Archiv des Autors: Hans-Georg Kloetzen

Pfunde


Überflüssig sind sie keinesfalls, ganz im Gegenteil, wir brauchen sie in der nächsten Woche. 14 mal haben wir Themse-Lizzy jetzt im Haus. Wie kann sich diese Frau nur so verunstalten? Die Haare – schrecklich. Hoffentlich ist das jetzt keine Majestätsbeleidigung. Ab Montag kommt sie wieder dahin wo sie hingehört: Auf die Insel.

Fast hätte ich das Geldtauschen vergessen. Im Zeitalter des Euro ist es doch eigentlich so einfach geworden. Man nimmt genügend Geld mit und braucht sich keine Gedanken darum zu machen, wie man es ausgibt damit nicht zuviel übrig bleibt und dann Einbussen hinnehmen muss, wenn man es wieder zurücktauscht. Ganz anders in diesem Fall. Wie viel tausche ich um? Wie viel braucht man? Ich hab mir sagen lassen, dass London ein recht teures Pflaster sein soll. Na, warten wir es mal ab. Zur Not können wir auch noch Geld aus dem Automaten ziehen.

Beängstigend

Um zum Kino zu gelangen nahmen wir heute mal die U-Bahn. Als wir einstiegen waren bereits mindestens 10 Jungendliche im Alter von ca. 12 – 15 Jahren in der Bahn. Sie unterhielten sich nicht auf Deutsch. Der Sprache nach zu urteilen vermute ich, dass es Kinder oder Enkelkinder von deutschstämmigen Russen waren. Ich fühlte mich in keiner Weise bedroht, fühlte mich aber schon fast als Minderheit in meinem eigenen Land.

Ausserdem mache ich mir grosse Sorgen um unsere und ihre wirtschaftliche Zukunft. Die Sozialleistungen in Deutschland werden immer weiter eingeschränkt, was ich einerseits durchaus verstehe weil es immer weniger Menschen gibt, die dafür sorgen können, dass genügend Geld in den staatlichen Kassen ist. Aber wenn immer mehr Leute hier hereinkommen, die nicht mal unsere Sprache sprechen, Menschen, für die irgendwie gesorgt werden muss, verstehe ich, dass kein Geld mehr da ist, dass wir alle den Gürtel enger schnallen müssen. Nur frage ich mich, wer sie hereingelassen hat und warum? Ich möchte betonen, dass ich nichts gegen Ausländer habe und im allerweitesten Sinn sind sie es ja auch nicht. Nur verstehe ich den Sinn nicht, dass alle zu uns kommen. Hier gibt es doch auch nichts mehr zu holen.

Und dann gibt es Diskussionen um ein Zuwanderungsgesetz, dass aus Parteipolitischen Gründen blockiert werden soll? Na ja, die Politiker und Abgeordneten fahren ja auch nicht U-Bahn. Und um ihre Sozialleistungen und Renten brauchen sie sich auch keine Sorgen zu machen.

Abgeschlossen

Fast sieben Monate sind seit dem Unfall vergangen. Jetzt endlich kommt die Sache zum Abschluss mit der Ankündigung durch unseren Anwalt, dass die Gegenversicherung nun auch die letzten ausstehenden Beträge bezahlen will. Ca. 760,00 Euro kommen noch zusammen: Erstattung der Kosten für den Leihwagen, Taxikosten, Gebühren für die Anmeldung des neuen Wagens, die neuen Kennzeichenschilder und einen Rest von der Mehrwertsteuer, der noch einbehalten war. Nun ja, es wird sicher noch ein paar Tage dauern, bis das Geld auf meinem Konto ist: Die Versicherung hat angekündigt, das Geld an unseren Anwalt zu überweisen. Na ja, wenn er es hat muss er es an uns weiterleiten. Also vor Ende nächster Woche wird das Geld nicht zur Verfügung stehen.

Nackt

Nein, nicht wirklich. Das ist nur so daher gesagt zwischen Per und mir. Die Frage „Gehst Du heute nackt?“ bedeutet, ob er oder ich mit oder ohne Jacke, d.h. obenrum nur im Hemd in der Mittagspause nach draussen geht. Heute ging ich „nackt“ und es war toll. Viele Leute konnten sich dem schnellen Wetterumschwung nicht anpassen. Sie gingen mit Schal, Sakko und darüber noch eine Jacke. Ich wäre zerflossen in so viel Stoff und in den nächsten Gully getropft. Ach ja, mein erstes Eis in diesem „Sommer“ habe ich auch gegessen. Und heute Abend haben wir die Cabrio-Saison eröffnet. Bernd hat mich von der Arbeit abgeholt und wir sind das erste Mal mit den neuen Wagen offen gefahren, „nackt“ – geil!

Sonne

Eine halbe Stunde hatte ich mir erhofft – ca. 1 Stunde ist es geworden: Die Balkonsaison ist eröffnet! Bei einer Tasse Cappuccino und der Lektüre des Reiseführers für London hab ich die erste Frühlingssonne getankt. Ich fühle mich wie neugeboren.

Der Tag danach

Fernsehberichte gestern Abend, Berichte in den Zeitungen heute, beides begleitet von schrecklichen Bildern, Bildern, die zum Teil so nicht gezeigt werden sollten. Auf dem Hotel „Vierjahreszeiten“ an der Binnenalster sind heute die Spanische und Deutsche Flaggen auf Halbmast gesetzt. Auch auf ein paar anderen Geschäftshäusern wehen die Flaggen als Zeichen der Trauer und der Solidarität mit den Spaniern auf Halbmast.

Heute Nachmittag mein täglicher Anruf in Madrid. Ich hatte Olaf aus Hamburg am Telefon. Wenn man sich viele Jahre kennt merkt man seinem Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung an, in welcher Stimmung er sich befindet. So auch bei Olaf. Bevor wir zum Geschäftlichen kamen unterhielten wir uns über das schreckliche Geschehen. In seinem Umfeld ist niemand direkt betroffen. Aber jeder kennt jemanden, der um Sekunden oder Minuten an Verletzung oder sogar Tod vorbeigeschrammt ist. Olaf erzählte mir folgendes:
Die beste Schulfreundin seiner Tochter hatte gestern Geburtstag. Aus diesem Anlass begleitete die Mutter das Mädchen mit einer Torte zur Schule. Das Kind war bereits in den Zug eingestiegen, die Mutter kam aber auf Grund der zur Arbeit drängenden Menschenmassen nicht mehr rein und rief ihre Tochter zurück. Wie sie später erfuhren war dies einer der Züge, in dem eine Bombe explodierte und genau in dem Waggon hätten sich sich aufgehalten. Mutter und Tochter warteten auf den nächsten Zug und hatten genügend Zeit, sich auf dem Bahnsteig einen Platz zu suchen, an dem weniger Leute einsteigen. Sie stiegen dann in den letzten Waggon. Allerdings explodierte auch in diesem Zug eine Bombe. Da sie sich aber im letzten Waggon aufhielten blieben beide fast unverletzt. Die Mutter erlitt eine Prellung am Kopf weil sie von etwas getroffen wurde.

Ich denke mal, dass das Mädchen und ihre Familie diesen Geburtstag nie vergessen werden.

Terror

Es ist schon ein Unterschied, ob etwas Schreckliches an einem Ort passiert, an dem man niemanden kennt oder eben da, wo sich Menschen aufhalten, mit denen man täglich zu tun hat.

Als heute Morgen die ersten Nachrichten über die Bombenexplosionen in Madrid im Radio ausgestrahlt wurden dachte ich sofort an 3 nette Menschen die dort arbeiten und mit denen ich täglich telefoniere. Einer von ihnen ist Hamburger und lebt und arbeitet schon seit vielen Jahren in Madrid. Die anderen beiden sind 2 nette Damen, die auch persönlich kenne.

Kurz nach 10 Uhr hielt ich es nicht länger aus und rief im Büro in Madrid an. Ich hatte Carmen am Telefon. Ich konnte an ihrer Stimme erkennen, dass sie das Geschehene, dessen Ausmass zu diesem Zeitpunkt noch nicht abzusehen war, sehr mitgenommen hat und ich befürchtete bereits, eine schlimme Nachricht zu erhalten. Sie konnte mir aber bestätigen, dass alle Mitarbeiter das Büro unversehrt erreicht hatten. Sie selbst war zum Zeitpunkt einer der Detonationen noch beim Frühstück zu Hause. Die Bombe explodierte 250 m von ihrer Wohnung entfernt. Kein Wunder, dass sie noch ziemlich benommen war.

Teure Minuten

Bei unserem Haus in Lübeck stehen in diesem Jahr erhebliche Renovierungsarbeiten an: Das Dach muss neu eingedeckt und die Fassade gestrichen werden. Dazu kommen noch ein paar „kleinere“ Arbeiten. Die Angebote liegen schon vor. Alles zusammen wird ca. 50.000 Euro kosten. Um die Arbeiten zu koordinieren muss rechtzeitig mit der Planung begonnen werden. Gerüstbauer, Dachdecker, Maler wollen unter einen Hut gebracht werden. Der Ladenmieter hat auch noch ein Wörtchen mitzureden. Er muss uns einen Zeitraum nennen, in dem er am besten mit den Beeinträchtigungen durch das Gerüst leben kann.

Während eines 5 Minuten dauernden Telefongesprächs hab ich unseren Hausverwalter beauftragt, die Arbeiten zu vergeben, d.h. jede Minute hat 10.000 Euro gekostet.

Es ist wirklich erschreckend, wie schnell man viel Geld ausgeben kann. Aber um das Haus zu erhalten ist es wichtig, dass investiert wird. Dann ist auch sichergestellt, dass man damit Geld verdienen und es den Nachkommen erhalten kann.