Ein Mensch hat sich vor einen Zug geworfen und sich das Leben genommen. Das ist nicht ungewöhnlich. Das passiert in Deutschland mehrmals im Jahr. Normalerweise ist so ein Suizid nur ein paar Zeilen in der Tagespresse wert. Im Radiosender wird noch darauf hingewiesen, dass es zu Verspätungen bzw. Unterbrechungen auf der entsprechenden Bahnlinie kommt. Das war es dann auch. Niemand interessiert sich dafür, was für ein Mensch das gewesen ist und warum er seinem Leben ein Ende gesetzt hat.
Fussballer scheinen irgendwelche Halbgötter in Deutschland zu sein, ja, man kann sie schon fast als Götzen bezeichnen – jedenfalls wenn man danach geht, welcher Aufstand um den Freitod des Robert Enke gemacht wird. Ich wette, dass einem Sportler aus einer anderen Sparte so ein Brimborium nicht zuteil geworden wäre.
Angela Merkel „reagierte bestürzt“ und hat der Witwe einen persönlichen Brief geschrieben. Vermutlich tut sie das nie wenn ein unbekannter Mensch seinem Leben ein Ende gesetzt hat.
Zum Gedenken an Robert Enke wird heute eine überdimensionale Trauerfeier abgehalten. Sein Sarg wird währenddessen auf dem Rasen des Fussballstadions stehen. Ich kann mir nicht helfen, aber das ist alles mindestens eine Nummer zu gross. Und die Witwe, die allein zu entscheiden hätte, wie ihrem Mann die letzte Ehre erwiesen werden soll, hat all dem zugestimmt! Das klingt nach Sensationslust, danach, im Rampenlicht zu stehen. Ein würdiger Abschied ist das nicht. Das ist eine Massveranstaltung, das ist Zirkus und durch nichts gerechtfertigt.
Es gibt einen einzigen positiven Aspekt bei diesem Fall: Es wird endlich mal darüber gesprochen, dass Despression eine Krankheit ist, aufgrund der man sich nicht verstecken muss und schon gar nicht verstecken sollte. Vielleicht werden andere Erkrankte und deren Angehörigen mal wachgerüttelt. Aber eines derartigen Traueraktes bedarf es dazu nicht.