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Hitzefrei

Obwohl das Thema langsam langweilig wird, ist es nicht von der Hand zu weisen, dass es zur Zeit in Hamburg, und nicht nur hier, sehr heiss ist. Es hat den Eindruck, dass selbst die Schifffahrtstätigkeit eine Sommerpause einlegt. Aktivitäten auf dem Befrachtungsmarkt sind kaum zu spüren, und wenn es Ladungen gibt, sind sie entweder nicht passend in der Grösse oder in der Position des Schiffes oder die Frachtrate ist viel zu niedrig. Manchmal dachten wir heute, dass die Telefonanlage defekt ist weil einfach keine Anrufe kamen.

Heute Vormittag haben wir dann entschieden, dass wir ab 15.00 Uhr Hitzefrei machen, immer vorausgesetzt, dass es die geschäftliche Lage erlaubt. Eins unserer Schiffe ist seit vorgestern ohne Ladung unterwegs aus der Adria in Richtung Gibraltar, es hätte also sein können, dass kurzfristig eine passende Ladung auftaucht und deshalb die Anwesenheit in der Firma länger notwendig ist, notfalls auch bis 19.00 Uhr oder länger. „That’s shipping“.

Leidergottseidank sah es nicht so aus, dass noch etwas Passendes auftaucht. Wir machten also den Laden um 15.00 Uhr dicht. Unsere Telefone stellten wir jeweils auf unsere Handys um damit wir im Notfall auch weiter zu erreichen sind.

Jetzt ist es kurz nach 17.00 Uhr, die Zeit, zu der wir normaler Weise am Freitag Feierabend machen. Mein Handy, auf das mein Firmentelefon und die Zentrale umgeleitet wurden, hat nicht ein einziges Mal geklingelt. Gleich werde ich richtig Feierabend machen und das Handy ausstellen.

Einladung


Steffi und mir flatterte heute eine Einladung auf den Schreibtisch von einer Firma aus Lübeck, bei der wir hin und wieder Treibstoff für die Schiffe bestellen. Wir sind eingeladen zu einer Fahrt mit dem Traditionssegler „Swan fan Makkum“. Steffi kann nicht teilnehmen weil sie an dem Tag im August in den Urlaub fliegt. Aber ich habe spontan für 2 Personen zugesagt. Das ist genau das Richtige für mich – ich hoffe, Bernd wird es auch gefallen.

Verpasst

Ein herrlicher Sommertag, nicht zu warm und es ist Freitag. Den ganzen Tag über war ziemlich viel zu tun. Gerade wenn aktuelles weggearbeitet war und ich wieder in den Bildschirm nach eingegangenen Mitteilungen schaute, konnte ich wieder 3 – 4 Eingänge ausdrucken und bearbeiten. Ich fürchtete schon, dass es nie ein Ende nehmen würde und ich den vorgezogenen Feierabend in den Wind schreiben könnte. Doch gegen 16.00 Uhr beruhigte sich die Situation und ich kam endlich dazu Dinge zu erledigen, die heute liegengeblieben und nicht ganz so wichtig waren. Die Chancen, um 17.00 Uhr das Büro verlassen zu können waren erheblich gestiegen. 30 Minuten später war alles klar und ich rief Bernd an, dass wir um 17.00 Uhr Feierabend machen, vorausgesetzt, es kommt nichts mehr dazwischen, was man in der Schifffahrt nie so genau weiss.

Aber es kam nichts mehr und ich ging pünktlich aus dem Haus, in der leisen Hoffnung, dass Bernd mich mit dem Wagen abholen würde. Tat er aber nicht. Also machte ich mich auf den Heimweg. In der Langen Reihe holte ich mir noch ein Eis, je eine Kugel Mango-Käse-Sahne und Vanille. Man war das lecker. Leider hatte ich die falsche Reihenfolge gewählt und Vanille zuerst genannt. So musste ich Mango-Käse-Sahne zuerst abschlecken weil diese Sorte auf der Vanille lag, was sehr schade war.

Unterwegs sah ich etliche Cabrios fahren, natürlich offen bei dem Wetter. Es stellte sich bei mir eine Art Neidgefühl ein. Schade, dass Bernd mich nicht abgeholt hat, obwohl es nur für eine Fahrt von 10 Minuten gewesen wäre. Ausserdem hätte ich die Kalorien gespart weil ich kein Eis gegessen hätte.

Zu Hause angekommen musste ich feststellen, dass Bernd nicht da war. Es gab nur eine Möglichkeit, wo er hingefahren war. Ich rief ihn auf dem Handy an und fragte, wo er denn sei. „Na unten, ich warte auf Dich!“ – Mist, schade, wir hatten uns verpasst.

Uuuuuurlaub !

Klar doch, dass ich nicht pünktlich gehen konnte – das ist ja meistens so am letzten Arbeitstag vor dem Urlaub. Man will seiner Kollegin ja auch nicht zuviel Dinge hinterlassen, die erledigt werden müssen. Steffi wird noch Arbeit genug haben in den nächsten 2 Wochen. Kurz vor dem normalen Dienstschluss kamen noch ein paar Dinge, die ich gern noch erledigen wollte. Also kam ich erst um 18.00 Uhr aus dem Büro. Auf dem Weg nach Hause hab ich noch ein paar Gummis gekauft – Kaugummis natürlich, für den frischen Atem.

Zu Hause angekommen hab ich mir noch ein paar Informationen über Zürich gesucht und ausgedruckt. Gleich heisst es, die Tasche packen, Blumen wässern, Körperpflege, d.h. duschen usw. Morgen früh um 07.30 Uhr holt uns Harald ab zur Fahrt nach Berlin. Von dort geht dann unser Flieger nach Zürich zum Schwul-Lesbischen Chorfestival. Hoffentlich haben wir eine nette Saftschubse.

In der nächsten Woche habe ich dann Zeit, unsere Eindrücke von unserem Aufenthalt in Zürich im Weblog zu verarbeiten.

Ich sag erst mal servus oder grüezi oder wie oder was.

Tennis

Auch in diesem Jahr wurde ich wieder von einer Firma eingeladen, mir das Tennisturnier am Rothenbaum anzusehen. Wir trafen uns im Blockhaus in Pöseldorf: 5 Gäste und der Gastgeber, eine lustige Runde. Alle hatten einen lockeren Spruch auf den Lippen. Nach dem leckeren Essen gingen wir zur Tennisanlage, sie ist nur ein paar Minuten entfernt.

Als wir eintrafen hatte das Spiel Gustavo Wayne Ferreira-Gustavo Kuerten bereits begonnen. In einer der Logen sass Boris Becker mit seinen toupierten und gefärbten Haaren.

Wayne Ferreira gewann die Partie mit 7:6 und 6:4. Unsere Plätze im Centre Court waren schattig und dem Wind ausgesetzt. Trotz Pullover und Jacke war es sehr kalt. Nach dem Match mussten wir uns mit heissem Kaffee im Gastronomiebereich aufwärmen. Grog oder Glühwein, das hätte sich auch gutgetan. Danach ging es wieder auf unsere kalten Plätze um uns den letzten verbliebenen deutschen Teilnehmer, Rainer Schüttler in seinem Spiel gegen David Nalbandian anzusehen. Boris war nicht mehr zu sehen. Aber jetzt sass Michael Stich in einer der Logen. Und Naddel entdeckten wir auch.

Der erste Satz endete 7:6 für Nalbandian. Im 2. Satz war Schüttler total chancenlos und wir verliessen vor dem Ende des Matches den Centre Court um uns wieder aufzuwärmen. Ich hatte eiskalte Füsse – wie im Winter.

4 Herren unserer Gruppe, darunter unser Gastgeber, verabschiedeten sich kurz nach 17.00 Uhr. Es war halt Feierabendzeit. Zusammen mit Andreas schaute ich mir noch das nächste Spiel an. Fernando Gonzales trat gegen die Nummer ein der Welt, Lleyton Hewitt, an. Als wir auf unsere Plätze zurückkehrten, war der erste Satz nach 20 Minuten gerade zu Ende. Fernando Gonzales hatte den Satz mit 6:1 für sich entschieden. Alles sah danach aus, dass es ein kurzes Match werden würde. Doch im 2. Satz hatte Hewitt die Oberhand und gewann mit 2:6. Aber Hewitt wirkte müde und kraftlos. Gonzales entschied den 3. Satz mit 6:0 für sich und gewann nach 1:36 Stunden. Der Weltranglistenerste war ausgeschieden. Es gab Standig Ovations für Gonzales.

Auch ich war müde und kraftlos. Die Sonne hatte zwar unsere Plätze noch erreicht und machte den Aufenthalt ein wenig angenehmer. Aber es war jetzt an der Zeit, nach Hause zu fahren. Ich hätte mir zwar noch „Howi“ ansehen und -hören können und danach noch ein 4. Match. Doch es war genug.

Fazit: Wir haben interessante Spiele mit spannenden Ballwechseln gesehen. Die Stimmung im Publikum war grossartig und fair. Ich würde mich freuen, wenn ich auch im nächsten Jahr wieder eingeladen werde.

Entspannung

Ein typischer Brückentag: Kaum Autoverkehr auf den Strassen heute Morgen, wenig Leute unterwegs. Alles war sehr ruhig. Im Büro war bis heute Mittag gut zu tun, was nie verkehrt ist. Aber dann war es plötzlich sehr sehr ruhig. Es passierte fast gar nichts mehr. Per meinte, wir müssten wohl bis 17.00 Uhr durchhalten. Ja, das hatte ich auch gedacht. Dann schickte er mich in die Mittagspause. Seit 2 Wochen war es das erste Mal, dass ich mittags wieder Mal eine Runde drehte. Ich ging an die Binnenalster, über die Lombardsbrücke, anschliessend am Hotel Vierjahreszeiten vorbei, den Jungfernstieg entlang und durch die Spitalerstrasse zurück in Richtung Büro.

Auf meinem Weg kam ich bei Lush vorbei. Wir brauchten neues Badegel. Also nichts wie rein in den Laden. Sofort umfing mich eine Duftwolke von den ausliegenden Seifen und anderen Artikeln. Das Geschäft verleitet einen dazu, sich umzusehen und vielleicht den einen oder anderen Artikel Mal auszuprobieren. Ich hatte schon länger vor, dort nach einer Massagecreme zu suchen. Auf einem Tisch waren die Stücke gut aufgebaut. Lush bietet eine Creme in festen Stücken an, Massageriegel werden die genannt. Die Riegel werden durch die Körperwärme weich bzw. cremig und sie lassen sich dann gut einmassieren. Von allen angebotenen Artikeln liegen Tester bereit. Eine kleine Pyramide hatte mein Interesse auf sich gezogen. Mit dem Finger strich ich über den Tester. Sofort hatte sich eine cremige, ja fast flüssige Schicht gebildet, die allerdings durchsetzt war mit vielen winzigen goldenen Glittterblättchen. Obwohl das Aroma uns bestimmt gefallen hätte, nahm ich davon Abstand, die Pyramide zu kaufen. Glitter im Bett, das fehlte noch. Das wird man ja nie wieder los. Und nach der Massage duschen, pah, dann ist ja der Entspannungseffekt wieder hin. Ich suchte also weiter und fand dann ein grosses Stück „Amazonian“. Die in der Nähe stehende nette Beraterin rieb mir gleich einen Tester über den Unterarm um den Schmelzeffekt vorzuführen. „Damit kannst du deine Liebste verwöhnen“ meinte sie. „Meinen Liebsten auch?“ Sie lachte und meinte, dass das auch möglich sei. Meine Hand durfte ich in ihrer Schürze abwischen um den Glitter wieder loszuwerden. Im Übrigen fühlte ich mich geschmeichelt, mit „Du“ angeredet zu werden. Ich hab da ja kein Problem mit, aber ich weiss nicht, ob das alle Kunden so gerne sehen. Na ja, vielleicht ist das Personal entsprechend geschult um mit einem Blick festzustellen, wer da vor ihnen steht.

Dann fiel mein Blick auf die Seifen. Eigentlich haben wir gar keine Seife im Hause, jedenfalls keine Seife im Stück. Aber das schien doch recht interessant zu sein: Sandstone Seife mit echtem Seesand. Man muss halt alles Mal ausprobieren.

Weiter ging es zum Regal mit den Badezusätzen. Je eine Flasche Narcotic und Slammer landeten im Körbchen. Und dann zur Kasse. Die Seife und das Massagezeugs werden nach Gewicht verkauft. Die Preise für die beiden Flaschen waren eindeutig. Na, toll, ein kleines Vermögen bin ich da losgeworden. „Hast Du eine Badewanne?“ fragte mich die Kassiererin, was ich positiv beantworten konnte. Ich bekam als kleines Geschenk einen Badehasen (oder sagte sie Sprudelhase?). Er wird in das Badewasser gelegt und dann beginnt es zu sprudeln während er sich langsam auflöst. Ich fragte, ob man sich auch draufsetzen könne. Die Antwort war nicht ganz eindeutig.

Zurück im Büro duftete ich vom Arm und aus der Tüte. Per wollte dann auch noch Mal raus. Als er zurück kam meinte er, es sei genug, wenn er dabliebe. Ich hatte also Feierabend und Wochenende. Zwei Wochen mit viel viel Arbeit hatten ein Ende. Montag ist Steffi aus dem Urlaub zurück, dann wird es wieder ruhiger.

Restfeiertag

Durch die Lange Reihe fuhr ich wieder nach Hause. Rein in die Garage und gleich beim ersten Versuch hab ich den Wagen über die Keile gebracht und in der richtigen Position abgestellt. Ich bin stolz auf mich!

Bernd hatte schon die Sitzpolster auf die Balkonstühle gelegt. Schnell zog ich mir die kurze Hose an und das T-Shirt aus. Jeder mit einem Buch machten wir es uns auf dem Balkon in der Sonne gemütlich, dazu ein Stück finnischen Nusskuchen.

Das Buch „Ein Garten in Italien“ passt zur Jahreszeit. Es handelt von einer Amerikanerin die einen Italiener geheiratet hat. Joan Marble erzählt locker und humorvoll über den Kauf eines verwilderten Grundstücks in der Region Lazio. Dort bauen sie ein Haus. Joan Marble verwandelt das Grundstück mit viel Geduld in einen blühenden Garten. Vorher hat sie mit der Familie in Rom gewohnt und dort den Balkon ihrer Wohnung in einen Garten mit Kübeln und Töpfen verwandelt, das Gleiche was ich auch mache. Wahrscheinlich wird es auf Grund des Klimas in Rom viel einfacher sein, einen üppig blühenden Balkongarten zu gestalten als im unbeständigen Hamburg.

Bernd musste nach einer Stunde schon wieder rein, er hat sehr empfindliche Haut, die schon etwas rot wurde. Als um gegen 14.00 Uhr die Sonne hinter dem Haus verschwand wurde es durch den frischen Wind kühl. Ich hielt es dann nur noch eine Stunde draussen aus. Es ist eben noch nicht Sommer. Insgeheim hatte ich mir schon überlegt, unsere erste Mahlzeit in diesem Jahr auf dem Balkon einzunehmen, aber daraus wurde nichts.

Vorarbeiten

Schifffahrt findet rund um die Uhr statt und nimmt auch keine Rücksicht auf Wochenenden und Feiertage. Dazu kommt, dass nicht alle Länder die gleichen Feiertage haben. Z.B. heute, Ostermontag, ist in einigen Ländern kein Feiertag. In Spanien gibt es Regionen, in denen heute Feiertag ist, in anderen wieder nicht.

Um morgen früh einem Wust von Schiffspositionen, Faxen, Telexen usw., gesammelt von 5 Tagen, aus dem Weg zu gehen, habe ich mich bereiterklärt, heute Vormittag ins Büro zu fahren und einen Teil schon Mal abzuarbeiten, besonders auch deshalb weil meine Kollegin Steffi ab morgen Urlaub hat und ich ganz alleine vor der Arbeit sitzen würde.

Gegen 09.00 Uhr machte ich mich auf den Weg. Die Sonne schien vom blauen Himmel. Die Strassen waren noch fast leer. An der Alster drehten ein paar Jogger ihre Runden. 10 Minuten später stellte ich den Wagen in der Tiefgarage der Firma ab. Bevor ich mit der Arbeit beginnen konnte musste ich mich beim Sicherheitsdienst anmelden. Unser Büro wird komplett fernüberwacht. An Wochenenden, Feiertagen und nach Feierabend wird das Betreten des Hauses registriert. Deshalb muss man sich sofort beim Sicherheitsdienst mit seinem Namen und dem Passwort melden.

Da ich erwartete, einen ziemlichen Stapel Papier ausdrucken zu müssen fütterte ich den Drucker bevor ich mich an den Schreibtisch setzte und mich an die Arbeit machte. Ca. 30 Minuten dauerte es, bis alle Eingänge geprüft und gedruckt waren. Einiges konnte gleich in die entsprechenden Akten geheftet werden, anderes musste bearbeitet bzw. weitergeleitet werden. Nach ca. 2 Stunden konnte ich mich beim Sicherheitsdienst wieder abmelden und nach Hause fahren. Jetzt kann ich morgen den Arbeitstag viel entspannter beginnen.

Spitzenkräfte

Kapitäne gehören zu den Spitzenkräften in der Seefahrt. Sie tragen eine grosse Verantworung, haben weitreichende Entscheidungsbefugnisse und verdienen ein dementsprechendes Gehalt. Trotzdem sind auch bei diesen Spitzenkräften gravierende Unterschiede zu merken:

1. Kapitän K. war mit seinem Schiff heute Vormittag von Aveiro, einem Hafen in Portugal ausgelaufen. Eine Anschlussreise war zu dem Zeitpunkt in Arbeit, aber noch nicht definitiv befrachet. Die Wahrscheinlichkeit war gross, dass das Schiff eine Ladung in Glasgow übernehmen würde und ich schickte ihn Richtung Norden. Als die Anschlussreise von Glasgow klar war, machte ich die Reiseorder fertig mit dem Zusatz „please confirm receipt of this message and advise max. bunkers you can take in glasgow.“ und schickte sie per Fax an Bord.
In seiner Antwort bestätigte Kapitän K., die Order erhalten zu haben und teilte mir mit, wann er in Glasgow eintreffen würde. Meine Frage bezüglich der Treibstoffmenge, die das Schiff in Glasgow übernehmen könnte wurde nicht beantwortet. OK, man kann ja schon mal was überlesen, das passiert schon mal. Also schickte ich ein Telex und bat darum, meine Frage bezüglich der Bunker zu beantworten. Als Antwort kam ein Telex in dem er mit mitteilte, mit welchen Treibstoffmengen das Schiff von Aveiro abgegangen ist und mit welchen Beständen es in Glasgow ankommen würde. Nun ja, daraus hätte ich mir die Antwort auf meine Frage selbst ausrechnen können. Aber wenn ich eine klare Frage stelle erwarte ich auch eine klare Antwort. Also schickte ich ein weiteres Telex an Bord und wiederholte meine Frage aus der Reiseorder wörtlich. Die Antwort machte mich sprachlos. Ich erhielt zwar die angeforderte Information, allerdings mit dem bissigen Zusatz – Zitat: „hopeful you now are satisfied“. Erstens ist das frech und zweitens schlechtes Englisch. Ich gab es auf, heute noch weiter darüber zu diskutieren. Am Dienstag, wenn das Schiff in Glasgow ist, werde ich das am Telefon regeln. Meine Kollegen witzelten schon, ob er vielleicht auch betrunken sei.

2. Für Kapitän P., ein Ukrainer, war es das erste Kommando als Kapitän. Er hatte das Schiff, auf dem er bisher als 1. Steuermann gefahren war, vor ein paar Wochen übernommen. Heute kam der Stammkapitän nach seinem Urlaub wieder an Bord. Kapitän P. bedankte sich bei mir für das Verständnis, die Hilfe und die gute Zusammenarbeit. So etwas macht Spass, besonders da ich diese nette Geste nicht erwartet hatte. Das ist aber das, was eine Spitzenkraft auszeichnen sollte!

Beim Chinesen

Steffi und ich waren heute Abend von Geschäftsfreunden zum Essen eingeladen. Die Betonung liegt hier wirklich auf „freunde“. Wir machen viele Geschäfte mit Andreas und Joachim. Ein bis zwei Mal im Jahr treffen wir uns. Das Angenehme ist, dass wir uns kaum über das Geschäft unterhalten sondern überwiegend über viele Dinge, die uns alle interessieren, sei es über Autos, kochen, Sport, Musik, Theater, es gibt kaum ein Thema, über das nicht geredet wird, d.h. meistens redet Andreas. Heute haben sie uns ihre neue Kollegin Britta vorgestellt.

Eingeladen haben sie uns in ein chinesisches Restaurant auf der Reeperbahn. Es ist bekannt für die Zubereitung der Speisen, die sehr originalgetreu sein soll. Auffallend war, dass sich überwiegend asiatische Gäste dort aufhielten.

Die Speisekarte enthielt einen Spezialbereich. Dort wurden gebratene Hühnerfüsse, Schweinedarm, Pansen und andere „Leckereien“ angeboten. Ich bin ja bereit, viel zu probieren, aber ich hab mich dann doch lieber in einem anderen Teil der Speisekarte umgesehen. Ich entschied mich für Hühnchenfleisch mit Zitronengras, scharf. Als Vorspeise wurde eine Mischung aus den angebotenen Gerichten bestellt, alles sehr exotisch, teilweise undefinierbar. Alles wurde auf einen drehbaren Aufsatz gestellt. Dazu gab es verschiedene Saucen. Begeistert war ich von dem Sambal Olek, dass ich in der Form noch nicht kannte. Es war mit Sojasauce angemacht. Dadurch war es nicht einfach nur scharf sondern hatte einen besonderen Geschmack, sehr lecker!

Das Hühnchenfleisch hatte zwar eine gewisse Schärfe. Es ist aber so, dass der Zusatz „scharf“ auf der Speisekarte bedeutet, dass es für mich nicht scharf genug ist. Mit dem Sambal Olek konnte ich gut nachwürzen.

Wie immer, wenn wir zusammen sind, zog sich der Abend in die Länge ohne wirklich das Gefühl zu haben, dass es spät ist. Nur der Blick auf die Uhr sagt, wieviel Zeit vergangen ist. Deshalb treffen wir uns immer gerne mit diesen Freunden. Es ist nie langweilig und immer unterhaltsam. Gegen 23.00 Uhr war dann aber der Abend zu Ende. Nachdem wir uns verabschiedet hatten, fuhr ich mit dem Taxi fuhr ich nach Hause.