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60 Jahre

60 Jahre sind eine lange Zeit. Meine Eltern machten gestern nicht den Eindruck, dass es für sie eine lang Zeit war, 60 Jahre verheiratet zu sein. Sie feierten gestern nämlich das Fest der Diamantenen Hochzeit.

Die Festivitäten begannen vormittags um 11.00 Uhr. Für einige Personen wurde ein kleiner Empfang im Clubhaus der Lübecker Ruder-Gesellschaft gegeben. Etwa 2-1/2 Stunden sassen wir gemütlich bei Schnittchen und Wein beisammen. Dann machte sich das Jubelpaar auf den Heimweg während Bernd und ich noch in die Lübecker City gingen bevor wir meinen Eltern und Bernds Mutter nach Hause folgten.

Ich hatte meiner 83-jährigen Mutter zwar versucht auszureden, am Nachmittag Kaffee und Kuchen zu Hause zu geben. Um 18.00 Uhr sollte ja bereits die grosse Feier beginnen. Ich konnte mir vorstellen, dass meine Eltern nach dem Empfang am Mittag noch etwas ausspannen müssten. Aber sie liess sich nicht davon abbringen. Einen Kuchen hatte sie bereits am Vortag gebacken. Kaffee war schnell gekocht. Und schon sassen wir in gemütlicher Runde am Tisch.

Um 17.00 Uhr war der grosse Aufbruch. Meine Eltern standen unter dem Eindruck, dass sie ein Freund der Familie zum Veranstaltungsort fahren würde. Wir hatten für sie aber eine Überraschung geplant: Sie wurden von einer Fahrradrikscha abgeholt (Fotos gibt es zurzeit nicht da wir auch einen Fotografen engagiert hatten). Wir anderen fuhren mit einem Taxi vorweg um sie am Restaurant wieder in Empfang zu nehmen.

Was meine Eltern nicht wussten: Ich hatte Familie und einige enge Freunde gebeten, sie bei der Ankunft mit der Rikscha, die ja vor dem offiziellen Veranstalungsbeginn sein würde, vor dem Restaurant zu empfangen. Die Überraschung war gelungen und die Freude auf beiden Seiten gross.

Gemeinsam ging es in den festlich gedeckten Salon der Schiffergesellschaft zu Lübeck. Der von meinen Eltern engagierte DJ war schon anwesend und machte dezente Musik. Nach und nach trafen auch die übrigen Gäste ein. Nach einer kurzen Rede meines Vaters wurde das 4-Gänge-Menü serviert:
Graved Laksrose auf einem Kartoffelpuffer
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Klares Süppchen von Steinchampignons mit Wacholderklösschen
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Zweiterlei vom Lamm mit Rosmarinsosse, grünen Bohnen und Kartoffelgratin
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Dessert Impression „Diamant“

Stilvoll wurden die diversen Gänge von Heerscharen von Kellnern und Kellnerinnen serviert. Wein wurde laufend nachgefüllt, selbst Wasser wurde von den Bediensteten nachgeschenkt. Man musste nur noch essen, trinken und sich unterhalten während im Hintergrund der DJ leise Musik auflegte.

Nach dem Dinner liessen es sich meine Eltern nicht nehmen, trotz der Gehbehinderung meines Vaters, einen Eröffnungstanz zu machen. Anschliessend wurde von fast allen Gästen fleissig das Tanzbein geschwungen.

Gegegen 01.30 Uhr war genug getanzt und getrunken. Meine Eltern wurden, mit Blumen und Geschenken überhäuft, nach Hause gebracht. Wir fuhren durch eine stürmische und regnerische Nacht zuerst nach Hamburg um dort Bernds Mutter abzusetzen und dann in unser neues Heim. Heute früh um halb vier fielen wir totmüde ins Bett.

Meine Eltern bestätigten mir noch in der Nacht, dass sie einen sehr sehr schönen Hochzeitstag hatten.

Während des Abends wurden natürlich Erinnerungen ausgetauscht, wie es denn vor 60 Jahren war. Damals gab es nichts. Um Kuchen backen zu können, mahlte meine Grossmutter 1 Zentner Weizen mit einer Handkaffeemühle zu Mehl. Schnaps wurde selbstgebrannt. Das Hochzeitskleid meiner Mutter war geliehen. Die Feier fand zu Hause bei meinen Grosseltern statt. Aber das Brautpaar wurde mit einer Kutsche zur Kirche und wieder nach Hause gefahren. Gestern musste eine Fahrradrikscha genügen.

Stippvisite

Lübeck ist auch schön. Viele Jahre meines Lebens habe ich dort gelebt und die Stadt lieben und schätzen gelernt. Aus welcher Himmelsrichtung man auch auf die Stadt zufährt – schon von weitem sieht man die Sieben Türme der 5 Stadtkirchen.

Meine Lieblingskirche ist die Marienkirche. Fünf Jahre habe ich in Sicht- und Hörweite der Kirche gewohnt. Der Klang ihrer Glocken und ihres Glockenspiels ist unverkennbar.

Anlässlich einer familiären Angelegenheit weilte ich heute für ein paar Stunden in Lübeck. Mein Weg führte auch an der Marienkirche vorbei, deren Doppeltürme sich majestätisch in den spätsommerlichen blauen Himmel reckten.

Wir sind da! (crossover)

Schnell ein kurzes Lebenszeichen.

Seit Mittwoch wohnen wir nun im Elbe-Penthouse. Wir nächtigen noch ohne Vorhänge im Schlafzimmer, haben jeden Morgen mangels einer Duschabtrennung gebadet, sind immer noch am Packen und Räumen.
Das Telefon funktioniert, das Internet nur eingeschränkt, nämlich ohne Router, so dass immer nur einer von uns Beiden online sein kann. Wir hoffen, dieses Problem in Kürze in den Griff zu bekommen.

2 Nächte haben wir allein in diesem Haus geschlafen, gestern sind auch unsere direkten Nachbarn eingetroffen.

Es gibt hier reichlich Mücken und Spinnen, aber sonst ist es wunderschön hier – wie nicht anders zu erwarten war.

Das war’s! (crossover)

Dieses ist nun der letzte Eintrag, den ich aus Hamburg veröffentliche.
Gleich werden unsere Rechner vom Netz genommen. Alles Leitungen werden beschriftet, alles wird verpackt.

Da es hier in der Wohnung total ungemütlich ist und wir nicht mal Lust haben, hier eine Pizza oder einen Croque zu essen, werden wir uns nachher aufmachen, um beim Italiener um die Ecke ein kleines Abschiedsessen zu uns zu nehmen.

Wenn alles klappt, sind wir am 13. September wieder online. Dann werde ich mich kurz melden. Wenn ihr nichts von mir hört, tja – dann war das nichts mit der Umschaltung.

Bis dann aus dem Elbe-Penthouse in Geesthacht.

Abschied (crossover)

Erst als ich heute Morgen aus dem Haus ging wurde mir bewusst, dass ich an diesem Tage das letzte Mal diesen einen Weg ins Büro gehen würde. Ab dem 1. Oktober, wenn mein erster Arbeitstag nach dem Umzug ist, wird alles anders sein.

Ich gehe immer mit offenen Augen und Ohren durch die Welt, aber heute morgen nahm ich alles noch mal bewusst war. Die Apotheke an der Ecke, die alten Villen mit dem alten Baumbestand im Graumannsweg, die Kneipen, Restaurants und Geschäfte in der Langen Reihe.

In den 10 Jahren, während der ich täglich diesen Weg ging, hat sich nicht viel verändert, aber einiges doch. Alte Häuser sind renvoviert worden, Geschäfte kamen und gingen, Inhaberwechsel bei dem Laden an der Ecke, wo ich morgens immer meine Zeitung kaufte.

Zwei besondere, wenn auch negative, Ereignisse konnte bzw. musste ich während dieser Jahre beobachten:
In der Langen Reihe hat ein Brand ein altes Haus zerstört, in dem mein Lieblings-Käse-Laden war.
Die Strasse Sechslingspforte war eines morgens gesperrt. Ich setzte meinen Schritt über eine unbestimmebare rote Spur mit irgendwelchen Krümeln. Erst später am Tag erfuhr ich aus dem Radio, dass es sich um menschlie Überreste eines Selbstmörders gehandelt hat, der in den Zwillingsreifen der Hinterachse, vom Fahrer unbemerkt, ca. 2 km durch die Stadt geschleift wurde.

Wenn man jeden Tag zur selben Zeit den selben Weg geht, dann sieht man auch immer die selben Leute, wie z.B. den Mann auf dem Fahrrad, der immer freundlich grüsst, die Türkin, die scheinbar auf dem dem Weg vom oder zur Arbeit ist, andere Menschen, die auf dem Weg ins Büro sind, der junge Mann, die Donnerstagsfrau und viele andere. Einige von ihnen waren dann plötzlich nicht mehr da – warum auch immer. Man wird meist erst ein paar Wochen später gewahr, dass man sie nicht mehr gesehen hat.

Jetzt bin ich auch einer von ihnen, von heute auf morgen weg von diesem Weg. Vielleicht vermisst mich auch Jemand nach ein paar Wochen. Der Mann auf dem Fahrad bestimmt. Wenn ich ihn heute Morgen getroffen hätte, hätte ich ihm gesagt, dass wir uns nun nicht mehr treffen werden. Im Zeitungsladen habe ich mich verabschiedet. Ich, ein kleiner Kunde nur, der immer nur eine Zeitung gekauft hat.

Mitbring-Party

Am Samstag waren wir zu einem 30-jährigen Geburtstag eingeladen. Das Geburtstagskind ist eine junge Frau, die diesen Tag gern mit Familie und Freunden feiern wollte. Die sie finanziell nicht sehr gut dasteht, hatte sie die Gäste gebeten, einen Beitrag für das Buffet zu leisten. Jeder bekam einen Wunsch, was es sein sollte, aber nur das Grundart, z.B. Nachtisch oder Nudelsalat (ich hatte damals meinen 40-jährigen Geburtstag auf die gleiche Weise gefeiert). Die Gastgeberin hatte für Getränke und Musik gesorgt, sowie auch warme Braten für das Buffet bereitgestellt. Bernd und ich hatten den Auftrag, einen Nudelsalat und ein Dessert mitzubringen. Ausserdem gab es noch ein Geldgeschenk.

Als alle Gäste eingetroffen waren wurde sichtbar, dass Unmengen an essbaren Köstlichkeiten zusammengekommen ware. Es war abzusehen, dass es auf keinen Fall möglich war, an diesem Abend alles zu vertilgen. Nachdem alle Gäste so ziemlich gesättigt waren, stellten wir fest, dass aus unserer Riesenschüssel Nudelsalat maximal 2 Portionen entnommen worden waren. Die Schale mit der Beeren-Mascarpone-Creme war ebenfalls fast unberührt.

Gern wollten wir natürlich unsere Gerätschaften wieder mit nach Hause nehmen als wir die Feier nachts verliessen. Wir bekamen also unsere Mitbringsel fast unberührt wieder mit. Nun gut – auf diese Weise hatten wir gestern was zu essen. Und den Nachtisch, für den ich mühsam 600 g TK-Mischbeeren durch ein Sieb gestrichen hatte damit die Kerne nicht die Creme gelangen, haben wir inzwischen auch vernichtet, nämlich aufgegessen, d.h. das Meiste davon habe ich gegessen.

Ein historischer Tag

Der 31. August ist für Bernd und mich wohl ein Schicksalstag, natürlich im positiven Sinn: Heute vor 10 Jahren haben wir uns kennengelernt und heute haben wir endlich das Elbe-Penthouse übernommen. Jetzt sind wir Spiesser.

Als Überraschung für unser 10-jähriges erhielt ich von Bernd als Morgengabe das Bild „Langer goldener Tag“ von Alice Dalton Brown. Ich war zu Tränen gerührt.

Mein lieber Schatz, ich danke dir für 10 wunderbare Jahre.

Die Bilder von Alice Dalten Brown zeigen das, wovon ich träume, nämlich ein Haus am Meer. Das ist es nun nicht geworden, aber ein Penthouse an der Elbe ist auch nicht zu verachten. Wir freuen uns wahnsinnig darauf, in Kürze dort einziehen zu können.

gähn

Nachdem ich schon die zweite Nacht hintereinander schlecht geschlafen habe, sitze ich hier heute Nachmittag und gähne fast ununterbrochen. Wahrscheinlich werde ich gleich auf dem Sofa vor dem Fernseher schon einschlafen (was bietet das TV-Programm heute Abend eigentlch?) und dann um 9 ins Bett gehen.

Ohne uns


Hier in Hamburg ist an diesem Wochenende das Alstervergnügen, das Strassenfest rund um die Binnenalster, auf dem Bernd und ich uns vor 10 Jahren kennengelernt haben. Seit dem haben wir wohl keine dieser Veranstaltungen versäumt. Jeden Abend sind wir zum Feuerwerk an die Binnenalster gegangen.

Unser 10-jähriges, das datumstechnisch auf den nächsten Freitag fällt, wäre ja eigentlich ein Anlass, auch in diesem Jahr dem Alstervergnügen einen Besuch abzustatten. Nur – uns fehlt der Antrieb. Wir sind zurzeit an jedem Wochenende wegen des Elbe-Penthouse unterwegs. Dazu kommen noch einige andere Verpflichtungen. Da haben wir uns gesagt, dass es in diesem Jahr keinen Backfisch gibt und das Alstervergnügen ohne uns stattfinden muss – auch wenn ich DER Feuerwerksfreak schlechthin bin.

Neue Erfahrung

Krankenkassenbezahltes Ohrensäubern war mal wieder angesagt. Das zeichnete sich schon länger ab, aber bislang trat der akute Verstopfungszustand nur morgens beim Aufwachen auf. Sobald ich eine senkrechte Position eingenommen hatte, löste sich die Verstopfung insoweit, dass das innere Ohr wieder frei war. Trotzdem konnte ich spüren, dass da was sass.

Heute Morgen war die Ohrenverstopfung stärker als sonst und verschwand auch nicht gleich nach dem Aufstehen, ein Zeichen, endlich einen HNO aufzusuchen um Abhilfe zu schaffen.

Ich hatte mir bereits seit längerem einen neuen Doc ausgeguckt. Ich rief dort noch vor 9 Uhr an um zu erfahren, wann denn heute der beste Termin sei. Die Sprechstundenhilfe bedeutete mir, sofort zu erscheinen, was mir aufgrund der ruhigen Geschäftssituation recht war.

In der Praxis angekommen fand ich ein leeres Wartezimmer vor, was für mich total neu war. Ich sollte aber trotzdem Platz nehmen und einen Moment warten. Nach ein paar Minuten erschien der Doc. Er entschuldigte sich, dass ich warten musste, er hätte noch Papierkram zu erledigen gehabt. Nachdem ich auf dem Behandlungsstuhl platz genommen hatte, unterhielten wir uns erst mal ein paar Minuten über Verwaltungsaufwand, Krankenkassen, Gesundheitsreform und dergleichen. Dann begann er ein wenig von sich zu erzählen, also von seiner beruflichen Vergangenheit, was ich sehr sympatisch fand. Dann erst fragte er mich nach meinen Beschwerden, die kurz und knapp erklärt waren.

Statt das Ohr zu spülen und auf diese Weise den Propf herauszubekommen, wurde der abgesaugt. Nach längstens 3 Minuten war der Fall erledigt. Dann erzählte der Doc mir, warum das Ohr in Abständen verstopft ist. Ich wusste schon von vorherigen Behandlungen, dass ich eine Art Knick im Gehörgang habe. Er erklärte mir anhand eines Modells erstmals, warum dort ein Knick ist und wodurch der verursacht wurde. Das jetzt genauer auszuführen würde etwas zu weit führen. Nur soviel sei gesagt: Kaltes Wasser im Ohr in meiner Jugend soll der Auslöser gewesen sein. Ich kann das gut nachvollziehen, bin dich doch eine Wasserratte und in jungen Jahren zur Sommerzeit oft in der Ostsee gewesen. Und wer die Ostsee kennt weiss, dass diese nicht gerade warm ist.