Archiv der Kategorie: persönlich

Privates Bulletin V

Heute Vormittag bekam ich die 2. Bestrahlung mit polarisierten elektro-magnetischen 12 cm Wellen. Anschliessend – nach einer längeren Wartezeit da ich ja keinen Termin hatte – dann das Gespräch mit dem Arzt. Er wunderte sich, dass vom Radiologie Institut keine Fotos mitgeschickt wurden sondern nur eine CD mit den Aufnahmen. Er hatte wohl keine Lust, sich die Fotos auf der CD anzusehen und hielt sich an den schriftlichen Befund, der ihm per Fax zugeschickt worden war, was, wie sich später herausstellen sollte, nicht verkehrt war.

Der Befund war dann also klar: Bandscheibenvorfall. Ich erhielt eine Spritze, von denen ich dann auch noch mehr bekommen werde. Soweit so gut. Ich weiss jetzt, woher die Schmerzen kommen, was mir sehr wichtig ist, da ich Unsicherheiten hasse.

Zuhause schaute ich mir dann die CD an. Und da kam der Hammer!: Man hat mir eine falsche CD mitgegeben, Aufnahmen der linken Schulter für einen anderen Patienten. Nun gut, es könnte ja passieren, dass die CD mit den falschen Daten bedruckt worden ist. Ich schaute mir also die Bilder an. Ich bin zwar nicht medizinisch ausgebildet, aber es war eindeutig zu erkennen, dass das ein Schultergelenk ist und nicht meine Lendenwirbel, die eigentlich MRTsiert werden sollten. Es wäre sehr peinlich gewesen, wenn der Arzt sich die Fotos angeschaut hätte. Natürlich liegt die Hauptschuld beim Radiologieinstitut. Aber da ich mir das selbst – auf Empfehlung eines Kollegen – ausgesucht hatte um die Diagnose zu beschleunigen, hätte auch ich ziemlich blöd ausgesehen.

Die Radiologie brennt mir jetzt eine neue CD, die falsche werde ich denen wieder zukommen lassen.

Ach so ja, wie es mir geht?: Es ist keine Verschlechterung eingetreten, auch keine Verbesserung, was ja auch schon positiv ist. Ich hoffe, dass die Spritzen dann ihre Wirkung tun und sich eine OP vermeiden lässt.

Die Röhre

„Haben Sie Platzangst?“ – „Bis jetzt noch nicht.“
Dann wurde ich in dieses Ding geschoben. 20 Minuten sollte der Scan dauern. Rein gefühlsmässig war es länger. Und trotz einer Kühlung wurde es recht warm.

Manchmal stellte ich mir vor, ich läge in einer Mikrowelle. Bei einigen Geräuschen war es nämlich so, dass ich dabei warme Hände bekam. Hörte das Geräusch auf, kühlten auch meine Hände wieder ab. Unangenehm war es nicht. Trotzdem war ich froh, als ich wieder hinausgeschoben wurde.

Einen Befund habe ich noch nicht. Den bekomme ich dann hoffentlich am Mittwoch von meinem behandelnden Arzt.

Privates Bulletin IV


Nach einem relativ beschwerdefreien Samstag folgte ein Sonntag, den ich lieber entspannter erlebt hätte. Die gestern gezeigten Fotos spiegeln ein Urlaubsfeeling wieder, welches körperlich nicht vorhanden war. Ich wusste kaum, wie ich mich hinsetzen oder stellen sollte. Jede Stellung war nach wenigen Sekunden schmerzhaft. Besonders schlimm war es beim Aufstehen nach längerer Zeit des Sitzens. Dann schoss der Schmerz förmlich in das linke Bein bis hinab in das Schienenbein.

Beim Aufstehen heute Morgen merkte ich, dass eine Besserung eingetreten ist. Ob das an den Tabletten liegt, die ich seit einer Woche schlucke, wage ich zu bezweifeln. Denn dann hätte eine Besserung wohl schon viel früher eintreten müssen.

Heute Morgen hatte ich die erste Therapiesitzung. 10 Minuten wurden mir „polarisierte elektro-magnetische 12 cm Wellen“ in den Lendenbereich gestrahlt. Danach sollte ich eine Kortison-/Anästhetikumspritze bekommen. Der Doc fragte zum Glück nach dem MRT. Als ich ihm sagte, dass Selbiges heute Nachmittag gemacht werden würde, musste er von der Spritze absehen da sie das Ergebnis des MRT verfälschen würde.

Wenn ich die Liste studiere, für was die Wellen alles gut sein sollen, sind die wohl so eine Art Allheilmittel, so ähnlich wie mein Schwedenbitter. Chirugie, Orthopädie, Innere Medizin, Dermatologie, Urologie, ja, sogar Gynäkologie. Hauptsache, mir wächst jetzt keine Muschi.

Den Termin für das MRT hatte die Praxis gemacht, allerdings wäre der früheste Termin erst in 2 Wochen. In der Firma hatte ich Freitag ich einen Zwischenbescheid über meinen Zustand gegeben. Ein Kollege gab mir einen Tipp, es in einer ihm bekannten Radiologiepraxis zu versuchen. Und siehe da, die hatten einen Termin für heute Nachmittag. Zwei Wochen gespart bei der richtigen Behandlung, vorausgesetzt, in der Röhre wird nun nachher was festgestellt, dass es zu behandeln gilt.

Fortsetzung folgt.

Privates Bulletin III

Ich bin genervt! Warum? Weil ich Dinge tun möchte, die ich nicht machen kann, z.B. spazierengehen.
Und weil ich Dinge tun möchte, die ich nicht machen darf, z.B. ein oder zwei oder mehr Gläser Wein zum Grillen trinken. Aufgrund der Medikamente, die ich nehme, ist Alkohol zurzeit nicht angesagt.

Habe aber eine nette Alternative gefunden. Zwar nicht als Getränk zum Grillen, aber für mal so zwischendurch: Ipanema. Sehr lecker, sehr erfrischend.

Privates Bulletin II

Schneller als erwartet fand heute die Untersuchung beim Orthopäden statt. Ca. 1-1/2 Stunden musste ich warten. Das, so finde ich, ist in Ordnung wenn man einen eingeschobenen Termin hat.

Die Röntgenaufnahmen brachten ein eindeutiges Ergebnis, d.h. es muss ein MRT gemacht werden. Darauf muss ich noch 2 Woche warten. Ein Kollege rief mich eben an mit einem Tipp, wo ich das vielleicht auch früher bekomme. Ich werde mich darum kümmern.

Ab Montag soll ich eine Therapie bekommen mit magnetischen Strahlen. Sofern mir das eine Linderung der Schmerzen bringt, soll das in Ordnung sein. Hoffentlich bleiben danach nicht alle Eisenteile an mir hängen.

Für eine weitere Woche habe ich eine Krankschreibung erhalten. Heute bekam ich dann aber den altbekannten „Gelben Zettel“.

Privates Bulletin I

Die Beschwerden sind leider nicht besser geworden. Habe mir heute morgen einen Termin beim Arzt geben lassen, sogar noch für heute Vormittag. 11:30 Uhr sollte ich dort sein, um 11:45 Uhr war ich im Behandlungszimmer. Darüber kann man sich nicht beschwerden.

Nach einer kurzen Erklärung der aktuellen Symptome hatte ich eine Überweisung zum Orthopaden in der Hand. Die Ärtzin machte gleich selbst telefonisch einen Termin aus. Na ja, es ist ihr Mann, der die Praxis betreibt. Morgen früh um 08:25 Uhr soll ich mich dort einfinden, allerdings müsste ich mit einer längeren Wartezeit rechnen.

Man hört ja viel über Orthopäden. Einige nehmen gar keine Patienten an, bei anderen bekommt man einen Termin nur mit mehrwöchiger Wartezeit. Insofern bin ich froh, dass ich schon morgen einen Termin habe, auch wenn ich möglicherweise stundenlang in einem von mir so heissgeliebten Wartezimmer sitzen muss.

Ich habe Aua

Bevor ich auch nur einen Gedanken daran verschwende, eventuellgegebenenfallsunterumständen einen Arzt aufzusuchen, muss meine körperliche Verfassung schon arg in Mitleidenschaft gezogen sein. Schmerzen im linken Bein, die von der Leistengegend bis zur Wade zogen, liessen den Gedanken eines Arztbesuches aufkommen. Schmerzen, die nicht nur einfach so im Hintergrund da waren, nein, die Schmerzen waren schon etwas heftiger Natur.

Heute morgen sass ich dann kurz vor acht Uhr im Wartezimmer. Eine Dame war schon da. Da ich keinen Termin hatte, richtete ich mich mental auf eine längere Wartezeit ein. In der Firma hatte ich bereits Notiz gegeben.

Nach und nach füllte sich das Wartezimmer. Alle grüssten mehr oder weniger freundlich. Dann kam eine junge Frau mit Metall im Gesicht. Grusslos setzte sie sie sich auf einen freien Platz. Aus ihrer grossen Tasche kramte sie erstmal eine Flasche mit Saft hervor und nahm einen kräftigen Schluck daraus. Dann steckte sie sich die Knöpfe ins Ohr und hörte schniefend Musik. Taschentücher hatte sie in der grossen Tasche wohl nicht versteckt. Ein Griff neben sich hätte gereicht. Dort stand nämlich ein kleiner Tisch auf dem netterweise von der Praxis eine Box mit Papiertüchern bereitgehalten wird.

Zum Glück musste ich mir ihr Geschnotter nicht lange anhören. Ziemlich schnell wurde ich aufgerufen. Ich erklärte der Frau Doktor meine Beschwerden. Sie machte einen Test mit meinen Beinen und war dann der Meinung, dass es eine Nervenreizung/-entzündung sein könnte. Ich bekam schmerzlindernde und enztündungshemende Pillen verschrieben sowie für die Nacht ein Muskelentspannedes Medikament. Wenn sich der Zustand bis Donnerstag nicht gebessert hat bzw. wenn ich vorher ein Taubheitsgefühl in den Zehen bekomme, werde ich zum Orthopäden geschickt. Es könnte nämlich durchaus auch sein, dass die Beschwerden von der Wirbelsäule kommen könnten – was ich nicht hoffe.

Nun bin ich erstmal bis einschliesslich Freitag dieser Woche krankgeschrieben. Der Zettel ist aber nicht mehr gelb, der ist jetzt rosa.

Zwiegespalten


Deutschlandweit fanden heute, am Ostermontag, Demonstrationen gegen Atomkraftwerke statt, so auch in unmittelbarer Nähe unserer Wohnung. Das Kernkraftwerk Krümmel liegt nur ca. 2,5 km entfernt auf dem Stadtgebiet der Stadt Geesthacht.

Nur allzu gern würde ich mich an der Demonstration direkt vor dem Kraftwerk beteiligen. Da gibt es allerdings ein grosses „Aber“, das mich davon abhält.

Seinerzeit, als wir das Kleinod entdeckten, wo einmal unsere Wohnung sein würde, wussten wir, dass das AKW Krümmel sozusagen direkt nebenan liegt. Trotzdem unterschrieben wir den Kaufvertrag. Mein schwarzer Humor sagte: Je näher dran um so schneller ist es mit dem Leiden vorbei.

Während der vergangenen Jahre wurde uns bekannt, dass es sich beim AKW Krümmel um einen der in Deutschland stehenden Pannenreatkoren handelt. Bei ausgiebiger Recherche wäre ich sicher auch vor der Unterzeichnung des Kaufvertrages darauf gestossen. Unterschrieben hätte ich wohl trotzdem.

Wenn ich mich jetzt an einer Demonstration direkt am Kraftwerk beteiligen würde, wäre es ähnlich, als wenn ich ein Haus in Flugplatznähe kaufen würde und ich würde dann gegen den Fluglärm protestieren.

Die heutigen deutschlandweiten Demonstrationen richten sich zwar überwiegend gegen die Erzeugung von Energie durch Atomkraftwerke im Allgemeinen. Deshalb haben wir die Abschlussveranstaltung auf dem sogenannten Roten Platz direkt an der Elbe aufgesucht um auf diese Weise unsere Solidarität zu zeigen um zu bekräftigen: Ja, wir sind gegen Atomstrom!

Uns fiel auf, dass die Menschen, die wie dort angetroffen haben, fast alle einem gewissen Typ darstellen. Männer, deren Bärte länger als 3 Tage gewachsen waren und deren Kopfhaar auch mal wieder einem Friseur präsentiert werden sollten. Frauen mit grauen Haaren, nicht gestylt. Fast alle in Sandalen, fast alle mit einer Kopfbedeckung und mit Rucksack – irgendwie alternativ, irgendwie Schlabberlook. Es waren wenige Menschen, die so aussahen wie du und ich.

Diese Menschen nehmen an diesen Demonstrationen aus Überzeugung teil und sie sind ein Grossteil dessen, was die Antiatombewegung ausmacht. Aber warum sieht man ihnen das an? Warum sehen die alle gleich aus? Ein merkwürdiges Völkchen.

Aktivurlaub


Zuerstmal danke ich für die zahlreichen Geburtstagsgrüsse. Wie Barbara festgestellt hat, funktioniert das Kontaktformular nicht, welches sie zur Übermittlung ihrer Geburtstagsgrüsse benutzen wollte. Leider funktioniert hier das Archiv auch nicht. Ich hatte mich schon mal damit beschäftigt, mit dem Blog auf einen anderen Provider umzuziehen. Der Gedanke ist immer noch präsent. Es bedeutet aber ein wenig Arbeit – oder auch mehr. Und deshalb bin ich noch nicht so richtig weiter mit der Aktion. Ich hoffe immer noch, dass sich die Probleme anderweitig lösen lassen.

Nun, schon fast traditionell habe ich in der Woche, in der mein Geburtstag ist, Urlaub. Seit mehreren Jahren hat das auch immer geklappt, so auch in diesem Jahr.

Die Woche war nicht nur von meinem Geburtstag geprägt sondern von diversen notwendigen Aktivitäten:

Am Montag haben wir die Winter- gegen die Sommerreifen tauschen lassen. Die Wartezeit überbrückten wir, auch schon fast traditionell, mit einem Besuch im Blumenhof Kehr. Dort wird uns immer der Herz gross angesichts der vielfalt an Ideen für Dekorationen und Ausstattung. Leider sind Portemonnaie und Wohnung zu klein, um die Ideen zu verwirklichen. Aber mit einer neuen Giesskanne für die Terrasse marschierten wir wieder los um unseren Wagen abzuholen.

Auf Sommerreifen fuhren wir nach Lüneburg um dort bei einem Bäcker Brötchen für die Geburtstagsfeier zu bestellen. Brötchen extra aus Lüneburg? Es sind kleine Laugenbrötchen, Kastanien genannt, die wie dort mal entdeckt hatten und die extrem gut zum geplanten Fingerfoodbüffett passen.

Wieder zu Hause wurde die Terrasse feucht gewischt um sie von Moos und Ablagerungen zu befreien. Die Platten sollten nach zwei Jahren mal wieder mit einem Farbauffrischer versehen werden. Das passierte dann am Dienstag. Da das immer nur in Etappen geht weil ja ein paar Pflanzkübel immer umgestellt werden müssen, dauerte dies Aktion dann auch den ganzen Tag.

Mittwoch war dann die Geburtstagsfeier im kleinen intimen Rahmen mit unseren Müttern und abends bei einem Glas Wein mit unseren Nachbarn.

Der Donnerstag galt den den Vorbereitungen, d.h. einkaufen und saubermachen, für die am Freitag stattfindende grössere Feier mit Nachbarn und Freunden.

Morgens kam noch ein Elektriker, der einen neuen Stellmotor für das Oberlicht im Bad anschliessen sollte sowie eine Dame von der finanzierenden Bank für das Elbepenthouse. Der Bank fiel nach mehr als 3 Jahren ein, dass sie noch was für ihre Akten brauchten.

Freitag ergänzende Arbeiten für den Abend, wie u.a. ein Dessert machen, Tisch decken und dergleichen mehr. Und natürlich die 60 Kastanien aus dem Feuer holen, äh, aus Lüneburg abolen. Die Feier mit ingesamt 12 Personen war sehr nett. Alle wurden satt und waren zufrieden.

Heute morgen war dann das grosse Aufräumen angesagt sowie die Hardware (Platten und Teller) zum Büffeftlieferanten zurückbringen.

Und dann war es endlich soweit, dass wir uns zurücklehnen und ausruhen konnten, und zwar auf der sonnigen Terrasse. Ausser dass ich in den Blumenkästen ein wenig rumgezupft habe, haben wir nichts getan. Nicht mal den Laptop hatte ich draussen. Es war ein herrlicher Tag. Einfach da so sitzen, die Sonne geniessen, den Vögeln zuhören – und im Hintergrund plätscherte unser Brunnen leise vor sich hin. Das Leben ist schön!

Und alles, was noch getan werden muss, kann auch morgen noch gemacht werden wenn das Wetter nicht mehr ganz so gut ist.

Wunscherfüllung


Unser Sohn wohnt mit seiner süssen Frau nun schon etwa 10 Monate im eigenen Heim. Der Wunsch seiner Oma und meiner Mutter war es, dieses Heim mal mit eigenen Augen sehen zu können. Da sie nicht mehr in der Lage ist, die Reise allein zu unternehmen, hat sie uns eingeladen, sie zu begleiten. Vorab überwies sie mir einen Betrag X, von dem ich alle Kosten bestreiten sollte, d.h. Reisekosten, Verpflegung und eventuelle Unternehmungen vor Ort.

Am vergangenen Freitag machten wir uns zu dritt mit der Bahn auf den Weg. Ich hatte allerdings bei der Reiseplanung nicht bedacht, dass wir beim Umsteigen in Hannover nur 10 Minuten zur Vefügung hatten und dass sich die Wagen der 1. Klasse immer am Ende bzw. am Anfang eines Zuges befinden und dementsprechend weit entfernt von den Treppen halten bzw. abfahren. Ein Anruf im Banhof Hannover klärte schon mal vorab die Frage, in welchem Bereich denn der Wagen unseres weiterführenden Zuges halten würde. Ein paar Minuten vor der Ankunft machen wir uns schon mal auf den Weg in Richtung Zugmitte um etwas näher an den Treppen zu sein. Mutter ist nicht mehr die Jüngste und gar nicht mehr gut zu Fuss.

Unser Ausstieg war dann auch relativ nahe bei den Treppen. Leider hatte unser Zug 2 bis 3 Minuten bei der Einfahrt zum Bahnhof Hannover verloren. Desweiteren mussten wir von Gleis 4 zu Gleis 11 wechseln – für eine alte Frau doch ein langer Weg. Kaum hatten wir die Plattform von Gleis 11 erreicht, kam auch unser Zug schon an. Unser Wagen hielt natürlich ganz vorn, es war der erste des Zuges überhaupt. Nun hiess es, die Beine in die Hand zu nehmen und flink den Bahnsteig entlang zu gehen. Mutter gelang dies auch recht passabel. Bernd meinte später, dass ihre Beine sich schneller bewegten als ihr Stock. Na, zum Glück entstand kein Knäuel daraus.

Eine Minute vor Abfahrt enterten wir den nächstbesten Waggon, welcher schon zur 1. Klasse gehörte. Der nachfolgende war dann schon der, in dem unsere Plätze reserviert waren. Ein wenig erschöpft liessen wir uns – und speziell Oma – in die Sitze fallen.

Die Reise verlief weiterhin fahrplanmässig und entspannt. In MG wurden wir von Oliver in Empfang genommen. Im Wohngebiet am Stadtrand, wo dass Häuschen von seiner Frau und ihm steht, ging es durch schmale Strassen, links herum, rechts herum – und dann standen wir vor der niedlichen Hütte.

Zuerst wurde natürlich inwendig alles unter die Lupe genommen, jedenfalls soweit Omas Beine es zuliessen. Ein Haus auf 4 Etagen inklusive Keller und Schlafzimmer im Dachgeschoss war dann doch etwas zu viel für die Oma.

Inzwischen wurde in der Küche ein kleiner Imbiss vorbereitet, na ja, es war schon eher ein grosser Imbiss – und es gab sogar lecker Nachtisch. Den jungen und den halbjungen Leuten war dann noch danach, einen Verdauungspaziergang zu machen während Oma sich bereits in ihr Schlafgemach zurückzog.

Am nächsten Morgen gab es ein reichhaltiges Frühstück, dass den Vergleich mit einem Hotelfrühstück nicht zu scheuen brauchte. Da wir einen Ausflug in das nahe gelegene Holland planten, langten wir reichlich zu um so lange wie möglich über den Tag zu kommen.

Nach etwa einer Stunde Autofahrt, die teilweise sehr rasant und schneller als der ICE, in dem wir gereist waren, über die Autobahnen ging, erreichten wir die Stadt Maastricht. Dank eines ausgezeichneten Partleitsysstem der Stadt und des genialen Navigationssystem von Olivers Firmenwagen fanden wir ein zentrumsnahes Parkhaus.

Nach wenigen Schritten standen wir mitten im Stadtzentrum. Glöckchengebimmel ertönte vom Rathaus. Ich vermute, dass die Melodien manuel von Hand gespielt wurden.

Wir merkten, dass Mutter das Gehen schwer fiel. Alle paar Meter blieb sie stehen und schaute sich Gebäude und Geschäfte an. Vermutlich wollte sie damit überspielen, dass sie nicht so gut drauf war. Am Ende einer Seitengasse entdecken wir einen Schiffsanleger. Von dort aus unternahmen wir eine etwa einstündige Fahrt auf der Maas. Dabei wurden uns ein paar interessante Informationen über die Stadt und ihre Umgebung geliefert.

Während der Wartezeit am Anleger entdeckte ich am Ufer der Maas eine Schildkröte. Zuerst dachte ich, jemand hätte dort eine Attrappe deponiert. Doch dann stellte ich fest, dass sie ihren Kopf bewegte. Ob es wildlebende Schildkröten in oder an der Maas gibt, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich vermute, dass das Tierechen irgendwo die Flucht ergriffen hat.

Zurück mit festem Boden unter den Füßen suchten wir uns ein Café. Zur Stärkung verlangte uns nach einem Heissgetränk und Kuchen. Die schmackhafte Torte verzehrten wir mit Messer und Gabel – eben andere Länder – andere Sitten. Der Schwulenfaktor wurde drastisch erhöht als vier Lederschwestern eintrafen um sich leckeren Kuchen einzuverleiben.

Danach ging es ganz langsam mit Oma am Arm zurück zum Parkhaus und dann auf die Heimfahrt zurück nach Mönchengladbach.

Nach einer kurzen Erholungspause führten Sabrina und Oliver uns in ein italienisches Restaurant namens Scala. Auf unseren Wunsch wurde uns ein Vorspeisenteller zusammengestellt, der schon sehr vielversprechend war. Auch die Hauptgerichte, die wir uns ausgesucht hatten, waren sehr sehr lecker. Und teuer war es auch nicht. Mit Aperitif, Vorspeise, Hauptgericht, Wein, Wasser Digestif und Espresso kostete es für fünf Personen so ca. 150 Euro. Für ein Dessert hatten wir leider keinen Platz mehr im Magen.

Der Chef des Restaurants bediente selbst und wuselte nett anzusehen um die Tische herum. Hach, richtig knuffig ist der – ein Typ, an dem Bernd und ich gleichermaßen Gefallen finden – was recht selten ist.

Am Sonntag nach dem Frühstück traten wir dann die Heimreise an. Umsteigebahnhof war dieses Mal Wuppertal. Auch hier sollten wir 10 Minuten Zeit haben, zum Glück sollte der Zug nach Hamburg vom gleichen Gleis abfahren. Merkwürdig war, dass unser Zug gar nicht angezeigt wurde. Bei der Aufsicht erfuhr ich, dass er 30 Minuten später fahren sollte. Der Aufsichtsbeamte deute auf einen Aushang. Ich beschwerte mich darüber, dass es weder eine Lautsprecheransage noch einen Hinweis am Zuganzeiger gab. In Wuppertal hatten wir früher schon mal Probleme mit der Bahn beim Umsteigen. Es scheint dort wohl an der Leitung zu liegen, dass man in Wuppertal nicht so kundenfreundlich ist.

Die Heimfahrt verlief dann normal und pünktlich mit der geplanten Verspätung traf der Zug in Hamburg ein. Mutter gelüstete es noch nach einem gemeinsamen Essen, welches wir im Restaurant Schifferbörse gegenüber dem Hauptbahnhof einnahmen. Ich finde ja, dass das Restaurant eher was für Turis ist denn ein Restaurant mit qualitativ gutem Essen. Aber gut, es soll für Mutter gut zu erreichen sein und Italienisch hatten wir gerade am Abend vorher. Und wer bezahlt bestimmt was gespielt wird.

Ja, nun ist Oma zufrieden. Sie hat das Haus ihres Enkels und seiner Frau für gut befunden und sich dort wohlgefühlt. Vermutlich wird sie die Strapazen nicht noch einmal aufsich nehmen. Für sie sind es wirklich Strapazen.

Und Maastricht werden wir 4 uns noch mal allein anschauen. Es hat uns dort sehr gut gefallen. Und dann weiss Oma auch wovon wir reden wenn wir ihr von unserem Ausflug berichten.