Archiv des Autors: Hans-Georg Kloetzen

Unterschiede

Ein Mann zahlt, ohne mit der Wimper zu zucken, 2 Euro für ein Teil, das nur 1 Euro kostet, nur weil er es dringend braucht.

Eine Frau zahlt 1 Euro für ein Teil, das 2 Euro kostet, obwohl sie es überhaupt nicht braucht, nur weil es im Angebot ist.

Übertrieben

Ein Mensch hat sich vor einen Zug geworfen und sich das Leben genommen. Das ist nicht ungewöhnlich. Das passiert in Deutschland mehrmals im Jahr. Normalerweise ist so ein Suizid nur ein paar Zeilen in der Tagespresse wert. Im Radiosender wird noch darauf hingewiesen, dass es zu Verspätungen bzw. Unterbrechungen auf der entsprechenden Bahnlinie kommt. Das war es dann auch. Niemand interessiert sich dafür, was für ein Mensch das gewesen ist und warum er seinem Leben ein Ende gesetzt hat.

Fussballer scheinen irgendwelche Halbgötter in Deutschland zu sein, ja, man kann sie schon fast als Götzen bezeichnen – jedenfalls wenn man danach geht, welcher Aufstand um den Freitod des Robert Enke gemacht wird. Ich wette, dass einem Sportler aus einer anderen Sparte so ein Brimborium nicht zuteil geworden wäre.

Angela Merkel „reagierte bestürzt“ und hat der Witwe einen persönlichen Brief geschrieben. Vermutlich tut sie das nie wenn ein unbekannter Mensch seinem Leben ein Ende gesetzt hat.

Zum Gedenken an Robert Enke wird heute eine überdimensionale Trauerfeier abgehalten. Sein Sarg wird währenddessen auf dem Rasen des Fussballstadions stehen. Ich kann mir nicht helfen, aber das ist alles mindestens eine Nummer zu gross. Und die Witwe, die allein zu entscheiden hätte, wie ihrem Mann die letzte Ehre erwiesen werden soll, hat all dem zugestimmt! Das klingt nach Sensationslust, danach, im Rampenlicht zu stehen. Ein würdiger Abschied ist das nicht. Das ist eine Massveranstaltung, das ist Zirkus und durch nichts gerechtfertigt.

Es gibt einen einzigen positiven Aspekt bei diesem Fall: Es wird endlich mal darüber gesprochen, dass Despression eine Krankheit ist, aufgrund der man sich nicht verstecken muss und schon gar nicht verstecken sollte. Vielleicht werden andere Erkrankte und deren Angehörigen mal wachgerüttelt. Aber eines derartigen Traueraktes bedarf es dazu nicht.

2012

Gestern Abend haben wir uns nun auch den Film „2012“ angesehen. Und? Nichts und. Der Film hat mich überhaupt nicht berührt. Im Gegenteil. Diese Familientümelei am Ende des Films hat mich einfach nur genervt. Der Hinweis auf „Cape of good Hope“ war wohl ein Versuch, auf die Tränendrüsen zu drücken.

Wassereinbruch auf einem Schiff, dass dann aufgrund von Manöverierunfähigkeit mit seinem Bug an einem anderen Schiff entlangkratzt – alles schon mal gesehen, auch wenn es da ein Eisberg war. Titanic lässt grüssen.

Die beste Szene in meinen Augen: Die Queen eilt, ihren obligatorischen Hut festhaltend, mit ihren Hunden der Rettungsarche entgegen. Der hübscheste Mann in meinen Augen: Der russische Pilot, der leider umkommt. Schade drum.

Ich hab schon fesselndere Filme gesehen, von denen wir uns später auch die DVD gekauft haben. Diese DVD werden wir nicht aus dem Regal nehmen.

Schwule Väter


Eins vorweg:
Mein Sohn ist das Liebste was ich habe. Seine Geburt, ihn kurz danach in meinen Armen zu halten, ist das Schönste was ich in meinem Leben je erlebt habe. Ich habe ihn aufwachsen sehen und ihn viele Jahre durch das Leben begleitet – und das macht mich glücklich. Und glücklich bin ich darüber, dass Bernd und ich ein sehr gutes Verhältnis zu Oliver und seiner Frau haben. Es hätte auch anders sein können.

Den unbändigen Drang zum anderen, zum eigenen Geschlecht, habe ich erst relativ spät entdeckt. Da war ich schon viele Jahre verheiratet und mein Sohn war bereits geboren. Um meine kleine Familie zu schützen, sie nicht aus dem eigenen Haus vertreiben zu müssen, habe ich den endgültigen Schritt der Trennung erst sehr viel später gemacht. Ein Schritt, der mir nicht leichtgefallen ist. Und ein Schritt, der dazu geführt hat, dass meine Frau sich weitgehend zurückgezogen hat, wofür ich Verständis habe.

Wenn ich es recht betrachte, hätte ich eigentlich gar nicht heiraten sollen, waren da doch recht früh schon entsprechende Gefühle. Meine Generation kannte kein Internet, in dem ich mich hätte informieren können. Von Haus aus war man gewissen Erwartungen unterworfen. Gut, es gibt genügend Beispiele von Männern meiner Generation, die den Bund der Ehe gar nicht erst eingegangen sind. Aber es ist auch eine Frage der eigenen Persönlichkeit, wie stark man selbst ist, um die Entscheidung zu treffen, den Weg für das schwule Leben zu gehen. Heute, mit Internetanschluss und Foren wie Gayroyal und Gayromeo, ist es viel einfacher geworden, Gleichgesinnte zu treffen und sich mit Männern die die gleichen Probleme. Schwul zu sein an sich ist für die Meisten nicht das Problem. Das Problem ist, schwul zu sein und eine Familie zu haben.

In einem der Foren bin ich schon einige Male von Männern angesprochen worden. Sie wollen wissen, wie es bei mir war. Sie erzählen von sich und ihren Problemen und fragen mich um Rat. Allein die Tatsache, dass da jemand ist, der das Gleiche durchgemacht hat, gibt diesen Männern eine Hilfestellung. Klar, jeder Fall, mag er noch so ähnlich sein, liegt dann doch anders. Die persönlichen Umstände spielen dabei eine grosse Rolle. Ein lieber Mann hat sich nach einer Zeit schwuler Erfahrungen wieder für seine Frau entschieden. In einer schweren Zeit konnte ich ihm Halt gegeben und mit einem offenen Ohr und mit Rat zurseite stehen. Was er mir über sich erzählte, über seinen Zwiespalt zwischen Familie, d.h. Frau und Kindern und schwules Leben, war teilweise so, als wäre es mein Leben. Genauso war es zum Teil bei mir. Heute sind wir mit F. und seiner Frau gut befreundet. Wir haben uns zusammen bei uns in der Wohnung getroffen und wir hatten einen sehr netten Abend.

Damals bei mir fühlte ich mich ziemlich allein. Ja, und ich gebe es zu: Ich dachte machnmal daran, meinem Leben ein Ende zu setzen. Auch wenn meine Frau mir heute vorwirft, ich hätte mit ihr sprechen sollen – was ich auch hätte tun sollen – ist es doch etwas anderes mit einer Person zu sprechen, die mit den gleichen Problemen lebt wie man selbst.

Wie komme ich nun dazu, über das Thema schwule Väter zu schreiben?:
Erstmal ist es ja so, dass ich bei Gayroyal und Gayromeo feststellen konnte, dass es wirklich eine überraschend hohe Anzahl schwuler Väter gibt. In beiden Foren gibt es entsprechende „Clubs“, in denen man sich registrieren kann. Einmal beigetreten bzw. aufgenommen sieht man die vielen Mitglieder, die ein gleiches oder ähnliches Schicksal hinter sich haben.

Der eigentliche Auslöser ist aber die Tatsache, dass wir auf unserer Minikreuzfahrt gleich vier(!) schwule Väter waren. Von Heinz, den wir als Freund von Frank das erste Mal persönlich trafen, wussen wir es vorher nicht. Es kam bei unseren vielen Gesprächen auf der Fahrt eher zufällig heraus. Er lebt mit Frau und Sohn unter einem Dach.

Wer sind denn nun die anderen Beiden? Das stellte sich erst gestern heraus. Es sind die beiden Jungs unserer Reisebekanntschaft. An Bord hatten wir ja nicht so viel Kontakt. Es war ja an dem Abend, an dem wir gaymeinsam in der Lounge sassen, aufgrund der lauten Musik auch recht mühsam, sich zu unterhalten. Am letzten Morgen an Bord bekam ich von den Beiden die Emailadressen. Die Kontaktaufnahme war deshalb recht einfach. Beide sind auch bei Gayromeo vertreten und deshalb konnten wir uns gestern Abend eine Weile „unterhalten“. Im Verlauf des Chats erfuhr ich dann, dass beide zusammen sieben(!) Kinder haben. Über die Hintergründe werde ich demnächst mehr erfahren.

Schwule Väter – es gibt mehr von uns als jeder von uns auch nur ahnt!

Magenerweiterung

Seit gestern Mittag sind wir von unserer Minikreuzfahrt nach Oslo zurück. Die Zeit habe ich genutzt, den kleinen Reisebericht zu schreiben, der jetzt hier zu finden ist.

Wie es scheint, leide ich an Magenerweiterung. Ich hatte nämlich, was total ungewöhnlich ist, heute Morgen um 9 Uhr schon Hunger. Das kommt eben davon, wenn man an Bord den Hals bzw. den Magen nicht voll bekommen hat. Und dabei hatte ich schon versucht, mich zurückzuhalten und nur ausgesuchte Speisen zu geniessen. Der Versuch ist wohl fehlgeschlagen.

Color Magic mit Freunden


Der Weg ist das Ziel – nämlich die Fähre „Color Magic“, die Passagiere, PKW und Trailer von Kiel nach Oslo bzw. von Oslo nach Kiel befördert. Das Schiff ist zwar eine Fähre, aber das Interieur gleicht dem eines Kreuzfahrtschiffes – wie wir bereits im vorigen Jahr feststellen konnten. Mit unserer Begeisterung hatten wir Freunde und Nachbarn infiziert. Und so machten wir uns in diesem Jahr zu sechst auf den Weg: Unser langjähriger Freund Frank aus München mit seinem Freund Heinz sowie unsere Nachbarn Astrid und Holger – und Bernd und ich. Weiterlesen

9.11.1989

Der 9. November 1989 – das ist 20 Jahre her. Ich sass im Büro, damals noch in Lübeck. Die Firma, in der ich arbeitete, Betrieb ausser einer Reederei noch ein paar andere Geschäftszweige, u.a. gab es eine Heizölabteilung. Und die Fahrer kommen ja auf ihren täglichen Touren in der Stadt herum. Plötzlich ging das Gerücht durch die Firma, die ganze Stadt sei voller Trabbis. Wie ich bei meiner Heimfahrt zur Mittagspause feststellen konnte, was das kein Gerücht. Sie waren da. Überall. Und die ganze Stadt lag unter einer Dunstglocke aus Trabbiabgasen.

Für meine Heimfahrt zur Mittagspause brauchte ich normalerweise nur 10/15 Minuten. Aber an jenem Tag hat es wohl etwa eine Stunde gedauert. Die Tage danach verzichtete ich auf die Mittagspause.

Lübeck war damals Grenzstadt. Und für einen Teil der Einwohner der DDR war Lübeck die nächste grössere Stadt, die für sie erreichbar war. Und so vielen die DDR-Bürger in Lübeck ein. Es war nicht die Volksarmee oder die Russen, vor denen wir in den Zeiten des kalten Krieges Angst hatten. Es waren Menschen wie du und ich.

Ausspannen

So, eine total langweilige Woche im Büro ist beendet. Tote Woche könnte man die Tage vor dem Schiffsmakleressen bezeichnen, das heute in Hamburg stattfindet. Zum Glück muss ich da nicht hin. Weswegen ist diese Woche tot?: Weil der überwiegende Teil der Schifffahrtswelt auf dem Weg zu diesem Essen ist und die Geschäfte deshalb grösstenteils brachliegen.

Langeweile zu haben kann auch Stress sein und deshalb freu ich mich, ein paar Tage ausspannen zu können, zum Teil in angenehmer Gesellschaft: Morgen kommt Übernachtungsbesuch und am Sonntag gehts dann gaymeinsam und gemeinsam auf einen Kurztrip nach Oslo.

Wie sagte ich im vorigen Jahr?: Es besteht Wiederholungsgefahr!

Toleranz in Amerika?


Amerika – ein Land der Gegensätze, nicht nur landschaftlich sondern auch menschlich. Zum Teil erzkonservativ, jedenfalls nach aussen (ich möchte nicht wissen, was bei denen, die am konservativsten sind, in den 4 Wänden abgeht), zum Teil aber auch tolerant und weltoffen. Letzeres sind die Eigenschaften, die mir gefallen. Verklemmt, intolerant und konservativ sein, möglichst noch unter dem Deckmantel der Kirche – nein, damit kann ich nichts anfangen.

Aber es gibt auch rühmliche Ausnahmen:

Der Freund eines Freundes befindet sich zurzeit geschäftlich auf einer USA-Rundreise. Diese führte ihn u.a. auch nach Provincetown. Wie mir berichtet wurde, scheint man dort Schwulen und Lesben gegenüber sehr liberal und tolerant zu sein. So hat unser Freund dort viele offen schwul lebende Männer in der Öffentlichkeit entdeckt und auch sonst einige Anzeichen, dass man in Provincetown nichts gegen Schwule und Lesben hat.

Das örtliche Touristbüro hat z.B. auf der Startseite seiner Homepage einen internen Link zur Rubrik Gay & Lesbian. Und das im prüden Amerika!

Aber leider sind auch bei uns auf offiziellen Seiten Informationen über das örtliche schwule und lesbische Leben noch Mangelware. Es muss ja nicht gleich Werbung für ein Etablissement mit Darkroom sein.