Archiv der Kategorie: Kultur

Musicals, mein Mann und ich

Vor mehr als 20 Jahren lernte ich meinen lieben Mann kennen. Ausser der Liebe verbindet uns natürlich noch einiges mehr, besonders aber die Musik – wenn auch die Stilrichtungen ein wenig auseinandergehen. Was wir aber gemein haben, bzw. was ich durch Bernd eigentlich erst so richtig kennengelernt habe, sind Musicals. In diesen 20 Jahren habe ich mit Bernd viele Vorstellungen diverser Musicals gesehen, in London, Berlin, Stuttgart, Oberhausen, Magdeburg, Tecklenburg und natürlich in Deutschlands Musicalhauptstadt Hamburg. Einige dieser Vorstellungen waren etwas Besonderes. Und so fing alles an: Weiterlesen

Das Geburtstagsgeschenk


Während unsere Gäste am Samstagmorgen noch schliefen, hatte ich schon Frühstücksbrötchen geholt. Auf der Terrasse lag der Zitrusbaum auf der Seite, den ich von ein paar Tagen in einem Anfall von Frühlingswahn schon hinausgestellt hatte. Aufgrund der Wettervorhersage hatte ich ihn dick eingepackt. Deshalb bot er dem eisgen Wind eine große Angriffsfläche. Wir ließen das Bäumchen erstmal so liegen. Da der Wind immer noch sehr stark war, bestand die Gefahr, dass er sich nochmal auf die Seite legen würde.

Mittags machen wir uns zu viert wieder auf die Reise mit Bus und Bahn in die große Nachbarstadt. Wir waren dick eingepackt wegen des eisigen Windes. Ich kann mich nicht daran erinnern, sowas Mitte März schon mal erlebt zu haben. Weiterlesen

Hamburg ist Kinky


Nach dem schnellen Abendessen am Freitag im Maredo gingen wir die paar Schritte hinüber zum Operettenhaus am Spielbudenplatz. Ein eisiger Ostwind fegte durch die Reeperbahn, es war saukalt. Wir wollten eigentlich bereits um 18:30 Uhr unseren ersten Drink im separierten Barbereich für „open Bar“ zu uns nehmen. Durch die vorherige Verzögerung wurde das ein paar Minuten später, aber immer noch rechtzeitig für 2 – 3 Getränke vor der Vorstellung von „Kinky Boots“. Um in den Genuss dieses Musicals zukommen, hatten wir Frank und Thomas nicht lange überreden müssen.

Nur wenige Minuten vor dem Beginn der Vorstellung nahmen wir unsere Plätze in der Mitte von Reihe 2 ein. Natürlich saßen die anderen Leute dieser Reihe schon auf ihren Plätzen und alle mussten für uns aufstehen (Danke! Vielen Dank! Dankeschön! Man weiß ja, was sich gehört).

Ein alter Bekannter stand an diesem Abend am Pult, Sebastian de Domenico. Als wir uns zaghaft bemerkbar machten (die 1. Reihe ist dort, wo der Dirigent seinen Platz hat, unterbrochen und die 2. Reihe, in der wir unsere Plätze hatten, ist dann direkt dahinter), gab es erstmal eine kurze aber herzliche Begrüßung.

Über das Musical hatte ich ja schon mal ausführlich berichtet. Und genau so verlief diese tolle Show. Es gab ein paar Umbesetzungen gegenüber der Aufführung im Dezember. Die Darsteller müssen ja auch mal Urlaub machen. Aber der Leistung des Ensembles tat das keinen Abruch. Es war total genial. Wir können wirklich nur jedem empfehlen, sich das Stück anzuschauen. Wer meint, dass es sich um ein „Transenstück“ handelt, wird eines besseren belehrt werden. Es gibt Szenen, in denen es total still ist im Publikum, man könnte die berühmte Stecknadel fallen hören. Und dann brandet wieder Szenenapplaus auf (davon gibt es reichlich) weil die Leistung der Künstler und Künstlerinnen, zusammen mit der Musik von Cyndi Lauper, das Publikum mitreißt.

Gino Emnes agierte wieder berührend und frech als Lola. Als Charlie Price spielte sang und tanzte an diesem Abend Marlon Wehmeier. Ebenso begeisterte mit überschäumender Spielfreude Jana Stelley als Lauren, eine Arbeiterin in der Schuhfabrik. Auch unsere Freunde hielt es beim Schlussbild nicht mehr auf den Plätzen und sprangen mit uns auf, um das Ensemble mit Klatschen bei Tanz und Gesang zu begleiten. Sie sind ebenso begeistert von Kinky Boots wie wir es sind. Am Ende der Vorstellung wurde das Publikum aufgefordert, Fotos zu machen um diese in den sozialen Medien zu veröffentlichen. Man braucht Werbung. Mundpropaganda reicht scheinbar nicht aus, um Kinky Boots über den Spätsommer in Hamburg halten zu können. Ich hatte diesen Hinweis gar nicht gehört weil ich von der bunten Vielfalt auf der Bühne und der Musik noch so eingenommen war. Deshalb habe ich nur eine leere Bühne aufgenommen.

Ratet mal, was wir am nächsten Samstag machen?

Die „open Bar“ versorgte uns in der Pause wieder mit Getränken (deshalb waren wir ohne Wagen unterwegs). Und dann ging es mit U-, S-Bahn und Bus in die kleine Stadt an der Elbe. Dort fegte immer der eisige Sturm durch die Straßen und wir waren froh, als wir unser wärmendes Zuhause. Es gab noch einen Absacker und dann fielen wir alle müde ins Bett – nicht in das selbe, wir sind schließlich anständig.

Ein deutsches Requiem


Ein Requiem ist üblicherweise eine Art Totenmesse. Johannes Brahms, aus dessen Feder „Ein deutsches Requiem“ stammt, sieht sein gewaltiges Werk für Chor und Orchester als ein Musikwerk, welches den Lebenden Trost spenden soll. „deutsch“, wohlgemerkt mit dem kleinen „d“, ist Teil des Namens des Werkes deshalb, weil die Texte ausnahmslos auf deutsch gesungen werden. Brahms wollte damit seine Komposition gegenüber den Werken mit lateinischem Text klar herausstellen. Weiterlesen

Mary Poppins – die Premiere


Nun haben mein Mann und ich wohl alles mal erlebt, was im Musicalbereich möglich ist. Eine Premiere fehlte uns noch, und die haben wir gestern Abend sehr genossen.

Mit der ersten Shuttlefähre fuhren wir von den Landungsbrücken über den großen Strom zum Theater an der Elbe. In kaltem Wind und leichtem Schneetreiben mussten wir noch eine Weile ausharren, bis wir eingelassen wurden. Nachdem wir unsere Jacken an der Garderobe abgegeben hatten, am heutigen Abend kostenfrei, wurde uns schon gleich ein Willkommensgetränk aufgedrängt. Weiterlesen

Unser Glied für Lissabon

Vorweg: Die Titelzeile ist ein Zitat. Linda Zervakis (ich kannte die Dame bislang gar nicht), die zusammen mit Elton gestern Abend die Songfindung für den Deutschen ESC moderierte, rutschte dieser Spruch angesichts der Bühne heraus, auf der diese Show stattfand. Letztendlich sollte sie recht behalten mit ihrem Spruch: In diesem Jahr wird Deutschland von einem Mann auf dem ESC in Lissabon vertreten. Weiterlesen

Die Titanic kehrt zurück

Mein absolutes Lieblingsmusical kommt zurück nach Hamburg, „Titanic“! Im August wird dieses Musical für 2 Wochen in der Hamburgischen Staatsoper aufgeführt. Es ist die Londoner Neuinszenierung, die nach einer Aufführungsserie im Charing Cross Theatre erst durch mehrere Städte in England auf Tour geht und danach nach Hamburg kommt. Klar, dass ich mir das nicht entgehen lassen kann.

Es ist dies die vierte Inszenierung dieser tragischen Geschichte, die wir uns anschauen. Die Deutsche Erstaufführung im Theater Neue Flora in Hamburg haben wir von der Premiere, wenn auch nur die Premieenfeier, bis zur Derniere begleitet. Mehr als 10 Mal haben wir das Musical auf der Bühne gesehen.

Es folgte eine konzertante Benefizaufführung im Theater Neue Flora und eine Aufführung auf dem Domplatz in Magdeburg.

Nach 9 Jahren werden wir das Drama und seine gigantische Musik wieder auf der Bühne erleben, mit gewaltigen Chorszenen und liebevollen Duetten. Unser Kulturjahr 2018 geht also weiter. Die Tickets sind bestellt.

Glück gehabt

Unser 3. Konzert in der Elbphilharmomonie ist gesichert. Wir sind bei der Verlosung berücksichtigt worden, was nicht heißt, dass die Karten umsonst sind. Verlosung bedeutet in diesem Fall, dass man sich für ein Konzert anmelden muss und wenn man Glück hat, so wie wir, wird man bei der Kartenbestellung berücksichtigt. Wenn es zu viele Interessenten an einem Konzert gibt als Plätze vorhanden sind, ist das ein gutes Verfahren.

Unser erstes Konzert in diesem Jahr war ja in Teilen etwas schräg. Das nächstes Konzert, für welches wir Karten haben, findet im März statt. Es wird das „Deutsche Requiem“ von Brahms aufgeführt. Und jetzt haben wir Karten für ein Konzert Mitte Mai im Rahmen des Internationalen Musifestes Hamburg. Dann gibt es „Die Planeten“ von Gustav Holst und die „Suite aus der Filmmusik zu »Star Wars«“.

Man sieht, dass wir auch der gehobenen Kultur fröhnen und nicht nur in den Niederungen der leichten Muse, nämlich in Musicals, zu Hause sind.

Tanz der Vampire


Noch bis Ende Januar nächsten Jahres beherbergt das Stage Theater an der Elbe die Vampire. Zuletzt haben wir das Musical 2012 in Berlin gesehen. Es wurde mal wieder Zeit, uns nicht beißen, aber verzaubern zu lassen. Gestern Abend besuchten wir mit 4 Freunden den Mitternachtsball. Es ist immer ein kleines Risiko, Menschen mit der eigenen Begeisterung anzustecken und quasi mitzuschnacken. Die Karten sind ja auch nicht gerade preiswert. Da wäre es ärgerlich, wenn jemand sagen würde: Alles Mist. Aber das war nicht der Fall, es hat gefallen.

„Von der anderen Seite“ hatten wir vor der Vorstellung einen tollen Blick auf die Hamburger Skyline mit den gegenüberliegenden Landungsbrücken, auf den letzten „Weißen Schwan des Südatlantik“, die „Cap San Diego“, und natürlich auf die Elbphilharmonie, in deren gläsernen Fassade sich die Abenddämmerung spiegelte.

Natürlich hatten wir das Angebot „open Bar“ gebucht: Ab ca. 1 Stunde vor der Vorstellung und in der Pause kann man in einem separaten Bereich gemütlich beisammen sitzen, das eine oder andere Glas Wein, Sekt oder Bier trinken – natürlich auch alkoholfreie Getränke, Service am Platz inkludiert.

Die wuchtigen Klänge der Ouvertüre ließen bei mir eine erste Gänsehaut über den Rücken kribbeln. Gespannt war ich auf den ersten Auftritt von Jan Ammann in der Rolle des Grafen. Jan Ammann hatten wir ja gerade vor wenigen Wochen in Tecklenburg als Maxim de Winter gesehen und waren begeistert. Jan wusste als Graf seine Stimme von einer verführerischen charmanten Nuance bis zur blutrünstigen Bösartigkeit einzusetzen. Am Ende des ersten Aktes saß ich da mit großen Augen und einem „WOW“ auf den Lippen. Der Mann hat Klasse.

Unter den großformatigen Bildern, die in die Richtung homoerotischer Kunst gehen, resümierten wir über den ersten Teil des Musicals. Claudia meinte in Anspielung einer Szene, dass sie Jan Amman auch nicht vom Rand der Badewanne stoßen würde. Ich übrigens auch nicht!

Christian Funk, als Herbert, schwuler Sohn des Grafen von Krolock, hätte dieser Partie noch etwas mehr von einer Tunte verleihen können. Das haben wir schön besser gesehen. Mareen Mac Gillavry stand als Sarah auf der Bühne, eine schöne Stimme, aber manchmal etwas schrill. Für Victor Petersen als Professor Abronsius waren die sehr schnellen Passagen des Sprechgesangs etwas schwierig. Tom van der Ven gab in der Rolle des Alfred eine antändige Leistung.

Alles in allem war es eine tolle Aufführung, die hauptsächlich von Jan Ammann, von der wuchtigen Musik und vom genialen Bühnenbild getragen wurde. Wir hatten kurz daran gedacht, uns die Derniere am 28. Januar anzuschauen. Karten gibt es noch, aber nee, wir haben dann doch davon Abstand genommen. Jan Ammann wird dann nicht die Sarah beißen. Und wer sonst noch auf der Bühne agieren wird, weiß man auch nicht nicht. Es ist wohl besser, den Tanz der Vampire in guter Erinnerung zu behalten. Und wer weiß schon, ob das Musical in paar Jahren nicht doch wieder an der Elbe zu sehen sein wird und wir dann die Chance nutzen, den Vampiren beim Tanz zuzuschauen.