An lauen Sommerabenden auf dem Balkon sitzen, darauf warten, dass es dunkel wird, dass die ersten Sterne aufleuchten, dass ein Flugzeug mit blinkenden Lampen seine Bahn über den Himmel zieht – das ist es, was wir sehr gerne machen, so auch gestern Abend.
Bernd und ich sitzen dann, die Rückenlehnen der Stühle weit nach hinten gestellt, sodass wir fast liegen, und schauen in den Himmel. Zu dieser Jahreszeit ist ja noch ziemlich lange hell, aber die ersten Sterne zeigen sich bereits am noch blauen Himmel. Der erste Stern erscheint immer an der gleichen Stelle. Dann dauert es eine Weile, bis sich weitere Sterne zeigen.
Etwa folgender Dialog entwickelt sich dann: „Ich seh‘ einen.“ – „Wo?“ – „Na, da,“ wobei mein ausgestreckter Arm in die unendlichen Weiten des Himmels zeigt, „da, rechts neben dem Baum.“ – „Ich seh‘ nichts.“ Gerade will ich zu einer möglichst präzisen Ortsbeschreibung ansetzen als Bernd sagt: „Ich hab ihn!“
Und weiter geht’s: „Ich seh‘ auch einen“ – „Wo?“ – worauf sich der Dialog und die Abfolge des Geschehens weitgehenst wiederholen, nur dass Bernd dann versucht mir die Position des soeben entdeckten „neuen“ Sterns am Himmel zu erklären. Manchmal geschieht dies auch mit Hilfe von Antennen und Schornsteinen der im Blickfeld liegenden Häuser. Dann läuft es ungefähr so ab: „Du siehst da drüben die Antenne?“ – „Ja.“ – „Also links neben der ersten Querstrebe und dann auf der Hälfte zu dem hellen Stern da.“ – „Ich seh nichts.“ usw usw.
Ab und zu taucht wie aus dem Nichts ein Flugzeug auf. Wir schauen den blinkenden Positionslampen ein wenig sehnsüchtig hinterher, bis wir nichts mehr erkennen können. Gelegentlich entdecken wir auch Flugobjekte unbekannter Art. Wir vermuten, dass es sich um Satelliten, Raumstationen oder auch nur um Weltraummüll handelt. Warum? Weil es nicht blinkt. Es sieht aus wie ein sich schnell fortbewegender Stern: „Da fliegt was!“ – „Wo?“ – „Es kommt von rechts neben Dir.“ – „Oh ja, ich seh’s“. Wir verfolgen die Bahn bis das Objekt irgendwo im Nichts verschwindet. Egal was es ist, es ist jedenfalls spannend, abends in den Himmel zu schauen und zu beobachten, was da so los ist. Das gute Wetter sollte man ausnutzen und sich draussen aufhalten. Im TV läuft eh nichts gescheites im Moment. Wir freuen uns schon auf unsere Dachterrasse in Geesthacht weil wir hoffen, dort noch mehr Sterne sehen zu können. Das Umgebungslicht am Abend hier in Hamburg ist doch sehr intensiv. Da Geesthacht eher ein wenig provinzionell ist, wird es dort auch nicht so hell sein. Dort werden wir auch unser Teleskop stationär aufstellen.
Übrigens: Heute Abend soll ca. um 22.10 Uhr die Raumfähre zu sehen sein, die heute gestartet ist.

Ab heute haben wir einen Diplomwirtschaftsinformatiker in der Familie. Nach 8 Semestern an der Fachhochschule in Flensburg hat Oliver heute sein Studium mit der abschliessenden Prüfung beendet. Für seine Diplomarbeit bekam er die Note 1.0! Mit Recht bin ich stolz auf Oliver, besonders auch deshalb, weil er sich Studienplatz, Praktikantenstelle und seinen Job ganz allein gesucht hat – ohne Protektion der Familie.
Auf der Fahrt zu meinen Eltern passierten wir die Herrenbrücke, 1964 bei der Inbetriebnahme die grösste Klappbrücke Europas. Sie ersetzte eine 1902 erbaute Drehbrücke, die dem erhöhten Verkehrsaufkommen zu Lande und zu Wasser nicht mehr gewachsen war. Immerhin hat die alte Brücke 60 Jahre gehalten, was man von der neuen Brücke nicht behaupten kann. Inzwischen ist sie so morsch geworden, dass Fahrzeuge auf der Rampe nicht mehr halten dürfen, wenn die Brücke für den Schiffsverkehr geöffnet wird. Anfang August wird ein Tunnel eingeweiht, der die Brücke ersetzt. Wartezeiten für den Autoverkehr wird es dann nicht mehr geben.
Zum Glück war es durch den Feiertag am Montag nur eine kurze Woche, hat sie mir doch Arbeit ohne Pause eingebracht. Steffi heiratet nämlich heute und hat ab Dienstag 3 Wochen Urlaub.