Archiv des Autors: Hans-Georg Kloetzen
Klingeltag
Im Moment habe ich nachts eine längere Wachphase. Man kennt das: Gefühlt schläft man nicht, aber irgendwie döst man doch, so eine Halbwach-, Halbschlafphase. Als Rentner stört mich sowas nicht, ich schlaf dann eben morgens bis ich, hoffentlich, aufwache. Das war heute gegen 7 Uhr der Fall. Die Blase drückte, ich fühlte mich aber nicht wirklich wach, also legte ich mich nochmal in die Pfühle als das erledigt war.
Als ich dachte, ich hätte genug geruht, stand ich auf. Glinda sass schon vor der Tür zum Bad und wartete auf mich. Ich hatte gerade den Verschluss der Zahnpastatube geöffnet, fummelte das Telebim. Langsamen Schrittes begab ich mich zur Ladestation. Auf dem Display war eine Handynummer zu sehen. Erst zögerte ich, dann nahm ich das Gespräch aber an „Hallo!?>“. Bei unbekannten Nummern melde mich mich nie mit meinem Namen.
Es war der Mann vom Transferservice, der uns Ende März für unsere Kreuzfahrt zum Flughafen fahren sollte, was ich schon storniert hatte. Ihm waren seine Emails durcheinandergeraten. Wir hatten mehrmals Kontakt per Email da sich die Flugzeiten geändert hatten. Man wollte jetzt nochmal abklären. Ich erklärte, dass ich das ja schon storniert hatte weil wir die Reise aus gesundheitlichen Gründen absagen mussten. Ich erzählte auch warum. Alles war ok.
Ich putzte wie geplant meine Zähne und erledigte danach mein morgendliches Duschbad. Gerade hatte ich das Handtuch in den Händen um mich abzutrocknen, als es von der Haustür klingelte. Jetzt hatte ich keine Eile. Vielleicht hätte sich ja jemand an meinem nackten Körper erfreut, oder die Person wäre schreiend davongelaufen. Egal, ich öffnete nicht. Wir erwarten heute zwar noch zwei Lieferungen, aber dafür wäre es noch zu früh, es war mittlerweile kurz nach 8 Uhr.
Im Pausenchat mit meinem Schatz fragte ich, ob er eine Nachricht wegen nichtmöglicher Zustellung bekommen hätte. Hatte er nicht, beide Sendungen waren noch offen.
Gegen 11 Uhr klingelte es von der Haustür. Am Bildschirm des Türöffners sah ich eine Person, den Uniformfarben nach war es Hermes. Ich drückte den Türöffner, die Person entfernte sich aber wieder. Nun ja, Hermes hatten wir auch nicht erwartet, aber für die Nachbarn im Haus nehmen wir immer was an. Vorsichtshalber fuhr ich mit dem Lift nach unten. Wir hatten keine Benachrichtigung im Briefkasten, abgelegt war auch nichts. Die Götterbotin hatte sich wohl verdrückt am Klingeltableau.
Zweimal wird es heute also noch klingeln. Ein Päckchen kommt mit der Briefpost. Das muss persönlich abgegeben werden. Dann kommen noch die kriegerischen Weiber, die Arbeitgeberinnen meines Mannes, und liefern eine Bestellung. Es bleibt also weiterhin geschäftig. Sehr selten sowas.
Ärgerlich
Nach Tagen grauen Graus ist das Draussen heute widererwarten recht freundlich, sogar sonnig. Unter normalen Umständen wäre ich heute mal an die Elbe gegangen um zu schauen, wie das Eis gen Wehr fliesst. Aber die Umstände sind eben leider nicht normal.
Ich könnte mich mit Schmerztabletten vollstopfen. Aber das würde nicht helfen, wenn meine Beine versagen und ich keine Möglichkeit hätte, mich kurz irgendwo anzulehnen bzw. mich kurz hinzusetzen. Es sind immer nur kurze Momente, dann geht es wieder. Ich habe aber keine Lust, irgendwo im Dreck zu liegen. Also bleib ich schön zu Hause und guck aus dem Fenster und freu mich, dass es heute recht freundlich aussieht.
Aber ich habe mich aktiv betätigt indem ich mich mit meinem Tablet beschäftigt habe. Eigentlich ist das so ein Ding, was nur wenige Tage im Jahr benutzt wird, nämlich dann, wenn ich im Sommer auf der Terrasse sitze. Dann muss ich mich jedes Mal damit auseinandersetzen und suchen, wo ich was finde. So ein Tablet ist zwar ein Computer, ist aber anders aufgebaut als ein PC und noch anders als ein Handy.
Demnächst wird das Tablet ja Teil meiner Unterhaltungsmedien im Krankenhaus sein. Die meiste Zeit werde ich mich zwar mit dem E-Reader beschäftigen, also lesen. Aber ich möchte ja nicht von der Welt ausserhalb der Anstalt abgeschnitten sein. Das Handy wäre ja auch noch da, aber das ist mir alles zu fitzelig.
Heute habe ich erstmal ein Email-Programm und einen Passwortmanager installiert. Insta war schon drauf, WhatsApp brauch ich noch dringend und WP. Ich muss meine geschätzte Leserschaft ja wissen lassen, wie es mir geht.
So hat man also sein tun wenn man an die Wohnung gebunden ist.
Der lange Samstag
Früher gab es den „Langen Samstag“ im Einzelhandel einmal im Monat. Da waren die Geschäfte bis 18 Uhr, vielleicht auch länger, geöffnet, statt um 13 Uhr, spätestens um 14 Uhr die Schotten dichtzumachen. Montag bis Freitag schlossen sich die Tore um 18 Uhr. Heute ist das Geschichte. Das kann sich niemand mehr vorstellen. Der lange Samstag ist genauso lang wie die anderen Wochentage, es gibt keinen Unterschied mehr, jedenfalls in den grösseren Städten.
Hier in der kleinen Stadt an der Elbe, die nun durch die Eisberge auf der Elbe auch in China und Neuseeland bekannt ist, ticken die Uhren anders. Da kocht jeder sein eigenes Süppchen. Es gibt Geschäfte, die schliessen samstags am frühen Nachmittag, andere später. Nur der Lebensmittelmarkt hat länger auf. Ich weiss nicht, wann da die Pforten geschlossen werden. So spät haben wir keine Lust, unsere Einkäufe zu erledigen.
Ich meine aber ganz etwas anderes wenn ich vom langen Samstag rede. Es ist der Samstag, an dem mein Schatz Dienst hat, jede zweite Woche. Die Schicht beginnt um 10:30 Uhr und endet um 19:15 Uhr. Das ist für mich soooooo ein langer Tag bis ich meinen Liebsten wieder in die Arme schliessen kann, nämlich so kurz vor 20 Uhr.
Ca. eine Stunde habe ich zurzeit zusätzlich zu überwinden. Ich fühle mich unsicher, die Beine könnten versagen und ich muss mich irgendwo für ein paar Minuten anlehnen. Deshalb gehe ich im Moment nicht allein raus. Samstags ist Wochenmarkt – fällt flach. Einkäufe im Lebensmittelmarkt – fallen flach. Alles, was wir benötigen, kaufen wir gemeinsam ein oder Schatz hält kurz auf dem Heimweg an und kauft Notwendigkeiten ein.
Was macht der Haushälter denn so während der Zeit? Er hält Haus, aus Gründen derzeit mit Pausen. Spülmaschine ausräumen, Müll runterbringen, sludern in’t Treppenhus mit der Nachbarin, Wein aus dem Keller holen, das Abendessen vorbereiten, Katzen füttern, Katzen begöschen, hier ein wenig wischen, dort mal eben mit dem Handdyson Katzenhaare aufsaugen. Wir haben zwar Helene Wischer, aber für den kleinen Dreck reicht der Handdyson. Die Katzen haben wieder Hunger.
Der aktuelle körperliche Zustand verlangt nach Pausen wenn der Rücken schmerzt und und die Beine mich nicht mehr tragen wollen. Wobei heute ein recht positiver Tag ist. Konnte einmal sogar auf den Lift verzichten.
Wenn Schatz seine Pause hat, whatsappen wir ca. 30 Minuten: Was machen die Katzen? Was gibt es neues? Hast du schon …? Und nach der Pause schau ich auf die Uhr: Immer noch fast 5 Stunden bis ich den Schlüssel im Schloss der Wohnungstür höre! Verdammt. Na, dann erstmal einen Espresso trinken, noch einen danach. Lohnt ja nicht, für ein Tässchen den Kaffeeautomat anzustellen.
Dann geht es ins Bad, Haare kürzen, Bart kürzen, Maniküre, Pediküre, man kennt das, und frau auch. Danach geht es in die Wanne. Welchen Badezusatz nehme ich heute? Ach, ich nehme wieder den gegen Muskelschmerzen.
Die Katzen haben wieder Hunger.
Immer noch 3 Stunden bis der Gatte nach Hause kommt. Was jetzt? Ach, ich könnte ja mal was im Blog schreiben, ein paar Kommentare beantworten, das Internet leerlesen. Rückengymnastik darf ich nicht vergessen. Ein paar Hundert Schritte auf dem walking pad für die Kondition, so ca. 20 Minuten. Ich schaue auf die Uhr …..
Die Katzen haben Hunger.
Wenn ich jetzt auf die Uhr schau, kann ich in ca. einer Stunde damit beginnen, das Essen langsam zu erwärmen. Es gibt eine griechische Fleischpfanne, da ist Ouzo dran! Dazu Reis, also Reis kochen. Und dann dauert es nicht mehr lange und mein Schatz ist endlich zu Hause.
Tja, so sieht mein langer Samstag aus. Hört sich an, als sei ich dauerbeschäftigt. Aber die Zeit, bis endlich die Wohnungstür aufgeht, ist sooooooo lang. Und der Abend ist auch nur kurz. Wir essen, reden, trinken Wein, reden. Nochmal kurz ins Netzt? Ein Digestif dazu? Jo. Und dann ist es 22 Uhr. Ein paar Seiten noch lesen, Licht aus. Gute Nacht! Küsschen und Kuscheln, die Augen fallen langsam zu.
Das Rätsel zum Wochenende
Ein langer Vormittag
Puh, das war lang: Um 09:40 Uhr war der Termin für das Anestäsiegespräch, ca. eine Stunde musste ich warten, bis ich dran war. Das Gespräch war sehr ausführlich. Die Ärtzin ist den Anamesebogen, den vor vorher ausfüllen musste, akkurat durchgegangen und hat alle Punkte noch mal mit mit besprochen. Aber ok, so muss das eben bei eine Anesthäsie.
Mein Schatz hat seinen freien Tag, bzw. den halben davon, geopfert und ist mir nach Bergedorf zur Praxis-Klinik gefahren und hat im Wartezimmer ausgeharrt. Als ich nach dem Gespräch ins Wartezimmer kam, schaute er erleichtert auf. Aber damit war das noch nicht erledigt. Es musste noch ein EGK gemacht und Blut abgezapft werden. Also wieder warten. Als das erledigt war, hiess es wieder warten, nämlich auf ein abschliessendes Gespräch mit der Narkoseärztin über das EKG. Es gibt eine leichte Auffälligkeit, aber nicht besorgniserregend. Dann konnten wir endlich die Heimfahrt antreten.
Mit dem Wocheneinkauf, den wir auf dem Heimweg erledigten, waren wir ca. 4 Stunden unterwegs. Auf das Frühstück haben wir heute verzichtet. Stattdessen gab es erstmal einen Kaffee für meinen Schatz und einen Espresso für mich, dazu etwas Gebäck. Zum Kochen haben heute auch keine Lust, was wir schon befürchtet hatten. Es gibt nachher Ofenkäse und Brot zum Aufdippen, und natürlich Wein dazu.
Im Anamesebogen wird ja immer gefragt, ob man Alkohol trinkt. Ich hab „ja“ angekreuzt und „Wein am Wochenende“ dazugeschrieben. Die Ärztin war zufrieden damit, Wein am Wochenende sei ok. Sie will versuchen, am 27.2. bei mir die Anesthäsie vorzunehmen, sich reinmogeln, wie sie sagte. Und sie erwähnte, dass sie immer sehr gern mit Dr. Klase arbeitet und sich auch von ihm operieren lassen würde.
Zum Abschluss bekam ich noch auf den Weg: Ich soll mir bitte bis zur OP keine Erkältung aufhalsen, dann müsste man verschieben. Ich will das ja auch endlich erledigt haben.
Hin und weg

Glinda, meine Herzkatze, kuschelte sich heute Vormittag an mich. Sie lag auf dem Tisch vor dem Monitor. Für die Tastatur war kein Platz mehr. Als Bernd zur Pause online kam, musste ich mit meinen Wurstfingern auf dem Handy chatten. Ich konnte doch nicht zulassen, dass ich Glinda störe und mich weiter zurücksetze, damit ich die Tastatur auf den Oberschenkeln ablegen könnte.
Das war so süss wie Glinda da lag, das Köpfchen gegen meinen Bauch gedrückt. Man sieht, dass Glinda sich auch wohlfühlt und genau so hin und weg ist, wie ich, wie ich diese Situation genossen habe.
Man könnte denken Glinda lächelt, was sie natürlich nicht tut. Aus einer bestimmten Perspektive sieht es aber so aus, was die Situation noch schöner machte.
Ein Schneefoto

Es schneit mal wieder, ganz fein geschnittener Schnee fällt vom grauen Himmel. Man sieht es nicht auf dem Foto. Es geht auch nicht um den Schnee, es geht um die Sonne.
Während es ganz fein und dicht schneit, scheint die Sonne durch den Schneedunst. Lieber wäre mir klarer blauer Himmel. Diese graue Suppe ist nervig. Immerhin ist ein kleiner sonniger Lichtblick zu erkennen.
Morgen soll es wieder schneien. Hab ich es schon mal erwähnt: Grün ist mir lieber.
Ein mögliches Szenario
Ich muss mal wieder politisch werden, man mach sich ja doch seine Gedanken wenn der Tag lang ist. Es geht um die DU – das „C“ kann man ja inzwischen weglassen. Da ist nichts mehr christlich.
Und es geht um den sogenannten Bundeskanzler. Friedrich Merz ist zwar offiziell und demokratisch zum Bundeskanzler gewählt worden. Aber füllt diesen Posten nicht ansatzweise aus. Ich weigere mich deshalb, diesen Titel im Zusammenhang mit Herrn Merz überhaupt noch zu erwähnen.
Das, was die DU mit ihren Ideen derzeit betreibt, ist soziale Demontage. Es ist die Rede davon, dass wir uns das nicht mehr leisten können, dass alles zu teuer ist, wir mehr arbeiten müssen. Dabei ist Deutschland eins der reichsten Länder der Erde! Es ist natürlich leicht, nach unten zu treten und „die da oben“, nämlich die reichen Deutschen, zu schonen. Wenn es eine gerechte Erbschaftssteuer und eine Vermögenssteuer geben würde, wäre genug Geld vorhanden, um Rentner und Arbeitnehmer leben zu lassen, ihnen nicht die Butter vom Brot nehmen zu müssen.
Mit diesen Ideen, mit dieser Politik, biedert sich die DU, biedert sich Herr Merz, der AfD an. Statt die AfD zu halbieren, wozu Herr Merz ja mal angetreten war, ist sie in der Gunst der Naziwähler gestiegen. Die AfD reibt sich die Hände.
Ich frage mich, was treibt die DU, was treibt Herr Merz mit dieser Politik? Was wird da in den Hinterzimmern ausgeklüngelt? Eine soziale Demontage kann die SPD eigentlich nicht mittragen. Wenn sie das täte, wäre das ihr Untergang. Tut sie es nicht, käme es womöglich zum Bruch der Koalition. Ist es das, was die DU, was Herr Merz will?
Bei einer Neuwahl würde es womöglich keine regierungsfähige Mehrheit der demokratischen Parteien geben. Die DU und Herr Merz spekulieren darauf, dann die AfD mit ins Boot zu holen. Herr Merz würde dann mit den Stimmen der AfD zum Kanzler gewählt werden. Oder andersrum: Die AfD müsste mit der DU koalieren. Die Brandmauer läge in Trümmern, tut sie eigentlich jetzt schon. Und Deutschland läge auch in Trümmern.
Noch schlimmer: Die DU betreibt eine Fusion mit der AfD zur einer Einheitspartei. Nicht auszudenken.
Einen positiven Aspekt gibt es zurzeit noch: Merz kann den Sozialabbau nicht mit einem Federstrich betreiben. Er braucht dazu Entscheidungen des Bundestages. Aber am liebsten würde er es machen wie Trump: Zahnarztbesuche von der Krankenkasse bezahlt – weg damit. Renteineintritt – 70 Jahre, usw usw.
Bei dieser Gelegenheit muss ich mal erwähnen, dass ich die wichtigtuerische Visage des Herrn Merz in den Medien nicht mehr sehen kann.
Februar 2026

Dieses Foto von Elphie wird uns durch den Februar begleiten. Es ziert das Kalenderblatt für diesen Monat.
Elphie präsentiert sich in ihrer typischen Knuddelmichpose. Wenn sie irgendwo liegt und wir treten an sie heran, legt sie sich gleich auf die Seite und lässt sich den Bauch knuddeln, unsere Kleine.


