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Das Schaufenster

Da sehe ich im Venice Daily Photo die Abbildung eines Schaufenster und denke: „Hallo, das kenn ich doch!“.

Nun ist es ja nicht schwer, auf Fotos von Venedig etwas wiederzuerkennen. Erstens hat auch jemand, der noch nie in Venedig gewesen ist, schon mal Bilder mit den Highlights gesehen. Und für den, der die Stadt schon mal besucht hat, ist es natürlich ein Leichtes, das eine oder andere Bauwerk zu erkennen. Aber in dem verwinkelten Gassengewirr genau den Laden zu finden und genau das Schaufenster zu fotografieren, das in einem anderen Weblog veröffentlich wird, ist schon Zufall.

Mein Reisebericht über unseren Venedigkurzurlaub von 2003 findet ihr hier. Dort ist auch das Schaufenster zu entdecken, allerdings mit einer anderen Dekoration.

Jahreswechsel in München

Die Idee entstand ganz spontan während des Besuchs von Frank anlässlich Bernds Geburtstag im vergangen Jahr: Wir fliegen zu Silvester nach München! Schnell sassen wir am Rechner und recherierten im Internet nach günstigen Flügen. Bei germanwings wurden wir fündig: Hamburg-München-Hamburg, 2 Personen für Eur 158,00. Ohne lange zu überlegen drückte ich ein letztes Mal die Entertaste – und unsere Flüge waren gebucht.

1. Tag – 29.12.2006
Am Freitag vergangener Woche war es dann so weit und es ging ab in den Süden der Republik. Unser Flug war gebucht für 19.30 Uhr. Laut Empfehlung der Fluggesellschaft sollten wir uns etwa 2 Stunden vor dem Abflug zum Checkin einfinden, also um 17.30 Uhr, was bei einer normalen Arbeitszeit am Freitag gut zu machen ist. Allerdings hatte unsere neue Geschäftsführung entschieden, die Arbeitszeit ein wenig lockerer zu sehen und den tatsächlichen Gegebenheiten anzupassen. Es war beabsichtig, um 15.00 Uhr Feierabend zu machen. Nun ist in der Schifffahrt nicht unbedingt natürlich den Jahrswechsel auch gern verbracht hätten. Leidergottseidank klärte es sich schnell auf, dass wir nach München gebucht hatten.

Die Zeit bis zum Abflug vertrieben wir uns mit einem Rundgang durch die beiden weihnachtlich gescmückten Terminals und beim Verzehr von Baguettes und heisser Schokolode zu einem stolzen Preis. Für den Preis von 10 x 2 Baguettes und 10 x 2 Tassen heisser Schokolade könnne 2 Personen auch von Hamburg nach München und zurück fliegen.

Endlich durften wir an Bord unseres Fliegers, ein Airbus A319. Der Start bescherte uns einen grandiosen Blick über das abendliche Hamburg und den Hafen. Nach ca. 1 Stunde Flugzeit landeten wir in München. Dort dauerte es dann noch ca. 30 Minuten, bis wir uns unseren Trolli vom Gepäckband schnappen konnten. Nach einer Fahrzeit von ca. 1 Stunden mit S- und U-Bahn konnten wir endlich Frank in die Arme schliessen. Es wurde noch ein langer Abend, hatten wir uns doch viel zu erzählen.

2. Tag – 30.12.2006
Nach einem reichlichen Frühstück machte Frank für uns den Reiseleiter bei einem kleinen Rundgang. Am Viktualienmarkt besichtigten wir die hübsch präsentierten Viktualien. Ein paar Schritte weiter standen wir vor dem berühmten Hofbräuhaus. Wir 3 schauten uns an: Sollen wir oder sollen wir nicht? Und schon waren wir drin und fanden sogar Platz. Wenige Augenblicke später hatten wir jeder eine Mass Bier vor uns stehen – mittags um 12.00 Uhr!

Von unserem Platz hatten wir einen guten Überblick über das Geschehen. Es ist ziemlich beeindruckend, welche Menschenmassen sich in die Lokalität wälzten, teilweise im Takt zur Musik hüpfender Weise. An unserem Tisch hatten wir zuerst nette junge Italiener. Später gesellten sich 4 Herren zu uns, von denen wir nicht wissen, was wir von ihnen halten sollen: Schwul oder nicht, das ist die Frage. Einer von ihnen rückte Frank ziemlich auf die Pelle. Ein anderer hatte eine, wie Frank es ausdrückte, Tuntenbrille auf der Nase, ein ziemlich abgefahrenes Modell – die Brille, nicht die Nase. Unsere Mass war schon ziemlich leer und alsbald verliessen wir den recht interessanten Ort und machten uns auf den Heimweg.

Zwischenzeitlich hatten wir uns für den Nachmittag mit Tim und Christoph verabredet. Christoph wohnt in der Nähe von München und Tim war auf „Heimatbesuch“ bei ihm. Wir trafen uns am späten Nachmittag an der Mariensäule auf dem Marienplatz. In der Einkaufspassage „5 Höfe“ gibt es das Armani-Café. Das hört sich zwar ziemlich abgefahren an, und so verhält sich auch das Personal, nämlich sehr cool und ja nicht zu viel lächeln. Aber wir sassen dort ganz nett und gemütlich bei cremiger Schokolade, die ziemlich galant vom blanken schwarzen Trinkhalm abfloss, wenn man diesen aus der Tasse zog.

Tim kannten wir ja schon von seinem Besuch bei uns im September. Uns so freuten wir uns, endlich auch seinen Freund Christoph kennen zu lernen. Die Beiden sind 2 ganz liebe und nette Jungs. Es ist schön, wenn man sich trotz eines grosses Alstersunterschied gut versteht.

Tim und Christoph hatten noch eine andere Verabredung, Bernd und ich hatten Hunger und trafen Frank zum Essen in der Wirtshausbar Moro. Später liessen wir bei Frank daheim den Abend ausklingen.

3. Tag – Silvester
Nach dem Frühstück mussten wir noch mal raus an die frühlingshafte Winterluft. Vorbei am Deutschen Museum – wo wir uns fragten, was die Zusammenstellung einer alten Mühle, eines Seenotrettungskreuzers und einer Antenne bedeutet – ging es zum Gasteig, die Münchener Philharmonie, in der sich Frank und Bernd vor 10 Jahren anlässlich eines schwul-lesbischen Chorfestivals kennen gelernt hatten. Bernd war dort mit dem Schwulen Männerchor Schola Cantorsa aufgetreten und ist von dem Saal sehr begeistert. Leider konnten wir nur einen Blick in den kleinen Konzertsaal werfen.

Weiter ging es, vorbei an Edis Schloss, dem Bayerischen Landtag, die Maximilanstrasse hinauf, in der einst Mosi, Gott hab in seelig, seine Boutique hatte. Und Dallmayr durften wir, obwohl geschlossen, nicht auslassen.

Das sonnige und klare Wetter lud uns ein, die 306 Stufen der ältesten Münchener Pfarrkirche „Alter Peter“ hinaufzusteigen um von oben einen Blick auf München zu werfen. Die Wetterverhältnisse meinten es gut mit uns und liessen uns die zum Teil schneebedeckten Alpen sehen.


Nachdem wir uns bei Frank für die abendlichen Feierlichkeiten ausgeruht hatten, begann das Zelebrieren des aufrüschens: Bart noch mal stutzen, duschen, Ausgehklamotten anziehen. „Kann ich so gehen?“ – „Sitzt die Krawatte?“ – na ja, man kennt das ja. Endlich, nachdem sich Frank zähneputzender Weise von seinen Chatparntern verabschiedet hatte, waren wir fertig, noch ein Foto und auf ging’s.

Frank hatte für uns 3 in der Deutschen Eiche ein 5-Gänge-Menü gebucht. Wir wurden von einer „Dame“ mit turmhoch toupierter Frisur an den festlich gedeckten Tisch geleitet. Dort sassen bereits zwei Männer, Thomas und Jörg, die auf Anhieb einen sehr netten Eindruck auf uns machten. Wir 5 hatten viel Spass und amüsierten uns köstlich. Das Essen war ganz grosse Klasse. Der Wein auch. Gaymeinsam schafften wir es, dem Wirt eine Sorte des auf der Karte angebotenen Weines wegzutrinken. Na gut, wir waren sicher nicht die Einzigen, die gerade diesen Wein tranken.


Zwischen Hauptgericht und Nachspeise wurde uns ein Zwischendessert in Form einer kleinen Travestieshow serviert. Provessionell mit Charme und Witz, aber auch mit leisen, nachdenklichen Tönen traten die DamenHerren auf. Es war eine willkommene Unterbrechung des Menüs um das vorzügliche Essen etwas sacken zu lassen.

Um Mitternacht stiessen wir mit Champagner auf das neue Jahr an. Danach ging es hinaus auf die Strasse um etwas vom Schwefelduft und Feuerwerk mitzubekommen. Leider löste sich bald danach die Gesellschaft auf. Die meisten Gäste verliessen das Restaurant, wohl um noch in anderen Etablissements die Nacht zu verbringen. Am Nebentisch sass noch ein einsames Lesbenpärchen, das von Bernd ein wenig in unsere Unterhaltung einbezogen wurde. Hier bewahrheitete sich das Horskop für diese Nacht, dass ich nachmittags noch bei Barbara für Bernd gefunden hatte: „Der Löwegeborene strahlt heute besonders viel Herzlichkeit aus. Seine lebensbejahende, positive Haltung färbt auf die Umgebung ab – und bringt Sympathien.“

Um uns herum wurde es immer leerer. Thomas bekam Probleme mit seinem Magen. Er und Jörg zogen sich auf ihr Zimmer zurück. Wir machten uns mit Frank auf in die Neujahrsnacht und zogen ins Prosecco, eine Bar, die in der wir vor vielen Jahren mit dem Chor mal eine überraschende und witzige Nacht verbracht hatten.

Im Prosecco war es brechend voll und es herrschte eine nette Stimmung. Wir ergatterten tatsächlich noch Plätze direkt am Tresen was es einfach machte, Getränke zu bekommen. Meine Hose bekam eine Ladung Bier ab, aber wir unterhielten uns prächtig.

Ich weiss nicht, wie lange wir dort waren, aber irgendwann merkte ich, dass ich nach Hause wollte. Bernd und ich machten uns auf den Heimweg durch das nächtliche München. Zum Glück wohnt Frank so günstig, dass wir zu Fuss nach Hause gehen konnten. Als wir schlafen gingen, war es 04.40 Uhr am 1. Januar 2007. Wann Frank nach Hause kam wissen wir nicht.

4. Tag – 1. Januar 2007
Wir schliefen tatsächlich ziemlich lange, was natürlich auch ein kein Wunder war. Kopfschmerzen – nein, der Kopf war in Ordnung. Das Frühstück gab es mittags. Dabei hatten wir genügend Gesprächsstoff über die vergangene Nacht.

Dann hiess es auch schon Koffer packen. Die S-Bahn brachte uns raus zum Flughafen. Noch eine Cola gegen den Nachdurst und es ging wieder Richtung Heimat.

Der Start in München und die Landung in Hamburg waren von starken Turbulenzen aufgrund des stürmischen Wetters begleitet. Der Flug selbst war ruhig. Zurück in Hamburg brachte uns ein Taxi nach Hause. Der Abend endete erschöpft auf dem Sofa vor dem Fernseher, begleitet von den Erinnerungen an ein paar schöne Tage in München.

Zweisamkeit mit Cabrio, Kuchen, Pflanzen und einer Exministerin


Eine Familie zu haben ist schön.
Mit der Familie zusammen zu sein ist schön (jedenfalls bei uns ist es so).
Freunde zu haben ist schön.
Mit Freunden was zu unternehmen ist schön.
Gäste zu haben ist schön.
Zu Gast sein zu dürfen ist schön.

Wunderbar ist es, wenn man allein zu zweit mit seinem Partner was unternimmt. Wenn dazu das Wetter toll ist, man mit offenem Verdeck durch die Gegend fahren kann, ohne Zeitdruck – gibt es was schöneres? Vielleicht. Aber für uns war heute ein so wunderbarer Tag.

Mittags machten wir uns auf den Weg über die A1 in Richtung Ostsee. Unser Ziel war das Palmenhaus-Café in Sierhagen in der Nähe von Neustadt/Holstein. Ich hatte vor mehr als einem Jahr durch Zufall davon in einer Sendung des N3-Fernsehens erfahren. Seither war es ein Wunsch von mir, das Café zu besuchen, das wegen seiner hausgmachten Torten und Kuchen viel gerühmt wird, u.a. von der Zeitschrift „Der Feinschmecker“.

Es war nicht ganz einfach, die kleine Ortschaft zu finden. In unserem Navisystem ist sie nämlich nicht enthalten. Zum Glück hatte ich mir die Wegbeschreibung ausgedruckt, die leider nicht ganz eindeutig ist. Nachdem wir zuerst die falsche Autobahnabfahrt genommen hatten, zwei mal am Hansapark vorbeigefahren und dann wieder auf die Autobahn gefahren sind, diese an einer anderen Abfahrt verlassen hatten, kamen wir endlich in die gewünschte Richtung. Doch bevor wir in Sierhagen ankamen, landeten wir erst mal auf Gut Hasselburg.

Sind wir hier richtig? Vor dem Torhaus stellten wir den Wagen ab und schauten uns um. Nein, vom Palmenhaus war nichts zu entdecken. Trotzdem war es schön, hier kurz angehalten zu haben und diese alte Gutshofanlage ein wenig zu besichtigen.

Über eine äusserst enge und kurvenreiche Strasse machten wir uns weiter auf die Suche. Endlich waren wir in Sierhagen. Ein Hinweisschild leitete uns zum Parkplatz. Wenig später standen wir vor dem langersehnten Palmenhaus-Café. Die Aussenplätze waren bei dem schönen Wetter alle belegt. Deshalb suchten wir uns einen Platz im Palmenhaus, das durch die grossen Fenster lichtdurchflutet ist.

Die Kuchenauswahl war schnell getroffen: Für Bernd ein Stück Eierlikörtorte, für mich ein Stück Himbeer-Käsesahne-Torte, dazu jeweils ein Kännchen Schokolade mit Sahne. Wir bekamen grosse Augen als der Kuchen serviert wurde. Es lagen nämlich riesige Stücke auf dem Teller. Sowas gibt’s es sonst wohl kaum. Nicht nur optisch, nein, auch geschmacklich war der Kuchen ein Genuss. Leider waren unsere Mägen ziemlich voll nachdem wir die Leckerei verzehrt hatten. Viellicht hätten wir sonst noch einen Eisbecher bestellt.

Direkt neben dem Café befindet sich die Gärtnerei von Gut Sierhagen. Ich bin ja nicht nur begeisterter Kuchenfan sondern auch sehr interessiert an allem, was mit Gärten und Pflanzen zu tun hat. War ja klar, wie Bernd richtig vermutete, dass ich mich da noch umsehen wollte.


In zwei Gewächshäusern werden Pflanzen und Geschenkartikel angeboten. Der Aussenbereich macht einen sehr urwüchsigen Eindruck, nicht alles so akkurat wie im Gartencenter, was im ersten Moment etwas unordentlichen aussieht. Auch die Pflanzen sehen nicht so frisch und stark aus wie im Gartencenter. Allerdings muss man sein Wahrnehmungsvermögen etwas umstellen, weg vom Gartencenter, weg von schneller Aufzucht. Wenn man hier länger verweilt merkt man, dass es hier wunderbar duftet, sieht man, dass hier Kräuter angeboten werden, die es im Gartencenter in dieser Vielfalt nicht gibt. Es ist eben noch – oder wieder so? – wie es früher war.

Da ich eine Frage zum Lavendel auf unserem Balkon hatte, begab ich mich in eins der Gewächshäuser um eine dort tätige Dame um einen Rat zu bitten. Neben mir stand eine Dame, die mir irgendwie bekannt vorkam. He, das ist doch die, wie heisst sie noch, unsere ehemalige Verbraucherschutzministerin! So sehr ich mich auch anstrengte, ich kam nicht auf ihren Namen. Da sie gerade ihre Einkäufe bezahlte, was etwas Zeit in Anspruch nahm, ging ich raus zu Bernd um ihm zu erzählen, wer da drin steht. Er hatte es bereits registriert, kam aber auch nicht auf ihren Namen. Ich ging wieder hinein. In dem Moment nahm Frau Künast einen Topf mit Basilikum und stellte ihn zu den anderen Waren. Und in dem Moment wurde mir bewusst, in was für einer Gärtnerei ich mich befand: Ich habe noch nie einen so intensiv riechenden Basilikum bemerkt. Hier wird alles noch so angebaut, wie man es früher gemacht hat und nicht auf die Schnelle in Substrat hochgezogen.

Das nahm ich zum Anlass, eine kleine Bemerkung in den Raum zu werfen. Und schon waren wir drei, Frau Künast, die Mitarbeiterin der Gärtnerei und ich, in ein kleines Gespräch verwickelt. Ich bedauerte sehr, dass mir der Name immer noch nicht eingefallen war. Wenige Augenblicke später war unsere Exministerin mit ihren Einkäufen verschwunden und ich bekam eine Beratung bezüglich unseres Lavendels, woraufhin ich natürlich noch eine Lavendelpflanze kaufte.

Wir machten uns langsam auch auf den Heimweg. Über Neustadt nach Haffkrug, auf der Strandstrasse entlang nach Scharbeutz, was mit enem Cabrio doppelt so viel Spass macht als mit einem geschlossenen Auto. Dann nach Timmendorfer Strand und weiter nach Niendorf/Ostsee.

In Niendorf zeigte ich Bernd die kleine Siedlung, in der ich in den 60ern zusammen mit meiner Cousine bei unserer Grossmutter viele Ferientage verbrachte. Sie hatte sich dort ein kleines Ferienhaus gekauft. Es steht immer noch so da wie damals. Nach dem Tod von Oma hat die Familie es verkauft. Erinnerungen an die damalige Zeit wurden wach, von denen ich Bernd während der Weiterfahrt über die Landstrasse nach Warnsdorf, am Hemmelsdorfer See entlang zum Waldhusener Forst bei Lübeck erzählte. Kurz darauf saugte uns die Autobahn Richtung Hamburg auf.

Usprünglich hatte ich geplant, heute etwas aus unserem neuen Kochbuch zu kochen bzw. zu backen („Backen mit Olivenöl). Da das Wetter aber so spätsommerlich schön war, hatten wir uns entschlossen, noch mal zu grillen. Wer weiss – vielleicht war es das letzte Mal in diesem Jahr. In den nächsten Monaten werde ich noch genügend Gelegenheiten haben, neue Rezepte auszuprobieren.

Zweisam klang dieser wunderbare Tag vor dem Fernseher auf dem Sofa aus, wo mir alsbald die Augen zufielen.

Nachlese


Aus Zeitmangel wegen lieben Besuchs und diverser Unternehmungen mit besagtem Besuch kam ich in den vergangenen Tagen nicht dazu, mein Weblog zu aktualisieren.

Hier nun ein Abriss dessen, was mich in den letzten Tagen bewegt hat und was so geschehen ist:

Freitag, 11. August 2006

Der kleine Franjo ist tot, gestorben an Herz- und Kreislaufversagen. Was war geschehen?:

Nach einer kleinen Routineoperation (Beseitigung einer Vorhautverengung) kam es zu einer Komplikation. Die behandelnde Ärztin machte bei der Behandlung der Komplikation einen Fehler. Daraufhin kam es zum Hirntot des 4-jährigen Jungen. Er wurde nur noch mit Apparaten am Leben erhalten. Eine sogenannte Ethikkommission sollte den Eltern bei der Entscheidung, die Apparate abzustellen, beistehen. Diese schwere Entscheidung ist den Eltern abgenommen worden weil der kleine Körper aufgegeben hat.

Ich hätte nicht in der Haut der Eltern stecken mögen, die Entscheidung zu treffen. Ihr Kind, aussehend wie friedlich schlafend, nur noch an Apparaten hängend am Leben erhalten, soll endgültig sterben. So traurig das Schicksal des Jungen und seiner Familie auch ist – so, wie es gekommen ist, ist es besser.

Inzwischen ist die Mutter in stationärer psyischer Behandlung, so wie auch die Ärztin, die den Tod des Kleinen zu verantworten hat.

Doch nun zu erfreulichen Dingen:
Aus gegebenem Anlass wollte ich Bernd an diesem Wochenende eine Überraschung bereiten. Da ich aber nicht in der Lage war, die Vorbereitugen für dieses Wochenende allein zu bewerkstelligen, habe ich ihm in der vorigen Woche von meinen Planungen in Kenntnis gesetzt, die bereits seit einigen Monaten feststehen:

1. Frank aus München kommt
2. Meine Eltern kommen zum Kaffee und essen gehen
3. Wir gehen segeln

Während Bernd Frank vom Flughafen abholte konnte ich die letzten Vorbereitungen in der Wohnung erledigen, die halt so üblich sind wenn Besuch kommt.

Es gibt immer viel zu erzählen wenn wir Frank treffen, wozu wir während eines ausgiebigen Frühstücks reichlich Gelegenheit hatten.

Am späten Nachmittag machten wir uns auf den Weg nach Geesthacht um unserem Gast dort den aktuellen Stand der Bautätigkeit in unserer neuen Heimat zu zeigen. Danach waren wir in der Alten Försterei. Dort wird freitags ein italienisches Buffett angeboten, was wir schon lange mal probieren wollten. Die Auswahl war nicht sehr gross, aber überaus lecker. Wenn wir erst mal im Elbe Penthouse wohnen, werden wir sicher öfter in dem netten und gemütlichen Restaurant zu gast sein. Frank war so nett und übernahm die Rechnung. Vielen Dank!

Samstag, 12. August 2008

Bernds Mutter und meine Eltern kamen heute zum Nachmittagskaffee. Ursprünglich war es meine Absicht, selbst eine leckere Torte zuzubereiten. Da ich aber keine Lust verspürte in der Küche zu hantieren während wir Besuch haben, griffen wir in die Tiefkühltruhe im Supermarkt und kauften eine Käse-Sahnetorte von Coppenrath und Wiese. Mein Vater frage zwar, ob die denn echt sei oder aus Gips, aber geschmeckt hat sie ihm trotzdem. Ich muss zugeben, dass die Torte so perfekt aussah, dass man annehmen konnte, es sei ein Schaustück. Aber sie war wirklich gut, nicht nur im Aussehen, auch im Geschmack.

Zum Abendessen hatten wir einen Tisch im Restaurant Bellini um die Ecke reserviert. Wie immer war die Bedienung freundlich und das Essen ausgebrochen ausgesprochen gut. Zu einem günstigen Preis bekommt man hier wirklich gute Qualität. Leider war heute keiner da, der die Rechung übernahm. Ich musste also selbst bezahlen.

Sonntag, 13. August 2006

Um sieben Uhr früh klingelte der Wecker. Als Mitbringsel für unsere Gastgeber hatten wir uns unter anderem den Olivenkuchen ausgedacht. Und der schmeckt frisch gebacken ganz bestimmt am besten. Während Frank noch selig schlummerte werkelte ich bereits in der Küche und Bernd war auf dem Weg zum Bahnhof, um frische Brötchen für das Frühstück zu holen.

Das Timing für den Kuchen war perfekt: Kurz bevor wir das Haus für unsere Segeltour velassen mussten, war er fertig. Die Autobahn in Richtung Ostsee war auf allen drei Spuren dicht befahren. Auffallend waren die vielen Linksfahrer. Es gab absolut keine Veranlassung, nur die mittlere und linke Fahrspur zu benutzen. Da die rechte Spur meist kilometerweit frei war, bin ich dort an recht vielen Fahrzeugen vorbeigefahren – allerdings mit einem etwas mulmigen Gefühlt.

Kurz nach dem wir an Bord der Segelyacht von Familie F. waren, hiess es auch schon Leinen los. Der Wetterbericht hatte nämlich schwere Gewitter vorhergesagt. Und bevor die eintrafen, wollten wir noch ein wenig auf der Lübecker Bucht segeln. Obwohl der Himmel um uns herum ziemlich nach Gewitter aussah, hielten die sich fern und belästigten uns nicht.

Die Ostsee war von einem grünen Algenteppich überzogen, wie ich es noch nie gesehen hatte. Richtig ekelig sah das aus. Die Algen heissen Blaualgen. Warum die allerdings grün sind bleibt ein Rätsel. Den Segelspass vemiesten uns die grünen Blaualgen nicht. Und baden wollten wir eh nicht. Nach etwa zwei Stunden ging es zurück in den Hafen. Nach einer kleinen Hafenrundfahrt, während der wir den Passagiersegler „Sea Cloud 2“ passierten, machten wir im Yachthafen wieder fest.

Karin machte uns den Vorschlag, doch mal die „Passat“ zu besichtigen. Die Viermastbark liegt direkt am Yachthafen vertäut und dient wasserseitig als Wellenschutz. Die Idee fanden wir gut und wenige Minuten später standen wir an Deck des beeindruckenden Museumsschiffes.




Als wir auf die Yacht zurückkamen, war dort der Tisch reichlich gedeckt und wir nahmen ein üppiges kaltes Abendessen zu uns. Man wusste gar nicht, was man essen sollte – so gross war die Auswahl. Ich glaube, dass ich auch gar nicht alle Köstlichkeiten verkostet habe.

Für die Rückfahrt nach Hamburg wählte ich eine Strecke durch Meck-Pom. Wenn man schon einen Gast hat, dann soll man ihn auch so viel wie möglich bieten.

Montag, 14. August 2006

Da heute Abreisetag für Frank war, hatten wir nichts geplant. Der Dauerregen erstickte auch jegliches Interesse, etwas zu unternehmen, im Keim. Nach dem Frühstück wollte Frank noch mal in die City zu Saturn. Bernd wollte auch nach etwas Ausschau halten. Und so fuhren die Beiden in die Stadt. Eigenlich wollte ich auch mit, aber wegen eines merkwürdigen Rumorens im Bauch blieb ich lieber zu Hause.

Nach der Rückkehr der Beiden liessen wir das Wochenende noch mal Revue passieren. Und ganz plötzlich hatten wir eine Einladung von Frank, Sylvester nach München zu kommen. Schnell waren günstige Flüge gefunden und gebucht. Diesen Jahreswechsel werden wir also mal in München feiern.

Bald wurde es Zeit, dass Frank zum Flughafen gebracht werden musste und Bernd machte sich mit ihm auf den Weg.

Ein sehr schönes Wochenende war jetzt beendet, ein Wochenende, das eigentlich für Bernd eine Überraschung sein sollte. Er hat sich trotzdem riesig gefreut!

Mönchengladbach und Umgebung

Samstag, 22. Juli 2006 – Montag 24. Juli 2006
Seit über einem Jahr wohnt Oliver nun schon in Mönchengladbach und wir hatten es bislang noch nicht geschafft, ihn dort zu besuchen. Ich muss zugeben, dass ich als Vater schon ein schlechtes Gewissen hatte. Da hilft auch keine Ausrede der Art, dass wir keine Zeit hatten. Vielleicht war es eher Bequemlichkeit. Aber jetzt haben wir es endlich geschafft, wenn auch durch die psychologische Hilfe der Geburtstagsgeschenke für meine Eltern bzw. Olivers Grosseltern. Gemeinsam hatten wir ihnen eine Wochenendereise zu Oliver geschenkt, mit Rahmenprogramm. Das Rahmenprogramm blieb den Ahnen jeweils bis zur letzten Minute verborgen. Weiterlesen →

Ein Sommertag an der See


Heute waren wir bei Karin, Wolfang und ihrer Tochter Nina zum Segeln nach Travemünde eingeladen. Sobald wir an Bord waren hiess es „Leinen los“ und es ging hinaus auf die Lübecker Bucht. Kurz nach dem wir die Mole passiert hatten wurden die Segel gehisst und der Motor abgestellt. Eine wunderbare Ruhe machte sich breit. Mangels gutem Segelwind dümpelten wir auf der Ostsee. Das Log zeigte eine maximale Geschwindigkeit von 3,2 Knoten an, es kam aber auch vor, dass auf der Anzeige 0,0 Stand – es herrsche mehr oder weniger Flaute. Dazu brannte die Sonne vom Himmel. Trotzdem war die Stimmung an Bord gut, hatten wir uns doch wieder viel zu erzählen.

Nach etwa drei Stunden hatte der Kapt’n die Nase voll von der Dümpelei, holte die Segel ein und nahm Kurs auf den Hafen. War auf See noch ab und zu ein leichter Windhauch zu spüren, lagen wir im Hafen total geschützt und es war nur noch warm, was selbst für mich, der ich die Sonne recht gut vertragen kann, schon recht unangenehm war.

Hitze soll ja gegen Hitze gut sein, und so kochte Karin alsbald Kaffee, zu dem es lecker Erdbeertorte gab. Die Gute hatte gleich zwei Torten gemacht (sie kennt mich wohl auch sehr gut).

Während wir unseren Kaffee schlürften, kam eine Entenmutter mit ihren noch recht jungen Küken angschwommen. Auf einem der beiden Heckpfähle, an dem die Yacht vertäut war, liess sich eine Möwe nieder und beäugte unsere Kaffeetafel. Tiere zu beobachten ist immer eine Freude, besonders wenn sie fast zum Greifen nahe sind.

Nach dem Kafeetrinken hielt mich nichts mehr an meinem Platz und ich musste mit Bernd die Umgebung an Land erkunden. In Travemünde habe ich auf der Yacht meiner Eltern viele Sommer meiner Kindheit verbracht, eine Zeit, die mein Leben geprägt hat. Ich musste nun sehen, ob sich in der näheren Umgebung des Yachthafens was verändert hat. Ausserdem hoffte ich, am Strand eine kleine Brise vom Seewind zu erhaschen, der den geschützten Passat-Hafen nicht erreichte.

Wir machten einen kleien Rundgang bis zum Strand, wo es aufgrund von angeschwemmtem und vor sich hinmodernden Seetangs ziemlich unangenehm roch. Aber hier wehte tatsächlich eine kleine Brise wie ich vermutet hatte. Auf dem Rückweg begegnete uns eine Frachtfähre auf dem Weg von Lübeck nach Finnland. Der ehemalige Frachtsegler „Passat“ lag majestätisch in der Nachmittagssonne vertäut.

Zurück an Bord waren Karin und Nina schon mit den Vorbereitungen für das Abendessen beschäftigt – Seeluft macht bekanntlich hungrig. Und Hunger war auch dringend erforderlich, um von allen Leckereien zu probieren, was uns aber nicht gelang – so üppig war der Abendbrottisch gedeckt. Besonders die umfangreiche Käseplatte sorgte bei uns für Entzücken.

Bald danach machten wir uns auf den Heimweg nach Hamburg. Der Wochenendrückreiseverkehr von der Ostsee war schon weitgehenst vorbei und so erreichten wir unser Zuhause nach einem wunderschönen Tag ohne Störungen.

Reise in die Vergangenheit

Ich hatte ja bereits früher erzählt, dass ein ehemaliger Geschäftspartner aus DDR-Zeiten mein Weblog und mich gefunden hat. Man sieht also mal wieder, dass

1. die Schifffahrtswelt klein ist
und
2. die schwule Welt ist klein ist.

Wir verabredeten seinerzeit, dass wir in Kontakt bleiben und uns in Wismar zu einem Gedankenaustausch treffen. Heute war es endlich so weit und Bernd und ich machten uns auf den Weg nach Wismar.

Ich bin zu DDR-Zeiten zwei Mal in Wismar gewesen und hab zusammen mit meinem damaligen Chef die Firma – sie war damals ein VEB – besucht. Telefonisch hatten wir sowieso einen intensiven Kontakt. Leider hatte ich von Wismar selbst damals wenig gesehen. Wir fuhren immer direkt zum Büro am Hafen, gingen später in einem Restaurant essen und fuhren danach wieder zurück nach Lübeck. Ich war also jetzt neugierig, von der Stadt etwas mehr zu sehen.

Wir trafen uns mit Günter und Reiner an einer Tankstelle, wo wir unseren Wagen abstellen konnten. Von dort ging es dann mit Günters Wagen weiter in die Stadt. Bei einem Cappuchino bzw. Kaffee berochen wir uns erstmal ein wenig bevor wir uns auf den Weg zu einem Stadtrundgang machten. Wismar ist zum Weltkulturerbe ernannt worden. Überall gut erhaltene bzw. liebevoll restaurierte alte Häuser, Lübeck nicht unähnlich.

Wahrscheinlich haben die Juroren die Tittentasterstrasse übersehen – sonst wäre es wohl nichts geworden mit der Weltkultur.

Bei aller Kultur hatten wir genügend Zeit und Gelegenheit, über alte Zeiten zu sprechen. Viele Namen tauchten auf, mit denen wir damals einen intensiven Kontakt pflegten. Vor meinem geistigen Auge erschienen Bilder von Personen und Gelegenheiten, bei denen ich diese Leute getroffen habe. Günter war erstaunlicher Weise in der Lage, zu jedem Einzelnen ein paar Fakten zusammen mit Jahreszahlen beizusteuern. Doch irgendwann hatte auch er den Kontakt verloren. Nach der Wende und der Wiedervereinigung hat sich „drüben“ viel verändert. Firmen wurden von anderen Firmen übernommen oder mit ihnen verschmolzen bzw. liquidiert. Die ehemaligen Mitarbeiter wurden in alle Winde verstreut. Meinen Dank an Günter für den geschäftlichen Trip in die Vergangenheit.

Nach einem leckeren Essen am Rande des Martkplatzes von Wismar unter schattenspendenden Sonnenschirm machten wir uns auf den Heimweg. Eine Stunde 15 Minuten dauert die Fahrt über die A20 und A1 nach Hamburg. Wenn ich mich richtig erinnere, hat damals die Reise von Lübeck nach Wismar länger gedauert, was wohl zum Teil auch an der Grenzabfertigung gelegen hat.

Ergänzung: Aufgrund erheblicher Probleme bei der Internetverbindung wird dieser kleine Bericht erst heute, am 13.6.2006 veröffentlicht.

Weihnachtsfeier

In diesem Jahr hatte die Reederei aus Holland zur Weihnachtsfeier eingeladen. Freitag Mittag ging es mit der Bahn von Hamburg nach Almelo. Die Bahnkarten hatte unser Chef in einem Reisebüro gebucht. Schnell fanden wir unseren Wagen und unsere Plätze, allerdings in einem Raucherabteil obwohl ausdrücklich Nichtraucher gebucht war. Zum Glück hielt sich die Rauchentwicklung in Grenzen. Allerdings sollte dies nicht die einzige Panne auf der Reise sein, doch dazu später mehr.

In Münster mussten wir in eine Regionalbahn umsteigen. Eine Schulklasse ca. 14-jähriger Kinder beanspruchte einen Grossteil des Waggons. Für uns gab es also keine Sitzplätze und wir mussten ca. 1 Stunde stehen bevor auch der Letzte von uns es sich bequem machen konnte. Ausserdem kam es wegen einer technischen Störung zu einer Verspätung von 30 Minuten.

Am Bahnhof in Almelo, unserem Zielort, erwartete uns ein Kleinbus, der uns ins Theaterhotel brachte.

Unsere Gastgeber erwarteten uns in der Lounge des Hotels. Es gab kleine Kuchen und Sandwiches, Kaffee, Bier, Wein oder was man sonst trinken wollte. Nach der mehr als 4-stündigen Bahnfahrt hatten wir Appetit und Durst, so kamuns die angebotene Stärkung gerade recht. Nach ein wenig small talk hier und Begrüssung da wurde es zeit, sich für den Abend fein zu machen.

Wir, hanseatisch perfekt gekleidet, wie wir das gewohnt sind, trafen uns vor dem Essen mit den Holländern – sportlich leger gekleidet – in der Hotelbar aufeinander, bevor es ins Restaurant zum reichhaltigen Buffett ging. Wie es aussah, hatten es die Herren unserer Gastgeber nicht für nötig gefunden, sich ein wenig herauszuputzen. So, wie wir sie bei der Begrüssung angetroffen hatten, nämlich im T-Shirt oder Pullover, erschienen sie auch zum Essen.

Nach dem Essen wurden wir von einem süssen Kellner in den Theatersaal geleitet. Dort sollte Ilse de Lange auftreten, eine Coutrysängerin, die aus Almelo stammt und die bereits in den USA aufgetreten ist.

Der erste Teil ihres Konzerts war recht nett anzuhören. Mehrmals erzählte sie, so weit ich es verstehen konnte (sie tat es in ihrer Muttersprache), von ihrem USA-Aufenthalt. Scheinbar war das ganz lustig, dann das lokale Publikum lachte viel und oft. Nur wir verstanden so gut wir gar nichts von dem. Schade eigentlich. Nach der Pause wurde es ziemlich rockig. Die E-Gitarre wurde gequetscht und Keyboard sowie Schlagzeug wurden hart bearbeitet. Ich sehnte das Ende dieser Veranstaltung herbei. Kaum war der letzte Ton verklungen sprang das Publikum auf und spendete ihrer Lokalgrösse rasenden Beifall. Es gab noch drei Zugaben, dann war ich erlöst.

Ich möchte die Leistung dieser Sängerin ganz gewiss nicht schmälern. Sie hat eine gute Stimme, sieht auch nett aus. Ihre Band spielt, soweit ich das beurteilen kann gut. Aber es war halt nicht meine Musik. Glücklicherweise ging es alsbald zurück ins Restaurant, wo das Dessertbuffett auf uns wartete. Das war natürlich was für mich.

Der Abend klang aus bei Livemusik und Tanz in der Hotelhalle. Es war nach zwei Uhr morgens, als ich schlafen ging – ich dachte jedenfalls.

Wenn man es nicht gewohnt ist, allein zu schlafen, wenn man sich jeden Abend zum Schlafen aneinanderkuschelt, dann fehlt natürlich was und ich lag lange wach, bevor ich tatsächlich eingeschlafen bin. Und natürlich war ich um sieben schon wieder wach. Und Frühstück gab es erst ab neun Uhr. Ich hatte zwar eine Badehose eingepackt, hatte aber keine Lust zum Schwimmen im Hotelbad. Mit zappen durch verschiedene belanglose Fernsehprogramme überbrückte ich die Zeit. Da es draussen sehr nebelig war, hatte ich auch keine Meinung, die Umgebung des Hotels zu erkunden.

Nach dem Frühstück fand die grosse Verabschiedung statt. Unsere kleine Lübecker Gruppe erkundete das kleine Städtchen. Auf dem Mart deckten wir uns mit Käse und Lakritz ein, bevor wir uns auf den Weg zum Bahnhof für die Rückfahrt machten.

Die Reginalbahn brachte uns nach Hengelo. Von dort sollte uns ein IC nach Osnabrück bringen. Die paar Minuten, mit denen der Zug verspätet war, liessen sich verkraften. Unsere reservierten Plätze waren besetzt. Da genügend Plätze vorhanden waren, die nicht reserviert waren, nahmen wir dort Platz.

Der Anschlusszug, der uns zurück nach Hamburg bringen sollte, hatte 20 Minuten Verspätung. Als wir endlich einsteigen konnten, waren unsere reservierten Plätze wieder besetzt. Der Zubegleiter kontrollierte unsere Fahrkarten und Buchungsunterlagen und fragte: „Wollten sie schon gestern fahren?“ – Nein, wollten wir natürlich nicht. Es stellte sich heraus, dass das Reisebüro die Fahrkarte zwar auf das richtige Datum ausgestellt, die Buchung der Pätze für die Rückfahrt aber für den Voirtag vorgenommen hatte, also den Tag, an dem wir uns auf der Reise nach Holland befanden. Zum Glück gab es noch ein paar unreservierte freie Plätze, auf denen wir die Heimfahrt nach Hamburg antreten konnten.

Ich war glücklich, als ich Bernd am Bahnhof in die Arme schliessen konnte.

Mutprobe

Heidepark fahren wollten. Da die beiden Hasen Zeit hatten, sagten sie zu, sind sie doch ebenso Fans von aufregenden Fahrgeschäften wie wir.

Das letzte Stück der Strecke wollten wir, wenn möglich, offen im Konvoi fahren. Wir verabredeten, uns auf einem Parkplatz an der A7 zu treffen. Wegen der frühen Morgenstunde, es war erst 08.30 Uhr, war es dann doch nicht möglich, offen über die Autobahn zu sausen. Aber wenige Kilometer vor dem Park hielten wir an, klappten die Dächer auf und weiter ging’s.

An der Kasse bekamen wir den Rat, zuerst die grossen Fahrgeschäfte, wie z.B. die grösste Holzachterbahn der Welt „Colossos“, aufzusuchen. Es waren nämlich Hunderte junge Menschen von freiwilligen Feuerwehren aus ganz Niedersachsen angreist, die den Park bevölkerten

So führte dann auch unser erster Weg zu der besagten Achterbahn und tatsächlich mussten wir nur wenige Minuten warten, bis uns der Zug auf 60 m Höhe transportierte, von wo es in einem Winkel von 61 Grand fast senkrecht wieder nach unten ging. Ein tolles Erlebnis aus dem allerersten Wagen.

Ein kleineres Fahrgeschäft gleich nebenan warf Bernd und mich für’s Erste aus der Bahn, so dass wir erstmal eine Pause einlegen mussten während sich die Hasen alleine in die Bobbahn wagten. Doch danach ging es frisch gestärkt weiter: Wildwasserbahn, Mountainrafting, nochmal Colossos und veschiedene andere Fahrgeschäfte wurden von uns mitgenommen. Zwischendurch stärkten wir uns am See auf der Terrassee vom Restaurant „Capitol“.

Während unseres Aufenthaltes im Heidepark kämpfte ich mit mir, ob ich wirklich den grössten Gyro-Drop-Tower der Welt, „Scream“ ausprobieren wollte oder nicht. Ich wusste, dass die Hasen früher schon mal drin waren und aus 71 m Höhe im freien Fall in die Tiefe gesaust sind und es wieder machen würden. Ich wusste, dass Bernd es auch ausprobieren würde. Ich wusste, dass ich keine Angst haben würde. Ich wusste aber auch, dass der Blick nach unten aus grosser Höhe, ohne etwas Festes unter mir, ein merkwürdiges Gefühl in mir verursachen würde, mit dem ich schlecht fertig werde. Die Beine hängen baumelnd in der Luft, rund um mich herum ist nichts sichtbar, das stabil ist, es ist, als würde ich einfach so in der Luft hängen und könnte jederzeit abstürzen – eine Erfahrung, die ich in einem ähnlichen Gerät auf dem Hamburger Dom mal gemacht hatte. Und seitdem mied ich diese Türme. Aber zu viert ist man stark, also stellte ich mich mit an. Und ausserdem: Was Andere können kann ich auch! Basta!

Irgendwann waren wir an der Reihe. Mein Herz klopfte, meine Hände waren Nass von Schweiss als der Sichherheitsbügel über Kopf und Schultern gezogen und der Sicherheitsgurt am Bügel befestigt wurde. Ich würde einfach die Augen zumachen, wenn ich es nicht mehr aushalten kann. Langsam wurden wir in die Höhe gezogen. Anfangs schaute ich auf eine Achterbahn, auf der ein Zug oben auf dem ersten Hügel steckengeblieben war. Aber dann konnte ich die Augen nicht mehr aufhalten und ich musste sie schliessen. Es ging höher und höher. Dann stoppte das Gerät und ich wartete auf den Fall. Ich hörte ein Klicken und dann rasten wir nach unten. Wow – geil. Mutprobe bestanden. Noch mal!

Inzwischen war es Nachmittag geworden und da die Wartezeit am „Scream“ recht lang war, gingen wir weiter durch den Park und nahmen noch ein paar gemütliche Fahrgeschäfte mit. Im Holländischen Stadtteil bestellten wir uns Pofferties, dazu trank ich einen Cappuccino aus dem Pappbecher, d.h. ich wollte ihn trinken, denn der Becher glitt mir nach dem ersten Schluck aus der Hand und der Cappuccino ergoss sich über den Tisch und auf das Tablett. Ich kann mit so billigem Geschirr einfach nicht umgehen.

Dann war es Zeit zur Heimfahrt. Ein Stück fuhren wir mit den Hasen gemeinsam, dann gab Gunnar Gas und entschwand unseren Blicken.

Der ausgeschütte Cappuccino war nicht mein einziges Missgeschick dieses Tages: Bernd suchte morgens, bevor wir losfuhren, seine Armbanduhr. Sie war in unser kleinen Wohnung nicht zu finden. Später, als wir beim 2. Mal am „Colossos“ in der Sonne in Warteschleife standen, fand ich dir Uhr als ich die Hemdärmel hochkrempelte. Ich hatte die Uhr, und zwar ich hatte gleich 2 Uhren angelegt, eine rechts eine links. Wir haben nämlich die gleichen Uhren. Und ich trage meine derzeit rechts wegen einer Hautreizung am linken Handgelenk. Warum ich die zweite Uhr dann doch links angelegt hatte, bleibt mir ein Rätsel.

Abstecher an die See

Seit Dienstag ist Frank aus München auf Besuch bei seiner Mutter und ihrem Lebensgefährten in Grömitz an der Ostsee. Frank ist einer unser besten Freunde. Und da München weit weg ist und wir uns nicht so oft sehen, haben wir ihn heute Abend besucht.

Bernd hatte mich von der Firma abgeholt und wir fuhren von dort direkt an die Ostsee. Wir begrüssten kurz seine Gastgeber bevor wir uns zu einem langen Spaziergang auf den Weg machten. Das Wetter dort war besser als in Hamburg. Es war wärmer und nicht so windig wie hier, so dass wir sogar an der Promenade bei einem Bier und Fischbrötchen draussen sitzen konnten.

Es war ein schöner Abend. Von einem Ende der Promenade, dort wo sich die Wohnung befindet, bis zum Yachthafen am anderen Ende und zurück führte unser Weg.

Über den Strand hinweg schweifte unser Blick auf die Lübecker Bucht, an deren Ende in Travemünde das Leuchtfeuer auf dem hohen Gebäude des Hotel Maritim seine Blitze in den Abendhimmel schickte.

Eigentlich waren wir mit dem Gedanken nach Grömitz gefahren, dort beim Chinesen zu Essen. Da Frank aber keinen Hunger hatte, viel dieser Punkt leider ins Wasser. Das Fischbrötchen musste erst Mal reichen. Aber auf dem Heimweg nach Hamburg haben wir im Restaurant zum Goldenen M in Reinfeld nahe der Autobahn zugeschlagen.