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Überreicht – nicht gefangen

Das Brautstraussorakel kennt wohl ziemlich jeder: Auf der Hochzeitsfeier stellen sich die ledigen Frauen in einer Gruppe auf und die Braut wirft rückwärts, also ohne dass sie sehen kann, wohin der Strauss fliegt, den Brautstrauss. Das Orakel sagt, dass die Frau, die den Strauss fängt, als nächste heiraten wird. Üblicherweise wird dem Orakel meist nachgeholfen. In vielen Fällen ist ja unter den Damen eine anwesend, bei der die Hochzeit schon in der Planungsphase ist. Alle werden entsprechen geimpft, dass gerade diese Person den Strauss zu fangen hat.

Die Braut, auf deren Hochzeit wir gestern eingeladen waren, hasst diesen Brauch. Sie erzählte uns, dass sie sich immer in die letzte Reihe gestellt hat um nur nicht in die Verlegenheit kommen zu müssen, den Brautstrauss zu fangen.

Als es in der letzten Nacht so weit war, den Brautstrauss loswerden zu müssen (es handelte sich um den Strauss, den die Braut zur standesamtlichen Trauung am Tag vorher mitsichführte), nahm Nina das Mikro und erzählte von ihren diesbezüglichen Erfahrungen. Deshalb würde sie den Straus nun überreichen an die Person, die wirklich demnächst heiratet und bat mich zu sich. Und so kam es, dass ich mich als Braut opferte und den Strauss aus den Händen einer langjährigen Freundin unter dem Beifall der anwesenden Gäste in Empfang nahm.

Nina wurde von mir natürlich herzlich geknutscht währenddessen sie mir noch mal erzählte, dass es ihr leid täte, an unserer Feier wegen ihrer Hochzeitsreise nicht teilnehmen zu können. Wir wussten das natürlich schon aber in diesem kleinen intimen Moment wurde es mir nochmal bewusst, dass das wirklich sehr sehr schade ist. Nina und ihre Eltern sind unsere allerältesten Freunde und gehören quasi zur Familie. Ninas Eltern haben bereits auf meiner ersten Hochzeit getanzt – und das war vor mehr als 40 Jahren.

Gebt ihnen nichts!

In den Hamburger Einkaufsstrassen lungern sie herum: Zahnlos, auf Krücken gestützt, schmutzige Kleidung, oftmals ein Kleinkind im Arm – und halten den Passanten einen Kaffeebecher hin, bettelnd um ein paar Cent, lieber wohl Euro. Rumänen oder Bulgaren, ich nenne sie Zigeuner, auch wenn ich damit mal wieder gegen die political correctness verstosse.

Heute Mittag beobachtete ich, wie eine kleine Gruppe dieser Menschen es sich im Aussenbereich eines Restaurants gemütlich gemacht hatte, natürlich nicht, um dort zu essen. Sie palaverten. Der Zigeunerkönig, mit dicker Wampe, sass, nein lag eher, feist und bremsig auf einem der Sessel. Vermutlich ernährt er sich trefflich von dem, was seine Untertanen zusammenbetteln währen diese lieber nicht so viel zu essen bekommen. Mager erzeugt halt Mitleid und Mitleid öffnet die Geldbörse.

Während ich das Grüppchen im Vorbeigehen beobachtete sah ich, dass eine der Bettlerinnen auf einem Handy rumtippte!!! Noch Fragen?

Ich gebe denen eh nichts. Aber es muss sich wohl immer noch lohnen, mit zerlumpter Kleidung, auf Krücken und ohne Zähne einen Kaffeebecher in die Gegend zu halten und auf Almosen hoffen.

Männer im Tutu

Männer im Tutu, klingt schwul. Möglicherweise sind sie das auch alle, die Männer vom Les Ballets Trockadero de Monte Carlo. So genau weiss man das nicht. Aber es ist anzunehmen.

Gestern Abend haben wir ihre tolle Show in der Hamburgischen Staatsoper gesehen. Grossartiges Können, gepaart mit einer guten Mischung Komik, liessen das Pubilikum oft zu Szenenapplaus und lautem Lachen hinreissen. Und uns rollten die Tränen – vor Lachen! Klassischer Spitzentanz, dargeboten von Männern, liessen uns so manches Mal vergessen, dass da wirklich Männer auf der Bühne sind. Einzig und allein die eine oder andere Brustbehaarung, die oben aus dem Trikot lugte, erinnerte daran, dass es keine weiblichen Primaballerinas sind, aus dem Les Ballets Trockadero de Monte Carlo besteht.

Es war ein sehr unterhaltsamer Abend mit berechtigten Standing Ovations am Ende und vielen vielen Vorhängen. Bravo!

Die kühle „Fassade“ des rückwärtigen Zuschauerraums mit den Rängen und Logen der Hamburgischen Staatsoper passt überhaupt nicht zum sprühenden Geschehen auf der Bühne. Zum Glück hat man hinten keine Augen.

Der Kaffeescanner

Wir sind ja keine Vieltrinker. Aber am Wochenende gibt es Espresso, Cappuccino oder Latte Macchiato aus der Nespressomaschine, nicht den ganzen Tag lang, aber ab und zu.

Die Kapseln kann man sehr bequem online von zu Hause bestellen, ab einer gewissen Menge versandkostenfrei. Diesen Service hatten wir in den letzten Monaten immer genutzt. Im Nespressogeschäft in Hamburg bin ich viele viele Monate nicht gewesen, obwohl es dort recht stylisch ist. Eigentlich ist es auch ein Ziel für meine Mittagspause, dort für Nachschub zu sorgen.

Jetzt war ich mal wieder dort in der Nespressoboutique. Geschäft oder gar Laden kann man das wirklich nicht nennen. Als ich die Tür passiert hatte, bemerkte ich eine Veränderung. Dort, wo sonst 2 Tresen standen, an welchen einem die gewünschen Grands Crus ausgehändigt wurden, befinden sich jetzt drei oder vier Geräte, daneben die ganze Wand bis zur Decke mit Kapseln hinter Glas, fein sortiert noch Sorte. Etwa in Hüfthöhe ragen jeweils 3 Packungen ein wenig heraus.

Wie ich noch so dumm da herumstand, wurde ich von einem der netten Nespressoherren angesprochen, ob ich Hilfe benötige. Tja, Hilfe hatte ich nötig und ich liess mir das System erklären:
1. Vom Halter eine Papiertragetasche nehmen
2. Zur Wand gehen, die gewünschten Packungen aus der Wand ziehen und in die Tragetasche legen
3. Die Tasche in das Gerät stellen
4. Die Kundenkarte, die auch in der Geldbörse bleiben kann ohne dass sie sichtbar ist, scannen lassen

Auf einem Display wird dann der Inhalt der Papiertasche angezeigt, auf OK drücken, EC- oder Kreditkarte in den Schlitz stecken, PIN eingeben und der Kaufbeleg wird ausgedruckt, Tasche aus dem Gerät nehmen und gehen – oder vorher noch auf Kosten des Hauses einen Espresso trinken.

Es gibt auch noch den Bereich, in dem man manuell einkaufen kann. Auch wenn ich demnächst zu den Beigen gehöre, so alt bin dann doch nicht. Das Einkaufen mit dem Kaffeescanner macht entschieden mehr Spass als vom Sofa zu Hause. Solange ich noch in Hamburg arbeite, werde ich ab sofort nur noch dort Nachschub kaufen. Wir sollten mehr Kaffee trinken!

Ich war so überwältigt von dem System, dass ich vergass zu fragen, ob ich Fotos für das Blog machen dürfte. Allein die bunte Wand mit den diversen Kapselsorten ist es Wert, fotografiert zu werden. Als Titelbild gibt es dann eben nur eine schnöde Papiertüte.

Der Kaiser kommt!

Heute findet auf der Elbe ein kleines Oldtimertreffen statt. Aus Lauenburg kommt der Raddampfer „Kaiser Wilhelm“ und aus Hamburg der Dampfeisbrecher „Elbe“. Auf halbem Weg treffen sich die beiden Schiffe. Die „Kaiser Wilhelm“ wendet und fährt gemeinsam mit dem Dampfeisbrecher zurück nach Lauenburg. Den Dampfeisbrecher „Elbe“ konnten wir hier am Anleger vor 3 Jahren schon mal bestaunen.

Da wir nur wenige Schritte von der Elbe entfernt wohnen, ist es für uns kein Problem, mal eben zum Anleger runterzugehen. Dort warteten bereits ein paar Menschen, die den Kaiser bei seinem Zwiscnenstop in Geesthacht begrüssen wollten.

Wir konnten das Anlegemanöver beobachten und das Prachtstück aus nächster Nähe beobachten, wie es am Anleger vertäut war um noch ein paar Passagiere aufzunehmen. Nach kurzem Aufenhalt fuhr der Kaiser in den Schleusenkanal ein um weiter elbabwärts zu fahren.

Aber da stand nun noch immer eine Gruppe Menschen auf dem Anleger, die offensichtlich auf etwas warteten. Wenige Minute später traf das Ausflugsschiff „Lüneburger Heide“ ein, ein totaler Kontrast zu dem, was wir eben gesehen hatten: Modern und schnittig in den Linien, aber irgendwie uninteressant, dafür wettergeschützt für alle Passagiere. Eine Fahrt auf der „Kaiser Wilhelm“ wäre jedenfalls viel interessanter. Aber da braucht es schon Kaiserwetter für eine ungestörte Fahrt.

Die Büropausenrunde

Gähnende Leere herrsche heute Mittag an der Binnenalster. Normalerweise sieht man mittags in dieser Allee am Neuen Jungfernstieg zahlreiche Büromenschen lustwandeln, leicht zu erkennen an den dunklen Anzügen und Krawatten, die die Herren tragen. Zum Glück sind wir bei uns in der Firma solchen Zwängen nicht unterworfen.

Heute herrschte mal wieder herbstliches Schauerwetter in Hamburg. Ich hatte das Glück, meine Runde zwischen zwei Schauern machen zu können. Scheinbar liessen sich viele Menschen vom Wetter abhalten, auf ihre Runde zu gehen. Nur ein paar Touris waren unterwegs.

Wildwuchs

Es ist ungerecht – mit dem Haarwuchs, wenn Mann langmsam aber stetig älter wird. Das Haupthaar wird dünner und lichter, will sagen, es geht langsam aus. Wobei der Ausfall seit einger Zeit wohl eher stagniert, was natürlich positiv zu bewerten ist aus meiner Sicht.

Aber an anderen Stellen kommen Haare zum Vorschein, wo Mann sie gar nicht so gern hat, z.B. an den Augenbrauen. Da sind plötzlich einzelne Härchen, die etwas länger sind als die anderen. Das sieht doch total bescheuert aus. Als greift der Mann, der was auf sich hält, zur Schere und schnippelt sich seinen Augenbrauen zurecht.

Zwei verirrte Härchen wachsen plötzlich oben aus der Nasenwurzel, die vorher nie dagewesen sind. Raus damit und wech. Und wo wir gerade bei der Nase sind: Was sich da an Haarwuchs plötzlich in der Nase tut! Der gepflegte Mann muss schon aufpassen, dass man da keinen Zopf flechten kann. Anderseits, vielleicht könnte ein Zopf, der aus der Nase wächst, eines Tages mal zum Trend werden. Nee, lieber nicht.

Fotos von den veirrten Haaren gibt’s lieber nicht.

Spiegelungen

Auf dem Rückweg ins Büro von meiner Runde in der Mittagspause ging ich, wie so oft, an der Kunsthalle entlang. In den Fenstern des gegenüberliegenden Bürohauses entdeckte ich die Spiegelung der Galerie der Gegenwart, eine Abteilung der Kunsthalle, mit dem gelben Werbebanner.

Ein paar Schritte weiter ist dann auch der Altbau der Kunsthalle zu sehen, daneben das grüne Dach des Hotel Atlantic und im Fenster ganz rechts ist sogar ein kleiner Teil der 4. Etage unseres Bürohauses zu sehen.

Ich kann nicht zählen, wie oft ich diesen Weg schon gegangen bin, sicher ein paar hundertmal in den über 20 Jahren, in denen ich dort arbeite. Aber diese Spiegelung ist mir noch nie aufgefallen.