Archiv der Kategorie: Kultur

Der letzte Vorhang

Das war’s. Das Musical Mamma Mia wird nur noch in der Erinnerung in uns weiterlebebn. Heute Abend fiel der letzte Vorhang. Einleitende Worte des künstlerischen Leiters des Operettenhaus Hamburg versprachen die beste Aufführung, die Hamburg je gesehen hat. Ob es die beste Vorstellung war, kann ich nicht beurteilen, ich habe ja nicht alle gesehen. Aber es war eine glanzvolle Aufführung mit einer herrausragenden Carolin Fortenbacher und einem ihr ebenbürtigen Frank Logemann. Er verkörperte die Rolle des Sam, der Donna vor 21 Jahren verlassen hatte.

Wie erwartet, gab es ein paar Spässe, die sich die Darsteller auf der Bühne erlaubten und über die sie selbst auch lachen mussten. Wer das Musical kennt, hat alle die kleinen Abweichungen von der Routine bemerkt. Sie wurden vom Publikum mit Beifall honoriert.

Nach dem offiziellen Schlussbild gab es für alle Beteiligen nur positive Dankesworte. Blumensträusse wurden an alle Mitwirkenden verteilt. Am Ende wurden alle auf die Bühne gebeten, die irgendwie mit dieser Produktion zu tun hatten. Dann senkte sich unter den Klängen der Band, die unter der Leitung von Sebastian de Domenico ein paar Takte aus dem Musical spielte, zum letzten Mal der Vorhang.

In 5 Jahren haben 2,5 Millonen Zuschauer das Musical gesehen.

Noch ein Abschied

Heute Abend gönnen wir uns eine Packpause. Wir werden uns die Derniere des Musicals Mamma Mia ansehen. Die Karten habe ich schon vor vielen Monaten bestellt. Das Stück an sich ist ja schon recht amüsant. Vermutlich wird es heute Abend recht lustig werden. Üblicherweise warten die Darsteller bei so einem Anlass mit allerlei Spässchen auf.

Gespannt bin ich auf den 2. Akt, in dem Donna, die alleinerziehende Mutter, ihren grossen Auftritt hat. Wird Carolin Fortenbacher in diesem Teil des Stückes ihren Part der Rolle gemäss ernst und emotionsvoll wie sonst auch auf die Bühne bringen? Ich hoffe es sehr, denn Carolin Fortenbacher ist grandios in dieser Rolle.

Anfang August hat sie der Mopo ein Interview gegeben. Genau das, was sie da erzählt, habe ich bei mehreren Aufführungen selbst erlebt. Die Frage, ob sie die bestmögliche Besetzung für die Rolle der Donna ist, hat Carolin Fortenbacher diplomatisch beantwortet. Ich sage ja, es gibt keine bessere Besetzung!

Tag des Kusses

Der heutige Tag des Kusses wurde heute Morgen bei Radio Hamburg zum Anlass genommen, eine Telefonumfrage zu starten. Die Frage war, ob man Negerkuss sagen darf oder z.B. Schaumkuss. Es ging also eher zweitrangig um den Tag des Kusses als um die Frage, ob man das Wort Neger überhaupt noch in den Mund nehmen darf.

In meiner Kindheit sagten wir Negerkuss und sprachen auch über Neger. Ich bin mit dem Wort gross geworden und habe es niemals als Schimpfwort empfunden und auch nicht als solches gebraucht. Damals waren eben noch nicht so viele dunkelpigmentierte Mitmenschen unter uns, dass man sie hätte beschimpfen können oder müsssen.

Neger ist ja heute politisch unkorrekt. Ich hatte vor ein paar Jahren mal davon gehör, dass der Roman „Zehn kleine Negerlein“ von Agatha Christie eigens umbenannt werden sollte. Ob das geschehen ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Negerküse, die beliebte süsse Leckerei, findet man im Regal des Supermartkes auch nicht mehr. Allerlei gekünstelte Umschreibungen sind stattdessen auf dem Markt.

Ahnlich ist es mit den Zigeunern. Zigeuner ist auch politisch unkorrekt. Aber es gibt noch Zigeunersauce. Eine Umschreibung dafür hat man wohl noch nicht gefunden. Sinti-und-Roma-Sauce würde wohl auch keiner kaufen.

Zigeuner liefen bei uns in den 50iger Jahren durch die Strassen, mit Teppichen über dem Arm, die sie an die Hausfrau verkaufen wollten. Am Rand der Stadt gab es von Zeit zu Zeit ein Zigeunerlager mit grossen Wohnwagen und dazu passende grosse PKW, die vorne einen Stern hatten. Es gab nur ganz wenige Leute, die sich damals so ein Gefährt kaufen konnten. Vielen waren froh, sich überhaupt ein Auto leisten zu können. Die Zigeuner konnten das. Ich fragte mich als kleiner Junge immer, ob die das Geld dafür mit dem Verkauf von Teppichen verdient hatten, was ich mir allerdings nicht vorstellen konnte.

Neger und Zigeuner waren für mich Begriffe, die normal waren. Sie waren normal, weil wir mit diesen Begriffen Menschen bezeichnet haben, die nicht aus unserem Kulturkreis stammen. Ich wiederhole hier noch mal: Wir benutzten diese Worte nicht abfällig. Es war ein ganz normaler Sprachgebrauch.

Heute muss man vorsichtig sein, in welchem Kreis man Zigeuner oder Neger sagen darf. Eventuell bekommt man nämlich verbal den erhobenen Zeigefinger zu sehen. Aber ich oute mich hiermit, dass ich im familiären Kreis oder unter Freunden oder Kollegen immer noch Neger und Zigeuner sage – und das ist nie und nimmer böse gemeint.

Alleinunterhalter

Auf neudeutsch sagt man Comedians. Und es gibt derer recht viele, die auf verschiedenen Fernsehsendern ihr Unwesen treiben. Eigentlich erzählen sie nur Witze, die sie zu einer kleinen Geschichte zusammengeklöppelt haben. Einige Comedians werden kurz vor der Pointe immer lauter, ja, sie schreien teilweise. Oft lachen sie über ihre eigenen dämlichen Witze und das Publikum brüllt vor lachen – und ich weiss wieder mal nicht, warum, wenn ich rein zufällig in so eine Sendung gerate.

So eine Show könnte ich mir gar nicht den ganzen Abend lang anhören, viel weniger dafür auch noch Geld ausgeben damit ich mir das anhöre. Ich würde wohl nach spätestens 30 Minuten schreiend aus dem Saal rennen und das Foyer zerlegen.

Am schlimmsten finde ich den Wischmop, der sich Atze Schröder nennt. Wenn ich seine grinsende Visage schon sehe, was sich ja manchmal beim abendlichen zappen nicht vermeiden lässt, kräuseln sich meine Zehennägel.

Einen Comedian gibt es, der seine Sache ganz anders macht. Sehr ruhig, subtil geradezu: Dieter Nuhr. Der Fällt total aus dem Rahmen und hebt sich von den anderen wohltuend ab. Dem höre ich gern mal zu. Aber alle anderen – nein, das ist nicht meine Welt.

Heulboje

Seit einigen Tagen wird auf unserem lokalen Privatsender Radio Hamburg ein neuer Titel gespielt. Verstehen kann man nicht, was die Dame dort jault. Und wir verstehen nicht, warum das Lied so toll sein soll, dass es mehrmals am Tag über den Sender geht.

Die Rede ist von Maria Mena und ihrem Lied „Just hold me“. Es ist einfach unerträglich, dieses Gejammere und Gejaule von dieser Heulboje zu hören. Ab- bzw. Umschalten lohnt nicht für die paar Minuten.

Fluch der Karibik 3

Wenn man die ersten beiden Filme gesehen hat und sie einem gefallen haben, möchte man auch den letzten Teil der Trilogie sehen. Deshalb wagten wir uns gestern Abend ins Cinemaxxkino am Dammtor. Bernd hatte Plätze in der letzten Reihe bekommen, die inzwischen zu unser Lieblingsreihe geworden ist.

Um 20.00 Uhr ging das Licht in Saal 1 aus. Aber wie üblich mussten wir erst ca. 30 Minuten sinnlose Werbung über uns ergehen lassen, die eh kein Mensch interessierte, wie man der Geräuschkulisse im Saal entnehmen konnte.

Viel möchte ich hier nicht über den Film verraten, nur soviel sei gesagt:
Überraschender Weise beginnt die Geschichte im fernen Osten, in Singapur. Die Geschichte startet sehr zäh und lang aber nicht uninteressant, der Spannungsbogen wird sehr lange aufgebaut.
Nach fast zwei Stunden gab es eine Pause, auf die wir gern verzichtet hätten.

Der Höhepunkt des Films in meinen Augen ist die Seeschlacht zwischen der „Pearl“ und „The Flying Dutchmen“ – ein grandioses Spektakel.

Johnny Depp kaspert gewohnt locker durch die Handlung und wiederholt stellt sich einem die Frage, ob der Pirat Jack Sparrow nicht vielleicht doch schwul ist.

Allen, die sich den Film ansehen wollen, möchte ich den Tipp geben, nicht gleich beim Beginn des Abspanns das Kino zu verlassen, auch wenn das Verlangen danach nach einer Sitzung von fast vier Stunden gross ein mag. Lasst den Abspann über euch ergehen und wartet darauf, was dann kommt.

Sängerfest

Für „Neuleser“ möchte ich kurz erklären, wie unsere Verbundenheit zu Schola Cantorosa entstanden ist:
Bernd war jahrelang aktiver Sänger und Mitglied der Kreativgruppe des Chores, die für die Programmgestaltung, Texte und Choreographien verantwortlich ist. Ich war einige Jahre verantwortlich für Beleuchtung und Toneinspielungen während der Aufführungen. Nach dem Austritt von Bernd aus dem Chor habe ich dieses Amt niedergelegt, bin aber immer noch Fördermitglied.

In diesem Jahr feiert der Schwule Männerchor Hamburg Schola Cantorosa sein 20-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass hat der Chor 4 schwule Chöre zu einem kleinen Chorfestival eingeladen:
Die Tollkirschen aus Leipzig
Homomannenkoor Zangzaad aus Groningen
Philhomoniker aus München
Zauberflöten aus Köln

Für uns begann das Wochenende am Mittwoch Abend. Bernd hatte unseren Übernachtungsgast Frank von Flughafen abgeholt. Er traf mit der letzten Maschine aus München ein. Als Frank um halb zwölf nachts bei uns in der Tür stand war es kein Gast. Frank ist Frank und gehört zur Familie und ist für uns nicht Besuch. Wer unsere kleine Wohnung kennt wird wissen, was das bedeutet.

Natürlich wurde in der Nacht noch lange geredet. Es war wohl erst 1 Uhr als wir schlafen gingen, Frank in „seinem“ Zimmer – unser Schlafzimmer, Bernd und ich auf dem Schlafsofa im Wohnzimmer.

Nach einem ausgedehnten Frühstück am Donnerstag Morgen machten wir uns auf den Weg nach Geesthacht um Frank den aktuellen Zustand des Elbe-Penthouse zu zeigen. Der Einladung zum Kaffee bei Familie G. schloss sich ein Spaziergang entlang der Elbe an. Dabei bekamen wir Appetit auf eine herzhafte Kleinigkeit. Wo anders als in der Alten Försterei bekommt man gutes und preiswerters Essen in Geesthacht? Zu einer Zeit, während der andere Leute bei Kaffee und Torte sitzen, verdrückten wir Försterinnenpfanne und Schnitzel, was viel zu viel und mindestens die dreifache Portion einer Kleinigkeit war. Trotzdem musste noch ein Nachtisch her. Danach waren wir pappsatt.

Wir machten uns auf den direkten Weg in den P.I.T.-Club in Hamburg, eine schwule Bar, in der die Akkreditierung für das Chorfestival stattfand. Frank als aktiver Sänger musste sowieso dort hin. Da Bernd und ich Festivalkarten bestellt hatten, mussten wir uns dort auch unser Ausweise abholen, die uns berechtigten, an allen Veranstaltungen inklusive der Proben teilzunehmen. Im P.I.T.-Club trafen wir alte Bekannte von frühreren Chorveranstaltungen und neue Gesichter. Auf neudeutsch nennt man so einen Abend wohl get-together. Ob es Chorschwestern gab, die dies allzuwörtlich genommen haben, entzieht sich unserer Kenntnis.

Für Freitag Mittag hatte Schola Cantorosa ein Fahrgastschiff für eine 2-stündige Hafenrundfahrt gechartert. Aufgrund des tollen Wetters drängten sich fast alle Teilnehmer auf den Freidecks. Von den Landungsbrücken ging es elbabwärts bis nach Blankenese. Auf der Rückfahrt wurden noch 2 Hafenbecken angesteuert, in denen grosse und kleine Containerschiffe lagen, sicher ein Erlebnis für die Landratten aus München und Leipzig. Und ich muss gestehen, dass auch ich ziemlich beeindruckt war.

Jedes vorrüberfahrende Schiff wurde mit einem vielstimmigen und hochtönigen „huhu“ begrüsst. Eine Ente, die sich während der Fahrt auf dem Dach der Barkasse niedergelassen hatte, wunderte sich sehr über den Unsinn und schaute erst mal über die Kante um zu begutachten, welche illustre Truppe an Bord rumkreischt.

Frank, Bernd und ich brauchten nach der Fahrt wieder mal eine Kleinigkeit, und diesmal war es auch eine. In einem Imbiss im Bahnhof bestellten wir uns Currywurst bzw. Baguette. Leider konnte ich mit der Currywurst nicht umgehen und kleckerte den Curryketchup auf mein weisses Poloshirt. Zum Glück konnte ich die Flecken mit meinem Festivalausweis gut verdecken. Trotzdem musste ein neues Hemd her. Frank fuhr zu uns nach Hause, er wollte ein Mittagschläfchen halten. Bernd und ich gingen shoppen: Ein neues Poloshirt und Zutaten für unser Currygericht, dass es später geben sollte.

Abends fand in der Markthalle das erste Jubiläumskonzert dieses Wochenende statt. Als erster Chor stand Schola Cantorosa auf der Bühne und präsentierte eine Kurzversion des neuen Programms „Die letzten Jahren – die erste Abschiedstournee“. Das Stück enthält 17 Lieder aus 8 Programmen der Jahre 1992 bis 2005, geschickt zusammengefügt in einer Geschichte, die im Seniorenwohnheim spielt. Die Jungs von Schola Cantorosa trugen auf der Bühne Sandalen, langweilige Pullunder, graue Perücken, Brille und stützen sich auf Krückstöcke – die Klischees schlechthin für ein Leben im Altersheim. Das Kurzprogramm war witzig inszeniert und machte Lust darauf, am nächsten Abend die ganze Version zu hören.

Als nächster Chor standen die Gäste aus Groningen auf der Bühne. Sie brachten deutsches Liedgut zu gehör, neu arrangiert und mit Witz inszeniert. Die Sänger hatten sich kostümiert, was keinen Bezug zum Gesang hatte. Jeder hatte ein orangefarbenes Asseccoir dabei, ein Tuch, eine Brille, einen Gürtel usw. Was wären Holländer ohne die Farbe orange.

Nach der Pause kam das absolute Highlight des Abends, und wie sich herausstellen sollte, DAS Highlight aller Aufführungen: Die Kölner Zauberflöten präsentierten ein perfektes Programm, das erst vor einer Woche in ihrer Heimatstadt Premiere hatte: „Starshine“. Vom Statisten zum Star – so lässt sich diese Geschichte kurz beschreiben. Tolle Choreographien, mit Witz und Esprit inszeniert, gesanglich voll auf der Höhe – ein Augen- und Ohrenschmaus. Standing ovations am Schluss waren der verdiente Lohn.

Ich kann nur jedem empfehlen, der in Köln oder Umgebung wohnt, sich auf der Hompage zu informieren, wann und wo das nächste Konzert stattfindet um sich rechtzeitig Karten zu sichern.

Der Samstag stand bei uns im Zeichen der Erholung: Auschlafen, frühstücken, reden. Bernd wollte noch mal in die City und sich neu mit Jeans und Hemden eindecken. Frank bereitete sich währenddessen auf den Auftritt mit seinem Chor am Abend vor.

Am späten Nachmittag fuhren wir gemeinsam zur Markthalle. Frank musste zu den Proben, Bernd und ich nahmen die Gelegenheit wahr, uns die Proben anzusehen bzw. anzuhören. Wir hatten bereits am Vortag gehört, dass dieser Abend ausverkauft ist. Da es keine nummerierte Plätze in der Markthalle gibt, bedeutet das frühes Erscheinen und Anstellen an der Einlasstür, wo wir bereits kurz vor 19.00 Uhr warteten – und das war auch gut so. Denn als um 19.30 Uhr die Türen geöffnet wurden, drängten sich Hunderte in den Saal. Nach wenigen Minuten waren tatsächlich alle Plätze besetzt.

Den Auftakt dieses Abends bildeteten die Philhomoniker aus München mit einem Aussschnitt aus ihrem Programm „Werbe-Wahn“. Leider waren die wackeren Sänger sehr schlecht zu verstehen, was einerseits an der schwierigen Akustik in der Markthalle liegt, anderseits wohl aber auch an mangelnder Artikulation. Denn selbst gesprochene Zwischensequenzen waren leider kaum zu verstehen.

Danach standen die Tollkirschen aus Leipzig mit ihrem Programm „(F)Lachbildschirm“ auf der Bühne. Evergreens, die Jeder kennt, der etwas Älter ist, wurden mit einem roten Faden rund um das Fernsehen verknüpft. U.a. Gerichtsshow, Sport und Sandmännchen waren Bestandteile dieses mit Spannung erwarteten Auftritts. Die angereisteten 9 Sänger des eh schon kleinen Chores und ihre musikalische Leiterin brauchten sich hinter den alteingessenen und wesentlich grösseren Chören ganz gewiss nicht zu verstecken.

Nach der Pause wurde die Aufführungsserie mit dem Auftritt von Schola Cantorosa beendet. Leider reichte die Performance nicht an die Hoffnungen vom Abend vorher heran. Auffallende Textschwächen, teilweise emotionslos gesungene Lieder aus den früheren Programmen, die seinerzeit immer das Gänsehautfeeling bei mir verusacht hatten, waren enttäuschend. Nun muss man dem Chor vielleicht zu Gute halten, dass von der Idee bis zur Aufführung nur 9 Monate vergangen sind. Man darf nicht vergessen, dass es sich bei allen Chören um Hobbysänger handelt, die sich ein Mal in der Woche zur Probe treffen. Zum Vergleich: Die Kölner Zauberflöten haben weit mehr als 2 Jahre an ihrem Programm gefeilt, bevor sie es auf die Bühne brachten.

Den Abschluss der Aufführungen bildete eine von allen Chören gemeinsam vorgetragene Hymne, die von Sebastian de Domenico, dem langjährigen Pianisten von Schola Cantorosa und jetzigem musikalischen Leiter am Operettenhaus Hamburg, komponiert und getextet und dem Chor zum Geburtstag geschenkt wurde.

Gegen Mitternacht war es endlich so weit, dass die Aftershowparty beginnen konnte. In bewährter Manier legte DJ Holger einen guten Mix aus alten und neuen Hits auf, die die Gäste in Scharen auf die Tanzfläche strömen liessen.

Die Parties von Schola Cantarosa sind legendär, es herrscht immer eine tolle Stimmung, die dieses Mal von dem diesjähigen Zweitplatzierten des Eurovision Songcontest bereichert wurde: Sieben, Sieben Ai lyu lyu riss die Tänzer und Tänzerinnen zwei Mal in dieser Nacht zu wahren Zappelorgien hin. Sowas hat bisher nicht mal Madonna geschafft, die ja als schwule Ikone schlechthin gilt – was ich ganz und gar nicht verstehen kann.

Die Nacht endete für uns als wir um halb fünf Uhr morgens in den Schlaf fielen.

Am Sonntagmorgen brauchten wir für uns und unseren Gast nicht für Frühstück sorgen. Als Abschluss dieses Wochenendes hatte Schola Cantorosa für alle Teilnehmer ein Brunch arrangiert. „Halle 13“ – ein ehemaliges Bus- oder Bahndepot des Hamburger Nahverkehrrs, liegt in der Nähe des Stadtparks idyllisch an einem Alsterkanal. Hier gab es ein sehr gutes kaltes/warmes Buffet – und zwar reichlich. Ständig wurden neue Platten bereitgestellt.

Nachdem jeder Chor sein obligatorisches Abschiedständchen zum Besten gegeben hatte und die Dankesworte gesagt waren, war das Festival offiziell beendet. Der Bus der Kölner stand bereit, und brachte diese wieder in ihre Heimatstadt. Ein paar Grüppchen hatten sich noch zusammengefunden und tauschten ihre Eindrücke der vergangenen Tage aus.

Frank kam mit uns wieder nach Hause. Sein Flieger nach München ging erst abends um neun. Auch wir 3 liessen die vergangenen Tage noch mal Revue passieren bevor Bernd unser Familienmitglied aus München wieder zum Flughafen brachte.

Tage wie diese sind schön und auch schön anstrengend. Jeden Abend spät schlafen gehen und Tage angefüllt mit Aktivitäten fordern ihren Tribut. Wir hatten nur einen Gast, dem wir ein Bett zur Verfügung gestellt haben. Die Mitglieder von Schola Cantorosa hatten die Planung und Vorbereitung für diese Veranstaltung UND auch 1 – 2 Übernachtungsgäste von den Gastchören. Ich glaube, die sind alle ziemlich fertig. Und sie gönnen sich keine Pause: Heute Abend ist für Schola Cantoroas Probe angesetzt, d.h. Nachbereitung der vergangen Tage und ihres Auftritts.

Danke Schola Cantorosa für eure Mühe!

Grand-Prix-Nachlese

Der 52. Eurovision Songcontest ist Geschichte. Und Deutschland landete mal wieder weit abgeschlagen. Das kann man ganz bestimmt nicht unserem Interpreten Roger Cicero anlasten. Sein Auftritt war souverän und professionell – im Gegensatz zu einigen anderen „Künstlern“.

Mit dem Gewinnertitel aus Serbien kann ich nicht so viel anfangen. Da hätte mir Verka Serduchka aus der Ukraine mit „Dancing Lasha Tumbai“ schon eher zugesagt, auch wenn ich dem Titel in unserer privaten Abstimmung keinen Punkt gegeben habe. Wer nun sagt, das, was die Ukraine gebracht hat, sei Schwachsinn, sollte sich mal an die Auftritte von Stefan Raab und Guildo Horn erinnern, die seinerzeit mit ihrem Schwachsinn auf relativ guten Plätzen gelandet sind.

Auch wenn mir die Seilschaften zwischen den osteuropäischen und südosteuropäischen Ländern nicht gefallen, dergleichen hat es immer gegeben in diesem Wettbewerb. So haben sich – und sie machen uns noch heute – z.B. die skandinavischen Länder gegenseitig die höchsten Punke zugeschoben. In der Ecke Frankreich/Beligen/Holland ging es schon immer ähnlich zu.

Allein aus der Qualität eines Liedes und der Beliebtheit seines Interpreten auf eine mögliche Platzierung zu schliessen, wird immer unvorhersehbar bleiben solange das System der Abstimmung nicht geändert wird. Die aus der UDSSR und aus Jugoslawien hervorgegangenen Splitterstaaten haben das Abstimmungssystem in eine totale Schieflage gebracht, das so nicht länger hinnehmbar ist. Ich hoffe, dass die vier „Geldgeberteilnehmer“ eine Lösung finden und ihren Einfluss geltend machen, die Vorhersehbarkeit bei der Punkteverteilung in Zukunft zu vermeiden, auch was die alljährlichen 12 Punkte aus Deutschland für die Türkei betrifft.

Bei dieser Gelegenheit möchten wir uns ganz herzlich bei den Hasen für den netten Abend bei leckerem Essen und Maibowle bedanken.

Als der Teppich aufging


Dies hat nichts mit dem Orient zu tun, wir haben auch keinen Teppich gekauft. Es hat mit einer Lebedame zu tun, die einst in den Salons von Paris verkehrte und sich bei ihrem ausschweifenden Leben die Schwindsucht holte, an der sie in ärmlichen Verhältnissen zu Grunde ging. Heute würde man so eine Person Partyluder nennen, die entweder an einer Überdosis Heroin sterben, dem Alkohol verfallen oder bestenfalls an Bulimie leiden würde.

Die Rede ist von Violetta, die Hauptrolle in Giuseppe Verdis Oper „La Traviata“. Diese Oper haben wir uns gestern Abend in der Staatsoper Hamburg angesehen. Es war laut Programmheft die 224. Vorstellung einer Inszenierung aus dem Jahr 1975, die am 13. April des gleichen Jahres ihre Premiere hatte.

1975 hat man noch Oper gemacht mit einem tollen Bühnenbild und opulenten Kostümen. Und deshalb war die gestrige Aufführung ein Augenschmaus, wenn es für mich auch anfangs etwas gewöhnungsbedürftig war, in einigen der Hauprollen asiatische Protagonisten auf der Bühne zu sehen. Dieses Manko verschwand aber angesichts des Bühnenbildes, der Kostüme und der grösstenteils phantastischen Stimmen schnell in den Hintergrund.

Die Rolle der Violetta Valery wurde von der reizenden Sopranistin Ha Young Lee gespielt und gesungen. Gut spielen und gut singen gleichermassen – das will schon was heissen. Und sie hat wirklich gut gespielt. Und ihre Stimme! Ich hätte einer so zierlichen Person eine so umfangreiche Stimme nie zugetraut. Die Bravorufe aus dem Publikum waren verdient.

Die männliche Hauptrolle, ihr Geliebter Alfredo Germont, war nicht so gut besetzt. Ho-yoon Chung war als Ersatz für einen erkrankten Sänger eingesprungen. Der Koreaner war Stimmlich etwas schwach, teilweise vom Orchester überdeckt, und spielerisch etwas hölzern. Man muss ihm wohl zugute halten, dass es nicht ganz einfach ist, kurzfristig in eine Inszenierung hineinzurutschen, die ihm vielleicht etwas fremd ist. Schlecht kann der Tenor nicht sein Ich habe heute gelesen, dass er von der Wiener Staatsoper engagiert worden ist.

Ein zweites Highlight neben Ha Young Lee war Ambrogio Maestri. Er verkörperte den Vater des Alfredo, der Violetta überredet, sich von Alfredo zu trennen um die Familienehre zu retten. Der Bass Ambrogio Maestri hat eine sehr starke Bühnenpräsenz, die wohl seiner massigen Figur und hauptsächlich auch seiner überragenden Stimme zuzuschreiben ist. Zu recht erhielt auch er beim Szenen- und beim Schlussapplaus Bravrorufe.

Und was hat der Teppich damit zu tun? Die Vorstellung wurde auch von einer Reisegruppe aus Dänemark besucht, von der einige Damen in der Reihe hinter uns sassen. In der Pause unterhielt sich eine Dänin mit ihrer Deutschen Sitznachbarin, der sie erzählte: „Als der Teppich aufging war alles so wie ich es wünsche zu sehen.“ Sie wolte damit ausdrücken: Als der Vorhang aufging war das Bühnenbild so, wie es sein sollte. Und mit der Bemerkung muss ich ihr verdammt recht geben.

Nachtrag Titanic


Manche Leser mögen ja von meiner Titanic-Bessenheit genervt sein. Aber es ist und bleibt mein absolutes Lieblingsbühnenstück mit Musik, das ist ganz ausser Frage. Es gibt einige Menschen in unserem Bekanntenkreis, denen das Musical seinerzeit ganz und gar nicht gefallen hat. Niedrige Besucherzahlen und die kurze Laufzeit von 10 Monaten zeigen, dass das Stück offensichtlich nicht gut angekommen ist. Ich vermute, dass viele das Bühnenstück mit dem Film verglichen haben. Im Film wurde nur das Schicksal zweier Menschen gezeigt während das Musical das Schicksal mehrerer Menschen beleuchtet. Aber gerade das macht meines Erachtens das Musical so interessant. Und vor allem wurde es sehr kompetent auf die Bühne gebracht.

Die Veranstaltung am vergangenen Montag wurde ja zugunsten der DGzRS durchgeführt. Auf der Homepage der Gesellschaft wurde eine Würdigung der Aufführung veröffentlicht. Klar, die Menschen, die hinter der DGzRS stehen, sind der Seefahrt intensiv verbunden. Das hat aber nichts mit Kunst zu tun. Deshalb betrachte ich die Würdigung der konzertanten Aufführung als ziemlich objektiv. Wer sich davon überzeugen möchte, möge bitte das hier lesen. Vielleicht versteht ihr dann, warum ich Titanic das Musical so sehr liebe.