Archiv des Autors: Hans-Georg Kloetzen

Starthilfe

Bernds Wagen braucht eine neue Batterie und der Auspuff ist kaputt. Wozu hat man Freunde – auch wenn es ein Ex-Freund von Bernd ist, zu dem der Kontakt nie abgerissen ist. Ingo ist Automechaniker und kann einige Dinge günstiger besorgen oder erledigen. Der Nachteil ist, dass er in der Nähe von Ülzen auf einem kleinen Dorf wohnt. Ich glaube, der Ort ist noch viel kleiner als ein Dorf.

Wir fuhren also mit 2 Wagen zu Ingo um den von Bernd dort zu lassen. Morgen sollen wir ihn wieder abholen.

Als wir nach Hause kamen, wurden bei uns in der Strasse Filmaufnahmen gemacht. Seit Tagen waren schon Halteverbotsschilder aufgestellt, um Platz für das Filmteam zu schaffen. Die Strasse wurde durch einen Ballon erhellt, der von innen beleuchtet ist und baumhoch über der Strasse schwebte. Laute Geräusche waren nicht zu bemerken, wir konnten also ungestört schlafen.


Blick von unserem Balkon

Alles ist wieder anders

Ich war gerade in Büro als ich schon unser Hausverwalter anrief. Er hat jetzt von unserem neuen Mieter eine offizielle Einladung für sich und uns zu einem Sektempfang am Donnerstag um 19.30 Uhr erhalten. Das ist nun eine ganz andere Situation. Eine Konfrontation mit der Tante lässt sich wohl jetzt vermeiden.

Ich rief Andrea an. Sie meinte, sie würde mit Manfred gerne dort hingehen. Dann rief ich meine Eltern an. Sie würden also auch dort hingehen. Nur ich hab keine Lust, abends noch nach Lübeck zu fahren. Wir bleiben bei unserem Plan: Oliver und Melli sowie Bernd und ich werden uns Donnerstag Nachmittag in Lübeck treffen, Herrn P. die Hand geben und alles Gute wünschen.

Alte Tanten!

Andrea rief heute an. Sie hatte sich bei unserer Tante für die nette Feier bedanken wollen. Bei dieser Gelegenheit fragte sie, wer denn am Donnerstag mit zur Geschäftseröffnung kommt. Andrea erzählte ihr, dass Oliver und Melli und ich mit Bernd hingehen werden. Das passte Tantchen nun gar nicht. Sie ist der Meinung, dass nur die Grundstückseigentümer dort hingehen sollten und natürlich Oliver als Erbe. Bernd und Melli hätten dort nichts zu suchen. Was bildet sie sich eigentlich ein? Es gibt keine offizielle Einladung und deshalb kann dort jeder hingehen und sich den Laden ansehen. Ich bin total sauer! Ich kümmere ich mich um alles und mache die Koordination zwischen Hausverwalter und Familie. Deshalb kann ich mitnehmen wen ich will.

Der 90. Geburtstag – kein Dinner For One!

90 Jahre – ein gesegnetes Alter! Meine Tante hat heute diesen Geburtstag gefeiert, in geistiger Frische und mit dem ihr eigenen Charme und Witz. Zu einer Feier in einem Restaurant am Stadtrand von Lübeck hatte sie ca. 40 Verwandte – unter anderem aus Schweden – und Freunde eingeladen. Ausserdem einige Personen, die in ihrem Leben eine wichtige Rolle spielen, z.B. ihren Pastor vom Lübecker Dom, ihre Haushaltshilfe und die Krankengymnastin.

Seit ca. 2 Jahren ist Tante Janne, wie sie in unserer Familie genannt wird, nach einer missglückten Knieoperation sehr stark gehbehindert und auf die Hilfe anderer Leute angewiesen. Trotzdem hat sie nie mit ihrem Schicksal gehadert, nie hat sie sich über das beklagt, was ihr zugestossen ist. Sie hat ihr Los akzeptiert, sie ist mit ihrem Leben zufrieden.

Ich wünsche und hoffe, dass ich mich – sollte mir ein Mal ähnliches wiederfahren – daran erinnern kann und sie ein Vorbild für mich sein wird.

Onlinebanking

Unsere Firma ist vor ein paar Monaten von der Bank aufgefordert worden, Überweisungen nur noch per Onlinebanking auszuführen. Das Programm musste von der Bank gekauft werden. Wir Unterschriftsberechtigten mussten zur Inbetriebnahme des Programms einen aufwendigen Initialisierungsvorgang durchführen. Seit einiger Zeit haben wir eine zweite Bank, die Deutsche Bank, die sich dem System angeschlossen hat.

Jede Überweisung muss von 2 berechtigten Personen unterschrieben werden. Ab Mitte dieser Woche sollte ich nach längerer Zeit wieder unterschreiben, da 2 meiner Kollegen im Urlaub sind.

Ich bekam also die Mappe mit den Belegen auf den Tisch, damit ich die Überweisungen damit vergleichen konnte. Das Programm wurde gestartet, ich gab mein Passwort ein und führte die notwendigen Schritte durch, meine elektronische Unterschrift zu leisten. Fehlermeldung! Ich konnte nicht unterschreiben. Ich rief bei der Hotline der Hamburgischen Landesbank an. Nach den Anweisungen des Administrators musste ich ein neues Passwort generieren. Ergebnis dieser Aktion: Mein neues Passwort wurde nicht erkannt, aber mit dem alten konnte ich jetzt unterschreiben. Wunderbar, dachte ich. Bis ich zu den Überweisungen der Deutschen Bank kam. Hier wurde weder mein altes noch mein neues Passwort akzeptiert. Wir fanden einen Weg, diese Überweisungen zu unterschreiben, schliesslich mussten sie vor 12.00 Uhr übermittelt werden, damit sie noch ausgeführt werden konnten.

Es folgte dann wieder ein Anruf bei der Hotline. Ich erhielt die Auskunft, dass das Problem dann bei der Deutschen Bank liegen müsse. Mit Hilfe der Hotline der Deutschen Bank führte ich ein paar Schritte durch, mit dem Erfolg, dass ich nächsten Tag immer noch nicht unterschreiben konnte. Eine Bank schob den Fehler auf die andere, nur mir war damit nicht geholfen. Gestern dann ein weiterer Versuch, das Programm dazu zu bringen, meine Unterschrift zu akzeptieren. Dazu hatten sie beide Banken kurzgeschlossen.

Heute morgen sollte ich also wieder unterschreiben. Na ja, ihr werdet euch denken können, dass es mit der Deutschen Bank nicht klappte. Ich war so aufgebracht, so sauer, hätte ich in diesem Zustand eine der beiden Hotlines angerufen, ich hätte wohl vollends die Fassung verloren. Ich wartete also bis nach dem Essen um mich zu beruhigen. Während meines Mittagsspaziergangs kam ich zu der Überzeugung, dass der Fehler im Programm liegen muss und nicht bei der Deutschen Bank. Ich rief also die entsprechende Hotline an und erklärte zum wiederholten Mal das Problem und auch, die Schritte, die bisher zur vermeintlichen Lösung durchgeführt wurden. Der Mitarbeiter meinte, er müsse einen Augenblick darüber nachdenken und er würde mich wieder anrufen. Nach ca. 10 Minuten hatte er genug gedacht und meldete sich bei mir: Ich soll nun eine neue Diskette mit der Unterschrift erstellen, was allerdings zur Folge hat, dass ich bei beiden Banken auf „Null“ gestellt werde und ich mich dann neu initialisieren müsste. Auf einem Freitag Nachmittag? Bei Banken? Ich hab das dann auf Montag verschoben, damit ich wenigstens Überweisungen für eine Bank unterschreiben kann. Mal sehen, wie das weitergeht.

Alstervergnügen 2002

Heute war der erste Tag des Alstervergnügens. Wie in jedem Jahr wird es bis Sonntag dauern. Donnerstag, Freitag und Samstag gibt es jeweils über der Binnenalster ein Feuerwerk, begleitet von Musik und ausgerichtet von jährlich verschiedenen Nationen.

Gegen Mittag rief mich Oliver an und fragte, ob wir heute Abend zum Feuerwerk gehen würden. Er und Melli wollten dann von Lübeck und es sich mit uns ansehen. Na klar gehen wir zum Feuerwerk wenn Oliver und Melli kommen! Ich freute mich den ganzen Tag und war richtig glücklich, dass die Beiden kommen wollten.

Gegen 19.30 Uhr waren wir auf dem Strassenfest. Es war noch nicht sehr voll und wir entschlossen uns, einen Rundgang zu machen, d.h. ein Mal um die Binnenalster. Der Bierstand vom „Willi’s“ auf der Lombardsbrücke war unser Zielpunkt. Von dort hat man einen guten Blick auf die Alster und damit auch auf das Feuerwerk. Hier trafen wir auch noch einige Chormitglieder.

Carl-Heinz Hollmann, früherer NDR-Moderator, ist der Organisator dieser Veranstaltung. Über die rund um die Alster aufgestellten Boxen kündigte er an, dass die Alsterfontäne in den Olympischen Farben erstrahlen wird, aber gleich mit der Einschränkung, dass es nur ein Versuch sein wird. Sekunden später wurde die Fontäne gestartet, ein paar Scheinwerfer leuchteten auf, aber von Olympischen Farben war nichts zu sehen. Herr Hollmann erklärte dem Publikum, dass es ein paar Minuten dauert, bis die Scheinwerfer zu ihrer vollen Kraft gelangen. Aber auch nach 10 Minuten war nur ein schwacher Goldton zu erkennen. Doch Herr Hollmann war so begeistert von seiner Fontäne, dass er die Feuerwerker bat, sie während des Feuerwerks laufen zu lassen, was ihm auch genehmigt wurde.

Zu Titeln von Frank Sinatra, Gloria Gaynor und Andrea Bocelli wurde ein phantastisches Feuerwerk präsentiert, gesponsort vom Hamburger Boxstall Universum.

Auf die Fontäne hat bestimmt keiner mehr geachtet, ausser Herrn Hollmann vielleicht. Nach dem Feuerwerk wendete er sich noch Mal an die Zuschauer. Dabei sprach er nur noch von „der Alsterfontäne in den angedachten Olympischen Farben“. In einem Interview hat er sich angeboten, die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2012 zu gestalten – für den Fall dass sie nach Hamburg vergeben werden. Ich hoffe, dass für den Fall professionellere Leute bereitstehen.

2 Kugeln

Die Rede ist hier nicht von Eis oder von männlichen Körperteilen. Ich meine hier ein Galileo-Thermometer: In einem Zylinder aus Glas, der mit einer Flüssigkeit gefüllt ist, schweben Glaskugeln, die eine farbige Flüssigkeit enthalten. An den Kugeln hängen kleine Metallplättchen, auf denen die Gradzahl eingraviert ist. Die unterste Kugel von denen, die oben schweben, zeigt die Temperatur an.

So ein Thermometer ziert unsere Wohnung. Die höchste Temperatur, die es anzeigt, beträgt 28 Grad. Wenn sich alle Kugeln unten im Zylinder befinden, ist es wärmer als 28 Grad – das war in den letzten Wochen der Fall.

Heute Abend waren 2 Kugeln oben! Das bedeutet, dass es „nur“ noch 26 Grad warm ist bei uns, eine erhebliche Abkühlung. Vielleicht ist können wir ja mal wieder kuscheln beim Einschlafen.

Stapellauf

In einer Schifffahrtszeitung wurde gestern der Stapellauf eines Fährschiffes für heute Nachmittag in Lübeck angekündigt. Auf der Flenderwerft, werden Schiffe noch auf alt hergebrachte Art und Weise ihrem Element übergeben. Auf vielen Werften werden Schiffe heute in einem Baudock gebaut, das dann beim entsprechenden Grad der Fertigstellung geflutet wird und das neue Schiff schwimmt dann ganz einfach auf – langweilig und unspektakulär.

Bernd hat noch nie einen Stapellauf gesehen und für mich ist schon ein paar Jahre her, seit ich das letzte Mal auf der Flenderwerft zu so einem Ereignis war. Es muss zeitlich ja auch immer passen. Ein Samstag Nachmittag war also ideal.

Wir waren viel zu früh in Lübeck, das Werfttor war für die Allgemeinheit noch nicht geöffnet. Das neue Schiff war aber auch von aussen nicht zu übersehen (Bild 1). Um 15.00 Uhr öffnet der Pförtner die Schranke und wir betraten, zusammen mit vielen anderen Schaulustigen, das Werftgelände.

Ein Stahlkoloss von 165 m Länge, 30 m Breite und 20 m Höhe ist schon ein imponierender Anblick. Das Gewicht des Schiffes in diesem Zustand beträgt 10.000 T (Bild 2, 3, 4)!

Es dauerte noch eine Weile bis die Ehrengäste eintrafen und das Podium zur Taufe betraten. Bis dahin mussten wir uns anhören, was die selbsternannten Fachleute ihren Freunden oder Angehörigen über das Schiff erzählten. Es war teilweise haarsträubend, was für ein technischer Schwachsinn verzapft wurde. Am liebsten hätte ich mich eingemischt und die Leute berichtigt. Ich liess es lieber bleiben.

Endlich kamen die Ehrengäste an. Nach den üblichen Reden des Werftdirektors und der Vertreter der Reederei wurde das Schiff von der Frau des Reedereidirektors auf den Namen „Norröna“ getauft. Die Sektflasche zerbarst am Schiffsbug (Bild 5). Durch einen Knopfdruck, ausgführt durch einen leitenden Werftingenieur, wurden die letzten Bremsvorrichtungen, die das Schiff noch auf dem Helgen hielten, gelöst. Sanft setze sich der Koloss in Bewegung und glitt, begleitet von Tönen der Signalhörner der Schlepper und anwesender Yachten in sein Element (Bild 6, 7, 8). Ich bekam mal wieder eine Gänsehaut und feuchte Augen. Unter den Klängen der Nationalhymnen der Färöer Inseln (Sitz der Reederei) und Deutschlands wurde die „Norröna“ von 3 Schleppern auf den Haken genommen, gedreht und zum Ausrüstungskai bugsiert.

Hier noch ein paar technische Einzelheiten:
Die Zeit von der Kiellegung bis zum Stapellauf: 7 Monate
Ablieferung des Schiffes an die Reederei: in ca. 7 Monaten
Das Schiff wird 1482 Passagiere befördern können und hat für Autos auf 2 Decks eine Stellfläche von 1830 Metern zur Verfügung.
Der Preis für dieses Schiff: 100.000.000 Euro


So soll das Schiff aussehen wenn es fertig ist


Shoppen

Zwei bedeutsame Familienfeiern stehen ins Haus: Am nächsten Samstag der 90. Geburtstag meiner Tante und 4 Wochen später der 55. Hochzeitstag meiner Eltern. Die Frage, die uns bewegt: Was zieht man an. Bei mir ist das kein Problem. Ich hatte mich im Vorausverkauf günstig neu eingekleidet. Bernd schiebt so was gerne vor sich her, insbesondere deshalb, weil er grosse Familienfeiern nicht so gerne mag.

Es liess sich aber jetzt nicht umgehen, dass er etwas Neues haben musste. Bernd holte mich vom Büro ab und wir gingen shoppen. Entsprechende Geschäfte liegen aufgereiht wie auf einer Perlenkette an der Mönkebergstrasse, was ganz praktisch ist.

Gleich im ersten Geschäft gefiel ihm ein Anzug. He, er sieht vielleicht schnuckelig darin aus! Ein passendes Hemd und eine Krawatte brauchte er natürlich auch noch. Vermutlich stiehlt er mir die Show am Samstag. Aber für mich fiel auch noch ein neues Hemd und eine passende Krawatte ab. Wir werden sicher ein hübsches Paar.

Geldregen

Mein Konto ist im Plus – das erste Mal seit 5 Jahren! Meine Eltern hatten mir in der vorigen Woche einen netten Betrag aus dem Verkauf ihrer Yacht überwiesen und heute habe ich meine Steuerrückzahlung für das vergangene Jahr bekommen. Es geht bergauf!