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Eingeschränkt

Seit ein paar Jahren geschieht es ab und zu, dass es bei mir durch eine Körperbewegung zu einer Muskelzerrung im Bauchbereich. Dieser Fall trat am Samstag der vorletzten Woche ein, also gestern vor einer Woche. Ich habe zwei Theorien, wodurch das geschehen sein könnte. Über eine Theorie decke ich den Mantel des Schweigens. Die zweite Theorie ist die, dass es durch das Hantieren mit einer ausgeliehenen Palme mal wieder zum GAU gekommen ist.

Mehr schlecht als recht schleppte ich mich durch die Woche. Heisse Wannenbäder sorgten im Lauf der Zeit für Linderung. Langes Sitzen ist nicht gerade förderlich. Ständige Positionsänderungen sind hilfreich. Bücken oder in die Knie gehen sind nur mit grossen Mühen und sehr vorsichtig zu bewerkstelligen. In der Firma wäre ein Stehpult angebracht – oder eine Liege.

Heute Morgen, noch im Bett, wieder eine unkontrollierte Bewegung – und die Therapie einer ganzen Woche war umsonst. Peng! Autsch! Ein heisses Wannenbad hab ich schon hinter mir. Und ich versuche, mir mit einem heissen Kirschkernkissen Linderung zu verschaffen. Alle Bewegungen sind nur unter grösster Vorsicht möglich. Aber ich habe keine Bedenken, dass ich das wieder in den Griff bekomme. Es ist nicht das erste Mal, dass ich vor diesem Problem stehe.

Sonntagssonne


Sonntag, 16.00 Uhr. Blauer Himmel, die Sonne scheint. Frühling? Nein, es ist noch kalt und es ist windig. Aber es sieht nett aus.

Währenddessen wird im Radio berichet, dass es im Norden von Hamburg heftig schneit. Es ist eingentlich unfassbar. Aber Hörer rufen beim Sender an und berichten über den Schneefall.

Tina statt Tisch

Ich bin immer noch ganz erfüllt. Wenn ich Zeit habe, schaue ich mir immer wieder die Fotos an, die ich am Samstag Abend auf dem Konzert von Tina Turner in Hamburg in der Colorline Arena geschossen habe. Nach wie vor stehe ich dazu, und das wird sich nie und nimmer ändern, dass ich so viel Geld für die Karten ausgegeben habe.

Tina Turner ist ein absoluter Superstar, ohne Starallüren. Liest man was über sie in der Presse? Nein, weil sie sich nicht künstlich interessant macht. Sie hat es nicht nötig.

Über ihr Privatleben ist kaum etwas bekannt. Sie ist keine öffentliche Person. Das Medieninteresse ist nicht mehr da. Und trotzdem – oder gerade deswegen? – ist Tina Turner ein Star und doch jemand wie du und ich geblieben. Celine Dion und Barbara Streisand sind Künstlerinnen, die ich mit Tina Turner auf eine Stufe stelle. Es gibt derzeit niemanden, der diesen drei Damen das Wasser reichen könnte.

Es gibt Dinge im Leben, die einen das ganze Leben lang begleiten. Noch heute denke ich z.B. mit Freude an meine erste Frachterreise 1968 zurück, so wie es andere Erlebnisse gibt, deren ich mich immer gern erinnern werde – ob sie nun Geld gekostet haben oder nicht.

Einen Konsolentisch für unseren Flur kann ich immer noch kaufen. Der kostet nämlich so viel, wie die 2 Karten. Aber weiss ich, ob ich jemals wieder die Chance haben werde, Tina Turner live auf der Bühne zu erleben?

Tina!


Was soll ich sagen? Toll!? Phantastisch!? Genial!? Geil!? Jedes einzelne Wort trifft es. Aber man muss es selbst erlebt haben. Ich will versuchen, euch davon zu erzählen.




Mit nur wenigen Minuten Verzögerung begann die für 20.00 Uhr geplante Vorstellung. Das Konzerte nie püntklich beginnen ist ja hinreichend bekannt. Meist wird es 15 Minuten später. Aber fast pünktlich öffnete sich der Vorhang hinter dem Tina Turner auf einer kleinen Plattform in luftiger Höhe stand. Wir Besucher im Innenraum sprangen von unseren Stühlen auf und sofort war die Colorline Arena von Jubel und Beifall erfüllt. Langsam fuhr die Plattform herunter auf Bühnenniveau und Tina sang ihre ersten Songs. Gefühlvoll und mit kräftiger Stimme bestritt sie ihr Programm. Keine Minute lang kam das Gefühl auf, dass es nur abgespult war. Zwei effektvolle Auftritte nach jeweils einem Kostümwechsel begleiteten die erste Stunde bis zur Pause. Ansonsten verzichtete Tina auf jeglichen technischen Firlefanz. Sie allein hat so eine starke Bühnenpräsenz, dass sie es nicht nötig hat, viel Show drumherum zu machen. Die Show ist sie selbst. Sehr beeindruckend das Finale des ersten Teils mit ihrem Hit „We don’t need another hero“, das mit einem kleinen Feuerwerk beendet wurde.

Als sich der Vorhang nach der Pause öffnete, sass Tina mit ihren Musikern vorn an der Rampe auf Stühlen. Sie präsentierte uns eine Reiher ruhigerer Titel. Langsam ging sie dazu über, wieder kraftvoller und rockiger zu werden. Die Stühle wurden beiseite geräumt und Tina tanzte wieder über die Bühne. Mal links, mal rechts präsentierte sie sich dem Publikum in der grossen Halle, sodass jeder in den Genuss kam, sie möglichst nahe zu sehen.


Nach dem nächsten Konstümwechsel kam ein wirklich grosser Auftritt zur James-Bond-Titelmelodie „Golden Eye“. Tina erschien aus einem sich öffenden Kreis, der symbolisch das Golden Eye darstellen sollte. Dazu passend ihr outfit: Schlichtes Schwarz mit Gold besetzt, dazu goldfarbende Pumps. Unter ihrem vorn offenen Kleid blitzte schon das goldfarbene Mini hervor. Dramatisch ihr Auftritt, der nicht die erste Gänsehaut an diesem Abend bei mir verursachte.

Und dann rührte Tina mich zu Tränen, und das ist nicht gelogen. Die ersten Töne der Band von „You are simply the best!“ verursachten zunächst die nächste Gänsehaut. Aber als sie dann anfing zu singen rollten die Tränen. Was soll man machen, wenn „the best“ ganz dicht neben mir steht?! Ich umarmte meinen Mann ganz fest und ich liess den Tränen freien Lauf. Der Song ist wirklich mein absolutes Lieblingslied von ihr, aber mit dieser Reaktion von mir hätte ich nie und nimmer gerechnet.

Tina Turner rockte weiterhin über die Bühne und riss das Publikum dazu mit, Refrains mitzusingen. Die Frau ist mit ihren 69 (!) Jahren wirklich fit und versteht es, zu begeistern. Die steht ja nicht eine Minute still. Von Rheuma keine Spur. Ich wünsche mir, dass ich in 10 Jahren auch noch so fit bin.


Ein Titel noch, und dann verliess sie zusammen mit ihren Musikern die Bühne während die Halle tobte. Rhytmisches Klatschen, Tina-Rufe, Trampeln auf den Rängen – es war klar, dass wir eine Zugabe wollten. Und da das Licht nicht wieder anging, war auch von vornherein klar, dass es eine Zugabe geben würde. Und die war phantastisch:

Die Musiker nahmen wieder Platz und Tina begab sich an eine Stelle an der Seite der Bühne. Ganz langsam wurde sie dort ca. 2 m in die Höhe gehoben. Ein langer Ausleger drehte sich in den Zuschauerraum und Tina Turner schwebte über den Köpfen der Zuschauer in den ersten Reihen während sie von dort oben noch einmal das Publikum mitriss. Der Ausleger kam fast über uns zum stehen. Und dort oben sang Tina. Es war unfassbar, sie so nahe zu sehen. Der Auslager drehte wieder zurück in die Mitte des Saales. Und was machte sie?: Sie verliess ihren, durch ein Geländer gesichterten, Platz und ging singend über diese Brücke.



Danach gab es noch ein ruhiges Abschiedslied. Tina nahm den Beifall entgegen und verliess die Bühne. Ein tolles Konzert, das, ohne die Pause mitzurechnen, mehr als 2 Stunden gedauert hat, war zu Ende. Und ich habe es nicht bereut, das Geld für die Karten auszugeben. Der Abend war wirklich jeden einzelnen Cent wert, inklusive Geld für Benzin, Parkgebühren, Gaderobengeld, Getränke und etwas zum Essen vor der Vorstellung. Ein langehegter Wunsch hatte sich erfüllt: Ein mal Tina Turner in einem Livekonzert zu erleben. Wenn ich gestern Abend im Lotto gewonnen hätte, würde ich morgen wieder zum Ticketcenter gehen und versuchen, Karten für die Vorstellung am Dienstagabend zu bekommen.

Gelüste

Beim Rückwärtsbloggen bin ich jetzt schon im September 2006 gelandet. Gerade habe ich den Bericht und die dazugehörigen Bilder über einen kleinen Ausflug übertragen. Beim Anschauen der Bilder bekam ich Hunger. Oder nur Appetit? Aber was es auch sei, es wird gleich gestillt mit einer Käsesession und einer Flasche Rotwein.

Kleines Gedenken


Mein Vater wäre gestern 85 Jahre alt geworden. Es war sein erster Geburtstag nach seinem Tod im März vergangenen Jahres. Hätte er noch gelebt, hätte sicher eine grosse Feier mit Freunden und Familie stattgefunden. Aber es hat nicht sollen sein.

So besuchten wir denn mit meiner Mutter unser Familiengrab, in dem bereits seine Eltern und seine Schwester ruhen und in dem seine Urne beigesetzt wurde. Es war ein trüber Tag, ein sehr trüber Tag, nicht mental, aber vom Wetter her. Da leuchteten die bunten Blumen, die wir Vater zu ehren auf das Grab legten, besonders hell.

Zum Essen ging es nach Travemünde an der Ostsee. Obwohl kaum ein Wind wehte, war es unangenehm kalt. Die Travemündung mit dem Museumschiff „Passat“ und dem alten Leuchtturm präsentierte sich uns nasskalt und grau. So schnell es Mutters Schritte zuliessen, steuerten wir das kleine Restaurant am Anfang der Seepromenade an.

Auf dem Platz vor dem Restaurant gab es eine kleine Verkaufsausstellung für Laternen der Art, wie wir sie gern für unseren Wintergarten haben würden. Seit langem suchen wir schon. Aber entweder mochten wir die Laternen nicht leiden oder sie waren schlecht verarbeitet. Doch hier wurden wir fündig – und Mutter bezahlte netterweise. Sorgfältig wurde uns die Laterne unserer Wahl für den Transport eingepackt. Wir verstauten sie im Kofferraum unseres Wagens und fuhren nach Lübeck zu meiner Mutter.

Zur Kaffeetafel hatte Mutter noch langjährige Freunde gebeten. Es gab selbstgebackenen Kuchen. Und alle Achtung – mit ihren fast 85 Jahren kann Mutter noch köstliche Torten zaubern. Das lässt sie sich nicht nehmen, da kommt nichts auf den Tisch, was sie beim Konditior oder im Supermarkt gekauft hat. Bewundernswert!

Nach ein paar gemütlichen Stunden liessen wir meine Mutter allein zurück, was mir gestern ein wenig schwerfiel.

50 Euro zerdrückt

Wir sind auf der Suche nach neuen Gläsern, möglichst gute Gläser. Und schlicht sollen sie sein. Wir sind ja auch schlicht. Sie sollen also zu uns passen. Meine Kollegin erzählte mir von Gläsern der Firma Riedel und davon, wie ein Verkäufer ihr mal demonstriert hat, wie elastisch diese Gläser sind, indem er den Rand eines mundgeblasenen Glases zusammendrückte.

Da stand ich also heute im Kaufhaus vor dem Regal mit den Gläsern. Beschaute sie, nahm eins in die Hand. Stellte es wieder hin. Nahm ein anderes Glas und versuchte, es am Rand zusammenzudrücken. Tatsächlich gab das Glas ein wenig nach. Ich nahm den Druck zurück, drücke noch mal, zurück, noch mal – und mit einem lauten Knall zerplatzte ein 50 Euro teures, mundgeblasenes Glas zwischen Daumen und Zeigefinger. Ich hatte nur noch den Stiel in der Hand mit ein paar Fragmenten oben drauf, was früher mal der Hohlkörper war, um edlen Wein darin zu kredenzen.

Zwei Verkäuferinnen schauten erst mich fragend an und dann auf den Boden, wo unzählige kleine Glasscherben lagen. Wie aus dem Nichts erschien ein netter junger Mann und fragte erstmal ob jemand verletzt sei. Und das war ich tatsächlich. Aus einer kleinen Schnittwunde am Zeigefinger der Hand, in der ich das Glas gehalten hatte, blutete es etwas. Da es nicht weiter schlimm war, brauchte ich das mir angebotene Pflaster nicht anzunehmen. Obwohl, wenn ich darüber nachdenke, es vielleicht ganz nett gewesen wäre, mir von ihm ein Pflaster kleben zu lassen.

Der Verkäufer fragte, was passiert sei. Und ich erklärte ihm, dass ich ein wenig daran herumgedrückt hatte und ich den Schaden natürlich bezahlen würde. Er versicherte mir, dass ich das nicht brauche, ich hätte das ja schliesslich nicht mit Absicht gemacht. Trotzdem war mit das natürlich fürchterlich peinlich. Ich versuchte die Situation dadurch zu retten, dass ich ihn in ein Gespräch über Gläser dieser Firma verwickelte. Damit ich mich eingehend informieren kann, drückte er mir dann noch eine Broschüre der Firma Riedel in die Hand, in der man nachlesen kann, warum und wieso man welches Glas für welchen Wein benutzen soll. Erleichtert verliess ich den Ort der Peinlichkeit.

Im Büro verlangte ich 50 Euro von meiner Kollegin. Auf ihre Nachfrage, warum sie mir 50 Euro geben soll, erzählte ich ihr von dem Malheur, worauf sie in schallendes Gelächter ausbrauch und ihre Mutter anrief, die seinerzeit bei der Demonstration dabei war. Frauen!

Wir suchen auch noch eine Lampe. Ich habe auch schon eine entdeckt, aus Glas. Sie ist nicht billig. Ich war auch schon zweimal in dem Geschäft und hab sie mir näher angeschaut. Drücken sollte ich sie lieber nicht.

Inkontinent

Am Freitag letzter Woche waren wir ja mit unserem Wagen in Lüneburg, unter anderem auch wegen der Scheibenwaschanlage. Als wir dort abfuhren, hat sie noch gespritzt. Dann hat der Wagen über das Wochenende in unserem Carport gestanden und wie wir alle wissen gab es Frost. Montag morgen war die Waschanlage eingefroren. Zum Glück hielt sich die Verschmutzung während der Fahrt in Grenzen, so dass ich ohne Probleme nach Hamburg fahren konnte. An der Tankstelle, wo ich immer meine Zeitung kaufe, wollte ich die Düsen mit dem Türschlossenteiser freimachen, was nicht gelang. Gestern Abend bei der Ankunft zu Hause konnte ich dann ungehindert spritzen – warum auch immer.

Ich nahm an, dass der Wassertank voll ist, wollte aber den leeren Raum mit Spiritus auffüllen. Beim Öffnen der Kappe stellte ich verwundert stellte fest, dass recht viel Platz vorhanden war und kippte reichlich Spiritus rein. Einmal spritzen damit sich die Flüssigkeit in die Düsen setzt und heute alles funktioniert – so dachte ich.

Heute Morgen waren die Strassen trocken und ich brauche die Scheibenwaschanlage nicht benutzen. Trotzdem testete ich sie als ich in Hamburg ankam. Fehlanzeige. Vorsorglich hatte ich mir gestern nach einem Garagenplatz gefragt damit der Wagen warm steht und das Eis tauen kann. Heute Mittag ein kurzer Test. Spritz sprizt – toll, funktioniert. Bei einem Drogeriemarkt kaufte ich einen Kanister Frostschutzmittel und füllte den Tank auf.

Irgendwie traute ich dem Frieden aber nicht. Heute Abend vor der Abfahrt warf ich noch mal einen Blick unter die Haube und musste feststellen, dass ich den Flüssigkeitsspiegel nicht mehr sehen konnte – und fühlen auch nicht. Unter dem Wagen befand sich ein grosser, mittlerweiler getrockneter Fleck. Es scheint, dass der Kunststofftank entweder durch den Frost an einer Stelle geplatzt ist. Es ist aber noch so viel Flüssigkeit im Tank, dass die Scheibenwaschanlage funktioniert.

Morgen Nachmittag werde ich dann mal wieder zur Werkstatt fahren um einen neuen Tank einbauen zu lassen. Es scheint, dass nach 5 Jahren ein Wagen seine Macken bekommt.

Die letzte Nacht


So, der erste Tag des neuen Jahres ist schon wieder halb vorbei, Zeit ein Fazit zu ziehen. Nein, nicht über das vergangene Jahr. Es soll einer kleiner Bericht über den Silvestertag und die ersten Stunden des neuen Jahres werden.

Bis gestern mittag war ich im Büro. Und ob man es glaubt oder nicht – ich musste sogar arbeiten. Schifffahrt und Feiertage bzw. Vorfeiertage vertragen sich in vielen Fällen nicht. So musste noch das eine und andere kleine Problem aus der Welt geschafft werden. Ausserdem konnten wir sogar noch eins der Schiffe für eine kurze Reise befrachten. Es war kurz nach 13.00 Uhr als ich als letzter das Büro verlassen und mich auf den Heimweg machen konnte.

Bernd hatte schon alles für den gemütlichen Abend vorbereitet, d.h. den Fonduetisch gedeck. Ich brauchte mich nur noch um ein paar lukullische Dinge zu kümmern, wie einen Farmersalat zuzubereiten und die Himbeersauce für selbstgemachte Eis zu pürrieren. Bei der Sauce war mit die Flotte Lotte eine grosse Hilfe, die ich von Oliver und Sabrina zu Weihnachten bekommen hatte. In 3 Minuten waren die Himbeeren durch die Lochplatte gepresst – eine Arbeit, für die ich früher mindestens die zehnfache Zeit benötigt habe (Himbeeren mittels eines Kochlöffels durch ein Haarsieb zu streichen ist einach unglaublich anstrengend und zeitaufwendig).

Das Wetter war winterlich kalt und sonnig. Ich brauchte einen freien Kopf, wofür ein kleiner Spaziergang an den grossen Strom immer geeignet ist. Jacke angezogen, Kamara geschnappt – und auf gings. Wiedermal gelang es uns, ein paar überraschende Stimmungen einzufangen. Und im kleinen Hafen hatte sich bereits Eis gebildet, auf dem Möwen und Enten schon stehen konnten ohne einzubrechen.


Guten Mutes und beherzt nahm ich zu Hause noch eine Jahresendreinigungsdusche – ein Ritual seit ganz vielen Jahren. Der alte Dreck muss weg, sauber und rein will ich in das neue Jahr kommen.

Bevor wir mit unseren Nachbarn das hiesige Theater aufsuchten, machten wir gemeinsam eine Flasche Prosecco leer. Wir wollten schliesslich dem angekündigten Musicalabend beschwingt beiwohnen. Um die Stimmung zu vertiefen gab es vor der Vorstellung im Theaterfoyer noch ein Glas Sekt. Erwartungsvoll nahmen wir unsere Plätze ein und harrten dem Beginn der Vorstellung.

Der Vorhang öffnete sich, auf der Bühne befand sich eine spärliche Dekoration, passend zum Musical Tanz der Vampire. Ein Sänger, der nicht singen konnte und fast nur schiefe Töne zustande brachte, tänzelte zu einem Song aus Cabaret zwischen den Grabsteinen umher – eine bizarre Szene. Ein Confrencier im Strassenanzung erschien auf der Bühne. Er wurde aus dem Publikum erstmal angemacht, die Musik sei zu laut. Er versprach, das mit dem Tontechniker zu regeln und kündigte tatsächlich ein Stück aus dem Musical an, zu dem die Bühne passen dekoriert war, Tanz der Vampire. Aber anstatt einenen Song zu bringen, nämlich etwas flottes, wie es einem Silvesterabend gerecht sein würde, brachte eine Sängerin was aus der Kategorie „Arie“ zu gehör. Hören konnte man sie aber erst, nachdem der Tontechniker sich bequemt hatte, den Regler für ihr Mikro aufzuziehen. Zwischen den Grabsteinen ging es dann weiter mit Liedern aus dem Musical Elisabeth. Sissi auf dem Friedhof sang dementsprechende Songs. Es schien, als wollte man das alte Jahr auf der Bühne zu Grabe tragen.

Nach 30 Minuten wurden wir durch die Pause, die erst für nach 60 Minuten angekündigt war, erlöst, in der Hoffnung, dass es nach der Pause silvestermässig schwungvoll weitergehen würde. Ein weiteres Glas Sekt sollte uns für den 2. Teil vorbereiten. Aber weitgefehlt. Die Tonanlage hatte Aussetzer, die Protagonisten wurstelten sich in einer neuen spärlichen Kulisse in schlechtsitzenden Kostümen irgendwie über die Zeit. Der Conferencier meinte, es solle nun schwungvoll weitergehen, es sei ja Silvester. Stattdessen machte die Tonanlage schwungvoll weiter Probleme. Und die dargebotenen Stücke waren auch nicht viel besser als vor der Pause. Plötzlich und unerwartet standen die Darsteller aufgereit an der Rampe und wollten den Schlussapplaus entgegennehmen, der dann auch huldvoll einsetzte. Es gab dann noch eine Zugabe, die eigentlich keiner mehr hören wollte. Ende – aus – und das ca. 45 Minuten vor dem angekündigten Ende der Vorstellung. Eine wahrlich jämmerliche Vorstellung! Es war Provinztheater höchsten Grades. Wir sollten unser Geld zurückverlangen. Ein Teil der Zuschauer hatte das Theater in der Pause bereits verlassen.

So kam es dann, dass wir bereits um vor 20.00 Uhr bereits zu Hause waren, eine Zeit, zu der wir hätten eigentlich noch im Theater sitzen sollen. Wir trafen letzte Vorbereitungen für das Fondue mit unseren Nachbarn und hatten dann einen wirklich gemütlichen Abend mit albernen Hüten auf dem Kopf (woher kommt eigentlich dieser Brauch, sich am Silvesterabend kleine Hütchen aufzusetzen?).

Um Mitternacht begrüssten wir das neue Jahr mit einem Glas Champagner und den obligatorischen Berlinern und beobachteten das Feuerwerk, das um uns herum in die winterlich kalte Nacht geschossen wurde. Um die bösen Geister zu vertreiben, zündeten wir das letzte Tischfeuerwerk, das wir für diesen Zweck übriggelassen hatten, in der Hoffnung, dass der Knall laut genug war, die bösen Geister zur offenen Terrassentür hinauszutreiben. Das anschliessende Bleigiessen sollte uns eine Vorhersage für das neue Jahr bringen. Aber wie meistens kommt da nichts gescheites bei raus. Und am nächsten Tag hat man eh vergessen, was das Ergebnis der Deutung des entstandenden Bleiklumpens gewesen ist.

In vielen Blogs steht zu lesen, dass die Leute nichts mit einer Silvesterfeier anfangen können. Auf Knopfdruck lustig sein, das wäre nichts für sie, so eins der Argumente. Eine Silvesterfeier kann man – so wie wir – auch ganz ruhig gestalten. Ein Hütchen auf dem Kopf macht noch nicht unbedingt lustig, auch wenn es zur Kurzweil des Abends beiträgt. Ob es lustig wird oder nicht, ist nicht vorhersehbar. Wir sehen so einen Abend einfach als Zusammenkunft mit netten Menschen, untermalt mit etwas Deko und mit Dingen, die man Silvester eben so machen kann.
Wir haben nicht übermässig viel getrunken und sind gesund und ohne Schaden zu nehmen in das neue Jahr gekommen.

Nicht alle haben die Silvesternacht schadlos überstanden. Recht humorvoll berichtet Oliver, was ihm widerfahren ist.

Wir wünschen allen, dass sie im neuen Jahr gesund bleiben.