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Sehnsucht

Gerade heute habe ihn vermisst. Warum gerade heute weiss ich nicht. Es ist eben so. Wir telefonieren sonst mehrmals wöchentlich. Aber zurzeit ist er mit seiner lieben Frau auf Hochzeitsreise auf der Südhalbkugel der Erde. Da ist eben mal Sendepause. Und das ist auch in Ordnung so.

Und als hätte er meine Sehnsucht gespürt erhielt ich heute Abend eine SMS, die mich am heutigen Geschehen da unten ein wenig teilhaben liess:
Es gab ein 6-Gänge Lobstermenü unter freiem Himmel, begleitet von 2-Mann Livemusik am Tisch. Und zum Dessert Rum auf Eis am Strand.

He, toll. An sowas wird man sich immer gern erinnern. Das sind Dinge, die einem keiner mehr nehmen kann – egal was passiert. Ich freue mich mit meinen beiden Lieben, dass sie in der glücklichen Lage sind, das Leben zu geniessen.

In diesem Hotel halten sich die Beiden gerade auf, ein Platz, an dem ich auch gern mal ausspannen würde.

Fast letzte Einkäufe

So, wir haben fast alles zusammen, was für das bevorstehende Weihnachtsfest an Geschenken gebraucht wird. U.a. sind wir heute vormittag auf dem Weihnachtsmarkt in Lüneburg fündig geworden.

Das eigentliche Ziel war ein Geschäft, an dem wir schon diverse Male vorbeigegangen sind. Vom Fass heisst der nette Laden. Hier werden Säfte, Öle, Brände, Weine und vieles mehr angeboten. Dazu gibt es passende Geschenkflaschen. Hier fanden wir nicht nur ein Geschenk sondern auch einen Grappa, der uns gut schmeckt und von dem wir 1/2 Liter mitgenommen haben, für den eigenen Gebrauch.

Von Lüneburg aus waren wir schnell bei Ikea. Wir befürchteten, dass es dort ziemlich chaotisch sein würde. Zum Glück fanden wir flott einen Parkplatz. Schnell rein in den Laden, 2 Kisten Glögg und 8 Tüten Zimtschnecken in den Einkaufswagen gepackt (die leckeren schwedichen Pfefferkuchen waren leider aus), Kasse – und wech. Mit Parkplatzsuche, einkaufen und zurück zum Wagen hat das maximal 30 Minuten gedauert. So lieben wir das Einkaufen.

Geburtstagskind im Honeymoon

Mein liebstes Geburtstagskind befindet sich in liebevoller Begleitung auf der Südhalbkugel der Erde in einer Eurozone, nämlich zurzeit auf einer Rundreise auf Reunion. Anschliessend erfolgt dann der Erholungsurlaub auf Mauritius.

Herzliche Glückwünsche aus dem Norden. Bleib so wie du bist mein Lieber! Ich bin stolz auf dich!

Schwule Väter


Eins vorweg:
Mein Sohn ist das Liebste was ich habe. Seine Geburt, ihn kurz danach in meinen Armen zu halten, ist das Schönste was ich in meinem Leben je erlebt habe. Ich habe ihn aufwachsen sehen und ihn viele Jahre durch das Leben begleitet – und das macht mich glücklich. Und glücklich bin ich darüber, dass Bernd und ich ein sehr gutes Verhältnis zu Oliver und seiner Frau haben. Es hätte auch anders sein können.

Den unbändigen Drang zum anderen, zum eigenen Geschlecht, habe ich erst relativ spät entdeckt. Da war ich schon viele Jahre verheiratet und mein Sohn war bereits geboren. Um meine kleine Familie zu schützen, sie nicht aus dem eigenen Haus vertreiben zu müssen, habe ich den endgültigen Schritt der Trennung erst sehr viel später gemacht. Ein Schritt, der mir nicht leichtgefallen ist. Und ein Schritt, der dazu geführt hat, dass meine Frau sich weitgehend zurückgezogen hat, wofür ich Verständis habe.

Wenn ich es recht betrachte, hätte ich eigentlich gar nicht heiraten sollen, waren da doch recht früh schon entsprechende Gefühle. Meine Generation kannte kein Internet, in dem ich mich hätte informieren können. Von Haus aus war man gewissen Erwartungen unterworfen. Gut, es gibt genügend Beispiele von Männern meiner Generation, die den Bund der Ehe gar nicht erst eingegangen sind. Aber es ist auch eine Frage der eigenen Persönlichkeit, wie stark man selbst ist, um die Entscheidung zu treffen, den Weg für das schwule Leben zu gehen. Heute, mit Internetanschluss und Foren wie Gayroyal und Gayromeo, ist es viel einfacher geworden, Gleichgesinnte zu treffen und sich mit Männern die die gleichen Probleme. Schwul zu sein an sich ist für die Meisten nicht das Problem. Das Problem ist, schwul zu sein und eine Familie zu haben.

In einem der Foren bin ich schon einige Male von Männern angesprochen worden. Sie wollen wissen, wie es bei mir war. Sie erzählen von sich und ihren Problemen und fragen mich um Rat. Allein die Tatsache, dass da jemand ist, der das Gleiche durchgemacht hat, gibt diesen Männern eine Hilfestellung. Klar, jeder Fall, mag er noch so ähnlich sein, liegt dann doch anders. Die persönlichen Umstände spielen dabei eine grosse Rolle. Ein lieber Mann hat sich nach einer Zeit schwuler Erfahrungen wieder für seine Frau entschieden. In einer schweren Zeit konnte ich ihm Halt gegeben und mit einem offenen Ohr und mit Rat zurseite stehen. Was er mir über sich erzählte, über seinen Zwiespalt zwischen Familie, d.h. Frau und Kindern und schwules Leben, war teilweise so, als wäre es mein Leben. Genauso war es zum Teil bei mir. Heute sind wir mit F. und seiner Frau gut befreundet. Wir haben uns zusammen bei uns in der Wohnung getroffen und wir hatten einen sehr netten Abend.

Damals bei mir fühlte ich mich ziemlich allein. Ja, und ich gebe es zu: Ich dachte machnmal daran, meinem Leben ein Ende zu setzen. Auch wenn meine Frau mir heute vorwirft, ich hätte mit ihr sprechen sollen – was ich auch hätte tun sollen – ist es doch etwas anderes mit einer Person zu sprechen, die mit den gleichen Problemen lebt wie man selbst.

Wie komme ich nun dazu, über das Thema schwule Väter zu schreiben?:
Erstmal ist es ja so, dass ich bei Gayroyal und Gayromeo feststellen konnte, dass es wirklich eine überraschend hohe Anzahl schwuler Väter gibt. In beiden Foren gibt es entsprechende „Clubs“, in denen man sich registrieren kann. Einmal beigetreten bzw. aufgenommen sieht man die vielen Mitglieder, die ein gleiches oder ähnliches Schicksal hinter sich haben.

Der eigentliche Auslöser ist aber die Tatsache, dass wir auf unserer Minikreuzfahrt gleich vier(!) schwule Väter waren. Von Heinz, den wir als Freund von Frank das erste Mal persönlich trafen, wussen wir es vorher nicht. Es kam bei unseren vielen Gesprächen auf der Fahrt eher zufällig heraus. Er lebt mit Frau und Sohn unter einem Dach.

Wer sind denn nun die anderen Beiden? Das stellte sich erst gestern heraus. Es sind die beiden Jungs unserer Reisebekanntschaft. An Bord hatten wir ja nicht so viel Kontakt. Es war ja an dem Abend, an dem wir gaymeinsam in der Lounge sassen, aufgrund der lauten Musik auch recht mühsam, sich zu unterhalten. Am letzten Morgen an Bord bekam ich von den Beiden die Emailadressen. Die Kontaktaufnahme war deshalb recht einfach. Beide sind auch bei Gayromeo vertreten und deshalb konnten wir uns gestern Abend eine Weile „unterhalten“. Im Verlauf des Chats erfuhr ich dann, dass beide zusammen sieben(!) Kinder haben. Über die Hintergründe werde ich demnächst mehr erfahren.

Schwule Väter – es gibt mehr von uns als jeder von uns auch nur ahnt!

Gerade noch so

Wenn man im Schreibtisch eine Packung mit Brillenputztüchern und eine Packung mit Toilettenfeuchttüchern hat, sollte man schon sehr genau hinsehen, welches Tuch man nimmt, um die Brille zu putzen. Ich hab gerade eben noch die Kurve gekriegt und dann doch das richtige Tuch für die Brille genommen.

Herbst an der Elbe


Nachdem wir unseren Urnengang vollbracht hatten, machten wir noch einen kleinen Elbgang. Hier ein paar Herbstimpressionen, aufgenommen am grossen Strom:





Das Foto mit den beiden Yachten erinnert mich an meine Jugendzeit. Auf der letzten Fahrt mit unserer Yacht vom Sommerdomizil in Travemünde zum Vereinsstützpunkt in Lübeck, wo die Yachten ins Winterlager kamen, war ich immer sehr traurig und melancholisch. Wenn wir in der Siechenbucht, dort, wo heute der Skandinavienkai ist, um die Ecke fuhren und Travemünde achteraus aus dem Blickfeld verschwand, schaute ich immer wehmütig zurück. Die schöne Zeit, die wir im Sommer dort verbrachten, war vorrüber. Dunkle und kalte Monate lagen vor uns mit Wochenenden, auf denen man sich irgendwie beschäftigen musste. Erst im Mai nächsten Jahres ging es wieder mit der Yacht in mein geliebtes Travemünde.

Bilder zur Traumhochzeit

Nun sind die Beiden schon seit einer Woche verheiratet. Am letzten Sonntag, am Morgen nach der wunderschönen Feier, sassen wir gerade jetzt im Rittersaal der Burg Wegberg beim Frühstück. Inzwischen gibt es auch ein paar Fotos der vom Brautpaar engagierten Fotografen, von denen ich euch einige nicht vorenthalten möchte. Leider gibt es von Bernd und mir immer noch keine Fotos in Hochzeitskledage.




Traumhochzeit


Am Donnerstag vergangener Woche machten wir uns mit einem Leihwagen auf den Weg nach Mönchengladbach, wo die Hochzeit von Oliver und Sabrina stattfinden sollte. Es musste ein Leihwagen sein weil wir meine 85-jährige Mutter mitnehmen wollten und es für deshalb für 3 Personen in unserem kleinen Cabrio zu eng ist.

Von Geesthacht ging es also erstmal nach Lübeck, wo wir meine Mutter einsammelten. Punkt 12.00 Uhr machten wir uns von dort auf den Weg nach Wegberg, wo wir nach einer Fahrt von 6-1/2 Stunden eintrafen. Wegberg liegt etwa 20 km ausserhalb von Mönchengladbach. Dort im Hotel Burg Wegberg sollte die Hochzeitsfeier stattfinden. Dortselbst waren wir auch untergebracht.



Nachdem unsere Kledage im Zimmer verstaut war, hatten wir erst mal Hunger. Im gemütlichen Restaurant nahmen wir ein kleines Abendessen ein. Währenddessen rätselten wir, in welchem der Räume die Feier stattfinden würde. Später am Abend traf noch die Familie meiner Frau aus der Nähe von Schleswig ein. Gemeinsam sassen wir beisammen und unterhielten uns über die kommenden Tage und über das, was uns erwarten würde.

Freitag morgen nach dem Frühstück war noch ein wenig Zeit, die Umgebung der kleinen Burg zu erkunden, bevor wir uns auf den Weg nach Mönchengladbach machen mussten, um der standesamtlichen Trauung beizuwohnen.

Die Trauungszeremonie wurde vom Leiter des Standesamtes durchgeführt, der die notwendigen rechtlichen Vorlesungen und die kleine Ansprache sehr humorvoll über die Bühne brachte. Anwesend waren 16 Personen aus dem engsten Familien- und Freundeskreis sowie Olivers Kollegen, zum Teil mit ihren Frauen.


Trotz der humorvollen Zeremonie liess es sich nicht vermeiden, dass Papa feuchte Augen bekam. Auch Oliver musste sich ab und zu mal die Augen wischen. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass wir vom gleichen Blut sind. Als die geseztliche Trauung vollzogen war, gab es Sekt vor dem Eingang des Standesamts. Danach fuhren wir, d.h. der enge Kreis, zum Restaurant der Kaiser-Friedrich-Halle, wo uns im Hochzeitszimmer ein 4-Gängemenue serviert wurde, das die Brautleute sich ausgesucht hatten. Zwischen den Gängen las meine Frau ein selbstverfasstes Gedicht vor, das sie selbst emotional sehr berührte. Es war dies der einzig richtige Rahmen und Zeitpunkt, um das zu tun. Wir waren alle sehr beeindruckt.

Am späten Nachmittag löste sich die Gesellschaft auf. Die Brautleute hatten noch zu tun, die beiden Mütter hatten noch zu tun. Es waren offensichtlich für den nächsten Tag noch einige Vorbereitungen zu treffen. Weitere Gäste mussten vom Bahnhof abgeholt werden. Es herrschte nicht gerade Nervosität oder Hektik, aber es war zu merken, dass etwas in der Luft lag. Wir fuhren zurück zur Burg. Während Mutter sich auf ihr Zimmer zurückzog, machten Bernd und ich einen kleinen Rundgang durch den nahegelegenen Stadtkern von Wegberg. Am Abend sassen wir wieder zusammen mit den anderen Hochzeitsgästen. Die Hochzeit selbst war natürlich das grosse Gesprächsthema. Aber es gab noch ein weiteres: Am nächsten Tag, dem Tag der kirchlichen Trauung, hatte nämlich Olivers Grosscousin seinen 6. Geburtstag.



Samstagmorgen trafen wir uns alle zum Geburstagsfrühstück. Das Hotel hatte einen Geburtstagsttisch hergerichtet. Der kleine Oke bekam seine Geschenke überreicht. Dann wurde gefrühstück. Und es wurde sogar noch ein Kuchen mit Wunderkerzen überreicht. Das beste Geschenk war ein funkfernzulenkendes Fahrzeug, eine Art Trecker, mit einer kleinen Lademulde. Da noch Zeit bis zur Abfahrt war und um die langsam einsetzende Nervosität zu überbrücken, machten wir einen kleinen Rundgang im Park der Burg. Wir mussten aber noch Luftballons aufblasen mit denen wir den Wintergarten schmückten. Der Vater der Braut stellte eine Leinwand und einen Beamer auf. Olivers Kollegen stellten Musikinstrumente bereit und die dazugehörige Technik. Sie wollten damit ein paar Einlagen geben.

Oliver war nun auch eingetroffen, der sich hier umziehen wollte während seine Frau dies zu Hause tat. Um 13.00 Uhr war Abfahrt unseres kleinen Konvois zur Evangelischen Johanneskirche in Mönchengladbach. Während die Hochzeitsgäste die Kirche betraten, wartete Oliver draussen auf seine Braut. Beim Betreten der Kirche wurde uns ein kleines Faltblatt sowie ein einzelnes Textblatt überreicht. Während wir gespannt auf den Einzug des Brautpaares warteten, nahm ich Beides in Augenschein. Das Faltblatt wurde von Oliver und Sabrina selbst gestaltet. Enthalten sind die während der Trauung zu singenden Liedtexte, der Trauspruch, Danksagung an die Mitwirkenden sowie eine kleine Erinnerung an die Familienmitglieder sowie eine sehr gute Freundin, die leider nicht mehr an diesem Tag teilnehmen konnten. Und das Wichtigste überhaupt war ein eingestecktes buntes Papiertaschentuch für die Freudentränen. Sehr süss das alles. Als das Orgelspiel ertönte wussen wir: Das Brautpaar tritt ein. Wir erhoben uns von unseren Plätzen und warteten, dass es in unser Blickfeld kam, waren wir doch darauf gespannt, wie die Braut aussieht.

Die kirchliche Feier begann damit, dass der Pastor uns das Interieur der Kirche erklärte, insbesondere die Wand hinter dem Altar, die aus grauen Klinkersteinen besteht. Einige Steine stehen etwas hervor, was Wellen auf der See symbolisieren soll. Etwas an der Seite befindet sich ein stilisiertes Segelschiff, aus den gleichen grauen Steinen wie die Wand. Die gesamte Predigt baute sich auf dem Thema „Schiff und Hafen“ auf, grössenteils sehr lustig, aber es gab auch ein paar Stellen zum Nachdenken. Ein Sängerin sang 2 Lieder, ein Gospellied und ein Lied aus dem Musical „Wicked – die Hexen von Oz“. Die Hochzeitsgäste sangen die Lieder aus dem Faltblatt. Meine Frau wurde vom Pastor auf die Kanzel gebeten. Er sagte ihr, dass sie dort etwas finden würde, das für sie bestimmt sei. Sie Griff irgendwo hin und ihre Hand kam mit einem gefüllten Cognacglas hervor, wovon sie zur Beruhigung einen Schluck trinken sollte und es auch tat. Prost statt Amen! Uns wurde dann eine kleine Geschichte aus Käpt’n Blaubär vorgelesen, die von einer Insel handelte. Eine Insel kann man ja nur mit dem Schiff erreichen, also war auch hier wieder die Verbindung zum Schiff. Geschichten von Käpt’n Blaubär lesen die Beiden sehr gern. Der Text war sehr romantisch uns sehr tiefsinnig. Acht enge Freunde sowie Olivers Cousine und ihr Mann trugen jeweils ein Gebet vor. Während der Ansprache des Pastors wurde den Brautleuten ein kleiner Anker, ein Minirettungsring und ein kleiner Kompass zugeworfen. Dies waren Symbole für die Ehe – und wieder die Verbindung zum Schiff. Das einzelne Textblatt, das uns beim Betreten der Kirche überreicht wurde, war eine Überraschung für Sabrina und Oliver. Meine Frau hatte auf der Basis eines bekannten Liedes einen neuen, sehr persönlichen Text gedichtet. Gemeinsam wurde auch dieses Lied gesungen, wobei ich mich mit dem Singen redlich bemühte. Wenn es um meinen Sohn geht, will ich auch singen. Ansonsten lass ich es lieber. Desweiteren hatte der Pastor eine Flasche Rotwein für die Beiden. Ihm war nämlich beim Besuch bei ihnen zu Hause aufgefallen, dass in der Küche 5 leere Rotweinflaschen standen. Auch diese kleine Aktion trug wieder zur allgemeinen Erheiterung bei.

Wie? In der Kirche wird nicht gelacht? Es wurde sogar geklatscht, nämlich nach den beiden Darbietungen der Sängerin und nach dem Vortrag meiner Frau! Bernd, der nicht mal mit dem Chor in Kirchen aufgetreten ist, sagte nach der Trauungszeremonie, dass er sich vorstellen könnte, auch mal einen Gottesdienst zu besuchen. Nein, es muss nicht nur immer ernst in der Kirche zugehen. Die Kirche soll doch das Leben wiederspiegeln. Und im Leben wird eben auch gelacht, warum nicht auch in der Kirche während einer kirchlichen Handlung. Ach ja, fotografiert wurde während der Trauung auch!

Während der Fahrt zur Kirche hatte Bernd mich gefragt, wie lange die Trauungszeremonie denn dauern würde. Na ja, überlichweise so ca. 30 – 40 Minuten. Nun, diese Trauung dauerte etwa 1 Stunde, eine Stunde, die so schnell verging. Und als alles zu Ende war, war ich irgendwie traurig, dass es nun vorbei war.

Auf dem Vorplatz wurden anschliessend weisse Tauben freigelassen, Fotos gemacht, Seifenblasen geblasen. Es gab Glückwünsche, Händeschütteln, noch mehr Fotos. Oliver musste seine Frau durch ein herzförmiges Loch in einem Bettlaken tragen, das Beide vorher hineinschneiden mussten. Für die Wagenkolonne wurden kleine Schleifen verteilt, die am Aussenspiegel oder der Antenne befestigt werden sollten. Und dann machte sich die Kolonne unter lautem Gehupe auf den etwa 20 Kilometer langen Weg zur Burg Wegberg.

Im sonnenbeschienen Burggarten gab es Kaffee und Kuchen. Die Hochzeitstorte in Herzform wurde angschnitten, wobei einige Damen darauf achteten, wer dabei die Hand oben hat. Es heisst nämlich, was ich bisher nicht wusste, dass der, der die Hand oben hat, zuhause das Sagen hat. Den Beiden hat das natürlich vorher keiner gesagt. Der Zufall sollte entscheiden. Nun ja, wenn dem denn so ist, wird der Herr des Hauses in Zukunft die Hosen anhaben.
(Oliver erzählte mir nach dem Kontrollesen dieses Berichtes, dass sie sich der Bedeutung sehr wohl bewusst waren und vorher abgesprochen hatten, wer die Hand oben hat. Na, so leicht lassen sich Damen an der Nase herumführen.)

Während sich die Gäste unterhielten, wurden vom Brautpaar die üblichen Fotos gemacht. Im Garten wurden von den Gästen zusammen mit dem Brautpaar Gruppenfotos gemacht. Die 2 engagierten Fotografen achteten auf jede Kleinigkeit: Die Tasche dort ist fehl am Platz, das Sakko da rechts beuelt, die Arme locker hängen lassen, schaut hier hin, usw. usw. Endlich war diese Prozedur überstanden und wir durften den Saal betreten, in dem die nun folgende Hochtzeitsfeier stattfinden sollte.


Die Feier begann mit einer Bildpräsentation der beiden Kinder, die der Vater der Braut vorbereitet hatte. Fotos aus den ersten Lebenstagen bis zur Konfirmation bzw. Kommunion waren geschickt aneinandergereiht und wurden mit einer kleinen Geschichte verbunden, die sich wieder um ein Schiff drehte.

Dann gab es endlich was zu essen. Uns wurde ein 5-Gängemenue serviert, welches unheimlich lecker war. Zwischen den Vorspeisen durfte ich meine vorbereitete Rede halten. Ich wollte eigentlich ohne den Spickzettel reden. Da ich aber von all dem, was ohne mein Wissen während der vergangen Wochen und Tage vorbereitet worden war, so überwältigt war, hatte ich mich kurzerhand entschlossen, ein wenig zu improvisieren. Ich bedankte mich am Anfang also bei den beiden Müttern und bei Sabrinas Vater für die Mühe und Arbeit. Dann kam der Kern meiner Rede, wofür ich dann doch den Zettel bereit hielt, weil ich das Konzept ein wenig geändert hatte.


Der Zeitplan hinkte ein wenig hinterher und wir wurden am späten Abend vor dem letzten Gang erstmal in den Burggarten gebeten. Von einer Wiese ertönte uns romantische Instrumentalmusik entgegen. Auf der Wiese brannten 4 Feuersäulen. Die Wiese war grossräumig mit rot-weissem Band abgesperrt. Ich hatte wohl schon eine Ahnung, was nun gleich passieren würde. Aber meine Erwartungen wurden übertroffen: Es wurde ein richtiges kleines Höhenfeuerwerk abgebrannt, und zwar synchron zu „One Moment in Time“, von Whitney Houston gesungen. Am Ende leuchteten auf der Wiese zwei miteinander verbundene Herzen auf. Die Musik wechselte wieder zu instrumental. Und mir standen die Tränen in den Augen. Ich musste Sabrina und Oliver umarmen und ich, der Feuerwerkfreak, bedankte mich bei den Beiden. Aber auch bei dieser Gelegenheit zeigt sich, wessen Sohn der Oliver ist, auch er liebt Feuerwerk über alles.

Zurück im Festsaal wurde der vierte Gang bzw. der erste Nachtisch serviert: Ein sehr reichhaltiges Dessertbuffet. (Später um Mitternacht gab es dann den 5. Gang bzw. den 2. Nachtisch: Eisbombe, präsentiert mit brennenden Wunderkerzen.)


Nun wurde es auch Zeit für den Ehrentanz. Zu den Klängen eines langsamen Walzers tanzte das Brautpaar in unserer Mitte. Der offizielle Teil des Tages war zu Ende. Nun wurde gefeiert, getanzt und getrunken (am Morgen gab es in der Hotelbar keinen Baileys mehr!). Auch mit Olivers Kollegen verstanden wir uns gut. Wenn ich alles das getrunken hätte, was Dirk mir gebracht hat, wäre ich am Sonntag nicht fahrtüchtig gewesen. Ein Eintrag ins Gästebuch musste auch noch sein.

Das erste Mal seit vielen Jahren tanzte ich auch mit meiner Frau. Es war erstaunlich, wir haben es nicht verlernt – es war wie früher, so als hätte es die 12 Jahren dazwischen nicht gegeben. Den letzten Tanz zur Musik von „I did it my way“ tanzte das Brautpaar in der Mitte einer Handvoll übriggebliebener Gäste, die, sich umarmend, einen Kreis gebildet hatten, morgens um halb fünf – und Papa bekam wieder feuchte Augen. Meine Frau und ich geleiteten das Paar bis vor die Tür ihrer Hochzeitssuite. Wir wollten sehen, wie Oliver seine Sabrina über die Schwelle trägt, was ihm ohne Probleme gelungen ist.

Am Sonntagmorgen ab 10.00 Uhr gab es ein gemeinsames Frühstück im Rittersaal des Hotels Burg Wegberg. Drei Zehnertische waren für unsere Hochzeitsgesellschaft reserviert. Nach und nach trudelten die müden Gestalten ein. Alle machten einen zufriedenen Eindruck. Gesprächsthemen waren, wann wer das Hotelzimmer aufgesucht hat, dass es eine tolle Hochzeit war – und dass es nun Zeit ist, sich auf den Heimweg zu machen. Eine letzte Umarmung, noch mal feuchte Augen bei Papa. Abfahrt!

Ja, diese Hochzeit war ein Traum. Alles war mit sehr viel Liebe vorbereitet und gemacht. Es gab noch ein paar Kleinigkeiten mehr, aber es würde zu weit führen, auf diese Dinge auch noch einzugehen. Und wir wissen, dass es gerade die Kleinigkeiten sind, die Arbeit machen.

Oliver und Sabrina sind nun ein Ehepaar. Sie sind auch meine Kinder. Aber sie sind mehr als Kinder: Sie sind unsere Freunde!

Dieser kleine Hochzeitsbericht wurde mit ein paar Amateurfotos versehen. Sobald mir die offiziellen Fotos zur Verfügung stehen, darf ich daraus auch einige präsentieren. Dann wird es auch ein paar Fotos von mir geben.

Weitere Fotos gibt es hier.

Stilblüten

Unsere Nachbarn kommen am Freitag aus dem Urlaub zurück. Für Freitagabend haben sie uns eingeladen, beim Griechen zu essen. Sie hatten mich gebeten, dort einen Tisch zu reservieren. Ich also auf dem Heimweg heute Abend dahin. Ein wenig small talk mit der Bedienung, man kennt sich ja.

Ich mach die Reservierung mit den Worten: Aber bitte drinnen. Das Wetter soll am Freitag draussen nicht so gut werden.