einem Treffen verabreden können. Meine Fähigkeiten in SMSen sind ziemlich bescheiden. Ich versuchte mein Glück aber es erschienen immer andere Buchstaben als ich eigentlich benötigte um zu antworten. Gut, dann ruf ich eben an. Die Verbindung kam auch zustande, aber die Verständigung war nur bruchstückhaft. Jedenfalls reichte es, damit Micha verstand, dass wir auf dem Weg waren. Er schicke noch eine SMS und bat darum, dass wir uns von Dortmund wieder melden sollten.

Die Fahrt verlief sonst ohne besondere Vorkommnisse und ohne Verspätung trafen wir in Dortmund ein. Der Zug, ein ICE, der uns nach Bochum bringen sollte stand auf dem Gleis gegenüber, was sehr praktisch war. Wir nahmen das nächstbeste freie Abteil obwohl für uns ein Platz reserviert war, was aber für 10 Minuten Fahrt eigentlich überflüssig ist. Ich rief Micha an und und wir verabredeten uns für 16.00 Uhr am Bahnhof.

Der ICE war einer von der neueren Generation mit viel Glas und viel Holz, jedenfalls sah es so aus wie Holz. Sehr nett.

Nach wenigen Kilometern blieb der Zug auf freier Strecke stehen. Ich musste an Michas diverse Flüche über die Bahn in seinem Weblog denken. Endlich kam eine Durchsage: „Wegen einer Signalstörung im Bahnhof von Bochum verzögert sich die Weitefahrt um wenige Minuten.“ Das Resultat war dann eine zehnminütige Verspätung bei einer fahrplanmässigen Fahrzeit von 10 Minuten.

– Micha und Olaf

Mit einem Taxi fuhren wir ins Hotel, machten uns dort kurz ein wenig frisch (ein Erfrischungstuch im Schritt musste ausreichen) und mit der S-Bahn ging es zum vereinbarten Treffpunkt. Aber wo löst man eine Fahrkarte? An der Haltestelle gab es keinen Automaten. Bei einer in die entgegengesetzte Richtung fahrenden Bahn sahen wir, dass beim Fahrer auch keine Fahrkarten zu bekommen sind. OK, wir steigen erst Mal ein und schauen Mal. In der Bahn fanden wir dann einen Automaten. 1 Euro für 2 Stationen, das ist ja billiger als in Hamburg. Kurz bevor wir aussteigen mussten, hatte ich endlich beide Tickets gelöst.

Auf dem Weg zum Treffpunkt klingelte das Handy und im gleichen Moment rannte ich fast Olaf um. Micha rief an und berichtete, dass er sich verspäten würde. Wir sollten mit Olaf schon mal in die Stadt gehen. Also schlenderten wir durch die Einkaufsstrassen und hielten nach einem Chinarestaurant Ausschau, in dem wir gemeinsam essen könnten. Bald gesellte sich Micha zu uns. Er hatte ein mal mehr das Verspätungserlebnis mit dem Regionalverkehr. Gemeinsam bummelten wir weiter und fanden auch ein Restaurant. Wir waren die einzigen Gäste, vom Personal war nichts zu sehen. Eine Tür öffnete sich. Wir sahen mehrere Chinesen am Tisch sitzen und essen. Die Tür schloss sich wieder und wir suchten uns einen Platz. Es war schon ein bisschen merkwürdig, dass sich keiner um uns kümmerte. Dann erschien einer der „Familie“ und fragte nach unseren Wünschen. Micha und Olaf und Bernd entschieden sich für das angebotene Büfett, ich wollte erst Mal einen Blick in die Karte werfen. Ein paar der angebotenen Gerichte fanden meine Zustimmung, da ich mich aber nicht für eins entscheiden konnte (Du bist aber auch wieder kompliziert!) nahm ich auch das Büfett. Der Preis von Euro 6,50 war akzeptabel. Die Auswahl war nicht besonders gross, dafür war alles recht schmackhaft. Spitzenmässig waren die Entenschenkel in Honigsauce, köstlich.

Nach dem Essen bummelten wir zusammen Richtung Bahnhof. Hier trennten sich unsere Wege. Micha und Olaf fuhren nach Hause und wir ins Hotel.

Einen ganz lieben Dank an Micha und Olaf dafür, dass sie ein paar Stunden mit uns verbrachten und extra die Unzulänglichkeiten des öffentlichen Nahverkehrs auf sich genommen haben. Es war sehr nett mit Euch und es war schön, Euch wieder zu sehen.

– Starlight Express

Für das Musical wollte ich mich noch schnell umziehen, eine schwarze Jeans und den „eleganten Pullover in schwarz“ von TCM. Die Jeans war frisch gewaschen und ich zwängte mich hinein. Aber so eng hatte ich sie nun nicht in Erinnerung und ich konnte mir auch nicht vorstellen, dass ich soooooo viel zugenommen hatte. Ich bat Bernd, hinten auf dem Schild nach der Grösse zu schauen. 32/34 – wieso 32? Das hatte ich doch schon seit Jahren nicht mehr. Na, ich legte mich auf das Bett und versuchte weiter, die Hose zu schliessen. Ich schaffte es nicht, Bernd musste helfen. Endlich war die Hose zu aber irgendwas stimmte nicht. Sie war zu kurz und sie war so eng, das konnte ich nicht aushalten. Ich hatte eine alte Jeans erwischt. Sie lag auf dem Stapel obenauf, aber die, die ich eigentlich mitnehmen wollte hing zu Hause auf dem Bügel im Schrank. Nie und nimmer hätte ich in dieser Hose den Abend verbringen können. Also aus damit und die Bluejeans wieder an. Puh, welch eine Erleichterung.

Das Novotel Bochum liegt direkt neben der Starlight Halle. Wenige Schritte über den Vorplatz und wir waren da. Im Foyer drängten sich die Leute. Es dauerte noch ein paar Minuten bis zum Einlass und wir schauten uns ein wenig um. Vor 10 Jahren bin ich schon mal dort gewesen, aber ich konnte mich nicht daran erinnern, nur das Innere der Halle und das Musical selbst hatte ich in Erinnerung. Die Türen wurden geöffnet und wir suchten unsere Plätze, etwas seitlich, aber in der ersten Reihe direkt an einer der Bahnen, auf der die Darsteller an uns vorbei laufen würden.

Das Theater war leider nur mässig besetzt. Der Rang war ganz geschlossen. Gegenüber konnten wir sehen, dass mehrere Reihen auf den Tribünen leer waren, hinter uns sah es nicht viel besser aus. Unsere Plätze waren in der Mitte der Reihe, rechts neben Bernd war alles frei. Seit 15 Jahren rollen die Züge in Bochum über die Bahnen, der zehnmillionste Besucher wird angepeilt, aber bei der Auslastung wird es wohl noch dauern.

Die Show ist sehr rasant und temporeich. Wenn die Künstler an uns vorbeiflitzten konnten wir den Fahrtwind spüren. Negativ ist anzumerken, dass der Gesang sehr schlecht zu verstehen war. Alle Darsteller kommen aus dem Ausland und dementsprechend ist ihre Aussprache der deutschen Texte. Dies ist wohl ein Überbleibsel aus der Stella-Ära, ich erinnere mich da an ähnliche Erlebnisse bei Aufführungen von Cats. Stage Holding legt heute sehr viel Wert drauf, dass die Künstler entsprechenden Sprachenunterricht erhalten. Doch Starlight Express wird nicht von Stage Holding betrieben.

Die mangelnde Publikumsauslastung wirkte sich negativ auf die Gesamtstimmung aus. Der Beifall klang eher verhalten, jedenfalls in unseren Ohren. Es muss auch nicht gerade inspirierend für die Künstler sein, vor einem halbleeren Haus aufzutreten.

Ich hatte dieses Stück in sehr positiver und guter Erinnerung und wollte es unbedingt ein mal Wiedersehen. Bereits während der Vorstellung wurde mir klar, dass es für mich den Reiz und Zauber verloren hatte, den es vor 10 Jahren auf mich ausgeübt hatte. Woran es liegt vermag ich nicht zu sagen. Bin ich anspruchsvoller geworden? Ich weiss es nicht.

Am Schluss gab es noch ein paar fetzige Zugaben bei denen der Grossteil des Publikums sogar aufstand. Danach verabschiedeten sich die Darsteller mit mehreren „Ehrenrunden“ auf der inneren Bahn mit Abklatschen zwischen Künstlern und Publikum der ersten Reihe.

An der Hotelbar bei einem Glas Bier liessen wir den Tag ausklingen.

(Die sichtbaren Eintragungsdaten der Kommentare entsprechend nicht der tatsächlichen Veröffentlichungszeit)