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Es begann mit Cats

Heute vor 40 Jahren wurde der Grundstein für Deutschlands Musicalhauptstadt gelegt: Im Operettenhaus am Spielbudenplatz gab es die Deutsche Erstaufführung des Musicals Cats. Sowas gab es vorher noch nie: Ein Theater, in dem nur ein einziges Stück aufgeführt wurde, und das 8 Vorstellungen in der Woche.

Musicals, wurden vorher nur in Repertoire-Theatern aufgeführt, d.h. Operetten, Oper, Ballet und Musicals wechselten sich während der Spielzeit ab. Als Abonnent des Theaters Lübeck schon während der Schülerzeit kam ich den Genuss diverse Musical zu sehen, die Klassiker: My Fair Lady, Kisse Me Kate, Oklahoma, The King And I, Applaus, Hello Dolly.

Doch ab jetzt gab es etwas ganz neues, nämlich ein Theater mit einem festeingebauten Bühnenbild, nur für ein Stück. Cats lief ununterbrochen 14 Jahre in Hamburg. Ich habe dieses Musicals während der Anfangszeit zweimal gesehen. Es war wohl die Zeit, als man noch Unterstützung brauchchte, das Haus vollzubekommen. Angestellte in Konzernen und grossen Firmen konnten über diese vergünstigte Karten bekommen. So kam auch ich mit meiner Familie über Freunde in den Genuss, dieses neuartige Musical sehen zu können.

Was heisst Genuss? So richtig begeistert war ich noch nicht. Die Sängerinnen und Sänger sangen zwar Deutsch aber mit einem starken englischen oder amerikanischen Akzent. Erinnert ihr euch noch an den Schlagersänger Graham Bonney? Genau so hörte sich das an. Erst im Lauf der Zeit achtete man beim Casting darauf, dass die Darsteller vernünftig und verständlich singen und sprechen konnten.

Cats war ja in ein bestehendes Theater gezogen. Für das Musical Phantom der Oper wurde ein neues Theater gebaut, Neue Flora. Der Bau war nicht unumstritten, sollte das Theater ursprünglich doch auf einem Grundstück eines der autonomen Szene zugerechnetem provisorischem Kaufhauses gebaut werden. Es gab Proteste gegen den Bau des Theaters. Man fand einen anderen und besseren Standort. Den Bewohnern im Viertel gefiel das aber nicht, es gab Klagen, doch letztendlich wurde das Theater gebaut. Bei der Premiere schützten 3.500 Polizisten die Gäste vor etwa 1.000 gewaltbereiten Demonstranten. Das Phantom der Oper lief dann aber ungestört 11 Jahre am gleichen Standort.

1994 wurde ein drittess Musicaltheater in Hamburg eröffnet, das Theater im Hafen gegenüber den Landungsbrücken. Zuerst gab es dort das Stück Buddy. Seit 2001 läuft dort ununterbrochen das Musical König der Löwen. Ein Ende ist derzeit nicht abzusehen.

Seit 2014 steht direkt nebenan das Theater an der Elbe. Eröffnet wurde die Spielstätte mit der Welturaufführung des Musicals Das Wunder von Bern. Durch einen Glücksfall konnten Bernd und ich der allerersten öffentlichen Auffühung, eine Preview, beiwohnen.

Alle vier erwähnten Theater werden von einer Firma betrieben, der Stage Entertainment. Das Theater Neue Flora ist von allen vieren mein Lieblingstheater.

Ausser den vier grossen Spielstätten gibt es noch kleine Theater in Hamburg, die ebenfalls Musicals auf die Bühne bringen, u.a. das St. Pauli Theater, Schmidts Tivoli, Schmidt Theater, Hansatheater, First Stage Theater, es gibt vielleicht noch ein paar kleine Theater mehr.

Seit fast 30 Jahren bin ich mit meinem lieben Mann zusammen. In dieser Zeit haben wir 47 verschiedene Musicals gesehen, allein 29 davon in Hamburg. Wir sind nach Stuttgart und nach London geflogen, mit der Bahn nach Oberhausen gefahren und mit dem Wagen nach Tecklenburg und Magdeburg. 1986 wurde der Musicalboom durch Cats ausgelöst. Nicht immer hatten die Verantwortlichen bei Stage oder der Vorgängerfirma ein glückliches Händchen bei der Stückauswahl. Die Eintrittspreise sind hoch, die Inszenierungen hochwertig, staatliche Zuschüsse gibt es nicht. Nicht jedes Musical, das in Hamburg läuft, schauen wir uns, wir selektieren schon. Aber wenn wir uns Karten kaufen, sitzen wir auf den teuersten Plätzen. Und das machen wir gern.

Ein Film-Klassiker auf der Bühne


Gestern wurde der erste Teil meines Geburtstagsgeschenkes eingelöst: Eine Vorstellung im Stage Operettenhaus des Musicals „Zurück in die Zukunft“. Der Titel des Films war mir bekannt, ich habe ihn aber nie gesehen und wusste deshalb auch nicht, um was es da eigentlich wirklich geht. Für mich war das sozusagen ein Blind Date. Ganz unbeleckt und nicht wissend, was auf mich zukommt, freute ich mich doch, mal wieder ins Theater zu gehen.

Wie seit vielen Jahren üblich, hatte mein Schatz für die Vorstellung „open bar“ zusätzlich gebucht. Für diese Nutzer gibt es einen separaten Eingang, der zuerst geöffnet wird bevor der Einlass für die anderen Gäste gewährt wird. Am Servicepoint bekommt man ein Bändchen für das Handgelenk, mit dem man jetzt an jeder Bar in den Foyers Getränke bekommen kann.

Kurz vor dem Beginn der Vorstellung nahmen wir unsere Plätze ein, Platz 1 links und Platz 1 rechts, exakt die Mitte von Reihe 4. Das Parkett war schon gut gefüllt. Unsere Reihe war bereits voll besetzt, bis auf die beiden Mittelplätze, wir mussten da also jetzt durch.

Eine kurze Inhaltsangabe, die für Kenner des Films wohl überflüssig ist:
Der Jungedliche Marty McFly wird mit der Zeitmaschine DeLorean des Doc Brown aus dem Jahr 1985 in das Jahr 1955 katapultiert. Marty trifft dort auf seine zukünftigen Eltern. Seine Mutter verliebt sich in Marty. Dadurch verändern sich die Zeitlinien. Marty muss versuchen, dass sich seine Eltern ineinander verlieben, was auch gelingt. Nun muss Marty zurück in das Jahr 1985, jedoch hat die Zeitmaschine, die in einem Auto, DeLorean, steckt, nicht mehr genügend Energie. Durch einen Blitzschlag in die Rahthausuhr soll die Maschine wieder aufgeladen werden, was dann auch klappt. Soweit eine minimalistische Kurzfassung des Inhalts.

Mehr zu erzählen, würde diesen Rahmen sprengen. Die ganze Geschichte ist natürlich begleiten von allerlei Irrungen und Wirrungen. Es gibt viele grossartige Tanzszenen. Das opening des 2. Aktes ist besonders erwähnenswert.

Es kommt keine Langeweile auf. Ehe man sich versieht ist Pause, fast 90 Minuten waren vergangen, ohne dass man das merkte. Eine rasante Story, fetzige Musik, ein tolles Bühnbild, was sich immer wieder schnell verwandelt – toll. Anfangs hatte ich ein wenig Mühe, mich hineinzufinden, aber sehr schnell war ich mitgerissen.

Ein besinnlicher Song darf aber auch nicht fehlen: Doc Brown besingt die Genies vergangener Zeiten, die Ideen hatten und nie aufgegeben haben, diese zu verfolgen, auch wenn es Rückschläge gab.

Raphael Groß spielte den Jugendlichen Marty McFly mit jungenhaftem Charme, da wo es angemessen war, mit glaubhaftem Zeifel als es so aus so, als könnte er im Jahr 1955 gefangen bleiben, mit gerade noch pubertärer Angst als er von seiner zukünftigen Mutter bedrängt wurde, in deren Bett er, nur noch mit T-Shirt und Slip bekleidet aufwachte.

Jan Kersjes begeisterte als verschrobener und exzentrischer Wissenschaftler Doc Brown. Jan war in der Lage, die Figur des Doc Brown stark zu überzeichnen, ohne dass es Klamauk wurde. Jan und Raphael bzw. Marty und Doc Brown sind zusammen das Herzstück dieser verdrehten Kommödie.

Als George McFly, der Vater von Marty, stand Terence van der Loo auf der Bühne. Mit seiner schüchternen, steifen und verklemmten Persönlichkeit konnte man fast Mitleid mit George haben.

Es ist unmöglich für mich, hier jeden einzelnen Charakter zu würdigen. Alle Darsteller waren mit Herzblut und Freude bei der Sache und gaben der Inszenierung ein positives Gesamtbild.

Die Szenerie wurde unterschützt durch diverse Videoprojektionen. Herausragend ist die Kletterszene, in der Doc Brown zur Rathausuhr hinaufklettert. Erwähnenswert ist auch die Illusion des über die Bühne rasenden DeLorean. Keine Illusion ist, als sich Marty und Doc Brown sich mit DeLorean auf den Weg zurück in die Zukunft machen und das Auto sich über den Bühnenboden erhebt und sich über die ersten beiden Zuschauerreihen schiebt.

Das Theater war fast ausverkauft, auf einem Donnerstagabend! Im Gedränge in den Foyers in der Pause und am Ende hörte man ja so einige Stimmen. Unter den Zuschauern waren einige Fans des Kultfilms, die im Grossen und Ganzen auch sehr angetan von der Bühnenversion waren. OK, wer den Film kennt und ihn womöglich mehrere Male gesehen hat, vermisst vielleicht ein paar Szenen. Nicht alles lässt sich auf einer Bühne umsetzen. Aber reine Kritik war nicht zu hören. Ich war jedenfalls begeistert, und mein Schatz war es auch.

Pole Dance in der Kirche?

Kürzlich fand in der altehrwürdigen Kirche St. Marien zu Lübeck eine Pole Dance Performance statt. Wenn man Pole Dance hört, denkt man sicherlich zuerst an erotische Darbietungen in zwielichtigen Etablissements. Inzwischen weiss ich, dass Pole Dance eine Sportart ist, für die viel Kraft notwendig ist. Eine ehemalige Nachbarin hier im Haus trainierte in ihrer Wohnung. In unmittelbarer Nähe gibt es inzwischen sogar ein Pole Dance Studio.

Jetzt hat sich der Lübecker Ableger der Schüler Union der CDU zu Wort gemeldet und kritiesiert die Veranstaltung als unangemessen für eine Kriche, Zitat „Die Schüler Union Lübeck äußert deutliche Kritik an der am Adventswochenende in der St.- Marien-Kirche in Lübeck aufgeführten Stripshow„. Und weiter: „Die Kirche ist ein heiliger Ort mit Regeln, an die wir uns halten müssen. Es geht hier um Anstand und Respekt, und genau diesen Respekt sollte man uns Christen entgegenbringen.“ Und „Als Jugendorganisation der CDU fühlt sich die Schüler Union Lübeck christlich-demokratischen Werten verpflichtet.“

Hier kann man den ganzen Wortlaut nachlesen.

Drei Dinge habe ich als alter Mann dazu zu sagen:
1. Die Bubies der Schüler Union haben entweder die Aufführung gar nicht gesehen oder sie haben, nach pubertärer Art, feuchte Flecken im Schlübber gekriegt beim Ansehen. Denn eine Stripshow war das ganz sicher nicht, was die Tänzerin Anke Kestermann dort gezeigt hat. Sie trug einen lockeren züchtigen Anzug, der ihre Beine bedeckte und darüber eine Art Schürze, die beim Spagat zwischen ihre Beine fiel.

2. Kirchen sind Orte der Begegnungen. Die meiste Zeit des Jahres sind sie leer, es sein denn wenige Gläubige finden sich zum Gebet und Innehalten ein, oder Touristen bestaunen die alten Kirchen. Meine Meinung dazu: Ich finde es gut, dass sich die Kirchen für weltliche Dinge öffnen und sich nicht immer so trauerartig ernst nehmen.

3. Und das sollten sich die Mitglieder der Schüler Union mal hinter die Ohren schreiben: Es wäre toll, sie würden sich mal an ihre oberste Instanz wenden, nämlich die Bundes-CDU, und ihr mal vermitteln, was denn christliche Werte sind, von denen die Mitglieder bzw. der Kreisvorsitzende Ferry Eskelsen, so überzeugt sind.

Auf diesem Video ist ein kleiner Ausschnitt zu sehen, was die Tänzerin in der Kirche gezeigt hat. Eine Stripshow sehe ich da nicht.

Wicked – der Film, Teil 2


Gestern kam endlich der 2. Teil des Musicalfilms „Wicked“ in die Deutschen Lichtspieltheater. Auch unser Dorfkino war dabei – und wir auch. Wir hatten uns aus zwei Gründen für die Nachmittagsvorstellung entschieden:
1. Da der beste Ehemann der Welt heute arbeiten muss, wäre die Abendvorstellung zu spät gewesen.
2. Die Nachmittagsvorstellung wird Deutsch/Deutsch aufgeführt, d.h. dass die Dialoge UND die Lieder in deutsch eingespielt werden.
Wir hatten im vorigen Jahr beim 1. Teil die Version Deutsch/Englisch gewählt. Das gefiel uns gar nicht. Dieses ständige „Umschalten“ im Gehirn störte den Gesamtfluss des Films.


Wir hatten uns schon zwei Tage vorher Plätze online reserviert. Noch gestern Nachmittag waren, ausser unseren, noch zwei weitere Plätze verkauft. Na ja, vielleicht kommen ja spontan noch ein paar Interessenten, was auch der Fall war. Es waren aber nur Mädels im Schulalter, die sich für den Film überhaupt nicht interessierten und sich lieber unterhielten. Zweimal musste ich mit Zurechtweisungen aktiv werden. Dazu muss ich allerdings sagen, dass der zweite Teil der Story in grossen Teil recht anspruchsvoll ist und nicht die Leichtigkeit hat wie der erste Teil.

Ganz ohne Frage ist es ein opulent in Szene gesetzter Film. Die Kostüme der Bewohner von Oz – bunt und aufwendig. Die grüne Smaragdstadt – einfach toll anzuschauen. Die beiden Hauptdarstellerinen, Cynthia Erivo als grüne Hexe Elphaba und Ariana Grande als Glinda verstehen es, die Gefühle und Emotionen zu spielen. Jeff Goldblum überzeugt als Zauberer von Oz, bei dem alles nur Fassade ist. Als Madame Akaber spielt Michelle Yeoh gekonnt ihre böse Rolle. Als Fiyero, zu dem sich Elphaba und Glinda hingezogen fühlen, ist Jonathan Bailey auf der Leinwand zu sehen. Er wurde kürzlich als erster schwuler Mann zum Sexiest Man Alive gekürt – kann ich gut verstehen.

Ein richtiges Happy End hat der Film nicht. Nessa, die Schwester von Elphaba, kam bei einem von Madame Akaber erzauberten Wirbelsturm ums Leben. Moq wird als Blechmann am Leben erhalten, Fiyero endet, von Wachen erschlagen, als Vogelscheuche, bleibt aber als solche am Leben. Madame Akaber wird von fliegenden Affen entführt. Der Zauberer von Oz erkennt, dass er der Vater von Elphaba ist und warum diese grün ist. Er muss Oz verlassen, als Glinda sich dessen bewusst wird.

Einzig Elphaba und Fiyero sind am Ende ein Paar, aber eben mit ihren Unzulänglichkeiten, Elphaba als grüne Hexe und der schöne Fiyero als lebende Strohpuppe.

Der erste Teil des Films hatte uns schon nicht so hundertprozentig überzeugt, der zweite noch weniger. Das lag vielleicht an den desinteressierten Mädchen, vielleicht auch daran, dass die Gefühle der Protagonisten live auf einer Bühne gespielt und gesungen, doch viel intensiver rüberkommen als von einer Leinwand. Da helfen auch alle Opulenz und Tricks nicht weiter.

Die Abba Story


Abba geht immer! Deshalb dachte ich, ich schenke meinem Mann zum Geburtstag den Besuch dieser Show im alterwürdigen St. Pauli Theater auf der Reeperbahn in Hamburg. Das war gestern Abend der Fall.

Ein „Erzähler“, in der Rolle des Managers Stig Anderson, erklärte, wie Abba zueinanderfanden und wie alles begann – und dann auch zu Ende ging. Dazu wurden die passenden Songs live gesungen, begleitet von drei Backgroundsängern und einer vierköpfigen Band. „The Winner Takes It All“ – ein Song, der die Scheidung von Agnetha und Björn zum Thema hat, durfte natürlich nicht fehlen. Und ja, auch hier in der Show rollte eine Träne aus meinen Augen. Das kenn ich ja schon aus dem Musical Mamma Mia.

Die beiden Frontfrauen, „Agnetha“ und „Anni-Frid“, animierten das Publikum im Saal zum Mitsingen und Klatschen. „Benny“ am E-Piano und „Björn“ an der E-Gitarre standen den beiden Damen zur Seite.

Als die Geschichte erzählt war, war die Show noch nicht zu Ende. Das Publikum wurde animiert, Party zu machen und zu tanzen, soweit das in den Sitzreihen möglich ist. Im Parkett, im ersten, sowie im zweiten Rang, brachten die Zuschauer das alte Theater zum Beben. Ca. 30 Minuten erklangen Abba-Songs von der Bühne, die nicht nur mich zum Schwitzen brachten.

Und als Rausschmeisser gab es dann, wie sollte es auch anders sein, „Thank You For The Music“. Mein Schatz und ich wiegten uns dazu Arm in Arm im Takt.

Ein toller Abend mit zeitlos guter Musik. Abba geht eben immer.

Titanic – ein emotionaler Abend


Titanic – Das Musical auf einer Freilichtbühne, geht das überhaupt? Ja, das geht, und wie das geht. Gestern Abend haben wir die sensationelle Aufführung in Tecklenburg angeschaut.

Tecklenburg ist eine Kleinstadt in der Nähe von Osnabrück. Der alte Ortskern mit den Fachwerkhäusern mutet schon eher dörflich an. Es ist erstaunlich, dass ein Trägerverein, „Freilichtspiele Tecklenburg e.V.“ in der Lage ist, hochkarätige Musicalaufführungen auf die Beine zu stellen.

Wir logierten ein einem Hotel am Ortsrand, aber fussläufig ca. 20 Minuten vom Theater entfernt. Es geht bei den Freilichtspielen eher Familiär zu. Bei dem gestrigen tropischen Wetter war sommerliche leichte Bekleidung angesagt. Um 19 Uhr ist Einlass.

Schon eine Stunde vorher kann man die Karawane beobachten, die der Freilichtbühne entgegenstrebt, bepackt mit Taschen für das Picknick vor der Vorstellung und in der Pause. Und natürlich mit Kissen. Die Holzbänke sind nämlich sehr unbequem.

Diese Inszenierung ist wirklich der Hammer, und das sage ich nicht nur deshalb, weil ich ein grosser Fan dieses Musicals bin. Bei den ersten Takten flossen bei mir die Tränen, so schöne Musik, so schöne Liedtexte. Thomas bekam eine Gänsehaut.

Ich weiss gar nicht, was ich im Einzelnen schreiben soll. Am besten ist es, ich zitiere aus den Rezensionen, die ich nach der Premiere gelesen hatte.

Die Kulturfeder schreibt:
Benjamin Eberling gibt Kapitän E. J. Smith authentisch als tragische Autoritätsfigur, seine volltönende Stimme verleiht dem alten Seemann Würde und Verzweiflung.
Alexander di Capri als Konstrukteur Thomas Andrews fasziniert besonders im finalen Solo – seine Rolle ist Anklage und Requiem zugleich.
Felix Martin spielt den Reeder Ismay als gewissenlosen Karrieristen, ein Stinkstiefel par excellence, ohne in Karikatur zu verfallen.
Til Ormeloh überzeugt als Heizer Frederick Barrett mit großer Stimme und Emotionalität, sein Duett mit Tobias Bieri als Funker Harold Bride ist ein musikalischer Höhepunkt.
Masha Karell und Anton Rattinger als Ida und Isidor Straus bilden das berührende Herzstück des zweiten Aktes. Ihr Duett, gesungen von zwei Menschen, die lieber gemeinsam sterben als getrennt leben, ist still, aber von erschütternder Kraft.
(Dieses Duett ist wirklich herzzerreissend.)
Hier nachzulesen

Da Capo Magazin schreibt:
… denn was das Tecklenburger Kreativteam unter der Leitung von Regisseur Ulrich Wiggers auf der alten Burgruine geschaffen hat, darüber wird man in 20 Jahren noch sprechen. Eine perfekte Inszenierung mit grandiosen Bildern, toller Musik und herrlichen inszenarischen wie auch optischen Ideen ..


Musicalzentrale:
Als das Ensemble aus der Stille, die einem Gedenken an die realen Opfer der Katastrophe gleicht, aus den Trümmern des Wracks und der Dunkelheit wieder ins Licht tritt und abermals den mächtigen Choral mit „Nun fahr mit Gott, mein Schiff, Titanic, weit hinauf auf’s Meer“ anstimmt, bleibt kaum ein Auge trocken und das große Ensemble wird vom Auditorium aus berührt wie frenetisch gefeiert.

Ich kann dem nichts hinzufügen, ausser, dass es eine Inszenierung ist, die man so schnell nicht vergisst.

Ein 26-köpfiges Orchester sorgte für einen fulminannten Klang. Die Bühne wurde zeitweise mit 70 Personen bespielt. Die Kostüme – ein Traum. Bei den Temperaturen, die gestern herrschten, müssen die Darsteller darin und unter den Perücken gelitten haben.

Nach diesem Abend konnten wir nicht so einfach ins Bett gehen und das Licht ausmachen. Das Hotel Bismarckhöhe hat eine kleine Veranda, in der man den Abend ausklingen lassen kann. Dort sassen wir noch eine Weile mit unseren Freunden Claudia und Thomas und unterhielten uns über die Aufführung.

Connie Francis gestorben


Im Alter von 87 starb die Schlagersängerin Connie Francis.

Als erstes dachte ich, als ich heute von ihrem Ableben las: Ach, die lebte auch noch? Aber so ist das, wenn Personen, die einst ständig präsent waren, lange nicht in Erscheinung getreten sind.

Wenn ich an ihre Schlager denke, fällt mir als erstes ein „Die Liebe ist ein seltsames Spiel“. Warum es gerade dieses Stück ist, weiss ich auch nicht. Beim Nachlesen über Connie Francis stiess ich noch auf „Schöner fremder Mann“ und „Barcarole in der Nacht“. Ach ja, stimmt, ich erinnere mich.

In den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts hatte Connie Francis ihre Zeit als Schlagersängerin in Deutschland. Das war meine Zeit, in der ich Schlager hörte und Omas Opernschallplatten auflegte. Ein Kontrastprogramm? In der Zeit, als die grossen Opern entstanden, gab es kein Radio, vom Fernsehen ganz zu schweigen, und keine Schallplatten. Einige Arien avancierten damals zu Schlagern.

Weisse alte Männer

Ich kann nur mit dem Kopf schütteln! Warum?:
In der kleinen Stadt an der Elbe gibt es einen Männergesgangsverein, die Geesthachter Liedertafel, gegründet 1862 und damit ältester Verein der Stadt. Vor 25 Jahren erdreisteten sich einige Damen, einen eigenen Chor zu gründen, den Damenchor 2000, als Teil der Geesthachter Liedertafel. Es gab darum eine grosse Diskussion, ob denn Damen überhaupt in der altehrwürdigen Geesthachter Liedertafel mitsingen dürften. Es gab darüber eine Abstimmung und die Damen durften. Über diesen Frevel war etwa die Hälfte der Männer derart erbost, dass sie den Verein verliessen. Im Jahr 2000 ist das geschehen, man stelle sich das mal vor.

Die Damen feiern in diesem Jahr also ihr 25-jähriges Jubiläum mit einem Festkonzert. Der Männerchor hat es abgelehnt, bei diesem Konzert aufzutreten. Denn, mangels eigener Masse, taten sich die Männer mit einem anderen Männerchor zusammen. Der eigene Chor, also die Männer der Geesthachter Liedertafel, wären wohl beim Konzert ihrer Damen aufgetreten, aber die Männer des anderen Chores, Cantus/Eintracht aus Neuengamme, lehnen das ab.

Die Damen werden das Konzert aber nicht allein bestreiten müssen. Als Gastchor wird die Liedertafel Harmonia aus Ochsenwerder auf der Bühne stehen.

Ich habe übrigens ganz bewusst den Namen des Chores der alten weissen Männer erwähnt.

Carlo von Tiedemann verstorben

Wer in Norddeutschland lebt, dem ist Carlo von Tiedemann ein Begriff. Und nun ist er im Alter von 81 Jahren gestorben.

Carlo von Tiedemann und das NDR-Radio gehörten zusammen. Auch im NDR-Fernsehen war er präsent: Die NDR Talkshow, die Aktuelle Showbude. Die Talkshow gibt es immer noch. Von 1991 bis 1998 war er Stadionsprecher im Volksparkstadion bei den Heimspielen des HSV.

Die Stimme von Carlo von Tiedemann kannte jedes Kind. Er war ein Urgestein des Rundfunks. Carlo von Tiedemann verkörperte Hamburg und Nordeutschland zu einer Zeit, als es die privaten Radiosender noch nicht gab. Man hörte NDR, wir hatten ja sonst auch nichts.

Über seine Mutter, Fides von Kleist, war er weitläufig mit dem Schriftsteller Heinrich von Kleist verwandt.

Carlo von Tiedemann, unvergessen, R.I.P.

Musik am Hafen


Heute Nachmittag startete die diesjähre Konzertreihe Musik am Hafen. Organisiert wird das durch die Stadt Geesthacht. Der Eintritt ist frei. Wenn das Wetter mitspielt und die richtigen Bands auftreten, haben schon ca. 1.200 Zuschauer dort zugesehen, gehört und getanzt.

Die Sitzterrassen des Hafens, wo die Konzerte stattfinden, liegen ja fast direkt vor unserer Haustür. So sind wir nach einem kurzen Fussweg und wenigen Minuten am Hafen und können gucken, was da los ist.

Die Band MANNSCHAFT eröffnete heute die Sommerkonzerte. Hm, deren Musik war nicht unser Stil. Wir hörten ein paar Minuten zu und entschlossen uns dann, einen kleinen Spaziergang zu machen.

Heute Abend soll noch die Band DenManTau auftreten. Leider ist ein Regengebiet auf dem Weg. Mal gucken, wie das um 19 Uhr aussieht und ob wir überhaupt noch mal Lust haben, zum Hafen zu gehen.

Die Konzerte locken immer viele Menschen an. Wer weiss, in ein paar Jahren werde ich auch da so sitzen, ein Kaltgetränk schlürfen und froh sein, mal was anderes zu sehen.