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Mamma Mia

Wie nicht anders zu erwarten war es wieder eine rasante und witzige Show – verfolgt aus aus der 2. Reihe. Da die Bühne nicht sehr gross und das Bühnenbild nicht sehr gewaltig ist, kann man dieses Musical sehr gut aus den ersten Reihen anschauen. 2 bekannte Gesichter von der unvergessenen „Titanic“ waren dabei: Ulli Talle und Wolfgang Höltzel. Laut Besetzungsliste spielte noch Daniela Wildprad von „Titanic“ mit, aber sie haben wir nicht erkannt.

Mamma Mia lebt im 1. Teil von den rhythmischen schnellen Abba-Stücken. Die Handlung ist dementsprechend flott und witzig. Im 2. Teil werden die langsamen Songs gebracht, ebenfalls der Handlung angemessen. Die Emotionen der vor 20 Jahren von ihrer grossen Liebe sitzen gelassenen Donna wurden glaubwürdig und mit Bravour auf die Bühne gebracht. Erstaunt war ich, dass ich einen sehr wichtigen Teil meines eigenen Lebens vorgespielt bekam und mich in einer der Rollen wiederfand. Am Ende dann ein Happyend, dass so nicht von Anfang erwartet wurde. Die Zugaben als Abbaparty rissen fast alle Zuschauer von ihren Plätzen. Alles in Allem ist Mamma Mia ein fetziges, mitreissendes Stück mit ein paar besinnlichen Momenten. Wiederkommen lohnt sich.

Für die Pause hatten wir uns zum Glück vor dem Beginn der Aufführung unsere Getränke bestellt. Das Operettenhaus ist ein altes Theater mit engen Gängen. Menschenmassen drängten ins Foyer. Als wir endlich dort eintrafen herrschte an der Gastronomie bereits ein fürchterliches Gedränge. Der für uns reservierte Tisch war bereits von einigen Damen belagert, die dort ihre Getränke und ein Tablett mit Brezeln abgestellt hatten. Ich musste erst mal sorgfältig schauen, welche denn unsere Gläser waren. Das Tablett war fast abgegessen und ich stellte mein Glas darauf ab (ich kann ganz schön frech sein). Prompt wurde ich angezickt: „Das ist aber unser Tablett“. Ich zickte zurück: „Das ist unser Tisch, wir haben den reserviert“. – „Ach“. Zum Glück war ein Reserviert-Schild, sogar mit meinem Namen drauf, auf dem Tisch aufgestellt, was offensichtlich die Zicken nicht beeindruckt hatte. Wir beiläufig reichte Bernd mir das Schild, aber so, dass sie es sehen musste. Na, irgendwann verzogen sich die Frauen (Damen waren das sicher nicht!). Kurz darauf machten wir uns auf den Weg zu unseren Plätzen, und zwar bevor der Gong das nahe Ende der Pause verkündete. So vermieden wir es, mit den Menschenmassen durch den engen Gang gepfercht zu werden.

Kunst oder Aprilscherz?

Also ein verfrühter Aprilscherz ist es sicher nicht, ob es allerdings Kunst ist? Das ist wohl Ansichtssache. Im Hamburger Abendblatt stand folgendes zu lesen:

Einmaliges Konzert: 4 Minuten und 33 Sekunden Stille

Von Joachim Mischke

Hamburg –

„Musik wird störend oft empfunden, weil sie mit Geräusch verbunden“, hat schon Wilhelm Busch gekalauert. Doch was es bedeutet, wenn man diesen Scherz für 4 Minuten und 33 Sekunden ernst nimmt, weiß die Musikwelt seit dem 19. August 1952. Damals setzte sich der Pianist David Tudor in Harvard an ein Klavier und tat 273 Sekunden lang: nichts. Und die Zuhörer hörten: nichts. Zumindest nichts, was man im klassischen Sinn für Musik halten würde, von wegen Dur oder Moll, Melodie, Rhythmus und so. Dafür hörten sie alles, was in einem Konzertsaal passiert, wenn dort sonst nichts passiert.

John Cages „4’33“, ein Stück in drei Sätzen mit je einem Pausenzeichen in den Noten, ist eines der radikalsten Meisterwerke der Moderne, denn hier wird der Sound der Stille als Kunst verstanden und zugelassen. Enorm praktisch an „4’33“ ist, dass es in vielen Varianten aufführbar ist: Man kann es auf Blockflöte nicht spielen oder auf einer Ukulele, und falls kein Instrument zur Hand ist, kann man es auch auf einem Regenschirm nicht spielen.

Morgen wird Cages Klassiker erstmals von einem kompletten Orchester interpretiert, die BBC überträgt das Stück live aus London. Eigens dafür muss der Sender seine Technik ausbremsen, die normalerweise hinter einem Sendeloch einen Blackout wittern und Alarm auslösen würde.

Doch es geht auch einfacher, denn jeder kann mit Cage zum Künstler werden. Einfach viereinhalb Minuten nichts sagen. Nichts spielen. Nur sein. Der Rest findet sich. Klingt gut, oder? Na bitte. Einzige Bedingung: Sehen Sie bloß genau auf die Uhr – der Pop-Produzent Mike Batt wurde kürzlich von Cages Musikverlag wegen Copyright- Verletzung mit einer Klage bedroht, weil er auf eine seiner Platten lediglich eine Minute Stille packte und sowohl sich als auch Cage als Autor angegeben hatte. Man einigte sich damals außergerichtlich auf eine Zahlung von rund 160 000 Euro. Schweigegeld, sozusagen.

Erschienen am 15. Jan 2004

Die URL zum Artikel:

http://www.abendblatt.de./daten/2004/01/15/251465.html

Nachfolger

„Tanz der Vampire“ ist das Nachfolgemusical von „Titanic“. Vor einigen Wochen hatte ich die Möglichkeit, für den heutige Nachmittagsvorstellung günstig 2 Karten für eine Voraufführung zu bekommen.

Es war die 2. Aufführung vor Publikum, eine ausverkaufte Vorstellung.

Es ist schon merkwürdig in einen Theatersaal zu kommen, den man glaubt gut zu kennen weil man innerhalb eines Jahres dort elf Mal gewesen ist. Dann geht man hinein und es sieht anders aus, eben dem neuen Stück angepasst.

Die Vorstellung begann mit ein paar Minuten Verspätung. Als die Ouvertüre erklang, stellte sich eine leichte Gänsehaut bei mir ein, es sollte die einzige bleiben. Nein, das Musical ist nicht schlecht. Es hat schöne Melodien, teils mit leichtem Klassikeinschlag, dann wieder rockig-poppig. Die Handlung ist kurzweilig und teilweise witzig. Es gibt schöne Effekte. Stimmlich sind die Rollen nicht so gut besetzt, es mag aber auch eine Frage der Tonaussteuerung sein. Zeitweise klang der Gesang recht schrill. Eine Ausnahme ist die Stimme von Thomas Borchert, der die Rolle des Grafen von Krolock spielt. Herausragend ist der schnelle Sprechgesang des Professors (Werner Bauer). So schnell wie der singen kann, und auch noch so, dass man es versteht, kann ich nicht mal sprechen.

Ein Wiedersehen bzw. -hören gab es mit 2 Titanicdarstellern: Jessica Kessler (Kate McGowan) spielt die Sarah. Ihre Stimme klang in den Höhen etwas scharf. Ebenso die von Norbert Kohler (Ausguck Frederik Fleet). Er spielt bei TdV den schwulen Sohn des Grafen. In diesem Stück kommt es wirklich auf gute Stimmen an da es viele grossartige Soli gibt. Wie gesagt, vielleicht bekommt die Technik das ja noch in den Griff.

Das Bühnenbild ist sehr abwechslungsreich. Leider, besonders im 2. Akt, ein wenig zu eintönig grau. Gut, das ist sicher so beabsichtigt. Bei Vampirens ist es eben alles alt und verkommen, es wirkt aber manchmal ein wenig langweilig.

Jubelnder Beifall und spontane standing ovations am Schluss.

Mein Fazit: Absolut sehens- und hörenswert, mitreissend, gut inszeniert. Gehen wir wieder hin? Ja, das werden wir. Möglich, dass dieses Stück mich erst beim 2. Besuch so richtig vom Hocker reissen wird.

König der Löwen

Anlässlich des gestrigen Schiffsmakleressens hatte die Fa. GEFO Steffi und mich mit Partnern für heute zu einem netten Abend eingeladen. Steffis Freund war dienstlich verhindert, mein Freund hatte keine Lust – leider. Gern hätte ich ihn dabeigehabt. Ich hatte ihn bereits gestern „krankheitshalber“ entschuldigt.

Wir trafen uns in der Bar des Hotel Elysee. Dort sind die auswärtigen Gäste untergebracht. Nein, nicht in der Bar, im Hotel. Bei einigen Drinks kam man schnell mit den anderen Gästen ins Gespräch. Bis zu diesem Moment war es streng Geheim, wie und wo der Abend weitergehen würde. Aber als die Eintrittskarten verteilt wurden, war alles klar: Wir würden uns “ Der König der Löwen“ anschauen. Steffi und ich hatten bereits vermutet, dass es dort hingehen würde.

Mit Taxen ging es hinunter zum Hafen, von dort mit der ersten Fähre hinüber zum Theaterzelt. Für unsere Gruppe, wir waren 30 Personen, gab es eine eigens eingerichtete VIP-Garderobe, an der wir Jacken und Mäntel abgeben konnten. Gemeinsam ging es dann hinauf zum Theaterrestaurant. Zur Begrüssung gab es dort ein Glas Sekt. Auf jedem Platz lag ein Programmheft bereit. Von den Vierertischen hatten wir einen tollen Blick auf den Hafen und die abendliche Skyline von Hamburg.

Das 4-Gänge-Menü war übersichtlich aber doch sättigend und von erstklassiger Qualität. Wir wurden von einer eigens für unsere Gruppe abgestellten Dame betreut, die uns über den Verlauf des Abends unterrichtete: In welcher Bar wir das Getränk in der Pause einnehmen, dass wir die Programmhefte am Platz lassen können und wir sie nach der Vorstellung beim Abschiedsdrink wiederbekämen u.s.w. Seitens des Theaters wurde ein hervorragender Serivce geboten.

Kurz vor Vorstellungsbeginn begaben wir uns in den Zuschauerraum und das Spektakel nahm seinen Lauf. Ich wusste ja bereits, was auf mich zukam. Bereits während der 1. Hälfte hätte ich am liebsten das Theater wieder verlassen. Ich war einfach nur genervt von den flachen Dialogen und Witzen. Meine Hoffnung, dass mir das Stück beim 2. Mal besser gefallen würde, hatte sich leider nicht erfüllt. Ich versuchte so gut es ging, das, was mir nicht gefiel, nämlich die besagten albernen Dialoge und Witze, „wegzuschalten“ und konzentrierte mich auf die Musik und die Ausstattung. Denn eins ist ganz klar: Das Musical besticht durch ein mit einfachen aber wirkungsvollen Mitteln gestaltetes Bühnenbild, z.B. der austrocknende See: Ein grosses blaues Stück Stoff, dass durch ein Loch in der Bühne nach unten gezogen wird, so dass es aussieht, als würde das Wasser ablaufen. Oder die lebenden Pflanzen: Menschen, die in Pflanzen stecken und sich bewegen.

Menschen, die in Tierfiguren stecken und diese sehr naturgetreu bewegen. Nur die Giraffen gefielen mir nicht. Sie sehen aus, als hätten sie hinten Holzbeine (was tatsächlich der Fall ist) und vorne benutzen sie Krücken.

Mein Fazit für dieses Musical: Ein farbenprächtiges Spektakel mit teilweise guter Musik und einer phantastische Ausstattung aber zum grossen Teil billige Witze und flache Dialoge. Am Ende Jubel für die albernen Figuren Timon und Pumbaa von erwachsenen Menschen! OK, die Darsteller machen sicher einen guten Job, sie können ja nichts dafür, dass die Macher dieses Musicals eine eigenartige Art von Humor haben.

Nach der Vorstellung war ich der Erste, der im für uns reservierten Bereich für den Abschiedsdrink eintraf. Unsere Betreuerin fragte mich, wie es mir denn gefallen hätte. Ich erzählte ihr es so, wie ich es oben beschrieben habe. Sie musste zugeben, dass die Übersetzung ins Deutsche teilweise recht holprig ausgefallen ist. Na, dann liege ich mit meiner Meinung ja gar nicht so daneben.

Gegen Mitternacht brachen wir auf. Mit der Fähre ging es zurück zu den Landungsbrücken. Einige wollten den Abend an der Hotelbar ausklingen lassen. Ich nahm mir ein Taxi und liess mich nach Hause fahren, wo ich zu meinem Schatz ins Bett kroch.

Loriot wird 80


Victor von Bülow alias Loriot feiert in den nächsten Tagen seinen 80. Geburtstag. Ich hoffe, dass sein feinsinniger Humor uns noch lange erhalten bleibt.

Anlässlich dieses Geburtstages bietet die Bäckerei Kamps den „Kosakenzipfel“ an. Welcher Loriotfan kennt nicht den Sketch: 2 Ehepaare, die sich im Urlaub kennen gelernt haben, essen ein einem Restaurant und geraten über das Dessert, den letzten verfügbaren Kosakenzipfel in Streit.

Ganz gewiss werde ich mir demnächst einen Kosakenzipfel kaufen, einen ganzen ganz für mich alleine – damit es keinen Streit gibt.

Der Kosakenzipfel besteht aus dunklem Mokka-Schaum, ist überzogen mit einer leckeren Schokoladen-Glasur und wird von einem echten Zitronencreme-Trüffel gekrönt.
gefunden bei: www.kamps.de

Ich werde sie nicht los

Es ist nicht einfach für mich, „Titanic – das Musical“ hinter mich zu lassen. Es hat mich fasziniert, begeistert, berührt – vielleicht auch deswegen, weil ich als Schifffahrtsmensch mit der Materie der Seefahrt vertraut bin und gesehen habe, wie viel Wahrheit in den Dialogen der Rollen steckt, an welche Kleinigkeiten seitens der Regie gedacht wurde um ein wahrheitsgetreues Bild auf die Bühne zu bringen. Meine Vorstellungskraft reicht so weit, dass ich die Titanic bei dem Lied „Kein Mond – kein Wind“, kurz vor dem Zusammenstoss mit dem Eisberg, durch die kalte dunkle Nacht fahren sah. Die grossartigen Schauspieler haben es verstanden, 11 Mal alles um mich herum vergessen zu lassen. Es war, als sei ich mitten drin gewesen im Geschehen.

Auf der Abschlussparty hatten wir den Eindruck, dass die Produktion auch getragen wurde vom Zusammenhalt des Ensembles. Jeder Künstler für sich ist zwar eine individuelle Persönlichkeit. Doch wenn die Chemie untereinander nicht stimmt, ist es schwer, eine in sich runde und geschlossene Aufführung auf die Bühne zu bringen und die Zuschauer zu fesseln.

Ich mag es mir nicht vorstellen, dass „Titanic – das Musical“ nicht wieder aufgeführt werden wird, das hat es nicht verdient.

Lachen und weinen


Ich war mir schon bewusst, dass dieser Abend Emotionen freisetzen würde. Doch will ich von vorn beginnen:

Im Theater Neue Flora wurde heute die letzte Vorstellung von „Titanic – das Musical“ aufgeführt. Karten dafür hatten wir schon seit einigen Wochen. Seinerzeit wussten wir noch nicht, dass es Karten für die letzte Vorstellung sind, hiess es doch damals, dass die Derniere am 5. Oktober stattfinden würde. Umso gespannter warteten wir auf diesen Abend, seit uns bekannt war, dass wir an diesem Ereignis teilnehmen können.

Eine Überraschung war die Besetzungsliste, die per Monitor im Foyer angezeigt wird: Jens Janke, der vor 3 Wochen vor unseren Augen herzlich von seinen Kollegen verabschiedet worden war, würde noch ein Mal den Funker spielen. Robert Lenkey als Isidor Straus war leider nicht dabei, die Rolle sollte von Ulrich Thalle übernommen werden. Nun gut, damit musste ich mich abfinden. Ich wusste bereits, dass Marina Edelhagen, die so grandios die Rolle von Ida Straus gespielt hatte, auch schon ihre letzte Vorstellung hatte. Ihr Part würde heute Abend von Masha Karell gespielt werden, sie spielte sonst die reiche Witwe Cardoza. Es würde also spannend werden, wie diese Vorstellung mit einer teilweisen anderen Besetzung gefallen würde. Wir rechneten damit, dass anlässlich dieser allerletzten Aufführung ein paar Spässe seitens der Darsteller eingebaut werden würden.

Die Vorstellung begann ganz normal. Aber dann wurde plötzlich der Unterschied zu einer normalen Vorstellung sichtbar: Nach dem die Passagiere an Bord gegangen sind und das Schiff abgelegt hat, stehen Passagiere und Besatzungsmitglieder an der Reling und winken den Schaulustigen am Kai zu. In diesem Moment zückten Hunderte von Menschen im Publikum Taschentücher und winkten zurück. Da wir recht weit hinten sassen, war das für uns ein überwältigender Anblick. Patrick Stanke, der den Heizer spielt, konnte nicht mehr weitersingen und wischte sich die Tränen aus den Augenwinkeln. Er war sicher nicht der Einzige, dem das passierte.

In der nächsten Szene kommt der Reeder auf die Brücke und will mit dem Kapitän und dem Schiffsbauer anstossen. Robin Brosch als Reeder hat die vorherige Situation aufgenommen und seinen Text ein wenig abgeändert: „Nach dem wir so herzlich verabschiedet worden sind…… „. Für diese Geste erhielt er den ersten Szenenapplaus des Abends.

So richtig aus sich heraus kamen die Schauspieler beim „1. Klasse-Dinner“: Benjamin Guggenheim wusste nicht mehr, die wievielte Atlantiküberfahrt er gerade machte. Der Major hatte eins seiner Abenteuer, mit denen er immer nervte, vor vielen Jahren mit gottlosen Wilden in Hamburg statt in Indien. Die Astors kamen statt aus Paris von ihrer Reise nach Hamburg zurück. Jedes Mal gab es Beifall, Jubel und Gelächter im Publikum. Verstehen kann das sicher nur Jemand, der den Ablauf der normalen Vorstellung kennt. Später, bei der Szene im Rauchsalon, erzählte der Major von seinem Abenteuer mit 2000 gottlosen Orchestermusikern.

Bei dieser Vorstellung ist wohl fast alles an Darstellern auf der Bühne gewesen, die je in dem Stück mitgespielt haben. Alle wollten an diesem Abend dabei sein. Besonders zu sehen war dies bei den Massenszenen, wie z.B. das Leben und die Träume der 3. Klassepassagiere und das Wecken nach dem Zusammenstoss mit dem Eisberg.

Ein niedlicher Gag: Der Teddybär des Sohnes der Thayers hatte eine Schwimmweste an und dazu noch eine Taucherbrille auf.

Nach dem Zusammenstoss versammeln sich die Passagiere der 1. und 2. Klasse im grossen Salon. Ein Servierwagen wird hereingeschoben und Getränke werden angeboten. Das Schiff bekommt langsam Schlagseite und der Servierwagen rollt über die Bühne. Der Wagen wurde sonst von einem der Stewards angehalten. Heute rollte der Wagen weg auf die Seitenbühne und die Passagiere wussten nicht mehr, wo sie ihre Gläser abstellen sollen, als sie den Salon zur Rettungsaktion verlassen müssen. Alle liefen durcheinander und versuchten irgendwo die Gläser loszuwerden.

Nächste Szene: Die Passagiere der 1. und 2. Klasse laufen über die Bühne zu den Rettungsbooten, jeweils paarweise, jeder von ihnen hat ein paar Worte zu sagen. Heute hatte eine der Damen plötzlich 2 Ehemänner, einer war die Erstbesetzung der andere die Zweitbesetzung. John B. Thayer hatte seine Frau wie einen nassen Sack über der Schulter hängen und rannte mit ihr über die Bühne. Durch die vielen kleinen spassigen Einlagen war zum Traurigsein kaum Gelegenheit.

Dann kam der Untergang. Der Kapitän gibt über ein Megaphon bekannt: „Ich gebe dieses Schiff verloren, rette sich wer kann“. Heute war auch das ein wenig anders: „Ich gebe die Titanic endgültig verloren.“ Andrews, der Erbauer des Schiffes, der einsam im Rauchsalon die Pläne studiert und erkennt, warum das Schiff dem Untergang geweiht ist, singt „Jetzt wird die Titanic endgültig sinken… “ statt „von nun an wird das Schiff noch schneller sinken…“.

Von Zeit zu Zeit erinnerte ich mich, dass es nun das letzte Mal sei, dass ich diese oder jene Szene sehen würde. Ich hatte mich ganz gut im Griff – bis dann die wirklich letzte Szene des Musicals gespielt wurde: Die geretten Passagiere sehen ihre Ehemänner und die Besatzung als Vision am Kai stehen, das letzte Lied erklingt:

„Nun fahr mit Gott, mein Schiff, Titanic!
Weit hinaus aufs Meer!
Dass Dir See und Wind stets gewogen sind!
Gute Fahrt bis zur Wiederkehr!“

Da brach es aus mir heraus. Ich liess den Tränen freien Lauf. Selbst jetzt, wo ich diese Worte schreibe, bekomme ich feuchte Augen.

Als der letzte Ton verklungen war, stand das gesamte Publikum auf. Jubelnder Beifall erschallte, der kein Ende nehmen wollte, es war einfach unglaublich. Ein Herr der Theaterleitung erschien auf der Bühne und wollte ein paar Worte sagen. Er hatte Mühe, das Publikum zur Ruhe zu bekommen. Er hielt eine kleine Rede, vor allem an die Darsteller. Danach kam das Backstagepersonal und überreichte an Jeden einen Blumenstrauss. Auch auf der Bühne gab es feuchte Augen – und wie wir später erfuhren auch hinter der Bühne.

Es wurden noch 2 Lieder gesungen: „Nur bis zum Morgen sind wir nun getrennt…“, das Lied, mit dem sich die Passagiere an Deck verabschieden als die letzten in die Boote gehen und die anderen zurückbleiben müssen, und „Ragtime“, ein fetziges Tanzlied, dass uns den Abschied vielleicht nicht so tränenreich machen sollte. Zum Schluss sind wirklich alle auf der Bühne, die mit dem Stück zu tun hatten. Selbst alle Kinderdarsteller des Thayersohnes waren dabei. Einige der Sänger warfen ihre Blumensträusse, bevor sie die Bühne verliessen, ins Publikum. Dann war die Bühne leer, es war endgültig zu Ende. Ich hatte das Gefühl, an einer Beerdigung teilgenommen zu haben, an einer Beerdigung 1. Klasse.

Genau 10 Monate ist die Titanic in Hamburg über die Bühne gefahren.

– Abschiedsparty

In der Pause hatten wir Holger getroffen. Er erzählte uns, dass nach der Vorstellung im Vorfoyer eine kleine Party stattfinden würde. Auf unseren Einwand, dass wir keine Einladung hätten, meinte er, die würden schon Niemanden rauswerfen.

Nach der Vorstellung hielten wir uns im Vorfoyer auf. Die meisten Leute verliessen das Theater. Wir standen ganz „unauffällig“ ans Geländer gelehnt und warteten, was passieren würde. 2 Herren kamen auf uns zu und fragten, ob wir auf der Liste stehen. Tja, das mussten wir leider verneinen. „Ja, also, sie werden verstehen, wir müssen hier schliessen, aber, äh, wir haben sie ja hier schon tausend Mal gesehen. Na, wir wollen mal nicht so sein. Hier haben sie das Bändchen. Viel Spass noch.“ Schon hatten wir jeder ein rotes Bändchen, das uns jetzt erlaubte, an der Party teilnehmen zu dürfen.

Im Foyer gab es ein kleines warm/kaltes Buffet, an der Bar „Stage Club“ gab es die Getränke. Ein DJ sorgte für Musik. Darsteller, Mitarbeiter und deren Freunde feierten den Abschied von ihrer „Titanic“. Bernd traf einige seiner Exkollegen, die mich auch schon von der Premierenfeier kannten. Wir hörten, von ihnen, dass direkt nach der Vorstellung damit begonnen wurde die „Blackboxen“, in denen sich die Schauspieler während der Vorstellung umziehen, zu demontieren, d.h., dass in Kürze die gesamte Bühnendekoration abgebaut sein wird um Platz zu schaffen für „Tanz der Vampire“, das Nachfolgemusical, das genau 1 Jahr nach der Premiere von Titanic seine Premiere haben wird.

Der Abend bzw. die Nacht war nett und interessant. Einige der Mitwirkenden konnte sogar ich ohne ihre Maske erkennen. Michael Flöth, der den Kapitän spielte, gehörte allerdings nicht auf Anhieb dazu. Er hat sich direkt nach der Vorstellung seinen Bart abgenommen.

Gegen halb vier verliessen wir die Party und fuhren mit einem Taxi nach Hause.

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Titanicday

Gegen 11.00 Uhr erschien Melli bei uns. Sie war bereits um kurz nach neun Uhr an der Theaterkasse um sich die Karten für die beiden heutigen Titanic-Vorstellungen zu kaufen. Zu einer Vorstellung hatte sie uns ja eingeladen. Die Zeit bis zur Nachmittagsvorstellung wollte sie mit uns verbringen. Melli hatte für uns 3 Karten für die Abendvorstellung. Wir freuen uns immer sehr über ihren Besuch. Melli ist lieb, unaufdringlich, unkompliziert und pflegeleicht.

Nach dem Essen betätigte Bernd sich als Strassenlotse und fuhr mit ihr zum Theater „Neue Flora“. Er wollte versuchen, in der näheren Umgebung einen Parkplatz zu finden damit Melli die doppelten Kosten für das Parkhaus sparen kann.

Während Melli sich die Show ansah ging Bernd zum Backstagebereich um eine Führung zwischen den beiden Vorstellungen für sie zu arrangieren. Als Bernd nach Hause kam erzählte er mir, dass es mit der Führung klappen würde. Da er sich im Theater auskennt dürfe der die Führung alleine machen. Für uns hiess das nun, dass wir uns nicht wie verabredet um 19.00 Uhr mit Melli treffen sondern sie bereits um 18.00 Uhr nach der Vorstellung abpassen mussten.

Wir nahmen Melli in unsere Mitte und gingen mit ihr zum Bühneneingang ohne ihr zu sagen, was nun passieren würde. Der Pförtner wusste bereits Bescheid. Wir gaben unsere Personalausweise ab und erhielten schicke Besucherausweise. Marco, Bernds Kontaktmann wurde ausgerufen. Aus Sicherheitsgründen dürfen Besucher das Haus nicht alleine betreten. Marco holte uns ab, überliess Bernd die Führung und verschwand dann irgendwo im Dschungel des Theaters. Melli bekam ganz grosse Augen, besonders als uns einige der Darsteller in den Fluren begegneten.

Die Bühne selbst darf man nicht betreten. Aber auf den Seitenbühnen schauten wir uns die Dekoration an: Die Funkbude, die Kessel für den Maschinenraum, die grosse Treppe und den festlich gedeckten Tisch mit der 4.000-Euro-Tischdecke und dem Wedgewoodporzellan. Melli stellte fest, dass sie zu Hause die gleichen Kristallgläser haben, mit denen der Tisch gedeckt ist. Anschliessend besichtigten wir die Blackboxen, Umkleideräume auf den Seitenbühnen, in denen während der Vorstellung der Kostümwechsel stattfindet. Hier hängen die aufwendigen und wertvollen Kleider der Damen, Sakkos und Hosen für die Herren, Schuhe, Hüte, Perücken, Schmuck und andere Utensilien. Bernd reiche uns die Kleider für Cardoza und Ida Straus um uns zu zeigen, wie schwer die sind. Sie sehen zwar leicht und luftig aus, bringen aber mehre Kilo auf die Wage.

Bernd führte uns noch in die Schneiderei und die dazugehörige Werkstatt, in der ein Teil der Kostüme auf alt getrimmt werden. Wir besichtigten auch die Hutmacherei und die Perückenwerkstatt. Leider ist das Fotografieren nicht erlaubt und es existieren offensichtlich auch wenig Bilder im Internet über das Musical. Hier ein Eindruck vom Erste-Klasse-Dinner:


Quelle: Stagholding

An der Pforte herrschte ein reges Treiben. Darsteller und Servicepersonal hatten Pause, gingen ein und aus oder unterhielten sich. Wir tauschten Besucherausweise geben Personalausweise und verliessen mit einer glücklichen Melli das Gebäude.

Die Zeit bis zur Abendvorstellung verbrachten wir im Foyer. Dort löschten wir unseren Durst und bestellten unsere Getränke für die Pause.

Für mich war es die 10. Vorstellung, für Bernd die 9. und für Melli die 6.
Es war eine der besten Aufführungen die wir gesehen haben. Das erste Mal haben wir erlebt, dass es Szenenapplaus gab. Die Diskussion in der Funkkabine über die Schuldfrage des Unglücks ist wirklich unglaublich beeindruckend und wurde mit recht mit Szenenapplaus bedacht.


Quelle: Stageholding

Szenenapplaus gab es auch für das Ehepaar Strauss: Ida Straus wird von ihrem Mann Isidor und der Besatzung gedrängt, in das letzte Rettungsboot zu steigen. Ida Straus weigert sich. Den sicheren Tod vor Augen will sie ihren Mann nach 40 Jahren Ehe in der Stunde des Todes nicht verlassen. Die darauf folgende Szene, in der beide sich ihre Liebe erklären wird so gefühlvoll gespielt, so echt. Dies ist eine der schönsten Szenen überhaupt und rührt mich auch beim 10. Mal immer noch zu Tränen. Berechtigt gab es für die beiden Darsteller Marina Edelhagen und Robert Lenkey Bravorufe beim Schlussapplaus.

Für Jens Janke, der den Funker spielt, war es die letzte Vorstellung in Hamburg. Er geht nach Stuttgart zum Musical 42nd Street. Jens Janke bekam von der Theaterleitung auf der Bühne einen Blumenstrauss überreicht und wurde von seinen Darstellerkollegen herzlich verabschiedet. Schade – er hat die Rolle immer sehr überzeugend gespielt.

Betroffen und ergriffen, aber glücklich darüber, eine erstklassige Aufführung gesehen haben zu dürfen, fuhr Melli uns nach Hause. Sie hatte jetzt den direkten Vergleich zwischen 2 Aufführungen in absolut kürzester Zeit. Melli bestätigte uns, dass die Abendaufführung viel besser als die Nachmittagsvorstellung war. Dabei sollte man vermuten, dass die Darsteller nach der ersten Vorstellung ausgepowert sind und ihre Kräfte verzehrt haben. Oder haben sie sich erst mal warmgespielt?

(Die sichtbaren Eintragungsdaten der Kommentare entsprechend nicht der tatsächlichen Veröffentlichungszeit)

Und noch mal Titanic

Was soll ich noch grossartig schreiben? Es war wie immer: Gänsehaut und Tränen. Auch Andrea und Manfred mit ihren Freunden und Kolleginnen hat es gefallen.

Ich frag mich nur, warum Leute im Theater immer noch reden müssen wenn es bereits angefangen hat. Hab mich dann umgedreht und gebeten, sie mögen ihre Unterhaltung in der Pause fortsetzen.

Jetzt dauert es leider nicht mehr lange und die Titanic wird in Hamburg endgültig untergehen. Am 4. Oktober ist die letzte offizielle Vorstellung, für die wir natürlich Karten haben.

Mal wieder Titanic

Oliver schickte mir heute einen Link zu einer Seite, auf der die Lebensläufe der Passagiere und Besatzungsmitglieder der Jungfernfahrt nachzulesen sind, die auch in dem Musical eine Rolle spielen. Ausserdem sind jeder Rolle die Darsteller zugeordnet: http://www.musical-time.de/titanic/cast/besetzung.htm

Über diese Seite fand ich die persönliche Homepage von Jens Janke, der die Rolle des Funkers spielt. Jens Janke hat ein phantastisches Flashintro zum Musical Titanic gestaltet. Entweder auf seiner Homepage auf „Titanic“ klicken oder direkt auf das Intro gehen.

Man hört einige Takte der Originalmusik und den Originalsound der Kollision mit dem Eisberg. Ich kann nur empfehlen, die Boxen auf ganz laut zu stellen. Der Beginn der Animation ist dem Anfang des Bühnenstückes nachempfunden, nämlich dem sich vergrössernden Bühnenausschnitt. Es ist fast genau so wie im Theater.