Archiv des Autors: Hans-Georg Kloetzen

CSD Strassenfest

Gehen wir noch oder gehen wir nicht? Nachdem wir uns über das Fernsehprogramm informiert hatten, entschieden wir uns dafür, noch zum Strassenfest zu gehen. Wir waren schon vor acht Uhr dort und es war noch ziemlich leer, was nicht unbedingt ein Vorteil sein muss. 90 % der Besucher entsprachen voll dem schwulen Klischee: Alt und krampfhaft auf jung getrimmt – jung und tuntig – übertrieben herzlich, die ganze Bandbreite war vertreten. Es war schrecklich. Erst später „normalisierte“ sich die Situation, vielleicht lag es auch daran, dass wir nach ein paar Bier bzw. Alsterwasser (Radler) die Situation nicht mehr ganz so klar wahrgenommen haben.

Später trafen wir Smigs und Klaus, Tobi sowie ein paar der Chorschwestern. Die netten Gespräche lenkten uns von den Klischeeschwestern ab. So nahm dieser Abend doch noch ein nettes Ende.

Titanic

Auf unserem Heimweg hörten wir im Autoradio die betrübliche Nachricht, dass das Musical Titanic leider im Oktober eingestellt werden muss. Statt der kalkulierten 500.000 Besucher haben bis jetzt erst 300.000 Gäste den Weg dorthin gefunden. Schade, wirklich sehr schade. Wir werden versuchen, Karten für die letzte Vorstellung zu bekommen.

Im Heidepark

Bernd und ich kennen uns seit fast 7 Jahren, genau so lange nehmen wir uns vor, einen Ausflug zum Heidepark in der Nähe von Soltau zu machen. Endlich, endlich haben wir es geschafft. Liegt es am neuen Wagen? Seit Tagen beobachteten wir die Wettersituation. Wenn es zu heiss und sonnig ist, kann es eine Strapaze werden, besonders für Bernd.

Wie üblich waren wir um sieben Uhr wach – und die Sonne schien am strahlendblauen Himmel. Na, dann schauen wir doch mal im Internet bei wetteronline.de unter Soltau. Die vorhergesagte Höchsttemperatur lag bei 24 Grad, ausserdem war mit ein paar Wolken zu rechnen. Das waren ideale Aussichten. Um acht Uhr sassen wir im Wagen und fuhren zum Heidepark – offen versteht sich, obwohl es doch ein wenig kühl war. Nach gut einer Stunde Fahrt waren wir dort. Der Parkplatz war noch ziemlich leer, am Kassenhäuschen hatten sich bereits 2 Schlangen gebildet, aber es ging ganz flott.

Unser Weg führte uns als erstes zum „Colossos“, der Welt grösste Holzachterbahn. Wir konnten direkt in den so genannten Bahnhof gehen und gingen mit der 4. Abfahrt auf die grosse Reise, gesichert mit einem Beckengurt wie im Flugzeug und ausserdem angepresst durch eine Art Stempel. Die erste Abfahrt geht mit 61 Grad bergab aus 60 m Höhe! „Ich schau nicht hin“ sagte ich zu Bernd. Aber magisch wurden meine Blicke von der Abfahrt angezogen. Wie es schien fast senkrecht stürzten wir zu Boden und schon waren wir wieder einen Hügel hinauf. Oben angekommen, kurz bevor es wieder runter ging, gab es ein merkwürdiges Gefühl in der Magengegend und ich kam ein wenig vom Sitz hoch. Und wieder ging es runter und den nächsten Hügel hinauf. Kurven und Hügel reihten sich aneinander, sehen konnte ich nichts mehr. Ich hörte nur das Rattern und das obligatorische Schreien irgendwelcher Girlies. Nach etwas mehr als 2 Minuten war es schon vorbei – leider.

Der Weg führte uns weiter zum Mountain Rafting, eine etwas beschauliche Fahrt durch einen Wildwasserkanal, auf der man aber auch ein wenig nass werden kann. Auch hier war es von Vorteil, dass wir so früh schon dort waren, die Wartezeit hielt sich in Grenzen. Der Spassfaktor in diesem Teil ist enorm. Die „Boote“ drehen sich auf ihrer Fahrt durch den Kanal, Stromschnellen sorgen dafür, dass Wasser ins Boot spritzt, die Fahrt durch den Wasserfallkanal sorgt für eine gute Befeuchtung der Insassen.


Weiter ging es zur zur Bobbahn und zur Wildwasserbahn. Bernd, der vorne gesessen hatte, wurde ziemlich nass, was bei dem warmen Wetter weiter kein Problem war.

Nachdem wir uns bei einer Pizza gestärkt hatten ging es weiter zum Hängelooping. Anschliessend ging es noch Mal zum Colossos. Dort hatte sich inzwischen eine grosse Menschenmenge angesammelt. Nach einer Wartezeit von etwas über einer Stunde waren wir dran um eine Fahrt von 145 Sekunden zu machen. Dieses Mal konnten wir die Fahrt besser wahrnehmen. Gern wären wir noch Mal gefahren, aber wieder eine Stunde warten? Nein, dazu hatten wir keine Lust. Stattdessen gingen wir wieder zum Mountain Rafting und zur Wildwasserbahn. Und dann reichte es. Nach einem Eis, gemütlich in einem Café gegessen, machten wir uns auf den Heimweg nach Hamburg.

Ich muss raus

Das Wetter ist phantastisch, viel zu schön, um zu Hause zu bleiben, besonders weil so ein geiles Auto im Keller steht. Ich wollte an die See, nur ein wenig rumlaufen und schauen, was sich so verändert hat. Bernd war eher lustlos, also bin ich alleine nach Travemünde gefahren.

Dicht am Strand fand ich einen Parkplatz. Von dort war es nicht weit zur Promenade und zum Casino. Oliver hatte mir erzählt, dass dort jetzt ein Vier Jahreszeiten Hotel drin ist und die Aussenanlagen ganz wunderbar geworden sind. Recht hat er! Alles so ist so gross und frei geworden. Leider hatte ich meine Cam nicht mit. Im Internet fand ich diese Aufnahme:


Vom Casino bzw. Hotel ging ich die Strandpromenade entlang Richtung Lotsenstation und weiter auf der Hafenpromenade zum eigentlichen Ort. Die Strasse „Vorderreihe“ ist in den Sommermonaten für den Autoverkehr gesperrt. Überwiegend „die Beigen“ (Rentner) bevölkerten die zahlreichen Strassencafés und Verkaufsstände. Da noch keine Ferienzeit ist, sind jüngere Gäste noch in der Minderheit.

Traditionell muss ich in Travemünde ein Eis essen, und zwar von einer italienischen Eisdiele, die ihren Ursprung vor 50 Jahren als Eisbude in einem Anhänger hatte. Später etablierte sich die Familie dann mit einer Eisdiele an der Vorderreihe. Viele Jahre war es die einzige Eisdiele. Inzwischen gibt es derer mehrere. Aber mein Eis kaufe ich nur dort. Ich schlenderte noch ein wenig weiter die Vorderreihe entlang bevor ich mich auf den Rückweg machte, am Hafen entlang, über die Strandpromenade und zurück zum Wagen.

Auf dem Rückweg nach Hamburg wollte ich die Nebenstrecke am Hemmelsdorfer See entlang nehmen um in Warnsdorf auf dem Bauernmarkt Spargel, Schinken und Erdbeeren zu kaufen. Es gab Spargel der preisgünstig war, es gab Erdbeeren, die riesig waren und es gab keinen Schinken. Also ging ich wieder. Ganz in der Nähe hatte ich einen anderen Hof entdeckt, der an der Strasse Werbung mit den von mir gesuchten Dingen machte, und zwar der Hof Honhold:

Auf dem Hof Honhold bietet die Familie Honhold zahlreiche ländliche Produkte aus ökologischem Anbau und Schinken- und Wurstspezialitäten aus eigener, öko- logischer Tierhaltung an. Freilaufende Rinder, Schweine, Enten und Gänse garantieren hier für höchsten Qualitätsstandard mit hohem Gesundheitswert. Auf dem Hof frisch zubereitet, kann man hier ländliche Kost in angenehmem Ambiente genießen. Doch nicht nur der Kommerz reagiert auf dem Hof Honhold. Die zahlreichen Veranstaltungen auf dem Hof, wie etwa plattdeutsche Abende, Theaterstücke und Sketchabende werden jeweils über die regionale Presse und in ausliegenden Kulturkalendern angekündigt.
Gefunden bei Reiseziele an der Ostsee.

Der Spargel war zwar ein wenig teurer, dafür waren die Erdbeeren kleiner (ich mag nicht diese künstlich durch Dünger aufgeblasenen Dinger) und sie hatten Schinken, den ich sogar noch probieren durfte. Schnell war unser Essen für den morgigen Tag eingekauft und im Wagen verstaut und ich machte mich auf den Rückweg nach Hamburg. Meine kleine Spritztour hatte aus mir einen zufriedenen Menschen gemacht.

Panne

In den frühen Morgenstunden ist auf einer Eisenbahnbrückenbaustelle ein 200 Tonnen schweres Brückenteil durch einen „Kranfehler“ zurück auf den Tieflader gefallen. Der Kran hat die Zugmaschine schwer beschädigt. Personen sind zum Glück nicht verletzt worden. Wie es heisst ist der Kranführer allerdings mit einem Schock ins Krankenhaus gekommen.

Heute Nachmittag machte ich mich auf, um die bei uns in der Nähte liegende Baustelle zu besuchen. Hier ein paar Fotos.



Abkühlung

Windböen lassen das Laub der Linden rauschen, Wolken werden über den Himmel getrieben, dazwischen Lücken, durch die der blaue Himmel zu sehen ist, ab und zu ein wenig Sonne. Wir sitzen um acht Uhr morgens auf dem Balkon, trinken unseren Kakao und atmen durch. Es ist zwar ein wenig kühl – aber es ist schön.

Ein Pfingstsonntag wie im Lied

Wir Frühaufsteher haben noch in angenehmer Morgenfrische unseren Kakao auf dem Balkon getrunken. Später wurde es dann zunehmend schwül. Auf dem Balkon in der Sonne sitzen? Nein danke. Der Wetterbericht sagte für nachmittags Starkregen und Gewitter voraus. Bei Wetteronline beobachtete ich die Situation. Von Südwest zog eine Regen- und Gewitterfront heran. Wir in Hamburg würden heute ganz bestimmt da was von abbekommen. Ich erinnerte mich an ein plattdeutsches Lied, dass meine Grosseltern auf einer Singleschallplatte hatten. Diese Schallplatte existiert noch, und zwar im Haus meiner Frau, wo die ganze Plattensammlung meiner Grosseltern untergebracht ist. In diesem Lied wird ein Pfingstsonntag mit schönem Sonnenwetter beschrieben. Alle Leute wanderten hinaus ins Grüne. Für die Männer war es üblich, eine weisse „Maihose“ anzuziehen. Und dann kam das grosse Unwetter – so wie heute. Hier der Text des Liedes, den ich heute auf einer Webseite gefunden habe (mit hochdeutscher Übersetzung):

To Pingsten, ach wie scheun, – wenn de Natur so greun,
un all’ns na buten geiht, dat is een wohre Freid!
Besünners vör de Göörn, – de heurt man räsoneern:
Weur Pingstn doch erst bloß- denn goht wie los!
Kümmt nu Pingstobend ran, – denn geiht’n Leben an,
de Mudder seept de Görn – vun achtern un vun vörn,
sünds wuschen nu un kämmt, – denn kreegt se`n reinet Hemd,
un denn geiht mit Gejuch – rin in de Puch!
De Vadder nu ton anner’n Morg’n – deit sick mit Proviant versorg’n:
Eier, Käs, Wust un Schinken, – ook verschiedenerlee to drinken.
Dormit keen Minsch de Tied verslopt, – treckt he noch den Wecker op,
un anner’n Morgen gegen soß, – dor schippert los de Troß.

De Vadder geiht voran, – een witte Maibüx an,
sien Jung kummt in de Mitt, – natürlich ook in Witt,
dorbi hebbts op den Kopp – een fien’n Strohhoot op,
all’ns sauber un mit Schick, – grood wie gelickt.
Un nu kummt achterher – mit’t allerlüttste Göör,
in groot’n Kinnerwog’n – de Mudder angeschob’n.
De Dochter mookt den Sluß, – stolt, voller Hochgenuß,
in Arm mit ehren Freier, – een Piependreiher.
Een jeder, wehrnd se nu marscheert, op eeg’ne Fuust sick amüseert:
De Vadder vör, de kippt sick een, – de Jung dor achter grapst Sireen,
de Mudder mutt so in‘ Gedräng’n – den Lüttsten öfter dreug mol legg’n,
dat Liebespoor kummt achterher, de snackt von em un ehr.

So geiht’t bitt Quellndol, – dor leggt man sick nu dohl
in’t scheune weeke Moos, – nu geiht dat Futtern los.
Een jeder matt un meud – langt no de Bodderbreud,
se fallt doröber her – grood as so’n Bär.
Dormit dat beter rutscht, – ward ut de Buddels lutscht,
de Vadder un de Söhn, – de hollt sick an den Kööm,
un ook de Piependreiher – is op den Buddel Freier,
de Dochter un de Froo – mookt’t ebenso.
Bi lütt’n ward de Krom fidel, – man heurt jem sing’n ut vuller Kehl:
Vun Edelweiß, de Wacht am Rhein, de Fischerin un Komm‘ Se rein!
De anner Siet de blarrt jedoch: Lebt denn meine Male noch?
Im Grunewald ist Holzauktion! Un denn noch Revolutschon.

Op eenmol, wie gemeen, – ehr eener sick versehn,
dor kummt vun boben dohl – een Regen kollosol!
De ganze Minschenschwarm – de kummt nu in Alarm,
de Froonslüd kriescht un jucht, – de Mannslüd flucht.
De Vadder springt nu op, – glitscht ut un fallt dorop
grood op den Kinnerwogen, – de kippt un fallt in Groben.
He mit sien witte Büx – recht in so’n deebe Pfütz,
mitsamt dat lüttje Göör, – wat een Malheur!
Een jeder socht nu Schutz to finn‘, de Minschen rennt dorch dick un dünn,
de Mäkens un de Froons vorop mit all‘ de Röck‘ hoch boben Kopp.
De Anblick is sehr int’ressant! Worum, dat liggt klor op de Hand:
Bi sowat kriggt man, wie ick meen, verscheedenerlee to sehn.

Na endlich, no den Suus, – dor geiht dat nu to Huus,
de Vadder un sien Söhn – sünd nüdlich antosehn,
de scheune witte Büx – süht ut wie Stebelwix,
de Strohheud sünd so slapp – wie ole Papp.
De Brögam un de Brut, – de seht erst lecker ut!
De harr’n, wat sull’n se mooken, – sick beid‘ in’t Hei verkropen.
Dat allerlüttste Göör – weur dorchnatt dör un dör,
de Mudder weur so natt – as wie so’n Katt.
De een schuwt achtern annern her grood wie de Geus, se könt nich mehr!
Un dorbi alle Ogenblick verswind mol eener achtern Knick.
Grood wie gerädert un half dood kummt se denn endlich an de Bood.
So ward in Hamborg Pingst’n fiert un sick fein amüsiert.

Pfingsten wie in der Bibel

Da wird man so alt, aber die eigentliche, die kirchliche Bedeutung von Pfingsten hab ich erst heute erfahren. Ich muss zugeben, dass ich sie auch nie hinterfragt habe:

Der Name dieses kirchlichen Hochfestes leitet sich vom griechischen Wort „pentecoste“ ab, was „der Fünfzigste“ bedeutet. Gemeint ist der 50. Tag nach Ostern, denn nach der Apostelgeschichte (Apg 2,1 – 13) hatten sich die Apostel am 50. Tag nach Ostern versammelt, als sich vom Himmel ein Brausen erhob, wie von einem Sturm herrührend und Zungen wie von Feuer erschienen und sich auf die Versammelten niederließen: „Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab“.
Das Pfingstfest gilt daher als das Fest des Heiligen Geistes. Nach der Himmelfahrt Christi hat Gott seinen Geist gesandt, damit er bei den Menschen wirkt und die Botschaft von Tod und Auferstehung Christi lebendig hält. Aus diesem Grund wird der Heilige Geist oft als Feuerzunge dargestellt, aber auch als Taube, was auf eine Stelle im Matthäusevangelium zurückgeht (Mt 3,16).

Das Pfingstfest gilt aber auch als Geburtsstunde der Kirche. Durch die Kraft des Heiligen Geistes beginnen die Apostel, von Jesu Wirken zu erzählen und damit die Menschen zu bekehren. Sie reden in allen möglichen Sprachen, denn die Frohe Botschaft richtet sich an alle Menschen. Diese Botschaft weiterzugeben, ist Auftrag der Kirche.

Pfingstbräuche mit kirchlichem Bezug gibt es kaum mehr. Noch im vergangenen Jahrhundert wurde eine lebendige Taube oder eine Holztaube aus dem so genannten „Heilig-Geist-Loch“ in der Decke des Chorraumes in das Kirchenschiff herabgelassen. Keinen christlichen Ursprung hat dagegen der Pfingstochse. Er geht wahrscheinlich auf heidnische Opferriten zurück. Allerdings gilt in einigen Gegenden dasjenige Kind als Pfingstochse, das die Kirche nach dem Pfingstgottesdienst als letztes verlässt. Eine gewaltige Rangelei nach dem Schlusssegen ist also vorprogrammiert.

Sturm und Feuerzungen hatten wir heute, nur meine Sprachkenntnisse haben sich nicht verbessert. Interessant die Bedeutung des Pfingstochsen. Ich kann mir die Rangelei in der Kirche lebhaft vorstellen.

Gänsehaut im Stadtpark

Nein, es ist mir beim Cruisen kein attraktiver Mann über den Weg gelaufen. Erstens cruise ich nicht im Stadtpart und zweitens: Gibt es einen attraktiveren für mich als den, den ich habe? Ich hab auch nicht gefroren und gruselig war es auch nicht. Und es gab auch nicht „Titanic“ im Stadtpark. Aber es gab Musik, nämlich ein Konzert von Erasure.

Bernd ist Erasure-Fan seit vielen Jahren. Er besitzt wohl alle CDs, die es gibt. Durch Bernd ist mir die Musik bekannt geworden. Für mich war es das erste Livekonzert.

Es war ein Sommerabend wie aus dem Bilderbuch: Warm, kein Wind und ein blauer Himmel. Kurz nach 20.00 Uhr begann die Show. Andy Bell betrat in einem bodenlangen Reitkostüm, unter dem rote Schnürstiefelletten hervorlugten, die Bühne, „bewaffnet“ mit einer kurzen Reitgerte. Auf dem Kopf trug er einen Zylinder.


Symbolisch startete er die Show am Grammophon.

Dann reihte sich Hit an Hit. Das Publikum tanzte und klatschte teilweise begeistert mit. Nach den ersten Songs entledigte sich Andy Bell seiner schwarzen Garderobe und zeigte uns, was Mann darunter trägt:


Ganz eindeutig war es Andy Bell, der die Show gestaltete. Wie ein Wirbelwind fegte er in Stiefelletten und Reifrock, später nur im roten Lackslip über die Bühne. Vince Clark hielt sich dezent im Hintergrund und sorgte mit spärlichen Gesten dafür, dass die elektronische Musik bereitgestellt wurde. Bei einigen Stücken griff er sogar selbst zur Gitarre.

90 Minuten uneingeschränkte Präsenz auf der Bühne, unterbrochen von einer ganz kurzen Umziehpause, brachte das Publikum ein Stimmung. Es gab noch 2 Zugaben, die wohl eher eingeplant waren, dann war es zu Ende – leider viel zu schnell. Es hätte noch stundenlang weitergehen können. Und wie ich schon erwähnte: Einige ihrer Stücke gehen mir unter die Haut und verursachten die Gänsehaut bei mir.

Nach dem Konzert tranken wir mit unseren Freunden Tobi und Volker noch ein Bier und liessen den Abend Revue passieren. Tobi ist ein noch grösserer Fan von Erasure als Bernd. Er hatte Karten für zwei Konzerte in England und eins in Köln. Wegen Krankheit waren diese Konzerte ausgefallen. Zum Glück fand die heutige Veranstaltung statt. Es war auch für mich ein schönes Erlebnis, diese Show zu sehen. Die Fotos habe ich dieser Seite entnommen.

Urlaub ist …

… morgens um acht mit Baulärm geweckt werden, Gartenarbeiten mit schreienden Motorsägen, durch Wind verwirbelte Styroporflocken die auf dem Balkon und in der Wohnung landen und zu allem Überfluss heute morgen kein Wasser zum duschen.

Seit Wochen wird das Eckhaus gegenüber renoviert. Montag wurden mit einem Kran dicke Bündel mit Styroporplatten auf das Dach gehievt. Jeder weiss wohl, was arbeiten mit Styropor bedeuten kann: Lose Flocken wehen durch die Luft und landen überall dort, wo man sie am wenigsten haben will. Da unsere Balkontür immer offen ist – besonders bei dem schönen und warmen Wetter – landeten die Dinger wie selbstverständlich bei uns im Wohnzimmer.

Seit Montag wird nun auch das Haus direkt gegenüber renoviert. Morgens um acht hörten wir, wie ein Bauschuttcontainer herangebracht wurde. Aus den Fenstern wurde den ganzen Tag über demontierte Türen und anderes Holz knallend in den Container geworfen.

Dienstag morgen um acht: Ein Knall, die ersten Bretter landeten, aus der 1. Etage geworfen, im Container. Später kamen die Gärtner. Mit lauten Motorsägen arbeiten sie sich durch den Garten.

Mittwoch waren wir ja nicht zu Hause. Gestern, Donnerstag: Mit elektrischen Meisseln wurden im Haus irgendwelche Abbrucharbeiten verrichtet. Kübel mit staubenden Mauerwerk wurden in den Container entleert.

Und jetzt auch noch das: Aufwachen, ein wenig kuscheln – bis dahin war die Welt noch in Ordnung. Aufstehen, Toilette spülen – ok. Zähneputzen – was ist das? Kein Wasser. Mist. Duschen – muss erst Mal ausfallen. Man wird gar nicht richtig munter.

Dies ist der siebte Urlaub, den ich bzw. wir in dieser Wohnung verbringen. Es ist der dritte Urlaub, der durch unangenehme Aktivitäten gestört wird. Einmal wurde am ersten Urlaubstag morgens um sieben die Strasse aufgerissen um die Kanalisation zu erneuern. Wegen des Lärms der Maschinen war es nicht möglich, sich auf dem Balkon aufzuhalten. Ausgerechnet im dem Jahr hatten wir ein super Sommerwetter. Zwei Jahre später wurde auf unserem Haus das Dach erneuert. Ein Gerüst war für die Arbeiten notwendig, das den Balkon unbenutzbar machte. Klar doch, dass auch dies ein Supersommer war. Und die Jahre dazwischen? Da war Mistwetter.

Und jetzt sitz ich hier, ungeduscht mit verklebten Augen und schreibe Tagebuch. Aus dem Haus gegenüber dringen die Geräusche von Bohrmaschinen, im Eckhaus wird auch gearbeitet. Nun ja, es ist auszuhalten mit dem Lärm, aber im Urlaub wünscht man sich doch ein wenig Ruhe. Und eine Minderung des Reisepreises ist leider nicht möglich.