Bis zum Nordkap und zurück mit „Mein Schiff 5“ – Teil 3


Jetzt haben wir nur noch 2 Häfen, nämlich Trondheim und Aalesund, sowie einen Seetag auf unserer Reise. Langsam wird es wieder wärmer, gleichzeitig kommen die ersten Gedanken, dass die Reise sich dem Ende nähert. Aber vorher genießen wir noch das Bordleben.

8. August 2018 – Trondheim

Mit einer Stunde Verspätung aufgrund der Rettungsaktion in der vorletzten Nacht trafen wir in Trondheim ein. Unser Liegeplatz war direkt vis-à-vis der örtlichen Schwimmhalle, in deren gläsernen Fassade sich Teile des Schiffes spiegelten. Nach dem Frühstück gingen wir gleich an Land um einen Eindruck von der Stadt zu bekommen. Auf dem Kai begrüßte uns eine örtliche Brassband mit Walzerweisen, passend zum Schriftzug „Leichtigkeit“ an der Bordwand. Heute war endlich wieder Kurzehosen- und Kurzarmwetter, ein Thermometer in der Stadt zeigte 21 Grad an.

Trondheim ist die drittgrößte Stadt Norwegens. Wenn man die stillen und historischen Ecken der Stadt verlässt, merkt man das am starken Autoverkehr. Olav der Heilige gilt als Stadtbegründer. Über seinem Grab wurde der Nidaros-Dom errichtet, eine der bedeutensten Kirchen Norwegens.

Der Dom war unser erstes Ziel auf unserem Stadtrundgang. Die Westfassade zieren zahlreiche Statuen, die Personen aus dem alten Testament darstellen. Zwei Skulpuren waren mit bunten Kränzen geschmückt. Vor der Fassade war eine Erklärung dazu aufgestellt: Der Namenstag von St. James (Jakob), Schutzpatron der Pilger, erkennbar am Pilgerstab, war am 25. Juli. Der Heilige Olav, Schutzpatron Norwegens, erkennbar an der Axt, hatte am 29. Juli Namenstag. Ich fragte mich, ob ein Fassadenkletterer die Kränze dort aufgehängt hatte oder ob das mittels einer Hebebühne gemacht worden ist.

Fasziniert bin ich immer von den Gargoyles an alten Kirchen. Diese ziemlich hässlichen Fratzen dienen als Wasserspeier um das Regenwasser vom Kirchendach abzuleiten.

Aufgrund der historischen Bedeutung des Domes wollte ich unbedingt das Innere anschauen, obwohl dafür Geld verlangt wird, 100 Norwegische Kronen pro Person. Norwegisches Geld hatten wir vorab nicht eingetauscht. Überall in Norwegen kann man mit einer Kreditkarte bezahlen. Das klappte auch hier einwandfrei. An der Kasse wurde mir erzählt, dass gleich eine Führung in Deutscher Sprache stattfinden würde. Wir suchten die Gruppe, entschieden uns aber dagegen die Führung mitzumachen weil der Guide nicht so gut Deutsch sprach.

Das Innere des Domes war etwas enttäuschend weil ziemlich schmucklos. Bei der Führung hätte man uns sicher auf das eine oder andere Detail aufmerksam gemacht. Aber es war schon gut so. Wir entdeckten noch eine enge Treppe, die wir hinunterstiegen. In dem klimatisiertem Raum sind Fragmente alter Grabplatten ausgestellt. Nun ja, das war auch nicht besonders interessant für uns Kulturbanausen. Also verließen wir die Gruft und den Dom ziemlich schnell wieder.

Über den weitläufigen Domfriedhof kamen wir hinunten zum Flüsschen Nidelva und gleich danach zur Gamle Bybroen mit dem geschnitzten Holzportal „Tor des Glücks“. Die Brücke verbindet das Zentrum der Stadt mit dem Stadteil Bakklandet mit seinen Gassen und Holzhäusern. Beiderseits des Flusses sind viele bunte ehemalige Lagerhäuser aus Holz, die diese Gegend Trondheims prägen. Die alten Häuser stehen noch auf Holzpfählen am Rand des Flussbetts. Immer wieder kann man zwischen den Häusern direkt zum Fluss gelangen und die Aussicht genießen.

Durch die Stadt bummelten wir zurück zum Schiff. Zurück an Bord lag der Pool ruhig wie ein Ententeich vor uns. Niemand im Wasser, ein Anblick, den wir noch nie zu Gesicht bekommen hatten und der mich reizte, selbst mal in den 25 m langen Pool zu steigen um ein paar Runden zu schwimmen. Aber erstmal brauchten wir eine Kleinigkeit, unseren Appetit zu stillen.

Dann schlüpfte ich in meine Badeshorts, warf mir den Bademantel über, der für jeden Gast in der Kabine bereithängt, und ging zum Pooldeck. Hm, inzwischen dümpelten da natürlich schon ein paar Badegäste vor sich hin. Da ich nun schon mal soweit war, stieg ich in die Fluten und schwamm in meinem gewohnten Stil ein paar Runden, d.h. ich versuchte es, denn ich musste ständig abbremsen bzw. dem „Treibholz“ ausweichen. Schwimmen macht keinen Spaß wenn jemand meint, genau in der Mitte des 4,80 m breiten Pools schwimmen zu müssen, so dass man keine Ausweichmöglichkeit hat weil auch noch jemand entgegenkommt. Ich habe meine Bahnen nicht gezählt, vielleicht waren es 10, dann hatte ich keine Lust mehr auf dümpeln. Inzwischen waren auch noch ein paar Kinder gekommen und sprangen von der Seite in die Bahnen hinein. Ich zog mich dann lieber zurück und wartete auf meine 3. und letzte Massage. Anlässlich Bernds bevorstehenden Geburtstages gab es einen Rabattgutschein über 25 %. Das muss man doch mitnehmen.

Die Ausfahrt am frühen Abend durch die liebliche Fjordlandschaft genossen wir von unserem Balkon. Das Wechselspiel von Sonne, Wolken und Wasser war wieder mal ein tolles Erlebnis. Man muss einfach sehen, zu welchem Schauspiel die Natur fähig ist und nicht einfach alles als gegeben hinnehmen. Wir standen an der Reling und staunten.

9. August 2018 – Ålesund und Geburtstag

Heute Morgen trafen wir im letzten Hafen unserer Reise ein, in Ålesund. Da wir fast immer früh aufstehen, profitierten wir davon, die letzten Seemeilen der Fahrt bis zum Liegeplatz von unserem Balkon aus beobachten zu können.

Auf der anderen Seite der Stadt war über den Dächern der Schornstein eines Schiffes zu sehen. Sollte das das ehemalige Traumschiff, die „Deutschland“ sein? Ein Blick auf die App „Marine Traffic“ bestätigte meine Vermutung.

Für heute hatten wir einen Ganztagesausflug gebucht. Um 8:30 Uhr sollten wir uns an Bord mit der Reiseleitung treffen. Dementsprechend früh erschienen wir zum Frühstück im Anckelmannsplatz. Dort war der Bereich für das Frühstücksbüffet noch abgesperrt, Öffnung um 7 Uhr. War da nicht eine Dame, die sich an der Absperrung vorbeiquetsche und sich den Teller volllud?. Als sie bei uns vorbeikam, konnte ich nicht anders als einen Kommentar abzugeben: „Sie haben es aber nötig!“ – „Wir haben einen Ausflug gebucht!“ – „Das haben wir auch.“ Es war ja nun noch reichlich Zeit, in Ruhe das Frühstück einzunehmen.

Am Treffpunkt in der TUI-Bar wurde uns eine Busnummer zugeteilt. Wir gingen an Land und suchten unseren Bus. Unser Guide wurde uns vorgestellt und ab ging die Fahrt zum und über den Trollstigen.

Unser Guide war eine Dame, die in Deutschland geboren und in Norwegen verheiratet ist. Sie wusste interessante Informationen an den Mann zu bringen und hielt sich auch nicht zurück, in ihrer direkten Art Dinge anzusprechen, die einigen Leuten unangenehm sein könnten. Ein wenig erzählte sie auch aus ihrem privaten Leben: Eine ihrer Töchter hat Koch gelernt. Ja, Koch, nicht Köchin. „Wir in Norwegen machen den Blödsinn mit Schrägstrich und „innen“-Anhängen nicht mit.“ Ich hätte am liebsten beifallgeklatscht. Was hier in Deutschland diesbezüglich derzeit abgeht, ist schon arg übertrieben wenn ich nur daran denke, dass eine Dame eine Bank verklagt, weil in den AGBs nur von „Kunden“ die Rede ist und nicht auch von „Kundinnen“. Viele andere Dinge wurden uns erklärt, u.a. die Sache mit den Zuchtlachsen und deren Probleme. Aber sie sagte auch, dass sie trotzdem gern Lachs isst, mit ein wenig schlechtem Gewissen.

Auf der Busfahrt gab es an verschiedenen Orten kleine Stops zum Fotografieren, genannt „Japanischer Fotostop“. Tja, und die Teilnehmer des Ausflugs hielten sich auch daran. Es gab natürlich auch längere Halts.

Wie so oft gab es auch auf dieser Tour so viele Informationen, die man leider nicht alle behalten kann. Es war aber Dank unserer Begleitung nie langweilig. Die Strecke führte entlang des Storfjorden der zum Schluss zum Geirangerfjord wird. Am ersten Japanischen Halt sahen wir die „Deutschland“ in Richung Geirangerfjord fahren. Das Schiff gehört ja nun eher zu den kleineren Passagierschiffen. Trotzdem kann man aber die Dimensionen erkennen, die in diesem Teil der Welt die Natur erschaffen hat.

Zu jedem Ort, ob auf dieser oder der anderen Seite des Fjords, wusste unser Guide was zu erzählen, sei es Informationen über die Industrie, Einwohnerzahlen, Dürre, Viehhaltung, sehenswerte Gebäude – es gab kein Thema, zu dem es nichts zu sagen gab. Fragen der Mitreisenden wurden ausführlich beantwortet. Es war die beste Reisebegleitung, die wie je auf einer Tour hatten.

Der spektakulärste Teil des Trollstigen ist ein Streckenabschnitt mit 11 Haarnadelkurven und ca. 12 % Gefälle. Auf dem höchsten Punkt hatten wir einen längeren Aufenthalt um die grandiose Gegend zu genießen. Die Straße ist so schmal, dass sie eigentlich nur einspurig ist. Busfahrer möchte ich hier nicht sein. In diesem Streckenabschnitt hatte in Reisebus technische Probleme. Die Insaßen waren ausgestiegen und standen auf der engen Straße vor und hinter dem Bus. Es war eng, sehr eng, dass unser Bus daran vorbeikam.

Als wir unten ankamen, gab es wieder einen Japanischen Fotostop. Oben sahen wir den Bus an den Klippen stehen. Neben mir stand eine Frau. Als ich ihr meinen Blick zuwandte, nur um zu sehen, wer es denn sei, beugte sich sich gerade noch vorn mit weitgeöffnetem Mund, aus dem die Reste der letzten Mahlzeit herausströmten. Ich ging dann ein paar Schritte zur Seite. Es ist eben nicht jeder serpentinenfest.

Nachdem wir das Nadelöhr passiert hatten, ging es noch ein paar Kilometer weiter zu einem Ausflugslokal. Dort waren für uns Plätze für ein Mittagessen reserviert. Wir mögen diese Massenabfertigung nicht, zumal in diesem Fall auch noch 2 weitere Busse dort ihre Gäste abgeladen hatten, Passagiere eines Englischen Schiffes. Bernd und ich verließen das Lokal gleich nachdem wir etwas gegessen hatten und spazierten über das Gelände.

Weiter ging es zur Trollwand. Der Legende nach trafen sich Trolle verschiedener Familien zu einer Hochzeitsfeier. Die Wiedesehensfreude war so groß, dass sie die Zeit vergaßen und nicht dran dachten, sich vor dem Tagesanbruch in ihre Höhlen zurückzuziehen. Als es hell wurde, wurden die Trolle zu Stein. Das geschah an dieser Stelle. Die Braut ist inzwischen vom Rand heruntergestürzt. Paraglider und Basejumper nutzen den Platz, um von dort hinabzuspringen. Wir hatten das Glück, 2 Paraglider beobachten zu können. Basejumping ist dort verboten und einige Unverbesserliche sind an der Wand schon zu Tode gekommen. „Irgendwo muss noch ein Australier liegen“, so der Kommentar unseres Guides.

Unterhalb der Trollwand führt eine Bahnlinie entlang. Über diese Bahnstrecke ist die Norwegische Königsfammilie mitsamt dem Gold in die Hafenstadt Molde geflüchtet als Norwegen von der Deutschen Wehrmacht besetzt wurde. Als Vergeltung ließ Hitler Molde bombadieren, die Stadt wurde fast vollständig zerstört. Die Konigsfamilie hatte sich bereits abgesetzt.

Zurück in Ålesund machten wir noch eine kurze Stadtrundfahrt. Auch hier gab es viel zu erzählen seitens unseres Guides. Im Januar 1904 wurde fast die komplette Innenstadt durch ein Feuer zerstört. Durch einen orkanartigen Sturm wurde das Feuer durch die Stadt getrieben. 10.000 Menschen wurden obdachlos. Ein Haus wurde von dem Feuer nicht erfasst. Der Bewohner hatte eine Art Vision, dass sein Haus nicht gefährdet sei. Er glaubte es nicht und stellte das Inventar in den Stadtpark, wo es verbrannte. Das Haus aber wurde vom Feuer verschont. Der Aufbau der Stadt erfolgte mit Deutscher Hilfe. Kaiser Wilhelm II, ein Verehrer Norwegens, der auch gelegentlich das Örtchen Geiranger besuchte, ordnete die Hilfe an. Die Innenstadt von Ålesund wurde im Jugendstil wieder errichtet. Ursächlich dafür waren Architekten, die in Deutschland studiert hatten und denen der Jugendstil so gut gefallen hat.

Gern hätten wir die Stadt etwas geanauer angeschaut. Doch dafür hatten wir leider keine Zeit. Morgens hatten wir einen schönen Blick vom Schiff auf die Stadt. Nach der Rückkehr von unserem tollen Ausflug gab es noch eine kleine Stadtrundfahrt mit dem Bus, die auch eine Fahrt hinauf auf den Hausberg Aksla beinhaltete. Von dortselbst hatten wir auch einen tollen Blick auf die Stadt. Das musste für dieses Mal genügen. Sollten wir nochmal wiederkommen, werden wir uns ganz gemütlich die Jugendstil-Stadt anschauen.

Das Geburtstagsmenü nahmen wir in der X-Lounge ein. Ab 19 Uhr kann man dort essen, nur die Getränke muss man dann bezahlen. 10 Minuten vorher nahmen wir unsere Plätze ein und bekamen den Aperitif, ein Glas Champagner, noch umsonst. Das Hauptgericht suchten wir uns von der Karte aus. Vor- und Zwischengerichte nahmen wir uns vom Buffet, ebenso suchten wir uns dort ein Dessert aus.

Dieser Abend versprach einen tollen Sonnenuntergang. Nach dem Essen holten wir uns Pullover aus der Kabine. Dort war inzwischen für Bernd ein Geburtstagsgruß der Schiffsleitung auf die Koje gelegt worden. Leider lagen da auch schon die farbigen Kofferanhänger. Jedes Deck hat eine bestimmte Farbe. Danach werden die Koffer an Land sortiert damit man sein Gepäck schnell wiederfinden kann.

Von Deck aus verfolgten wir den Sonnenuntergang, ein toller Abschluss eines beeindruckenden Tages.

10. August 2018 – 4. See- und letzter Kreuzfahrttag

Wie an jedem Morgen, egal ob auf See oder im Hafen, galt der erste Blick vom Balkon dem Wetter. An diesem Morgen war die See rau, der Himmel bedeckt. Unser schiwmmendes Hotel bewegte sich nur wenig in den Wellen, aber es ruckelte, wie ich das anfangs im ersten Teil dieses Berichtes schon mal erwähnt hatte. Auf den Außendecks war dementsprechend wenig los, die Sonnenliegen waren verwaist.

Nach dem Frühstück und einer Lesestunde mit kleinen Naschereien in der X-Lounge hieß es: Was machen wir jetzt? Wir entschieden uns dazu, einen weiteren Rundgang durch das Schiff zu machen. Während der Reise hatten wir einige Deko-Objekte entdeckt, die wir noch fotografieren wollten, wie z.B. „Camillas Hut“, ein Spiegel, der sehr an den Hut erinnert, den Camilla bei ihrer Hochzeit mit Prinze Charles getragen hat. Die Frage ist, ob der Putzmacher beim Spiegeldesigner abgeguckt hat, was ich nicht glaube, denn das Schiff ist ja gerade erst 2 Jahre alt. Vermutlich hat der Spiegeldesigner sich an den Hut erinnert, als er den Spiegel kreirt hat.

Am frühen Nachmittag wurde das Wetter besser und wir machten sozusagen einen Abschiedsspaziergang über die Außenbereiche des Schiffes. Es ist erstaunlich, dass man doch immer noch was neues entdecken kann, wie z.B. die Spiegelungen von Himmel und Wasser in den Scheiben des Diamanten am Heck des Schiffes. Ein anderes Passagierschiff kam uns entgegen, eins aus der MSC-Flotte. Mein Mann bekam von der Seeluft Appetit und verzehrte im 24-Stunden-Bistro 2 kleine Rindsrouladen (Was macht der Herr da? – Er ist eine Rindsroulade!). Vor dem Abschiedsessen in der Osteria packten wir die Koffer damit wir den Abend Abend entspannt genießen können.

Zum Abschiedsessen hatten wir uns in der Osteria angemeldet. Vivi, die dort zuständige Gastgeberin, und unser hübscher Steward waren natürlich nicht nur für uns zuständig, die Osteria ist sehr beliebt bei vielen Passagieren. Es gibt dort Pizza und Pasta, die zum Teil „all inclusive“ sind. Andere Gerichte kosten einen kleinen Aufschlag. Wenn man nicht allzu anspruchsvoll ist und keinen besonderen Wein zum Essen trinken möchte, gibt es auch schmackhafte Weine, die „inclusive“ sind und ständig nachgeschenkt werden. Zum Abschied gab es ein Gruppenfoto. Wir machten noch schnell einen Abstecher zum Restaurant Atlantic mediterran, wo die stellvertretende Concierge aus der X-Lounge Dienst hatte. Ein paar nette Worte, ein Erinnerungsfoto und noch eine kurze Umarmung, dann war alles nur noch eine Erinnerung. War das jetzt wirklich alles wahr?

Der Sonnenuntergang machte den Abschied nicht gerade leichter.

11. August 2018 – „Abschied von Mein Schiff 5“

In den frühen Morgenstunden hatte unser Zuhause der letzten 11. Nächte in Bremerhaven festgemacht. Ein letztes Mal ein Blick vom Balkon, keine Felsen, keine Hügel – nur Gegend, platte weite Gegend, Wasser und etwas Watt. Dann ein letztes Frühstück. Am Kai standen schon wieder Gemüse- und Obstkisten parat um die Passagiere der nächsten Reise seitens der Besatzung verwöhnen zu können. Und ganz sicher standen da auch ca. 1.300 rote Rosen, für jede Kabine eine.

Das Schiff war schon über die Toppen geflaggt für die standesgemäße Begrüßung neuer Reisenden. Als wir nach dem Frühstück auf unsere kleine Suite kamen, um unser Handgepäck zu holen, lag da ein handgeschriebener kleiner Abschiedsgruß von unserem Housekeeping. Noch einmal feuchte Augen bei mir, dann verließen wir das Schiff.

Fazit:
1.
Auf einem Schiff gibt es kein schlechtes Wetter. Wer mit einem aufgspannten Regenschirm über Deck stöckelt, hat nicht die richtigen Klamotten eingepackt. Auch wenn man nicht am Pool liegen kann, ist es nicht langweilig. !“Schlechtes Wetter“ im eigentlichen Sinn ist auf See durchaus reizvoll. Man muss nur alle Sinne offenhalten und wahrnehmen, was da gerade passiert. Dann ist auch Regen toll, aber bitte ohne Regenschirm.

2.
Der Umgang der Crew mit den Passagieren scheint etwas lockerer geworden zu sein. Wenn man sich versteht und man möchte nicht mit „Sie“ angesprochen werden, geht das in Ordnung. Nichts ist schlimmer, als gestelzte und gezwungene Gespräche. Auch im Suiten-Bereich muss ich das nicht haben.

3.
Zum 6. Mal haben wir mit TUICruises eine Kreuzfahrt gemacht. Zum 6. Mal waren wir äußerst zufrieden. Es gab absolut keinen Grund zur Beanstandung. Wir planen bereits an der 7. Reise. Es gibt für uns zurzeit keinen Grund, die Reederei zu wechseln. So eine Reise ist nicht gerade preiswert. Ich möchte nicht viel Geld ausgeben, nur um was anderes auszuprobieren, und hinterher eventuell enttäuscht sein.

Ich bekomme kein Geld für meinen Reisebericht und für die positive Bewertung von TUICruises. Alles haben wir uns selbst zusammengespart und bezahlt!

< zu Teil 2

8 Gedanken zu „Bis zum Nordkap und zurück mit „Mein Schiff 5“ – Teil 3

  1. Hanna

    Es war wieder interessant deinen Bericht zu lesen!
    Habt ihr das Nordkap nur umfahren?
    Die Städte,die die beschreibst,haben wir auch besucht,es war einfach nur schön! es

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    1. Hans-Georg

      Wir sind vor 3 Jahren zum Nordkap gefahren. Wir fanden das da nicht so aufregend, um nochmal dahin zu fahren.
      Den Reisebereicht dazu findest du auch unter „Reisen“ im Blog. Da war seinerzeit ja auch Spitzbergen und Island noch dabei.

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  2. Achim

    Hallo Hans Georg, auch dieser Reisebericht von dir ist sehr interessant, Ich finde, dass du für die jenigen, die mal so eine Reise machen wollen eine gute Grundlage zur Planung und Entscheidung bietest. Gut finde ich auch, dass du auf die Besonderheiten einer solchen Reise dezent aufmerksam machst, wie die hohe Passagierzahl, die Tücken von Landausflügen, die vielen Tipps für die Reisevorbereitungen. Deine Landschafts-u. Städtebeschreibungen sind sehr interessant, weil du eben deine persönlichen Eindrücke und Empfindungen schreibst. Wir hatten unsere erste Reise in die Fjords von Norwegen mit der MS Costa Favolosa, ein unvergessliches Erlebnis. Auch im Geirangerfjord lagen wir. Die herrlichen Wasserfälle, die atemberaubende Landschaft, unvergesslich. Leider sahen wir aber auch die Begleiterscheinungen. Im Fjord waren es 3 festgemachte Kreuzfahrt-Schiffe, die blauen Abgaswolken hingen an den Berghängen. Wie lange die Norweger das mitmachen, frage ich mich. Auch die bei der Rückfahrt plötzlich vorhandenen schwarzen Flecke auf dem Deck machen nachdenklich. Es waren Rußflocken vom Schiffsschornstein. Costa ist ja italienisch und dementsprechend waren die Gäste überwiegend Italiener und Spanier, eine besondere lockere Stimmung. Und richtig Gänsehaut gab es, als der Restaurantleiter persönlich bekannte Opernarien sang zum Abschluss des Dinner. Auch für uns war es noch nicht die letzte Kreuzfahrt, wir liebäugeln auch mit „Mein Schiff..“ Viele Grüße Achim

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    1. Hans-Georg

      Moin Achim und vielen Dank für dein positives Feedback.
      Im Geirangerfjord war nur noch ein kleines Passagierschiff, in allen anderen Häfen war auch nicht viel los. Die Norwegensaison ist vorbei für dieses Jahr.
      Die Norweger haben auf den Weg gebracht, dass ab 20??, irgendwas in den 20ern, nur noch Schiffe mit LNG-Antrieb in die Fjorde dürfen, was sehr vernünftig ist
      Von einer Kollegin weiß ich, dass, als die MS3 in Dienst gestellt wurde, auch Russflocken auf den Decks landeten. Das war ein technischer Fehler des Abgasreinigungssystems. Technik ist anfällig, sowas kann immer mal passieren.
      Habe gerade in den Nachrichten gehört, dass der NABU heute seinen neuen Bericht über die Kreuzfahrtreedereien veröffentlichen will. Bin gespannt, was die wieder erzählen. Als ehemaliger Schifffahrtskaufmann habe ich selbst mit Kraftstoffen und gesetzlichen Vorschriften zu tun gehabt. Insofern kann mir keiner was vormachen.

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  3. Ina

    hach, ist das schön, auch der letzte Teil mit Trondheim und Alesund begeistert mich. Genau, es sind deine persönlichen Eindrücke, die diese Reiseberichte zum Miterleben am Bildschirm spürbar machen. Ohne deine Sichtweise wäre es nur ein weiterer Artikel, wie er in jedem Reiseführer stehen könnte. Hab Dank für das tolle Erlebnis in Wort und Bild!

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    1. Hans-Georg

      Es freut mich, dass dir der Bericht gefällt. Für uns ist das ein Tagebuch, wie das Blog sowieso, in dem wir gern mal „blättern“ um nachzuschauen: Wie oder wann war dieses oder jenes.

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