Archiv des Autors: Hans-Georg Kloetzen

Improvisation

Unser Kühlschrank ist meistens ziemlich leer. Das hat natürlich seinen Grund: Es hält uns davon ab, ständig etwas zu essen. Wir würden dann nämlich Probleme haben, unser Gewicht zu halten. Wenn wir Hunger bekommen, ist eben nichts da. Meistens kommen wir auch damit zurecht. Es ist dann wohl weniger Hunger sondern eher Appetit.

Manchmal bleibt aber etwas übrig, das nicht verwendet werden konnte. Da war also noch eine Dose geschälte Tomaten und eine kleine Dose Mais. Und heute hatten wir Appetit – oder war es Hunger? Mir fielen die beiden Dosen ein. Was kann man daraus machen? Tomatensuppe!

Man nehme:
1 Dose geschälte Tomaten
1 kleine Dose Mais
Olivenöl, diverse Kräuter und Gewürze (was der Gewürzschrank so hergibt), Knoblauch oder Knoblauchöl.

Öl im Topf erhitzen, den Mais kurz darin andünsten, dann die Tomaten dazu und mit einen Kochlöffel zerdrücken. Mit den Kräutern und Gewürzen abschmecken, wenn vorhanden, etwas scharfes verwenden, z.B. Chilipfeffer. Alles erhitzen und zum Schluss ein Schuss Gin dazu oder Sherry oder Rotwein, was die Hausbar so hergibt.

Ergibt 4 Teller, geht schnell und schmeckt!

Ab sofort werden wir wohl für den kleinen Hunger immer je eine Dose geschälte Tomaten und Mais im Haus haben.

Nun denn, für den ganzen Tag reichte es nicht. Wir bestellten wir uns zum Fernsehabend noch einen Croque.

Empfang

Oliver und Melli sind heute aus dem Urlaub zurückgekommen. Sie waren 2 Wochen auf Fuerteventura. Es waren 2 lange Wochen für mich, in denen ich mit Oliver keinen Kontakt hatte. Ich wollte beide gerne am Flughafen begrüssen. Da ich die genaue Ankunftszeit nicht wusste, hatte ich telefonisch bei Mellis Mutter nachgefragt. Sie wollte die Beiden abholen und nach Lübeck bringen.

Um 22.55 Uhr sollte die Maschine landen. Den ganzen Nachmittag verfolgte ich über das Internet, ob der Flug planmässig verläuft.

Kurz nach 22.00 Uhr machten wir uns auf den Weg zum Flugplatz. Wir fragten uns, ob wir Halina wiedererkennen würden. Nur ein Mal hatten wir uns kurz getroffen.

Im Terminal 1, dem Terminal für Charterflüge, herrschte das übliche Chaos: Verwandte und Freunde, die ankommende Fluggäste abholen wollten, standen auf der einen Seite einer riesigen Glaswand, klopften dagegen oder winkten, um sich bemerkbar zu machen. Auf der anderen Seiten eilten eben dem Flugzeug entstiegene Passagiere zur Toilette, andere versammelten sich um die Gepäckbänder oder versuchten, eine der begehrten Kofferkarren zu ergattern. Ich fühlte mich wie im Zoo: Durch eine Glaswand das Treiben auf der anderen Seite beobachten.

Wir erblickten Oliver und Melli, die sich in der wartende Menschenmenge am Gepäckband einen Platz suchten. Es ist immer wieder erstaunlich, wie zeitaufwendig doch die Prozedur ist, auf seine Koffer zu warten. Endlich hatten sie es geschafft und kamen auf die Besucherseite des Flughafenzoos.

Wir begrüssten Beide herzlich und auch Mellis Eltern und eine Cousine, die wir vorher nicht getroffen hatten. Zur Begrüssung hatten sie eine Flasche Sekt mitgebracht. Mit Sekt aus Plastikbechern hiessen wir Oliver und Melli willkommen. Wir bekamen erste kurze Eindrücke von ihrem Urlaub. Und ich war glücklich, dass Oliver jetzt wieder in der Nähe ist.

Die Invasion

Ich freute mich auf das Bett, einfach daliegen, fallenlassen, irgendwann einschlafen. Für ein paar Minuten war die Welt in Ordnung. Doch dann ging es los: Ein leises Summen erfüllte die Luft – eine Mücke! Licht einschalten, aufrichten, umherschauen: Wo ist sie? Nichts zu sehen. Da ist sie, dort an der Wand! Mit dem bereitliegenden Handtuch wurde sie erledigt. Licht aus – hinlegen. Dann wieder von vorne: Summen, Licht an usw. Die nächste Mücke wurde auch gesichtet und vernichtet. Das gleiche Spielchen wurde noch 2 Mal durchgeführt werden bevor Ruhe einkehrte, ich mich fallenlassen und einschlafen konnte. Ich hasse Mücken, besonders im Schlafzimmer!

Wieder ein Unwetter

An meinem Arbeitsplatz hängt ein Monatskalender, der 4 Monate anzeigt: Den letzten und den aktuellen Monat und dann die beiden folgenden Monate. Ich hasse diese Art von Kalender, wenn das Jahr die erste Hälfte überschritten hat. Dann sieht man, dass der Sommer langsam zu Ende geht – als 4. Monat ist nämlich seit heute der Oktober zu sehen. September geht ja noch – halbwegs. Obwohl da sicher schon wieder in den Supermärkten die ersten Regale mit Weihnachtsgebäck auftauchen. Aber Oktober, das ist schon fast wie Winter für mich.

Nach den morgendlichen Routinearbeiten im öffnete ich die Seite www.wetteronline.de um mich über die Wettervorhersage zu informieren. Ich bemerkte auf der Seite eine Unwetterwarnung für den norddeutschen Bereich. Kopien davon verteilte ich an meine Kollegen. Demnach sollte es nachmittags starke Gewitter geben, begleitet von ergiebigen Regenfällen und Sturmböen.

Bei jeder Gelegenheit beobachtete ich das Regenradar um festzustellen, wann die Unwetterfront Hamburg erreichen würde. Gegen 17.30 Uhr wurde es sehr dunkel und es war abzusehen, dass jeden Moment das Unwetter über uns hereinbrechen würde. In diesem Moment kam Werner, unser Chef herein und meinte, wir sollten nach Hause gehen, damit wir nicht nass würden. Also wenn ich seinem Rat gefolgt wäre, hätte ich es nicht mal bis zum Bahnhof geschafft. Wenige Minuten später – Werner war zum Ruderabend unterwegs – fiel das Wasser nur so vom Himmel und der Sturm presste den Regen gegen die Fensterscheiben, es war wie ein Weltuntergang. Es war nicht daran zu denken, nach Hause zu kommen. Wir waren gefangen im Büro: Jelena, Steffi und ich.

Ich hatte die Idee, ein Taxi zu bestellen. Die gleiche Idee hatte wohl ganz Hamburg. Es war nämlich nicht möglich, zu einer der Taxizentralen durchzukommen. Endlich hatte ich Erfolg. Bevor ich überhaupt was sagen konnte, bekam ich von der Telefonistin zu hören, dass zur Zeit keine Aufträge angenommen werden, da die Strassen teilweise nicht befahrbar sind. Und jetzt? Glücklicher Weise befindet sich um die Ecke das Hotel Atlantic, dort ist ein Taxenstand. Wir verabredeten, dass ich nachsehen sollte, ob dort Taxen stehen. Meine beiden Kolleginnen sollten derweil im Hauseingang warten. Sturm und Regen hatten mittlerweile erheblich nachgelassen. Mein Taschenschirm bot mir ausreichend Schutz als ich mich auf den Weg machte. Tatsächlich stand dort noch ein Taxi. Ich stieg und orderte die Fahrerin zum ersten Ziel. Vom Büro ging es zum Bahnhof. Dort stiegen Jelena und Steffi aus. Ich liess mich dann nach Hause fahren. Die Firma wird mir morgen das Geld erstatten.

Sommertheater

Im Büro war wieder absolut nichts los und ich beschloss deshalb, meinen Bummeltag zu nehmen. Auf dem Nachhauseweg hatte ich die Idee, heute Abend mit Bernd eine Flasche Wein auf dem Balkon zu trinken. In einem Weingeschäft suchte ich etwas passendes aus. Kaum zu Hause angekommen, hörte ich Donnergrollen. Na ja, ein Eis haben wir noch auf dem Balkon essen können. Aber ob das mit dem Wein noch was wird?

Nun, nach dem Regen haben wir dann doch noch auf dem Balkon sitzen und die Flasche Wein leeren können.

Genervt waren wir von dem Theater, was eine schräg unter uns wohnende ältere Dame veranstaltete:

Aus dem Küchenfenster einer anderen Wohnung strömten wohlriechende Kochdüfte, die bei Bernd und mir sofort Appetit, wenn nicht gar Hunger auslösten. Besagte Dame fand dieses Aroma gar nicht so nett und regte sich lauthals auf ihrem Balkon darüber auf. Aufgeregt lief sie in die Wohnung, dann wieder auf den Balkon, stand dann da uns schaute nach unten, dorthin, wo offensichtlicht lecker gekocht wurde.

Plötzlich ertönte laute Musik, spanische Folkloreweisen, die ganz bestimmt in der ganzen Nachbarschaft zu hören war. Müssen wir es uns gefallen lassen, das zu hören, was andere Leute schön finden? Ich denke nein. Also ging ich der Sache auf den Grund. Im ganzen Treppenhaus war diese Musik zu hören und wurde bereits eine Etage unter uns so laut, dass es nur von dort kommen konnte. Meine Vermutung war richtig: Die Musik drang durch die geschlossene Tür besagter Dame (kann man überhaupt von einer Dame reden, wenn so ein Aufstand verursacht wird?). Fest entschlossen, mich zu beschweren, klingelte ich bei ihr. Wahrscheinlich hat sie es gar nicht gehört – ältere Damen hören ja oft schlecht und bei dieser Lautstärke sowieso -, denn sie öffnete nicht.

Zurück auf unserem Balkon sah ich sie auf ihrem sitzen, wo sie vor sich hin grummelte. Klar, dass dort sie mein Klingeln nicht hören konnte.

Ich hätte jetzt dagegenhalten und unser Radio auf volle Lautstärke stellen können. Wahrscheinlich hätte sie da nicht mithalten können. Aber muss ich mich auf eine Stufe mit älteren Damen stellen?

Sommerhitze

Seit Samstag Nachmittag haben wir also wieder Sommer. Die Sonne brennt vom Himmel, kaum Wind – es ist einfach heiss. Es geht einfach nicht, aneinandergekuschelt einzuschlafen. Wir liegen einfach nur so da, nicht zugedeckt, und schlafen irgendwann ein.

Im Biergarten

Heute war der erste normale Probenabend nach der Uraufführung. Zur Zeit sind die Proben für mich uninteressant und so fuhr Bernd alleine. Da es ein schöner Sommertag war, bestand die Möglichkeit, dass sich einige Mitglieder nach der Probe noch im Biergarten im Stadtpark zusammensetzen. Wir verabredeten deshalb, dass ich mit der U-Bahn nachkomme.

Mein Handy klingelte, als ich gerade eine Station gefahren war. Bernd war dran und sagte mir, dass die Probe früher beendet wurde und sich alle auf dem Weg zum Biergarten befanden. Ich brauchte also nicht erst zum Probenraum sondern konnte gleich zum Biergarten gehen.

Es wurde ein schöner Abend. Für mich war es das erste Mal, dass ich dort war. Verglichen mit den Biergärten in München ist dieser eher klein, aber gemütlich ist es trotzdem oder gerade deswegen.

Der Sommer kehrt zurück

Zwei Wochen war die Sonne kaum zu sehen, höchstens mal für ein paar Minuten am Tag. Die meiste Zeit war der Himmel bedeckt mit grauen Regenwolken. Es war schon eine Sensation, wenn mal ein kleines Stück vom blauen Himmel zu sehen war. Auch wenn ich wieder arbeiten musste – wenn die Sonne scheint bin ich viel ausgeglichener.

Der Wetterbericht sagte für dieses Wochenende steigende Temperaturen und Sonnenschein voraus. Heute Mittag war von der Sonne noch nichts zu sehen. Enttäuschung machte sich bei mir breit, wollte ich doch mal wieder ein Sonnenbad auf dem Balkon nehmen. Ab ca. 14.00 Uhr ist die Sonne – wenn sie denn scheint – hinter dem Haus und der Balkon befindet sich dann im Schatten. Ein paar Minuten später wurde es plötzlich heller. Ein kleiner blauer Fleck am vergrösserte sich schnell zu einem strahlend blauen, sonnigen Himmel. Endlich. Leider lohnte es sich nicht mehr, die Sonnenliege aufzustellen. Stattdessen machte ich eine Inspektion auf dem Balkon. Die Pflanzen hatten unter dem nassen und kalten Wetter gelitten und machten nicht den Eindruck, dass sie in diesem Sommer noch willens sind, schön zu blühen. Die Stühle aus Teakholz hatten schon einen leichten grünen Überzug aus Moos. In diesem Zustand konnten wir sie nicht benutzen, die Polster würden schmutzig werden. Das bedeutete Arbeit!

Ich füllte einen Eimer mit Wasser und begann mit dem Mikrofaserputzhandschuh, den ersten Stuhl zu bearbeiten. Es war etwas mühsam. Dann hatte ich eine Idee: Ich versuchte es mit dem kleinen Dampfreinigungsgerät, dass ich in der letzten Woche bei Tchibo gekauft hatte. Mit Druck, Dampf und der aufgesetzten Bürste ging es viel einfacher, die Stühle zu säubern. Trotzdem war es noch ziemlich aufwendig und ich begann zu schwitzen, das Wasser lief mir von der Stirn ins Gesicht. Typisch, kaum scheint die Sonne und man kann sich alle Klamotten vom Körper reissen und trotzdem ist es noch viel zu warm (ich hatte inzwischen mein T-Shirt ausgezogen und nur noch Shorts an).

Die Stühle waren zu meiner Zufriedenheit gereinigt, ich war verschwitzt und musste duschen. Aber ich hatte die Voraussetzung geschaffen, endlich wieder draussen essen zu können.

Es war wohl bislang der wärmste Sommerabend. Nach dem Essen spielten 2 Runden Scrabble, ein Spiel, das sich gut für den Balkon eignet, da nichts wegwehen kann. Als es zu dunkel zum spielen wurde, stellten wir unsere Stuhllehnen ganz zurück und in fast liegender Stellung beobachteten wir den sommerlichen Sternenhimmel.

50.000 Euro

Heute hat der neue Mieter in Lübeck die Wohnung übernommen, in der die Türken gewohnt haben. Herr P. will die Wohnung als Büro benutzen. Es geht also langsam voran. Die Bauarbeiten im Keller sind abgeschlossen. Die Arbeiten im Laden sollen in der nächsten Woche beendet sein. Der Regen der letzten Tage hat auch hier seine Spuren hinterlassen, zum Glück rechtzeitig vor der Geschäftseröffnung. Es wäre schlimmer gewesen, wenn das Geschäft schon voll eingerichtet gewesen und Ware beschädigt worden wäre.

Aber jetzt ist das angesparte Geld langsam aufgebraucht und der Dispokredit wurde schon teilweise in Anspruch genommen. Jetzt brauchen wir bald Geld. Der Hausverwalter hat mal überschlagen: 50.000 Euro werden benötigt. Bei unserer Hausbank hatte ich vor ein paar Wochen bereits angerufen und angekündigt, dass wir demnächst einen Kredit benötigen.

Ich rief also Frau N. bei der Bank in Lübeck an und erklärte Ihr die Situation. Sie offerierte mir 5,4 % bei 100 % Auszahlung. Nach Rücksprache mit meiner Familie und Klärung einiger Einzelheiten mit dem Hausverwalter bestätigte ich Frau N. das Angebot. Innerhalb von 30 Minuten hatte ich telefonisch einen Kredit über 50.000 Euro vereinbart. Es verursachte bei mir eine Gänsehaut. Bleibt nur zu hoffen, dass Herr P. immer die Miete zahlen kann und wir nicht so ein Dilemma erleben wir mit den türkischen Mietern.