Ohne grosse Party haben wir heute Bernds Geburtstag gefeiert. Sein Sternzeichen ist zwar Löwe, aber er ist kein Partylöwe. Leider konnte ich heute nicht frei nehmen. Sonst hätten wir uns eínen schönen Tag gemacht. So wurde es dann ein schöner Abend mit Bernds Mutter. Das Wetter meinte es gut mit dem Geburtstagskind: Wir konnten auf dem Balkon essen und bis in den späten Abend dort sitzen – eine Rarität in diesem Sommer.
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Frühaufsteher
Ich wurde wach, irgendwann. Auf die Uhr habe ich vorsichtshalber nicht geschaut, aber ich wusste, dass es noch früh war. Ich merkte, dass Bernd auch nicht mehr schlief. Wir kuschelten uns aneinander, manchmal hilft es, um wieder einzuschlafen. Aber wir wurden immer munterer, und dann ….
…. dann war es erst 05.00 Uhr. Auch der „Frühsport“ hatte uns nicht wieder müde gemacht. Wir beschlossen aufzustehen. Nach dem Duschen setzten wir uns für einige Minuten auf den Balkon und tankten neue Energie: Ein Glas Kakao. Wir lauschten den Vögeln und den morgendlichen Geräuschen. Ein Ehepaar vom Haus gegenüber kam um halb sechs nach Hause, wohl von einer Party. Eine Joggerin war unterwegs in Richtung Alster. Leider liess die Temperatur es nicht zu, länger draussen zu sitzen.
Müde wurden wir gegen 07.00 Uhr. Ich bin sicher, wenn wir uns jetzt ins Bett gelegt hätten, wären wir auch nicht eingeschlafen. Also beschäftigten wir uns weiter mit unseren Rechnern.
Der ganze Tag schleppte sich dahin. Am Abend bin ich dann auch beim Fernsehen eingeschlafen.
Erinnerungen und Abschied?
Heute haben wir meine Eltern auf ihrer Yacht in Travemünde besucht, vielleicht zum letzten Mal. Sie wollen sie verkaufen. Mein Vater hatte im vorigen Jahr einen Schlaganfall und ist nicht mehr in der Lage, alle notwendigen Arbeiten allein auszuführen. Und er mag nicht immer andere Leute bitten, ihm zu helfen.
Erinnerungen an meine Jugend wurden wach als wir an der Mole standen. Seit meinem 5. Lebensjahr habe ich viele Sommer hier verbracht. Von Mai bis September sind wir jedes Wochenende an Bord gewesen. Es war selbstverständlich, dass wir den Sommerurlaub an der See verbrachten. Wenn das Schiff im Herbst nach Lübeck zum Winterlager gebracht wurde, war ich immer sehr traurig. Ich liebte das Leben an Bord, die See, die Schiffe, die frische Luft.
Generationen von Fährschiffen, bis Anfang der 60er Jahre noch mit Dampf und Kohle betrieben, habe ich kommen und gehen sehen. Teilweise erkannte ich sie und auch Frachtschiffe, die regelmässig vorbeikamen, am Typhon. Von anderen Schiffen brauchte ich nur einen winzigen Teil sehen und ich wusste sofort, um welches Schiff es sich handelt.
Vermutlich hat das Hobby meiner Eltern auch meine Berufswahl beeinflusst. Zwar bin ich nicht zur See gefahren, habe aber als Schifffahrtskaufmann mit der Seefahrt zu tun. Die Nähe zur Natur und Erfahrungen mit Wetterbeobachtungen haben mir Verständnis vermittelt für die Probleme der Kapitäne.
Wenn meine Eltern ihre Yacht verkaufen, geht eine Aera zu Ende, eine Aera, die mein Leben geprägt und beeinflusst hat.
Der Traum
Meistens wiederholen sich meine Träume oder sie sind sich sehr ähnlich bzw. sie sind sehr real. Der Traum, den ich heute früh hatte, war sehr ungewöhnlich. Mit meinem Vater und meiner Mutter war ich auf einem Grossegler, ähnlich der „Passat“, die seit vielen Jahren in Travemünde als Museumsschiff liegt. Ein Umstand machte es notwendig, mit dem Schiff über Land und segeln, was natürlich völlig absurd ist. Mein Vater musste notwendige Arbeiten am Schiff verrichten. Ich übernahm die Schiffsführung und verpasste die richtige Ausfahrt zurück ins Wasser. Anhand einer handgezeichneten Wegekarte suchten wir den richtigen Weg. Wir schafften es tatsächlich, das Schiff wieder in sein Element zu bringen.
Gibt es eine Deutung für diesen Traum? Mir fällt dazu nichts ein.
Schlaflos
Ziemlich müde gingen wir gestern Abend gegen 23.00 Uhr schlafen. Doch leider war mein Schlaf nicht sehr tief. Öfter wachte ich grundlos auf. Ich ging zur Toilette – manchmal hilft das. Zurück im Bett kuschelte ich mich an Bernd, das hilft meistens. Aber ich lag wach. Ich wechselte die Stellung, d.h. ich legte mich auf die andere Seite. Bernd muss das gemerkt haben, jetzt kuschelte er sich an mich, wir lagen jetzt in der „Löffelchen-Position“, Bernd hinter mir. Er legte seine Hand auf meinen Oberarm, küsste auf meinen Rücken und nach wenigen Augenblicken war er wieder eingeschlafen. Ich genoss es, seinen Körper an meiner Haut zu spüren und seinem ruhigen Atem zu lauschen. Bald begannen die Vögel mit ihrem Frühkonzert. An den Fahrgeräuschen der wenigen Autos, die zu dieser Stunde unterwegs waren, erkannte ich, dass die Strasse nass war. Also regnete es oder es hatte geregnet.
Es war Zeit, eine neue Schlafposition zu versuchen. Dadurch wurde Bernd wach. Wieder kuschelte er sich an mich, und nicht nur das. An Schlaf war jetzt gar nicht mehr zu denken.
Anschliessend war eine kleine Säuberungsaktion notwendig. Ausserdem hatte ich Durst. Wir standen also auf. Bernd öffnete die Balkontür. Es regnete, und das besondere daran war, dass es nicht wehte. Üblicherweise weht und regnet es in Hamburg gleichzeitig, aber der Regen fiel senkrecht aus den Wolken. Die Uhr zeigte 04.40. Bernd war der Meinung, wir könnten gleich aufbleiben. Nein, dazu hatte ich keine Lust, ich wollte mich noch einen Moment ins Bett legen, angekuschelt an Bernd. Wir liessen die Balkontür auf. Ich muss schnell eingeschlafen sein.
Vatertag
Ich dürfte Vatertag feiern wenn ich wollte – obwohl ich schwul bin – denn ich habe ja einen Sohn, Oliver.
Früher haben wir an diesem Tag mit Freunden, die auch einen Sohn haben, einen Familienausflug gemacht. Anfangs, als unsere Kinder noch im Kinderwagen lagen, in die nähere Umgebung. Später dann mit dem Fahrrad. Es gab immer ein leckeres Picknik mit Sekt, Lachs, Käse usw.
Diese Zeiten sind ja nun vorbei. Ich habe so richtig gefaulenzt. Ich habe die ersten Sommerblumen gepflanzt und den Balkon gefegt. Danach habe ich mindestens eine Stunde in der Sonne gelegen, natürlich mit Sonnenschutz. Bernd hat mir den Rücken eingerieben. Trotz des Sonnenschutzes habe ich leichte Hautrötungen bekommen. Na ja, am Wochenende kann ich meiner Haut wohl eine Pause gönnen, das Wetter soll ja wieder schlechter werden.
Ich weiss ja, dass Sonnenbaden nicht unbedingt gesund ist. Aber so ein bis zwei Stunden am Wochenende, das muss doch gehen. Und ich brauche die Sonne. Ich fühlte mich danach wie nach einer Woche Urlaub.
Soweit es ging, spielte sich der ganze Tag auf dem Balkon ab: Erdbeeren putzen, Pilze putzen, lesen, Espresso trinken, neugierig über die Brüstung schauen usw.
Die Krönung war das erste Abendessen in diesem Jahr auf dem Balkon: Ein Pilzragout mit selbstgebackenem Brot, dazu eine Flasche Wein und zum Nachtisch Erdbeeren. So kann das Wetter bleiben – bis Weihnachten!
Der Tag klang aus mit einen Sofa-Kuschel-DVD-Abend. Es kam dann zu einem sehr schönen Ende, das eher in dir Richtung kuscheln ging.
Übersinnlich?
Traditionell gibt es am 1. Mai Spargel, Schinken, neue Kartoffeln und dazu eine gute Flasche Weisswein.
Ich stand also in der Küche, schälte den Spargel und hing meinen Gedanken nach. Ich erinnerte mich daran, dass ich gestern meine Cousine Andrea anrufen wollte. Da ich sie nicht direkt erreichen konnte, hinterliess ich ihr eine Mitteilung auf der Mailbox. Allerdings hatte sie nicht zurückgerufen. Da stand ich nun, beschäftigt mit dem Spargel, als ein Anruf kam. Ich war ziemlich verblüfft, es war nämlich Andrea.
Gestern hatte ich ein ähnliches Erlebnis: Ich unterhielt mich mit Peter aus Lüneburg im ICQ-Chat als wir durch ein Telefonat meinerseits unterbrochen wurden. In den Chat zurückgekehrt merkte ich, dass Peter etwas verändert war. Da seine Eltern eine Party im Haus hatten, fragte ich ihn scherzhaft, ob er einen Eierlikör getrunken hätte. Da ist Peter fast vom Stuhl gefallen, er hatte tatsächlich inzwischen einen Eierlikör gehabt.
Was soll ich nun von diesen beiden Episoden halten?
Besuch in Lübeck
Heute habe ich mein Geburtstagsgeschenk bei meinen Eltern abgeholt, ein Buttermesser von Stelton. Ich hatte es mir gewünscht. Stelton macht wunderschöne Gebrauchsgegenstände, sehr schlicht aber ansprechend.
Wie es üblich ist bei Muttern, gibt es viel zu essen. Wir waren bereits zum Mittagessen dort. Es gab Schweinebraten und Gemüse, zum Dessert Eis. Später noch eine selbstgebackene Torte. Na ja, sie kennt mich halt. Für Torte war ich schon immer zu haben.
Meinem Vater geht es zum Glück etwas besser. Sein Knie wurde punktiert. Er kann sich jetzt wieder etwas besser innerhalb der Wohnung bewegen. Heute ist er sogar schon mal wieder draussen gewesen. Ich bewundere seine Ausdauer und seine Stärke.
Schweren Herzens hat er sich dazu entschlossen, seine Yacht zu verkaufen. Er wäre eventuell zwar in der Lage, sich im Sommer auf der Yacht aufzuhalten und dort zu leben. Aber durch seinen Schlaganfall ist er nicht mehr in der Lage, notwendige Arbeiten selbst zu verrichten. Er müsste immer Jemanden fragen, es für ihn zu machen. Ich kann verstehen, dass er das nicht möchte. Seine erste kleine Motoryacht hat er zusammen mit meinem Onkel 1955 gebaut. Seit dem war er mit meiner Mutter im Sommer jedes Wochenende an der See. Und jeder Sommerurlaub wurde dort selbstverständlich verbracht. Auch für mich war es eine schöne Zeit.
Der Entschluss, die Yacht zu verkaufen, ist ihm bestimmt nicht leichtgefallen. Eine Aera, die unsere Familie und unser Leben geprägt hat, geht nach fast 50 Jahren zu Ende!
Ostersonntag
Heute wollte ich meinen Geburtstag mir meinen Eltern und mit Bernds Mutter feiern und mit Oliver und Melli, die bei uns übernachtet haben.
Leider konnten meine Eltern nicht kommen. Mein Vater hatte sehr starke Schmerzen im Bein und konnte nicht gehen. Es ist um so schlimmer, da das andere Bein seit seinem Schlaganfall im vorigen Jahr sehr stark beeinträchtigt ist und er eine Gehhilfe benutzen muss.
Er war am Samstag kurz zur Untersuchung im Krankenhaus. Abnutzung hat der Arzt festgestellt. Ich glaube, die Ärzte machen es sich zu leicht, diese Diagnose zu stellen. Abnutzung kommt doch nicht innerhalb von ein paar Stunden und verursacht dann so starke Schmerzen, dass sie nur noch mit sehr starken Schmerzmitteln halbwegs zu ertragen sind.
So legte sich leider ein Schatten über das Osterfest und meinen Geburtstag. Ich hoffe sehr, dass es meinem Vater bald wieder besser geht.
Geburtstag

Mein Geburtstag begann natürlich um Mitternacht – logisch.
Bernd und ich hatten uns krampfhaft wach gehalten und wollten mit einem Glas Prossecco anstossen. Wir haben dann doch die ganze Flasche geschafft. Mein Geburtstagsgeschenk hatte ich ja schon früher bekommen – den neuen Brenner. Aber Bernd hatte noch eine Überraschung für mich: „Die Manns“ auf DVD. Damit hatte ich nun überhaupt nicht gerechnet und ich hab mich riesig gefreut. Irgendwann sind wir dann schlafen gegangen.
Morgens mussten wir noch ein paar Einkäufe erledigen – wir sollten ja Gäste bekommen.
Oliver und Melli kamen schon recht zeitig am frühen Nachmittag. Oliver hat auf unseren Rechnern noch was gemacht – wenn ich nur wüsste was. Aber es funktioniert ja noch alles.
Um 18.00 Uhr machten wir uns auf den Weg zum Zelt der fliegenden Bauten, wo die Ten Tenors aus Australien zur Zeit ein Gastspiel geben. Da es keine nummerierten Plätze gibt und Einlass bereits um 19.00 Uhr ist, muss man rechtzeitig dort sein. Die Vorstellung beginnt zwar erst um 20.30 Uhr, aber 30 Minuten nach der Öffnung ist es schwierig, für 4 Personen gute Plätze zu bekommen.
In der verbleibenden Zeit bis zur Vorstellung kann man Getränke geniessen oder sich etwas zu essen bestellen. Man sitzt nämlich ein kleinen Tischen. Da wir zu Hause gegessen hatten, bestellte ich Prossecco.
Nun, über die Ten Tenors und ihre Aufführung etwas zu erzählen ist im Grunde nicht machbar. Man muss es einfach erleben. Die Jungs sind grandios. Sie stehen nicht nur steif auf der Bühne. Sie machen Show, sie bringen das Publikum zum Lachen, sie tanzen.
Ich kann nur jedem empfehlen, sie sich selbst anzusehen. Einen kleinen Einblick von ihrer Show gibt es auf dem Video, dass auf ihrer Homepage zu sehen ist. Sollten sie wieder ein mal nach Hamburg kommen – wir sind dabei!
Nach der Vorstellung sind wir noch über den Hamburger Dom gegangen. Melli, Bernd und ich haben uns in den Euro-Star gewagt, eine Achterbahn, die nicht auf den Schienen fährt sondern unter den Schienen hängt. Es gibt einen Looping und mehrere „Korkenzieher“. Ob es zwei oder drei sind kann ich nicht sagen, es ging alles rasend schnell. Ich mag das. Ich liebe Achterbahnen.
Wir waren nach Mitternacht zu Hause und es war schon Ostersonntag. Die Strassen lagen in einem leichten Dunst, die Überreste von diversen Osterfeuern rund um Hamburg. Der Geruch lag noch in der Luft. Für mich ist das irgendwie feierlich!
