Archiv des Autors: Hans-Georg Kloetzen

Schrubben

Nein, nicht auf den Knien und mit Kopftuch wie die Piraten. Im T-Shirt und mit einem richtigen Schrubber am langen Stiel habe ich heute den Balkon saubergemacht. Und die Brüstung wurde mit dem blauen Microfaserhandschuh von Jemako geputzt. Hab ganz schön geschwitzt in der Sonne.

Und zur Belohnung habe ich danach eine Stunde in der Sonne gesessen, ohne T-Shirt! Dazu eine Tasse Espresso und ein Stück Schokolade der Sorte Tiramisu von Ritter Sport. Ein leichter Wind umfächelte meinen Luxuskörper (huch). Den Balkonstuhl hab ich dann ganz nach hinten geklappt, so dass ich fast liegen konnte. Die Augen zu und die Sonne geniessen. Und unwillkürlich sind meine Gedanken im Irak. Dort fallen die Bomben, Soldaten kämpfen in der Wüste. Sie schiessen ihre eigenen Flugzeuge ab, drehen durch und töten ihre eigenen Kameraden mit Handgranaten. Es geht einfach nicht, dass ich unbeschwert den Frühlingssonntag geniessen kann.

Vergebens

Er hat es getan, er hat’s wirklich getan. Eigentlich deutete ja alles darauf hin, das war auch mir klar. Doch ich habe immer noch gehofft, dass es nicht so weit kommen möge. Es fehlt halt das Gleichgewicht der Kräfte, das wir früher hatten.

Wut

Herr George W. Bush ist nicht besser als Herr Saddam oder andere Diktatoren auf dieser Welt. Wie sonst lässt es sich erklären, dass friedlich demonstrierende Menschen vor dem Capitol verhaftet werden. Vergleiche an frühere kommunistische Staaten drängen sich mir auf. Ist denn niemand auf dieser Welt in der Lage, diesem Rambo Einhalt zu gebieten?

Und hier in Deutschland gibt es eine Partei, die das Wort „christlich“ in ihrem Namen hat. Diese Partei kriecht Herrn Bush auch noch sonstwohin und heisst es gut, was er veranstaltet. Zum Glück ist diese Partei mit ihren „christlichen“ Aushängeschildern nicht gewählt worden. Will die CDU einen Krieg im Namen von Jesus Christus, einem der Namensgeber dieser Partei? Das wäre unglaublich und ich würde mich zurückversetzt fühlen in die Zeit der Kreuzzüge und Religionskriege.

Jeder von uns, der die Möglichkeit hat, sollte alles meiden, was mit den USA zu tun hat, was auf Grund der internationalen Verflechtung der Konzerne kaum möglich ist. Aber wir sollten es versuchen. Das ist vielleicht das Einzige, was wir tun können.

Selbst die Bevölkerung steht inzwischen mit über 60 % hinter ihrem Rambo, wahrscheinlich durch geschickte Propaganda. Das erinnert mich an eine Zeit hier in Deutschland mit einem Diktator mit einem markanten Schnauzbärtchen.

Wut, ohnmächtige Wut.

Ausklang

Ab 11.00 Uhr trafen sich beide Chöre zum Brunch im Café Feelgood. Erstaunlicher Weise waren alle relativ pünktlich. Einigen sah man die „Strapazen“ der Nacht an, aber alle waren guter Dinge. Traditionell singen beide Chöre noch ein oder zwei Lieder aus ihrem Repertoire, so auch heute. Ein gemeinsames Lied „Every time we say good bye“ machte uns deutlich, dass die Zeit des Abschiednehmens gekommen war. Eine erste Gruppe der Kölner musste zum Bahnhof. Peter, Bernd und ich unternahmen mit zwei anderen Kölnern bei herrlichem Frühlingswetter noch einen Spaziergang durch den nahen Stadtpark. Dann rückte auch für uns die Stunde des Abschieds näher und wir brachten sie zum Bahnhof.

Ende Mai werden wir uns auf dem Chorfestival in Zürich wiedersehen. Wir freuen uns schon darauf, dort neue Freunde zu treffen.

Zauberflöten und Schola 2

Pünktlich wie immer wenn Termine anstehen trafen Bernd und ich vor 17.00 Uhr in der Markthalle ein um die Vorbereitungen für das heutige Konzert zu treffen. Wir waren zwar nicht die Ersten aber die Zweiten. Nie, aber auch wirklich nie, sind alle Chormitglieder zum vereinbarten Termin bereit. Es sind immer die Selben, die pünktlich sind und ebenso immer die Selben, die zuletzt kommen. Nachdem endlich die Meisten anwesen waren gab es eine kurze Nachbetrachtung des gestrigen Abends. Die einhellige Meinung war positiv, trotz nur 170 verkaufter Karten. Allerdings zeigte der Vorverkauf für den heutigen Abend, dass das Interesse grösser sein würde. Es mussten also noch zusätzlich Bänke aufgestellt werden. Den Anfang des heutigen Konzerts würden, wie üblich, die Gäste machen.

Holger brachte sein Laptop mit, das im Backstagebereich aufgestellt wurde. 4 kleine Videos und eine Bilderserie vermittelten uns Eindrücke von der gestrigen Aufführung. Sobald mir die Videos zur Verfügung stehen, werde ich versuchen, ein oder zwei auf meiner Homepage einzubauen.

Der Zuschauerraum füllte sich sehr schnell. Weitere Bänke wurden aufgestellt. Wir waren zwar nicht ausverkauft, ich denke aber, dass 300 bis 400 Zuschauer anwesend waren, als die Zauberflöten den Abend mit ihrem Programm eröffneten.

Gegenüber gestern waren sie viel lockerer, der berühmte Funke sprang sofort auf das Publikum über, das sehr begeistert war. Die Zauberflöten hatten sich beachtlich gesteigert und waren viel besser als bei ihrem gestrigen Auftritt. Am Schluss bekamen sie tosenden Beifall und Fusstrampeln. Das Publikum verlangte nach Zugaben.

Nach der Pause waren wir dann dran. Auch wir hatten das Publikum sofort im Griff. Routiniert und doch voller Spielfreude wurde das Programm auf die Bühne gebracht. Woran es lag, dass der Beifall für uns jubelnder und stärker war, vermag ich nicht zu sagen. Vielleicht liegt es an der Art unseres Programms oder es ist ein gewisser Lokalpatriotismus. Tatsache ist, dass die Leistung der Zauberflöten der von Schola Cantorosa in nichts nachsteht.

Nach dem gemeinsamen Lied „Somewhere“ wurde die Bestuhlung aus dem Saal entfernt und die Technik für die Aftershowparty eingerichtet. Holger und Bernd gelang es, mit ihrer Musikauswahl die Menschenmassen auf die Tanzfläche zu holen. Es war wieder mal eine schöne Party mit toller Stimmung. Leider musste gegen 02.30 Uhr die Party mit „Thank you for the music“ beendet werden. Die Zeit war abgelaufen. Vielleicht waren noch 50 Leute anwesend, mit denen die Feier noch 1 Stunde länger gedauert hätte. Aber das Personal von der Markthalle wollte gerne Feierabend machen.

Erschöpft, aber zufrieden, lagen Bernd und ich um 03.20 Uhr im Bett und schliefen sofort ein.

Zauberflöten und Schola

Heute war unser erstes gemeinsames Konzert. Aus Köln reisten mehr als 30 Zauberflöten an. Wie üblich erfolgt die Unterbringung privat bei den Gastgebern, also bei den Mitgliedern von Schola Cantorosa. Auch wir hatten uns bereiterklärt, einen Gast aufzunehmen. Seit Mittwoch waren wir mit den Vorbereitungen beschäftigt, d.h. Mittwoch Abend haben wir erst Mal einen Grosseinkauf gemacht um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein. Gestern Abend wurde dann begonnen, die Wohnung auf Vordermann zu bringen, Bernd hat heute die Feinarbeit erledigt. Es tauchten zwar schon Gerüchte auf, dass wir keinen Gast bekommen würden – aber sicher ist sicher. Man will ja nicht als Schlampe dastehen.

Für Schola Cantorosa war des Treffen in der Markthalle zu um 15.30 Uhr angesetzt, ein Termin, der für mich aus beruflichen Gründen nicht zu machen war weil Steffi heute einen Urlaubstag hat. Zum Glück habe ich einen Assistenten „rekrutiert“, Werner. Ihm habe ich alles Notwendige aufgeschrieben, was für unsere Lichttechnik notwendig ist.

Um 16.30 Uhr sass ich noch immer im Büro und wartete auf eine endgültige Abschlussbestätigung für die nächste Reise eines unserer Schiffe, dass heute Nacht in Agadir entlöscht sein würde und noch keine Anschlussladung hatte. Da ich weiter nichts mehr zu tun hatte, bereitete ich alle notwendigen Meldungen vor, so dass ich sie nur noch per Knopfdruck rausschicken musste. Um 16.37 Uhr kam die telefonische Bestätigung. In wenigen Minuten war alles erledigt und um 17.00 Uhr konnte ich das Büro verlassen. 10 Minuten später traf ich in der Markthalle ein.

Die Chorschwestern standen gerade zur Probe auf der Bühne, Werner hatte mit den Technikern alles bestens vorbereitet. Ich wollte mich gerade ein wenig akklimatisieren als Sebastian auf mich zukam und mich bat, im Eingangsbereich die Reste einer heruntergefallenen Sektflasche zu entsorgen und den Sektsee aufzufeudeln. Nun habe ich nichts dagegen, hilfreich zuzupacken. Aber wenn man ein wenig gefrustet von der Arbeit kommt (die Anspannung, ob ich denn pünktlich gehen kann, war doch ein wenig nervig) und bevor man richtig da ist mit einem etwas angespanntem Ton zu so einer Arbeit aufgefordert wird, ist es der persönlichen Stimmung nicht gerade förderlich. Als dann auch noch die Reste der Flasche aus dem mittlerweile durchgeweichten Karton fielen als ich diesen aufheben wollte, stieg bei mir die Wut hoch. Ich stapfte auf die Bühne und beschwerte mich bei Sebastian, dass man wenigstens den Karton hätte gleich beseitigen können. 30 Augenpaare waren auf uns gerichtet und das war mir scheissegal. Ich bin nicht Mädchen für alles und muss das ausbügeln, was andere verbockt haben nur weil ich nicht mitsinge. Die Sache musste aber erledigt werden. Die Kölner wurden erwartet und die müssen nicht gleich mit Scherben und Sektdunst empfangen werden. Also machte ich mich an die Arbeit und entfernte das Malheur wobei ich mir auch noch eine kleine Schnittwunde zugezogen habe. Ein toller Auftakt für den heutigen Abend!

Nach der Probe wurde ich dann allerdings von einigen lieben Leuten herzlichst umsorgt, inzwischen war meine Wut auch verflogen. So was dauert bei mir nicht immer lange an und nachtragend bin ich auch nicht. Was raus ist ist erledigt und vorbei.

Die Zauberflöten trafen in 2 Gruppen verhältnismässig spät ein. Deshalb war vereinbart, dass entgegen der üblichen Gepflogenheit nicht die Gäste den Abend mit ihrem Programm eröffnen sollten sondern wir. Gekonnt und präzise brachten wir „Die Piraten“ auf die Bühne mit 3 Zugaben am Schluss und mit begeistertem Applaus der Zuschauer.

In der Pause trafen wir Elke und Andreas, Joachim und seine Frau (wie heisst sie doch noch gleich?), Susanne mit ihrer Freundin und Nina, sowie meine Kolleginnen Britta und Jelena mit einem grossen Freundeskreis. Es gab ein kleines Fotoshooting im Foyer. Die Fotos werden nachgereicht. Alle äusserten sich begeistert zu unserem Auftritt. Andreas und Joachim mit ihren Damen hatten uns zum ersten Mal überhaupt gesehen. Wir mussten ihnen erklären, dass alles, was wir auf der Bühne machen, selbst geplant, ausgedacht und getextet ist. Es gibt keine professionelle Unterstützung von ausserhalb. Sie konnten es kaum glauben. Na ja, wir stellen eben hohe Ansprüche an uns selbst.

Nach der Pause kamen die Zauberflöten mit ihrem Programm „Willkommen in Neurosia“ auf die Bühne. Gesanglich perfekt konnte mich das Programm selbst aber nicht überzeugen. Für meinen Geschmack ist es zu problembeladen und die Musikauswahl entsprechend melancholisch. Allerdings ist das Programm noch nicht komplett. Es wurde uns ein 40 Minuten langer Ausschnitt aus einem abendfüllendem Programm präsentiert, das erst ein einigen Wochen Premiere haben wird. Das Publikum war dennoch begeistert, wenn auch der Applaus nicht so stark ausfiel wie bei uns.

Den Abschluss des Abends bildete das von beiden Chören gemeinsam gesungene Lied „Somewhere“, dass das Publikum noch mal zu einem Sturm der Begeisterung veranlasste.

Bernd und ich fuhren „leidergottseidank“ ohne Gast nach Hause. Leider deshalb, weil man doch leichter zu den Leuten Kontakt bekommt, wenn man selbst Gastgeber ist. Ausserdem scheinen die Zauberflöten alle ganz nett zu sein. Gottseidank weil unsere Wohnung doch recht klein ist und es mit einem Übernachtungsgast, besonders wenn man ihn nicht kennt, ein wenig problematisch ist bzw. werden könnte.

Eine neue Variane

Bei Radio Hamburg wurden heute Karten für ein in der Colina stattfindendes Konzert mit Brian Adams verlost. Brian Adams wurde von den Moderatoren als „Röhre“ tituliert. Dementsprechend sollte die Person die Karten bekommen, die die grösste Röhre am gläsernen Studio präsentiert. Klar doch, dass einige Hörer wieder nicht wussten, wie sie das mit der Röhre machen sollten. Eine Anruferin: Ich rufe an wegen den Röhren. Ich musste wieder mal grinsen als ich das hörte. Aber je länger ich anschliessend darüber nachdachte war ich mir gar nicht mehr so sicher, ob das nicht eventuell doch richtig ist. „Ich rufe an wegen der Röhren“? Hört sich auch merkwürdig an. Wenn Halo mal wieder funktioniert wäre ich Ingrid für einen Kommentar dankbar.

Wo sind wir hier eigentlich?

Oliver und Melli sind irgendwo in Bayern bei Verwandten von Melli, ich glaub Königsbrunn heisst der Ort. Hab heute Oliver mal angerufen. Und was erzählt der mir?: 20 Grad, Sonne, T-Shirt! Und was ist hier los?: Regen, 10 Grad, immer noch Winterjacke. Ich will jetzt Sonne, ich will auf dem Balkon sitzen, ich will nicht mehr die Winterjacke anziehen!
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