Mary Poppins – die Premiere


Nun haben mein Mann und ich wohl alles mal erlebt, was im Musicalbereich möglich ist. Eine Premiere fehlte uns noch, und die haben wir gestern Abend sehr genossen.

Mit der ersten Shuttlefähre fuhren wir von den Landungsbrücken über den großen Strom zum Theater an der Elbe. In kaltem Wind und leichtem Schneetreiben mussten wir noch eine Weile ausharren, bis wir eingelassen wurden. Nachdem wir unsere Jacken an der Garderobe abgegeben hatten, am heutigen Abend kostenfrei, wurde uns schon gleich ein Willkommensgetränk aufgedrängt.


Wir nahmen jeder ein Glas Sekt. Unsere Plätze waren im Rang. Auf unserem Weg und die Treppen hinauf standen überall freundliche Mitarbeiter mit Tabletts, auf denen volle Gläser standen, Sekt, Wein, Longdrinks und Säfte. Im Rangfoyer suchten wir uns einen freien Bistrotisch. Auf allen Tischen standen Etageren mit Fingerfood, süß wie auch pikant. Das erste Glas Sekt war bald leer. Von der Flying Bar wurde uns ein neues Glas gereicht.

Es dauerte nicht lange und ein nettes Ehepaar gesellte sich zu uns. Die beiden kamen aus Heide angereist. Wir kamen ins Gespräch und erfuhren, dass die Dame an Musicals interessiert ist und dass ihr Mann, wie es bei vielen so ist, mitgekommen ist. Bis zum Beginn der Vorstellung beobachteten wir die vorbeiflanierenden Gäste und tranken dabei noch das eine oder andere Glas Sekt. Wir waren sehr davon angetan, dass die meisten Gäste, dem Anlass entsprechend, gut gekleidet waren. Als der Gong ertönte, nahmen wir unsere Plätze ein. Langsam füllte sich der Zuschauerraum. Und dann ging es los und das Musical Mary Poppins hatte Premiere.

Und jetzt zum Musical selbst:
Wir können jetzt schon sagen, dass, wenn wir es in Kürze zum 2. Mal gesehen haben, es dann auch genug ist für uns. Mein Eindruck war, dass die Inszenierung nicht richtig rund ist. So richtig wollte der Funke auf mich auch nicht überspringen. OK, vielleicht muss man dem Cast und der Technik noch ein wenig mehr Spielerfahrung zugstehen. Je öfter man was macht, desto besser flutscht es. Vielleicht habe ich ja in 3 Wochen eine andere Erfahrung. Wir werden dann im Parkett sitzen und allein deshalb schon einen ganz anderen Blick auf die Szenerie haben.

Mary Poppins ist ein Familienstück. Sie ist ja ein Kindermädchen und die Geschwister Jane und Michael Banks agieren fast ununterbrochen auf der Bühne. Wir könnten uns vorstellen, dass dem Musical eine längere Laufzeit beschieden sein wird.

Die Kinder, gespielt von Marjan und Liam (die Nachnamen werden bei Kinderdarstellern aus Schutzgründen nie erwähnt), haben ihre Rollen toll über die Bühne gebracht – Marjan als Jane Banks ein wenig zickig, wie Mädchen halt so sind, und Liam als Micheal Banks ein wenig keck. In den Tanzszenen hat mich besonder der kleine Liam fasziniert, seine Choreo war perfekt.

Livio Cecini spielte überzeugend den granteligen Vater George Banks. Milica Javoanovic war in der Rolle der Mutter Winifried Banks zu sehen. Wir hatten sie im letzten Sommer in Tecklenburg als „Ich“ in Rebecca gesehen und werden sie dortselbst im kommenden Sommer als Fantine in „LES MISÉRABLES“ auf der Freilichtbühne erleben dürfen. Mrs. Brill, die Haushälterin – wunderbar gestaltet von Heike Wiltrud Schmitz. Ein Highlight ist das Zusammentreffen mit dem ehemaligen Kindermädchen von George Banks, Miss Andrew (Maaike Schuurmans). David Boyd spielt und tanzt den Bert. Sehenswert und beeindruckend sein Überkopfsteptanz am oberen Rand des Proszeniums.

Und nun zur Hauprolle, Mary Poppins. Das Musical wird allein durch diese Rolle getragen. Nicht umsonst trägt das Stück ihren Namen. Elisabeth Hübert verkörpert die Rolle bezaubernd und charmant und mir großer Spielfreude. Die Kinder Jane und Micheal Banks hat sie mit schnippischen Berkungen im Griff. Man kauft Elisabeth Hübert das Kindermädchen ab.

Beeindruckend der Schluss: Mary Poppins hat ihre Mission in der Familie Banks erfüllt und schwebt, an ihrem Regenschirm hängend, über die Köpfe des Publikums hinweg.

Standing Ovations für die Protagnisten am Ende des Stückes. Das Publikum im Parkett war diesbezüglich aber sehr zögerlich und erhob sich nur langsam von den Plätzen.


Eine Premiere ist schon etwas besonderes. Das Foyer schmückte exklusive Blumenarrangements. Auch in der Pause wurden Getränke und Snacks gereicht. Draußen beobachteten wir das Schneegestöber, welches durch die anlässlich der Premiere installierte Illumination des Theaters wirkungsvoll in Szene gesetzt wurde. Alle Darsteller bekamen auf der Bühne Blumengebinde überreicht. Als wir nach dem Schlussapplaus zurück ins Foyer kamen, standen wieder fleißige Helferlein bereit und reichten Getränke. Aufmerksam wurde nachreicht. Auf den Tischen gab es neue Snacks. Die Sängerinnen und Sänger mischten sich unter die Zuschauer, auch die beiden Kinderdarsteller. Ich sprach die beiden nochmal kurz an und bewunderte sie für die tolle Leistung. Mit dem Ehepaar aus Heide ließen wir bei dem einen oder anderen Getränk den Abend revue passieren.

Es war bereits nach 23 Uhr als wir uns vom Fährshuttle zu den Landungsbrücken übersetzen ließen. Mit U-, S-Bahn und Bus erreichten wir die kurz vor 1 Uhr am Montag Morgen die kleine Stadt an der Elbe. Wohlweislich hatten wir uns für den ÖPNV für die Fahrt nach Hamburg und zurück entschieden, wissend, dass alkoholische Getränke gereicht werden würden. Und bei der winterlichen Wetterlage war es eh angemessen, den Wagen im Carport stehen zu lassen.

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