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ESC 2015 – 2. Semi

So, nun stehen sie also fest, die 27 Teilnehmer des Grand Final, welches morgen Abend in Wien stattfinden wird.

Grundsätzlich ist zu sagen, dass mir das 2. Semi besser gefallen hat. Vielleicht lag das an dem rothaarigen Drummer der Iren. Um es gleich zu sagen: Irland ist nicht im Finale, was ok ist.

Gleich der erste Auftritt, Monika und Vaidas aus Litauen mit „This Time“, heizte die Stimmung im Saal ein. Dieser Titel hätte mich eine Tanzfläche stürmen lassen. Das reisst mit – und ist im Finale. Übrigens: Von Vaidas hätte ich mich auch gern küssen lassen.

Schweden präsentiert einen weiteren Titel, der mir gut gefällt, Maans Zelmerlöw mit „Heroes“ ist auch im Finale.

Die einzie Ballade aus beiden Semis, die ich wirklich toll finde, wird von Norwegen präsentiert, „A Monster like me“ geht unter die Haut und hat berechtigt einen Platz im Finale gefunden.

Ich habe für jeden dieser Beiträge abgestimmt. Wobei ich wirklich nicht weiss, welchen Titel ich am besten finde. Das wird sich vielleicht ab heute Mittag klären, wenn alle 27 Finalisten bei Radio Hamburg gesendet werden, nur zum hören, ohne Show, ohne Bart, ohne Feuerwerk und ohne Tanz.

Warum diese Schlaftablette aus Zypern weitergekommen ist erschliesst sich mir ganz und gar nicht. Stattdessen hätte ich lieber Portugal oder die Schweiz im Finale nochmal gesehen bzw. gehört. Das Gleiche gilt für Slowenien. Das Duo braucht die riesigen Kopfhörer wohl um die Luftgeige zu hören. Wenn ich die Stimmzettel von Ossi für das Finale ausgedruckt habe, kann ich bei beiden gleich ein Strich machen, was so viel heisst wie „durchgefallen“, also Zypern und Slowenien.

Polen wird von einer Dame im Rollstuhl präsentiert – und ist ins Finale gerollt. OK, sie kann singen, aber der Titel ist eher so lalala. Sollte da ein Mitleidsfaktor Einfluss gehabt haben? Wenn ich morgen noch einen Song benötige, um meine Punktevergabe zu komplettieren, könnte Polen dabei sein, 1 Punkt, maximal 2. Da ändern auch ihre hübschen lange Beine nichts dran.

Wie oben erwähnt habe ich 3 persönliche Favoriten. Morgen muss ich mich entscheiden wenn ich meinen Stimmzettel ausfüllen muss. Wenn ich nochmal so darüber nachdenke, könnte der Showact den Ausschlag geben. Der von Schweden hat mir nicht so gut gefallen. Aber wie schon in den Vorjahren erwähnt: Es geht nicht um Show, es geht nicht um den Interpreten, es geht um Musik.

Nicht ganz einer Meinung

Es ist sehr sehr selten, dass die Meinungen meines Mannes und von mir nicht übereinstimmen. Aber gestern Abend ist es passiert. Was war geschehen?:

Wie ich kürzlich verkündete, hatten wir Karten für die Eröffnung für das STAGE THEATER AN DER ELBE gewonnen mit der anschliessenden ersten Aufführung vor Publikum des Musicals „Das Wunder von Bern“. Wir fanden uns rechtzeitig auf der Überseebrücke im Hamburger Hafen ein, so dass wir einen Platz in der ersten Reihe hatten, mit Blick auf das gegenüberliegende neue Theater, welches noch im Dunkeln lag. Um die Wartezeit zu verkürzen und um die Gäste ein wenig aufzuwärmen, wurden Glühwein und heisse Schokolade gereicht. Nach ein paar kurzen Reden, u.a. auch vom Hamburger Bürgermeister, wurde das Lichtspektakel ausgelöst. Es gab eine kleine Lasershow, verbunden einem Höhenfeuerwerk. Die Elbe wurde in diesem Bereich extra für ein paar Minuten für den Schiffsverkehr gesperrt. Nach der Show ging es mit den schwimmenden Musicalshuttles auf die andere Elbseite und wir konnten das neue Theater in Augenschein nehmen. Jacken und Mäntel konnten an der Garderobe kostenfrei abgegeben werden. An den Bars gab es Getränke umsonst, ebenso wie Brezn.

Wir fanden noch einen freien Stehtisch im Foyer und unterhielten uns nett mit anderen Gästen, die auch die Karten für diese Veranstaltung gewonnen hatten. Von Radio Hamburg tauchte eine Reporterin auf, die uns zu unseren ersten Eindrücken über das Theater befragte. Bisher hatten wir nur das Foyer gesehen. Es dominieren die Farben rot (Teppichboden) und weiss (Wände etc), was dem Foyer einen recht frischen Ausdruck verleiht. Zur Elbe hin gibt es eine grosse Glasfront mit Blick auf den Hafen und Hamburg. Wir waren sehr angetan.

Etwa 20 Minuten vor dem Vorstellungsbeginn wurden die Türen zum Zuschauerraum geöffnet und wir nahmen unsere Plätze ein. Die roten, indirekt beleuchteten Wandelemente, sorgen für ein angenehmes Licht im Saal. Bisher waren Bernd und ich einer Meinung.

Wenige Minuten vor der Aufführung erschien eine Dame vor dem Vorhang und berichtete, dass nach vielen Wochen der Proben heute die erste Vorstellung vor Publikum gezeigt wird und alle, Darsteller wie Technik und alle anderen Personen, die zum Gelingen der Aufführung beitragen sollen, ziemlich nervös sind. Deshalb bitte man um die Unterstützung des Publikums. Dann hob sich der Vorhang. Das erste Bühnenbild war eine Nachkriegsküche im „Pott“, die so auch in jeder anderen Gegend hätte sein können und die in ähnlicher Form früher auch bei uns zu Hause vorzufinden war. Für mich war es ein Zeitsprung zurück in eine andere Zeit.

Die Handlung, die aus 2 Handlungssträngen besteht, will ich nur kurz skizzieren: Nach vielen Jahren in Russischer Kriegsgefangenschaft kommt der Vater zurück zu seiner Familie. Er kommt nicht so recht damit klar, dass sich die Kinder inzwischen weiterentwickelt haben und mehr oder weniger ihr eigenes Leben führen. In abgewandelter Form fällt der Satz: „Solange du deine Füße unter meinen Tisch …. “ Erst nach und nach entwickelt der Vater wieder ein innigeres Verhältnis zu Frau und Kindern. Die Geschichte der Fußballweltmeisterschaft 1954, die ja von Deutschland gewonnen wurde, wird in diese Familiengeschichte eingebettet. Auch hier fallen Worte, die man schon mal gehört hat, wie z.B. „Der Ball ist rund ….“

Die Bühenbilder bewegen sich beim Wechsel nahtlos miteinander, teils aus dem Boden, teils von hinten und aus den Seiten kommend und verschwindend. Special effects gibt es nicht, aber alles ist nett anzuschauen.

Am Ende wird Deutschland dann Weltmeister. Das Endspiel wird sehr spektakulär an der hinteren Bühnenwand dargestellt. Durch eine ausgefeilte Technik werden Teile des Spielfeldes auf die Wand projiziert. Die „Fußballer“ laufen, an Seilen hängend, auf diesem Spielfeld auf und ab und hin und her und schießen die projizierten Bälle. Wie die es schaffen, gerade immer da zu sein, wo ein Ball auftaucht, der ja eigentlich gar nicht vorhanden ist – das ist schon eine beachtliche Leistung und war einen Sonderbeifall wert.

Nicht nur im Fußball gab es ein Happyend, was ja seit 60 Jahren bekannt ist, auch die Familie fand wieder zusammen und alles war wieder gut. Standingovations vom begeisterten Publikum am Schluss.

Soweit so gut. Mir hat’s gefallen und ich würde mir das Musical noch einmal ansehen, wenn es sich denn mal ergibt. Ich würde also nicht unbedingt in absehbarer Zeit Karten kaufen wollen. Und mein Mann? Der fand das gar nicht gut. Die Geschichte der Vater-Sohn-Beziehung gefiel ihm z.B. nicht, die Musikstücke auch nicht. Bernd würde sich das Stück nicht mehr anschauen. Er sagte, er kann sich in das Stück nicht reinfinden. Tja, ungewöhnlich, dass wir nicht einer Meinung sind.

Die Welturaufführung findet am 23. November statt. Gestern war es nicht mehr als eine öffentliche Probe, von der Eröffnung des Theaters mal abgesehen. Vielleicht werden in den verbleibenden zwei Wochen noch ein paar Änderungen vorgenommen.

ESC 2014 – 2. Semi in Kopenhagen

Nun stehen sie also fest, die Teilnehmer für das grosse Finale des ESC morgen Abend in Kopenhagen. Zum 2. Halbfinale gestern Abend veranstalteten die Dänen eine tolle Show. Allein das Entree war schon phantastisch und zauberte mir eine Gänsehaut auf den Rücken. Die beiden anderen Tanzeinalagen waren ebenfalls sehenswert: Eine Tanzgruppe aus Australien, wo die grösste Musikveranstaltung der Welt ebenfalls verfolgt wird, sowie eine zusammengewürfelte Schar Dänen jeden Alters, von Kindern im Grundschulalter bis zur über achtzigjährigen Omi. In der Halle herrschte Finalstimmung. Sind die Dänen in der Lage, für morgen Abend noch ein Brikett draufzulegen? Man mag es kaum glauben.

Und wer ist weiter und wer nicht? Alle Teilnehmer hier persönlich zu werten würde zu weit führen. Aber einige möchte ich doch erwähnen.

Für das Finale haben sich qualifizert:
Österreich mit Conchita Wurst, der „Frau“ mit Bart. Ganz grosses Kino, was uns da geboten wurde. Schön, dass Österreich es ins Finale geschafft hat.
Polen – mein Gott, mit einer Trachtengruppe, die aus irgenwelchen Hupfdolen besteht, die im Vordergrund eine Polin mit grossen Hupen und offener Bluse platziert haben, die lasziv ihre Schlübber wäscht. Klischee pur für polnische Frauen. Sex sells!
Schweiz – das hätte nicht sein müssen.
Malta – sehr nett anzuhören und anzusehen.
Griechenland – ein Gutelaunesong.
Belarus – ein Zwilling von Tim Mälzer hat es geschafft, morgen Abend im Finale aufzutreten. Ganz nett anzusehen und anzuhören.
Norwegen – eine grosse Balade, aber eher langweilig. Wer’s mag…
Finnland – die Schulbubis waren ganz ok aber das war nichts besonderes.
Rumänien – die Beiden hatten schon mal einen Auftritt im ESC-Finale. Na ja, kann man hören.
Slovenien – die Dame mit der langen Flöte. Ist das Penisneid? Jedenfalls voll langweilig und gut für die Pinkelpause.

Draussen ist leider Irland, trotz meines mehrmaligen Votings. Schade, nicht nur deswegen, weil ich dem rothaarigen Stepper doch gern mal unter den Rock geschaut hätte. Am liebsten würde ich Irland gegen Slovenien eintauschen. Aber so ist das nun mal, wir sind ja tolerant.

Morgen Abend werde ich dann mal sehen, wer mein Favorit wird. Ich entscheide da ganz spontan.
Wie auch in den vergangenen Jahren, werden wir das Finale zusammen mit ca. 12 sehr netten Menschen sehen. Es wird wieder lustig werden.

ESC 2014 – 1. Semi in Kopenhagen

Gestern Abend wurden die ersten zu wählenden 10 Teilnehmer für das Finale des ESC am 10. Mai in Wonderful Copenhagen gekürt. Die Veranstaltung findet in einer alten, hergerichteten Schiffbauhalle statt. Die Bühnentechnik hat uns sehr gut gefallen. Es ist ja auch nicht immer einfach, jedes Jahr etwas neues tolles zu kreiren. Die Moderatoren machten auf mich einen aufgesetzt lustigen Eindruck. Einzig die Dame im Trio wirkte etwas lockerer.

Nun meine Meinung zu den zur Abstimmung gestellten Titeln, die es ins Finale am Samstag geschafft haben:

Armenien wird ja zurzeit bei den Wetten als die Nummer Eins gesehen. Der Gesang selbst wirkte etwas flach aber die Musik ist bombastisch. Das wird vermutlich das Abstimmungsergebnis positiv beeinflussen.
Aserbaidschan – eine Schlaftablette, mehr ist dazu nicht zu sagen.
Ungarn stand nicht auf meiner Favoritenliste. Ich vermute, dass das Thema Kindesmisshandlung ein paar Punkte gebracht hat.
Holland ist in diesem Jahr mit einem ruhigen Duett dabei, sehr schön.
San Marino hat den Altmeister des Grand Prix, Ralph Siegel, bemüht. Und er hat sich bemüht, ein Titel der mir gut gefällt, was sehr erstaunlich ist. Ralph Siegel hat die Sängerin übrigens höchstselbstpersönlich am Flügel auf der Bühne begleitet.
Die Ukraine und Russland werden im Finale sozusagen gegeneinander antreten. Beide sind mit eingängigen Melodien dabei. Die Buhrufe bei der Nominierung Russlands waren fehl am Platz. Aber wo lässt sich die Politik heute noch draussen lassen?!
Island ist mit ein paar bunten und schrägen Vögeln dabei und fällt mit seinem Song aus dem Rahmen. Mein Geschmack ist das nicht.
Schweden hat es auch geschafft, ins Finale zu kommen, in diesem Jahr mit einer Ballade. Ja, ist ok für mich.
Montenegro – ok, es gibt schlechteres, aber das ist nicht mein Ding. Meinetwegen hätte es draussenbleiben können.

Morgenabend werden die nächsten 10 Teilnehmer für das Finale am Samstag gesucht. Wir sind gespannt, was uns morgen präsentiert wird.

Mit der Wildcard nach Kopenhagen

Gestern Abend wurde in Köln unser Lied für Kopenhagen für den ESC im Mai gekürt. Die Überraschungssieger sind Elaiza, eine Band mit 3 jungen Frauen, die die Teilnahme an der gestrigen Ausscheidung per Wildcard sozusagen gewonnen haben. Elaiza – für uns bisher völlig unbekannt, verzückten auch uns mit den beiden Titeln, die sie für Kopenhagen zur Abstimmung stellten. Gewonnen hat ihr Song „Is It Right?“. Ja, wir finden, it is right! Weil nämlich dieser Titel aus dem Einheitsbrei ein wenig hervorsticht. Ob er Chancen auf einen guten Platz in Kopenhagen hat? Man wird sehen. Der ESC war schon immer für Überraschungen gut.

Völlig daneben war der Beitrag von Das Gezeichnete Ich. Ein Typ, der ständig mit gekrauster Stirn spricht und singt, sieht total überanstrengt aus. Das wirkt nicht locker und kommt gar nicht gut. Er hat dann, wie wir erwartet haben, das gestrige Halbfinale auch nicht erreicht. Oceana – na ja, sie trifft wenigstens die Töne. Aber nee, was sie gebracht hat, war nicht herausragend. Der Beitrag der Band The Baseballs wirkte irgendwie zurechtgeschnippelt. Unrund war der Ausdruck, den Bernd und ich dazu prägten, obwohl ich die Art von Musik grundsätzlich mag. Statt Unheilig hätten wir lieber MarieMarie im Finale gegen Elaiza gesehen. Aber an den Reaktionen im Saal, die ja immer wieder eine Art Stimmungsbarometer für die Abstimmung sind, war schon abzusehen, dass es am Ende Elaiza machen würde.

Ich hatte mich auf einen vergnüglichen Abend mit Barbara Schöneberger gefreut, die durch das Programm führte. Aber sie lief gestern nicht zu ihrer gewohnt lockeren Form auf. Schade.

La Traviata

Zum Ende des Verdi-Jahres gab es zur Eröffnung der Spielzeit des Teatro alla Scala in Mailand gestern Abend die Premiere der Oper La Traviata von Guiseppe Verdi. Die Oper wurde zeitversetzt auf Arte gesendet. Es war seit langem das erste Mal, dass wir eine Fernsehsundung angeschaut haben, d.h. entschieden dazu haben wir uns erst, als wir die ersten Szenen gesehen haben. Man weiss heutzutage ja nie, was die Regisseure so auf die Bühne bringen. Und ich habe keine Lust, mir La Taviata im Autoscooter auf einem Rummelplatz anzuschauen, wie es derzeit die Hamburgische Staatsoper macht, mag die Musik auch noch so schön sein. In Mailand war es eine Mischung von modern und konservativ und war für mich so akzeptabel.

In der Rolle der Violetta (Hauprolle) brillierte die Deutsche Dina Damrau. Ihr Szenenapplaus wurde teilweise mit Bravorufen untermauert. Sie bekam am Ende auch den grössten Beifall. Ihr Liebhaber Alfredo Germont, den sie auf Druck seines Vaters Giorgio Germont wegen der Familienehre verlassen muss, wurde vom Polen Piotr Beczala gesungen. Für mich unverständlich, warum er beim Schlussapplaus teils Buhrufe aus dem Publikum bekam. Aber die Italiener sind wohl eh emotionaler und untermauern ihre Meinung eben mit Buh oder Bravo. Dazu ist zu sagen, dass gerade die Premiere zum Saisonauftakt der Spielzeit beim Publikum besondere Beachtung findet.

Apropo Publikum: Bei der Totale des Parketts war ich im ersten Moment der Meinung, es würden nur Herren in schwarzen Anzügen anwesend sein. Aber dem war nicht so, die Damen erschienen wohl sämtlich in schwarzen Kleidern. Etwas Buntes war überhaupt nicht zu entdecken, auch nicht in den Rängen bzw. Logen. Zur Premiere erscheint man in schwarz, das ist da wohl so.

Der Lüster fiel!


Eigentlich schreibe ich ja immer ziemlich zeitnah über Dinge, die ich interessant finde bzw. die ich erlebt habe. Eine traurige Nachricht hatte mich aber wirklich aus der Bahn geworfen. Ich war nicht in der Lage, mich mit dem Thema Phantom der Oper eingehend zu beschäftigen. Jetzt, nach ein paar Tagen, habe ich etwas Abstand gewonnen obwohl mich das Thema Peter immer noch ziemlich beschäftigt.

Wie erwähnt, hatte ich Karten für die erste öffentliche Vorstellung bzw. Probe des Musicals Phantom der Oper gewonnen. Mit gespannter Vorfreude auf die Vorstellung nahmen wir unsere Plätze in der Mitte der 2. Reihe in. Direkt vor uns auf der Bühne lag der legendäre Lüster, eingehüllt in eine Plane. Nachdem die Spieluhr mit dem Äffchen in Persischer Tracht, welches die Zimbeln schlägt, vom Vicomte de Chagny ersteigert wurde, wurde vom Versteigerer der berühmte Lüster angepriesen. Die Plane wurde weggezogen, wie gleichzeitig auch der verhüllte Bühnenrahmen der Pariser Oper, und der Lüste entschwebte blinkend und funkelnd über unsere Köpfe hinweg in die Höhe des Zuschauerraumes des Theater Neue Flora. Die eigentliche Handlung des Musicals begann.

Das Bühnenbild war so, wie wir es aus der ersten Inszenierung in Hamburg kennen: Ziemlich opulent, so wie auch die Kostüme. Vermutlich Aus Kostengründen (die Aufführungsreihe soll es nur 10 Monate geben) hat man aber auf ein paar kleine Effekte, die durch Bühnentechnik untersützt werden müssen, verzichtet. Ich erwähnte bereits die Leuchter. Die riesigen Leuchter z.B. kommen also nicht durch den Bühenboden hoch sondern werden von der Seite hereingschoben. Aber im grossen und ganzen ist die Inszenierung stimmig. Mein absolutes Highligt ist die Szene „Maksenball“. Alle Darsteller, die das Theater aufzubieten hat, stehen buntkostümiert auf der Treppe und singen das dazugehörige Lied. Wie bei einigen anderen Bildern auch gab es hier Szenenapplaus aus dem Publikum. Das Bild ist auch wirklich beeindruckend.

Eine Inszenierung lebt aber natürlich nicht nur vom Bühnenbild sondern auch von den Darstellern. Wo soll ich da anfangen?:

Madame Giry, die Ballettmeisterin:
Madame Giry ist das geheimnisvolle Verbindungsglied zwischen dem Phantom und den Inhabern sowie den Darstellern der Oper. Michaela Christl macht in dieser Rolle eine gute Figur und verleiht ihr gleichzeitig die Strenge, die nötig ist, eine Balletcompagnie zu führen.

Carlotta Guidicelli, die Prima Donna an der Pariser Oper:
Rache Anne Moore füllt die Rolle mir ihrer prachtvollen Stimme und der divenhaften zickigkeit vorzüglich aus.

Raoul Vicmte de Chagny, ein Jugendfreund von Christine und Mäzen der Oper:
Nicky Wuchinger spielt diese Rolle, nicht auffallend heraussragend, aber auch nicht unbedingt nichtssagend. Er macht einen guten Job.

Christine Daaé, junge Sängerin an der Pariser Oper:
Wir kennen sie als Glinda in dem Musical Wicked – die Hexen von Oz.
Ihr Spiel hat sich weiterentwickelt und sie füllt diese Rolle emotonial sehr gut aus. Ihre Stimme ist klar und rein, an manchen Stellen wünschte ich mir etwas mehr Luft damit sie die Töne länger halten kann.

Phantom der Oper, die Titelrolle:
Matthias Edenborn kennen wir ebenfals von Wicked, in der Rolle des Fiyero.
Ich kann nicht behaupten, dass er in der Rolle des Phantom glänzt. Sein Spiel ist, besonders im Finale, sehr beeindruckend und ging schon unter die Haut. Aber die Stimme, nein, die ist nicht kräftig genug um alle Nuancen des Phantom ausspielen zu können. Schade, besonders weil er doch spielerisch toll drauf ist. Aber Spiel ist nicht alles.

Bei der ersten Vorstellungsreihe vor vielen Jahren in Hamburg gab es das Gerücht, dass der Leuchter am Ende des 1. Aktes mehrmals nicht wie geplant auf die Bühne knallte sondern irgendwo hängenblieb. In den Genuss dieser Panne kamen wir nicht. Aber in der 2. Reihe hat man nicht viel davon, wie das Teil runterrauscht. Ein Luftzug – und wenige Sekunden später ist der Lüster angekommen. Ein „Bremser“, der hinter dem Vorhang stand, sorgte dafür, dass der Leuchter an der richtigen Stelle abgelegt wurde. Ob der Bremser nun zukünftig bei jeder Vorstellung sichtbar sein wird, bezweifel ich. Wie schon erwähnt handelte es sich bei unserer Vorstellung um eine Probe.

In einer anderen Szene erschien ein Techniker auf der Bühne um eine Falltür, durch die das Phantom in einer Rauchwolke verschwunden war, zu überprüfen. Vermutlich gab es bei den vorangegangen Proben Probleme mit dieser Luke. Es soll ja kein Darsteller unbeabsichtigt in den Keller fallen.

Es gab noch ein paar kleine Pannen, die aber eher zufällig zu entdecken waren und wohl auch nur aus den ersten Reihen, die aber der Aufführung insgesamt nicht schadeten.

Insgesamt war es eine runde Probenaufführung, die Lust auf mehr macht. Standing Ovations am Ende – tja, vermutlich aufgrund des Gesamteindrucks und nicht wegen der Leistung Einzelner. Denn eins ist klar: Das Musical beeindruckt durch ein opulentes Bühnenbild, opulente Kostüme und Musik, die unter die Haut geht.

Für Interessenten, sich eine Vorstellung anzuschauen: In den ersten Reihen kann man zwar das Minenspiel der Darsteller sehr gut beobachten, jedoch für den Gesamteindruck ist es angeraten, etwas weiter zurück zu sitzen. Die Reihen 8 – 10 würde ich als optimal einschätzen.

Schwanensee in Dresden

notenWir sind Freaks, denn wir fliegen schon mal zum Musical nach Stuttgart, wo wir uns dann sogar 2 Musicals an einem Tag anschauen. Oder wir fahren nach Dresden, um uns dort in der Semperoper das Ballett Schwanensee anzusehen.

Die Idee wurde geboren, nachdem wir in Hamburgischen Staatsoper vor etwa 2 Jahren „Illusionen wie Schwanensee“ gesehen hatten. Das von John Neumeier inszenierte Ballett basiert auf dem Original, getanzt wird zur selben Musik von Pjotr Iljitsch Tschaikowski, aber die Handlung des Ballets wurde eingebettet in eine neue Handlung. Seinerzeit reifte in uns der Gedanke, Schwanensee im Original zu sehen. Und diese Möglichkeit eröffnete uns der Spielplan 2012/2013 der Semperoper in Dresden. Und da es in Dresden nette Menschen gibt, fragten wir sie, ob sie für uns eine Übernachtungsmöglichkeit haben und ob sie mit uns den Ballettabend geniessen wollten. Die Antwort fiel positiv aus. Da frühes Kommen gute Plätze sichert, wurden die vier Karten bereits im Juni vergangenen Jahres gebucht und so hatten wir das Glück, mittig in der 1. Reihe sitzen zu können.

Nach der langen ESC-Nacht hiess es für uns, Sonntagmorgen früh aufzustehen und nach Hamburg zu fahren, von wo uns die Bahn in 4-1/2 Stunden und ohne Verspätung nach Dresden brachte. Am Bahnhof wurden wir von Lutz und Tommy abgeholt. Um noch ein wenig den Tag geniessen zu können, fuhren wir direkt nach Kleinzschachwitz, wo wir bei herrlichem Sommerwetter – und mit Blick auf unser nächstes Ziel – auf der Terrasse des Fährhauses lecker speisten.

Nachdem wir gestärkt waren, überquerten wir die Elbe mit der Schlossfähre, um uns auf der anderen Elbseite das Schloss Pillnitz anzuschauen und im Schlossgarten zu lustwandeln. Aus Zeitgründen verzichteten wir auf eine Innenbesichtigung des Schlosses, schauten dieses nur von aussen an und lustwandelten bei strahlendblauem Himmel durch den Schlossgarten. An der Freitreppe zur Elbe liess ich es mir nicht nehmen, meine Hand in das Wasser zu tauchen – wie ich es an allen Gewässern mach, denen ich mich ganz bis ans Wasser nähern kann.

Auf der Heimfahrt zu unseren Gastgebern gab es noch einen kleinen Zwischenstop im Café Genuss bei eine Tasse Kaffee und hausgemachter Torte.

Nachdem wir uns alle fein gemacht hatten, ging es in die Altstadt zur Semperoper. Voller Vorfreude nahmen wir unsere Plätze in der ersten Reihe ein. Und wir wurden nicht enttäuscht. Ein tolles Bühnenbild, wunderbare Kostüme und eine phantastische Choreographie wurde uns präsentiert – einfach traumhaft! Für so eine Leistung lohnt es sich, nach Dresden zu reisen. Standing ovations beim Schlussbeifall – das sagt doch alles. Besonders beeindruckt waren wir von dem kleinen Spanier Jón Vallejo. Er verkörpte kraftvoll die Rolle des Benno von Sommerstein. Ich behaupte nach wie vor, dass das Ballett in Dresden besser ist, als das in Hamburg unter der Leitung des ach so hochgelobten John Neumeier.

Nach dem Frühstück am nächsten Morgen traten wir ganz entspannt die Heimreise nach Hamburg an. In Dresden und Berlin waren die Bahnsteige voll von Menschen, die ebenfalls ihren Pfingstausflug beenden wollten. Es zeigte sich einmal mehr, dass es sich in der 1. Klasse, deren Fahrpreis nur unwesentlich teurer ist, wesentlich angenehmer reisen lässt als in der 2. Klasse.

An unsere Gastgeber:
Herzlichen Dank für eure Gastfreundschaft. Und nochmal zum nachlesen: Eure Wohnung ist der Hammer!

Vom ESC, Strumpfhosen und Hasenpfoten

Heute Abend findet in in der Südschwedischen Stadt Malmö das Finale des diesjähren ESC statt. Wir werden den Abend zusammen mit netten Menschen verbringen und hoffen, dass wir viel Spass haben und ordentlich ablästern werden.

Für uns wird das dann aber eine kurze Nacht. Kurz nachdem das Ergebnis feststeht werden wir uns auf den Heimweg machen denn wir müssen morgen früh aufstehen. Gegen 08:30 Uhr geht unser Zug von Hamburg nach Dresden, wo wir uns morgen Abend Männer in Strumpfhosen und Hasenpfoten im Schritt anschauen werden.

Mein Fazit des heutigen Abends und des Ausflugs nach Dresden wird nicht vor Montagnachmittag hier zu finden sein.