Muttertag

Irgendwann im Mai ist Muttertag, dieses Irgendwann ist heute. Wenn ich nicht in Werbeanzeigen, auf Instagram oder mit Aufstellern im Einzelhandel mit überteuerten Pralinen darauf hingewiesen werden würde, wüsste ich nicht, an welchem Tag Muttertag wäre. Ich will es auch gar nicht wissen, denn wer seiner Mutter nur einmal im Jahr an einem vorgeschrieben Tag etwas gutes tut kann es gleich ganz bleiben lassen.

Und ich glaube, dass viele Söhne und Töchter sich sonst so gut wie gar nicht um ihre Mütter kümmern. Wie soll man das auch bewerkstelligen wenn man eventuell mehrere Hundert Kilometer von einander entfernt lebt und selbst noch in Lohn und Brot steht, eventuell Stress auf der Arbeit hat und dann froh ist, ein Wochenende zu haben, an dem man entspannen kann? Mütter, die dafür kein Verständnis haben, sind keine guten Mütter.

Eltern müssen ihren Kindern Freiheiten lassen, auch wenn sie nur noch alleine leben nach dem Tod des Ehepartners. Sie können nicht erwarten, dass sich die Kinder um sie kümmern, besonders wenn beide Parteien nicht in der gleichen Stadt leben. Kinder sind nicht dazu da, sich um ihre Eltern zu kümmern, auch wenn manche Eltern das erwarten. Kinder haben ihr eigenes Leben.

12 Gedanken zu „Muttertag

  1. Trulla

    Mit einer Einschränkung gebe ich dir Recht.
    Seitdem meine gewünschten Kinder auf der Welt sind, war für mich jeder Tag Muttertag. Einen verordneten braucht man nicht.

    Nicht ganz einverstanden bin ich aber mit der apodiktischen Aussage deines vorletzten Satzes. Ob Eltern es nun erwarten oder nicht: Kinder werden hoffentlich ihre Eltern nicht im Stich lassen, wenn sie gebraucht werden. Wie sie das bewerkstelligen ist sicher individuell, beeinträchtigt aber doch nicht „ihr eigenes Leben“ zu leben.

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    1. Hans-Georg

      Ich erwarte nicht, dass unser Sohn wöchentlich 450 km fährt um sich um mich zu kümmern. Ausserdem hat er einen Job und Familie, also ein eigenes Leben.
      Meine Mutter habe ich wöchentlich im Seniorenheim besucht. Ich war schon Rentner und hatte Zeit. Je eine Stunde An- und Rückfahrt und eine Stunde Besuchszeit. Wir hatten uns ja nichts mehr zu erzählen. Mutter erlebte im Heim nichts, mein Leben ist und war auch nicht aussergewöhnlich. Mutter konnte nie verstehen, dass wir nicht ständig unterwegs waren. „Was habt ihr am Wochenende gemacht?“ – „Nichts, wir waren zu Hause.“ Ich erntete Kopfschütteln. Das ist eben mein Leben mit meinem Mann, denn besonders am Wochenende ist ja viel Betrieb auf den Strassen. Und mein Schatz und ich waren, und sind, froh, die Zeit gemeinsam in trauter Zweisamkeit zu verbringen – eben unser Leben.

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      1. Trulla

        Wir haben vermutlich den Begriff „kümmern“ unterschiedlich interpretiert.
        Ich habe darunter keineswegs die Vorstellung mit wöchentlichen Besuchen über große Distanz verbunden. Sondern die Situation, dass Eltern aus Alters- oder Gebrechlichkeitsgründen Hilfe benötigen. Sich darum dann als Kinder z.B. organisatorisch oder evtl. auch physisch zu „kümmern“, halte ich menschlich für selbstverständlich, immer vorausgesetzt, die Beziehung ist intakt.

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          1. Trulla

            Hat das irgendjemand hier verlangt?

            Es würde schon helfen, richtig zu lesen. Aber nun reicht es mir mit den Verständnisproblemen.

  2. Birte

    Ich kümmere mich schon um meine Mutter und helfe ihr, wenn das nötig ist. Auf Muttertag hat sie allerdings noch nie wert gelegt. Im Gegenteil.
    Natürlich habe ich auch mein eigenes Leben, aber ich wohne ja nun nicht weit weg und nach all den schwierigen Jahren mit mir und meiner Mutter bin ich ganz froh darüber, das es jetzt so ist, wie es ist.
    Jan Feddersen in der taz vor etlichen Jahren: „Die Nazis wollten Frauen als Kameradinnen, noch lieber aber als Gebärmaschinen. Die Mutter war eine Heilige im völkischen Wahn, geehrt zum Muttertag, dem zweiten Sonntag im Mai. Warum wird er heute noch gefeiert, allem Feminismus zum Trotz?“

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    1. Hans-Georg

      Sich um Eltern zu kümmern, wenn man räumlich und zeitlich dazu in der Lage ist, ist ja auch in Ordnung, das zu tun. Bei dir ist es ja eh noch ein Sonderfall.

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  3. werschreibt

    > Mütter, die dafür ein Verständnis haben, sind keine guten Mütter.

    Meinst du (…) die dafür _k_ein Verständnis haben (…)?

    > Kinder werden hoffentlich ihre Eltern nicht im Stich lassen, wenn sie gebraucht werden.

    @Trulla: Das finde ich ziemlich egoistisch und berechnend von dir. Du hast sie damals nicht gefragt, ob sie gezeugt bzw. in diese Welt geboren werden wollen und später sollen sie dir auch noch helfen, weil du ihnen auch geholfen hast, als sie klein waren. Aber vielleicht verstehe ich das auch alles falsch.

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  4. Trulla

    @werschreibt:

    Ich denke schon, dass du da etwas falsch verstanden hast.

    Mein Denken zum Muttertag hat doch eigentlich schon ausgedrückt, dass ich von meinen Kindern nichts dafür erwarte, dass ich mir mit ihrer Geburt einen Wunsch erfüllte.

    Kümmern innerhalb einer Familie halte ich aber – in beiden Richtungen – für selbstverständlich. Natürlich gilt auch hier das Prinzip „wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus“.

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    1. werschreibt

      @Trulla

      > Kümmern innerhalb einer Familie halte ich aber – in beiden Richtungen – für selbstverständlich.

      Wenn sich um mich jemand kümmert, weil er/sie das so will, dann okay. Aber wenn er/sie das nur „will“, weil wir miteinander verwandt sind, dann nein, danke. Selbst, wenn ich mich früher mal ihn/sie gekümmert habe, erwarte ich das nicht.

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