Pole Dance in der Kirche?

Kürzlich fand in der altehrwürdigen Kirche St. Marien zu Lübeck eine Pole Dance Performance statt. Wenn man Pole Dance hört, denkt man sicherlich zuerst an erotische Darbietungen in zwielichtigen Etablissements. Inzwischen weiss ich, dass Pole Dance eine Sportart ist, für die viel Kraft notwendig ist. Eine ehemalige Nachbarin hier im Haus trainierte in ihrer Wohnung. In unmittelbarer Nähe gibt es inzwischen sogar ein Pole Dance Studio.

Jetzt hat sich der Lübecker Ableger der Schüler Union der CDU zu Wort gemeldet und kritiesiert die Veranstaltung als unangemessen für eine Kriche, Zitat „Die Schüler Union Lübeck äußert deutliche Kritik an der am Adventswochenende in der St.- Marien-Kirche in Lübeck aufgeführten Stripshow„. Und weiter: „Die Kirche ist ein heiliger Ort mit Regeln, an die wir uns halten müssen. Es geht hier um Anstand und Respekt, und genau diesen Respekt sollte man uns Christen entgegenbringen.“ Und „Als Jugendorganisation der CDU fühlt sich die Schüler Union Lübeck christlich-demokratischen Werten verpflichtet.“

Hier kann man den ganzen Wortlaut nachlesen.

Drei Dinge habe ich als alter Mann dazu zu sagen:
1. Die Bubies der Schüler Union haben entweder die Aufführung gar nicht gesehen oder sie haben, nach pubertärer Art, feuchte Flecken im Schlübber gekriegt beim Ansehen. Denn eine Stripshow war das ganz sicher nicht, was die Tänzerin Anke Kestermann dort gezeigt hat. Sie trug einen lockeren züchtigen Anzug, der ihre Beine bedeckte und darüber eine Art Schürze, die beim Spagat zwischen ihre Beine fiel.

2. Kirchen sind Orte der Begegnungen. Die meiste Zeit des Jahres sind sie leer, es sein denn wenige Gläubige finden sich zum Gebet und Innehalten ein, oder Touristen bestaunen die alten Kirchen. Meine Meinung dazu: Ich finde es gut, dass sich die Kirchen für weltliche Dinge öffnen und sich nicht immer so trauerartig ernst nehmen.

3. Und das sollten sich die Mitglieder der Schüler Union mal hinter die Ohren schreiben: Es wäre toll, sie würden sich mal an ihre oberste Instanz wenden, nämlich die Bundes-CDU, und ihr mal vermitteln, was denn christliche Werte sind, von denen die Mitglieder bzw. der Kreisvorsitzende Ferry Eskelsen, so überzeugt sind.

Auf diesem Video ist ein kleiner Ausschnitt zu sehen, was die Tänzerin in der Kirche gezeigt hat. Eine Stripshow sehe ich da nicht.

8 Gedanken zu „Pole Dance in der Kirche?

  1. Birte

    Ich kriege echt Schluckauf, wenn diese Milchbubies -und Mädels von christlichen Werten faseln. Die CDU hätte das C schon lange zurück geben müssen.
    Man muss sowas in der Kirche nicht mögen, aber eine Stripshow ist das nun nicht. Spendiere doch mal einer eine Klassenfahrt auf die Reeperbahn

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    1. Hans-Georg

      Heute wurde die Kommentarfunktion unter der Veröffentlichung freigeschaltet. Ich habe die Punkte 1 -3 leicht verändert mal eingegeben, Ich vermute aber, dass mein Kommentar von der Redaktion nicht freigeschaltet wird.

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  2. Birgit M.

    Christilich ist die Partei schon lange nicht mehr.
    Was das für ein Kraftakt ist, weiß ich von einer Bekannten, die Trainerin für Pool-Dance in Köln ist.
    Deine Beschreibung des 1. Punktes hat mich laut auflachen lassen. You made my day 😉

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  3. ferry eskelsen

    Mir ist wichtig, eines klarzustellen:
    Meine Kritik richtet sich nicht gegen die Sportart Pole Dance an sich und auch nicht gegen die auftretende Künstlerin persönlich. Mir geht es ausschließlich um den Ort und den Zeitpunkt der Veranstaltung.

    Die St.-Marien-Kirche ist für viele Gläubige ein sakraler Raum, der gerade in der Adventszeit eine besondere Bedeutung hat. In dieser Zeit erwarten viele Menschen Besinnung, Ruhe und religiöse Orientierung. Vor diesem Hintergrund halte ich es für legitim, die Frage zu stellen, welche Veranstaltungsformen diesem Charakter gerecht werden.

    Meinungs- und Kunstfreiheit sind hohe Güter, zu denen ich ausdrücklich stehe. Gleichzeitig bedeutet Freiheit auch Verantwortung – insbesondere dann, wenn religiöse Räume genutzt werden. Sensibilität gegenüber den Gefühlen gläubiger Menschen ist für mich ein Ausdruck von Respekt, nicht von Engstirnigkeit.

    Eine sachliche Debatte darüber, wie Kirchen heute genutzt werden sollen, halte ich für sinnvoll und notwendig. Pauschale Unterstellungen oder persönliche Angriffe helfen dabei allerdings niemandem.

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  4. Ruslan

    Auch wenn der Tanz am Pole keinen sexuellen Charakter hat und Sport oder Kunst ist, bleibt die Kirche ein Ort des Gebets, der geistigen Sammlung und der Anbetung. Tänze, Aufführungen oder sportliche Aktivitäten in ihr zu veranstalten, stört die Atmosphäre des heiligen Raums und ist aus traditioneller Sicht nicht akzeptabel. Die Kirche ist kein Ort für die Demonstration körperlicher Fähigkeiten oder künstlerischer Darbietungen, selbst wenn sie rein ästhetisch sind.

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  5. Trulla

    Ich gehe davon aus, dass diese Vorstellung abgestimmt war mit dem Kirchenvorstand und die Leute werden sich was (ja, was?) dabei gedacht haben. Und bitte, lässt doch die Jungen ruhig mal protestieren, das ist ihr gutes Recht.
    Wäre ich, was so gar nicht zutrifft, eine gläubige Kirchenbesucherin, hätte ich mich, gerade in der Adventszeit, vermutlich auch nach dem Sinn des Ganzen gefragt.

    Doch zum Punkt, die Kirche sei „kein Ort…künstlerischer Darbietungen“ bitte ich
    @Ruslan:
    darüber noch mal nachzudenken. Hält er diesen Einwand auch aufrecht angesichts des „Messias“ Balletts von John Neumeier, dessen Premiere damals in der Hamburger St. Michaeliskirche stattgefunden hatte?
    Gottes Welt soll doch – angeblich – weit und offen für alle seine Schöpfungen sein. Bedeutet das in der Konsequenz nicht Toleranz?

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  6. Heike

    Ach ja, die Kirche, gelebtes Miteinander und Besinnung auf christliche Werte… meine 2023 verstorbene und kirchlich bestattete Mutter (ihr Wunsch) erhielt anderthalb Jahre nach ihrem Tod eine Einladung zur goldenen Konfirmation. Ähnliches erlebte meine Cousine mit ihrem Vater (kirchlich bestattet in ebendieser Gemeinde). Sie konterte das Schreiben mit einem Anruf: verzogen, neuer Wohnort Friedhof. Ich hörte in Nürnberg vor Jahren ein modernes Orgelkonzert… Kirche war voll. Skandal 🤣 Wie Politik hat auch die Kirche die Menschen verloren und versteigt sich in dogmatischen Fragen. Da sorgt doch Pole Dance wenigstens ansatzweise für Diskussionen.

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