Archiv der Kategorie: Kultur

Sister Act


Das Angebot vergünstigter Karten bescherte uns kurzfristig den Besuch einer Vorstellung des Musicals Sister Act im Operettenhaus in Hamburg. Der Film mit Whoopi Goldberg in der Hauptrolle ist vielen wohl bekannt. Inhaltlich geht es ja darum, dass eine Barsängerin mit ansieht, wie ihr Lover einen Mann mit einer Pistole ermordet. Deshalb muss sich die Dame verstecken, was in einem Nonnenkloster geschieht. Dort bringt sie den Nonnenchor zu einem unerwarteten Erfolg.

Ohne besondere Erwartungen besuchten wir das Operettenhaus … und wurden nicht enttäuscht.

Recht kurzweilig, ja, geradezu rasant, ist das Geschehen auf der Bühne. Ein grossartiges Bühnenbild mit vielen schnellen Szenenumbauten bei offener Bühne trägt zum Gelingen des Stückes bei. Genial die Verfolgungszene im Kloster, die in einer Art Labyrinth spielt. Tolle schmissige Musik, phantastische Kostüme, ein Ausstattungstück par excellence. Die Darstellerinnen sind allesamt toll und spielen ihre Rollen hervorragend – und tanzen können sie auch noch.

Es gibt allerdings auch negative Dinge anzumerken:
Die eingeflochtene Werbung für das Fastfoodrestaurant zum Goldenen M muss nicht sein.
Die Szenen mit den Ganoven und mit dem Polizisten wirken teils etwas albern.
Auf den positiven Gesamteindruck hat das aber keinen grossen Einfluss.

Am Ende gab es berechtig jubelnden Applaus und standig ovations.

Für uns war es ein vergnüglicher Abend. Sister Act ist ein Musical ohne persönliche oder zwischenmenschliche Probleme. Man kann sich ganz entspannt in seinem Theatersessel zurücklehnen und sich unterhalten lassen.

Wiederholgungsfaktor für uns: Sehr gross!

Schwachsinn

Astrid Lindgren und ihre Pippi Langstrumpf – wer kennt sie nicht?! Wir haben das Buch in unserer Jugend gelesen, ohne uns was dabei zu denken, dass Pippi von ihrem Vater als den Negerkönig spricht.

Nun fällt es einem in Bonn Lebenden mit dunkler Hautfarbe und Migrationshintergrund ein, internationale Literatur in Frage zu stellen weil da der Ausdruck Negerkönig steht. Das sei rassistisch.

Wie viele andere auch habe ich in meiner Kindheit das Lied „Zehn kleine Negerlein“ gelernt. Na und? Wir haben uns nichts dabei gedacht. Ebenso denke ich mir nichts dabei, wenn ich den gleichnamigen Krimi von Agatha Christie lese – oder einen Negerkuss esse.

Neger, ein Ausdruck, mit dem wir aufgewachsen sind ohne dass wir ihn als Schimpfwort benutzt haben. Neger, das war einfach nur die Bezeichnung für dunkelhäutige Menschen. Neger – ist das nicht auch eine Art Ableitung von „negro“, also schwarz? Was ist schändlich daran? Nichts.

Es soll sogar Neger geben, die sagen, dass man sie als Neger bezeichnen dürfe. Ebenso wie es Zigeuner gibt, die es gestatten, sie als Zigeuner zu nennen.

Political correctness hin oder her – für mich bleiben Neger eben Neger und Negerküsse Negerküsse. Ich finde diese Diskussion einfach schwachsinnig.

Ach so, gibt es in der Konditorei eigentlich noch Mohrenköpfe zu kaufen?

Unerwartet

Unser Ticketcenter war durch den Besuch der Aufführungen von Cats und Viktor Viktoria schon etwas geschrumpft. Unerwartet hat das Ticketcenter heute eine kleine Auffüllung erfahren und beschert uns im nächsten Monat einen zusätzlichen Theaterbesuch. Wir gehen ins Operettenhaus an der Reeperbahn und schauen uns das Musical Sister Act an.

Wenn man an recht günstige Karten kommt, muss man eben einfach zugreifen.

Nicht überragend – aber nett

Gestern Abend haben wir uns in unserem Dorftheater, dem Kleinen Theater Schillerstraße, die Verwechslungs-Travestie-Komödie Viktor Viktoria angeshen, in einer Inszenierung des Altonaer Theaters in Hamburg.

Als sich der Fadenvorhang öffnete, schauten wir ewas enttäuscht auf eine fast leere Bühne. Im Hintergrund befand sich die das kleine Orchester. Aha, immerhin kommt die Musik also nicht von der Konserve, was schon mal ein Pluspunkt war. Ausser den Protagonisten befand sich für die erste Szene nur eine Art Theke auf der Bühne. Wenn man, wie wir, grosse und aufwändige Musicialproduktionen gewöhnt ist, kommt man da dann doch ein wenig ins Zweifeln, ob das, was uns da geboten werden soll, auch wirklich gut ist.

Nun, bis zur Pause war die Aufführung auch eher ein wenig flach, was aber durchaus nicht an den Schauspielern lag. Es war für uns wohl eher das ungewohnt spartanische Bühnenbild, bestehend aus drei Fadenvorhängen, zwei Doppelbetten, zwei Sesseln, einer Theke sowie zwei Telefonen. Die Fadenvorhänge bildeten u.a. 2 Hotelzimmer, in denen ein Teil der Handlung spielte.

Nach der Pause kam dann etwas mehr Drive in die Aufführung. Durch das muntere agieren der Schauspieler nahmen wir das magere Bühnenbild kaum noch wahr. Die Gäste, die in der Pause gegangen waren, hätten doch lieber bleiben sollen.

Es war letztendlich ein netter Theaterabend zu einem angemessenen Preis.

Und das Praktische daran: Wir haben nur jeweils etwa 10 Minuten An- und Abreise – zu Fuss!

Zurück: Cats


Vor 10 Jahren verabschiedeten sich die Katzen aus Hamburg – jetzt sind sie zurück, wenn auch nur vorrübergehend. 1986 wurde mit Musical „Cats“ der Grundstein für die Musicalkultur in Deutschland gelegt und Hamburg wurde im Lauf der Jahre mit zwei weiteren Musicalspielstätten zur Musicalhauptstadt Deutschlands.

Doch zurück zu „Cats“:


Etwa 15 Jahre ist es her, seit ich die für mich letzte Aufführung im Operettenhaus Hamburg gesehen habe. Seit Anfang Januar gastiert das Musical auf dem Heiligengeistfeld in einem aufwendigen Zeltbau, eine Chance, sich das Stück mal wieder anzusehen, was wir gestern Abend gemacht haben.

„Cats“ – die Handlung eher unbedeutend – ist ein Tanzstück mit Gesang. Ich hatte damals schon gesagt, dass es fast ein Ballett ist. Ist es also ein Musicalballett oder ein Ballettmusical? Irgendsowas jedenfalls ist es.

In dieser Produktion wird die Bühne von drei Seiten von den Sitzplätzen umrahmt. Man sitzt sozusagen mittendrin, besonders auch deshalb, weil die Darsteller immer wieder mal durch die Reihen und Gänge tanzen, Katzen zum Greifen nahe. Dieses vermutend hatte ich unsere Plätze extra in Reihe 10 gewählt, die an einem breiten Quergang liegt. Ausser dem positiven Effekt von grenzenloser Beinfreiheit kamen wir in den Genuss, dass sich einige der Tänzer/Sänger direkt vor uns durch diesen Gang bewegten.


Die Bühnendeko ist so, wie ich es aus der alten Hamburer Inszeniernung in Erinnerung habe, nur dass die Bühnenfläche eben weit in den Zuschauerraum hineinreicht.

Die Darsteller können alle gut tanzen. Wenn man weiss, wie sich Katzen bewegen, ist zu erkennen, dass die Bewegungen von Katzen sehr gut umgesetzt worden sind. Die Aufführung hätte perfekt sein können, wenn es nicht aukustische Probleme gegeben hätte: Die gesungenen und gesprochenen Texte in den Massenszenen waren zwar gut zu hören aber leider nicht zu verstehen. Ansonsten ist dies wirklich eine Inszenierung, die sich sehen lassen kann, besonders wegen der tollen Tanzszenen.

Für uns gab es ein Wiedersehen mit Frank Logemann, der in Mamma Mia den Sam, einen der drei in Frage kommenden Väter von Sophie, gespielt hat. Frank Logemann spiel in Cats u.a. den alten Kater Asparugus. Ebenfalls freuten wir uns, Masha Karell zu sehen und zu hören. Sie kennen wir aus dem Musical Titanic, in dem sie die reiche Witwe Charlotte Cardoza spielte. In Cats spielt sie die Katze Grizabella, die das wohl bekannteste Lied aus diesem Musical singt: Memory. Masha Karell brachte dieses Stück mit grosser Stimme zu Gehör.

Einen tollen Anblick bot Shane Dickson, einer der Tänzer/Sänger. Ein Kerl von einem Kater. Gross und kraftvoll, Oberschenkel wie Bäume und von hinten anzusehen – wow! Und doch geschmeidung tanzend wie eine Katze. Nochmal: Wow!

Wer meint, diese Inszenierung sei ja „nur“ eine Tourneeproduktion (das Katzenzelt wird in mehreren Deutschen Städten und in Luxemburg gastieren), der irrt. Diese Inszenierung ist gleichwertig mit einer Produktion, die in einem festen Theaterbau aufgeführt wird.

Wer „Cats“ noch nicht kennt sollte allerdings bedenken, dass es kein Luststück ist in dem pausenlos gelacht wird. Zwei Herren in der Reihe hinter uns waren der Meinung, dass es lanweilig sei. Im Ohnsorgtheater könnte man wenigstens lachen. Allerdings sollten sie bedenken, dass dort durchaus auch ernste Stücke gespielt werden. Musical ist eben manchmal auch anspruchsvolle Unterhaltung!

Hier gibt es eine professionelle Rezension – über Cats, nicht über das Ohnsorgtheater.

Theater, Theater

Unser persönliches Ticketcenter bis Ende Juni 2011.

Unser Kulturjahr beginnt am 11. Februar mit Cats und endet – vorerst – am 25. Juni mit „Yma“ im Friedrichstadtpalast in Berlin. Insgesamt haben wir in verschiedenen Theatern sechs Vorstellungen gebucht, davon drei allein im Februar.

Kinoabend

Musik, Tanz, Show, Revue – und auch etwas Handlung, so lässt sich wohl der Film Burlesque am besten beschreiben. Kein Tiefsinn, keine Dramatik und keine Knalleffekte – einfach nur leichte Unterhaltung. Und warum nicht?! Probleme gibt es in der Welt genug. Wir brauchen nur die Zeitung aufzuschlagen oder die Tagesschau zu sehen.

Wir fanden den Film nett. Ich sagte nach der Vorstellung zu Bernd: Ich fand den Film süss. Wir würden ihn sogar noch ein zweites Mal anschauen. Auf jeden Fall werden wir uns die DVD kaufen. Tja, so sind wir eben, schwul und manchmal etwas schlicht.

Die weiblichen Hauptrollen werden gespielt von Christina Aguilera (Ali) und Cher (Tess). Ich muss sagen, dass Cher eigentlich ganz gut schauspielern kann, was ich gar nicht erwartet hatte. Die männlichen Hauprollen spielen Cam Gigandet (Jack), ein echter Hingucker, der sicher kein Podouble benötigt und Stanley Tucci (Sean). Sean ist der schwule Bühnenmanager des Revuetheaters Burlesque. Der Name Tucci passt da ja irgendwie.

Bemerkenswert war, dass vor dem Film keine Werbung gezeigt wurde und das allenfalls etwa 20 Personen – überwiegend Frauen – sich den Film angeschaut haben im fast 300 Plätze umfassenden Theater- bzw. Kinosaal.

Gut improvisiert

Gestern Abend haben wir uns die Gruppe „Hidden Shakespeare“ angesehen. Hidden Shakespeare bietet Improvisationstheater vom Feinsten.

Das Publikum wird gebeten, Begriffe zu bestimmten Themen zuzurufen. Zwei bis drei Begriffe werden davon benutzt und daraus werden ganz spontan kurze Sketche gemacht und auf die Bühne gebracht, nur mit Worten und mit ein wenig Pantomime.

Es war ein sehr unterhaltsamer und lustiger Abend. Hidden Shakespeare, das etwas andere Theater – sehr zu empfehlen!

Hün und perdün

Hün und perdün ist ein plattdeutscher Ausdruck aus Norddeutschland. Er bedeutet soviel wie „alles mögliche“ oder „dies und das“.

Ich bin ja teilweise plattdeutsch aufgewachsen. Im meinem Umfeld wurde nämlich viel Plattdeutsch gesprochen. „Hün und perdün“ gehörte zum Sprachgebrauch dazu und wird auch manchmal, so wie meine Kollegin das tat, bei einer norddeutsch-hochdeutschen Konversation mit eingeflochten.

Übrigens: Plattdeutsch ist eine Sprache und keine Mundart. Deshalb mussten die Darsteller des Ohnsorgtheaters während der Fernsehübertragungen hochdeutsch sprechen, jedenfalls versuchten sie das. Die Bayrischen Volkstheater durften ihre Stücke im Fernsehen original bayrisch senden. Hach, und sowas nennt sich Freistaat und hat nicht mal eine eigene Sprache.