Unpässlichkeit, das mag wohl eher harmlos ausgedrückt sein:
Gestern Nachmittag ging das los: Schwierigkeiten beim Aussprechen eines bestimmen Wortes, leichte Sehstörungen und ein taubes Gefühl an der linken Lippenseite. Ach, das wird schon wieder! Zuhause stellten wir dann fest, dass sich mein Mund beim Lächeln schief verzog und dass sich die Sehstörungen auf das Linke Auge beschränkten. Persönliche Tests meiner Feinmotorik ergaben keine Auffälligkeiten. Trotzdem war ich benruhigt und suchte einen Ratschlag unserer Nachbarin. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit schlossen wir einen leichten Schlaganfall aus und wollten erstmal eine Nacht darüber schlafen.
Heute war keine Besserung eingetreten. Beim Sprechen musste ich mich anstrengen, die Worte eingermaßen vernünftig über die Lippen zu bekommen, beim Trinken des morgendlichen Kakaos musste ich aufpassen, nicht zu sabbern. Die Sehstörungen traten auch wieder auf. Wir entschieden, dass ich erstmal den Hausarzt aufsuche.
Kurz vor acht Uhr stand ich dort am Thresen und schilderte meine Beschwerden. Ich hatte gerade meinen Kindle aufgeschlagen, als ich auch schon aufgerufen wurde obwohl 2 Patienten vor mir schon im Wartezimmer saßen. Meiner Verwunderung darüber ausdruckverleihend meinte die Ärztin, dass ich mit meinen Beschwerden absoluten Vorrang hätte, wovon ich dann ziemlich begeistert war.
Nach ein paar Tests (Zeigefinger auf die Nasenspitze, mit geschlossenen Augen geradeaus gehen und anderen Dingen) meinte die Ärztin, dass es sich vermutlich um eine Nervenentzündung im Gesicht handelt und fragte, ob ich offen gefahren sei. Natürlich war ich das bei dem Wetter der letzten Tagen, sogar hardcoreoffen, nämlich mit heruntergelassenen Scheiben und ohne hochgeklapptes Windschott. Na ja, es könnte davon herrühren meinte die Ärztin dann. Ich erhielt eine Überweisung zum Neurologen um Gewissheit zu bekommen, was die Ursache meiner Beschwerden ist.
Der Neurologe machte die gleichen Tests und noch ein paar mehr und ich merkte, dass meine linke Gesichtshälfte anders reagierte als die rechte. Per Ultraschall wurden meine Halsschlagadern untersucht, an denen keine Auffälligkeiten festzustellen waren.
Ergebnis seiner Untersuchungen: Eine Nervenentzündung. Meine Frage, wie man sich sowas zuzieht, beantwortete er, damit dass das Viren sind. Ich bekam starke Tabletten verschrieben sowie ein Medikament, welches die Wirkung auf den Magen in Grenzen halten soll sowie eine Augesalbe für mein mittlerweile trändendes linkes Auge. Für 10 (!) Tage bin ich nun krankgeschrieben, ich soll mich schonen! Er gab mir noch mit auf den Weg, dass siche die Lähmungserscheinungen im Gescht in den nächsten Tagen noch verschlimmern könnten. Ich soll dann keinen Schreck bekommen, wenn ich in den Spiegel schau. Die Chance, dass nichts davon nachbleibt, beträgt 80 Prozent. Also hoffen und daumendrücken.
Am Montag soll ich wieder vorbeikommen. Schauen wir mal, wie dann man Zustand ist.
Leider musste ich heute eine geschäftliche Einladung zu einer Ausfahrt auf der Elbe anlässlich des Hafengeburstages und der Taufe der MS Europa 2 am Freitagabend absagen.