Nicht ganz einer Meinung

Es ist sehr sehr selten, dass die Meinungen meines Mannes und von mir nicht übereinstimmen. Aber gestern Abend ist es passiert. Was war geschehen?:

Wie ich kürzlich verkündete, hatten wir Karten für die Eröffnung für das STAGE THEATER AN DER ELBE gewonnen mit der anschliessenden ersten Aufführung vor Publikum des Musicals „Das Wunder von Bern“. Wir fanden uns rechtzeitig auf der Überseebrücke im Hamburger Hafen ein, so dass wir einen Platz in der ersten Reihe hatten, mit Blick auf das gegenüberliegende neue Theater, welches noch im Dunkeln lag. Um die Wartezeit zu verkürzen und um die Gäste ein wenig aufzuwärmen, wurden Glühwein und heisse Schokolade gereicht. Nach ein paar kurzen Reden, u.a. auch vom Hamburger Bürgermeister, wurde das Lichtspektakel ausgelöst. Es gab eine kleine Lasershow, verbunden einem Höhenfeuerwerk. Die Elbe wurde in diesem Bereich extra für ein paar Minuten für den Schiffsverkehr gesperrt. Nach der Show ging es mit den schwimmenden Musicalshuttles auf die andere Elbseite und wir konnten das neue Theater in Augenschein nehmen. Jacken und Mäntel konnten an der Garderobe kostenfrei abgegeben werden. An den Bars gab es Getränke umsonst, ebenso wie Brezn.

Wir fanden noch einen freien Stehtisch im Foyer und unterhielten uns nett mit anderen Gästen, die auch die Karten für diese Veranstaltung gewonnen hatten. Von Radio Hamburg tauchte eine Reporterin auf, die uns zu unseren ersten Eindrücken über das Theater befragte. Bisher hatten wir nur das Foyer gesehen. Es dominieren die Farben rot (Teppichboden) und weiss (Wände etc), was dem Foyer einen recht frischen Ausdruck verleiht. Zur Elbe hin gibt es eine grosse Glasfront mit Blick auf den Hafen und Hamburg. Wir waren sehr angetan.

Etwa 20 Minuten vor dem Vorstellungsbeginn wurden die Türen zum Zuschauerraum geöffnet und wir nahmen unsere Plätze ein. Die roten, indirekt beleuchteten Wandelemente, sorgen für ein angenehmes Licht im Saal. Bisher waren Bernd und ich einer Meinung.

Wenige Minuten vor der Aufführung erschien eine Dame vor dem Vorhang und berichtete, dass nach vielen Wochen der Proben heute die erste Vorstellung vor Publikum gezeigt wird und alle, Darsteller wie Technik und alle anderen Personen, die zum Gelingen der Aufführung beitragen sollen, ziemlich nervös sind. Deshalb bitte man um die Unterstützung des Publikums. Dann hob sich der Vorhang. Das erste Bühnenbild war eine Nachkriegsküche im „Pott“, die so auch in jeder anderen Gegend hätte sein können und die in ähnlicher Form früher auch bei uns zu Hause vorzufinden war. Für mich war es ein Zeitsprung zurück in eine andere Zeit.

Die Handlung, die aus 2 Handlungssträngen besteht, will ich nur kurz skizzieren: Nach vielen Jahren in Russischer Kriegsgefangenschaft kommt der Vater zurück zu seiner Familie. Er kommt nicht so recht damit klar, dass sich die Kinder inzwischen weiterentwickelt haben und mehr oder weniger ihr eigenes Leben führen. In abgewandelter Form fällt der Satz: „Solange du deine Füße unter meinen Tisch …. “ Erst nach und nach entwickelt der Vater wieder ein innigeres Verhältnis zu Frau und Kindern. Die Geschichte der Fußballweltmeisterschaft 1954, die ja von Deutschland gewonnen wurde, wird in diese Familiengeschichte eingebettet. Auch hier fallen Worte, die man schon mal gehört hat, wie z.B. „Der Ball ist rund ….“

Die Bühenbilder bewegen sich beim Wechsel nahtlos miteinander, teils aus dem Boden, teils von hinten und aus den Seiten kommend und verschwindend. Special effects gibt es nicht, aber alles ist nett anzuschauen.

Am Ende wird Deutschland dann Weltmeister. Das Endspiel wird sehr spektakulär an der hinteren Bühnenwand dargestellt. Durch eine ausgefeilte Technik werden Teile des Spielfeldes auf die Wand projiziert. Die „Fußballer“ laufen, an Seilen hängend, auf diesem Spielfeld auf und ab und hin und her und schießen die projizierten Bälle. Wie die es schaffen, gerade immer da zu sein, wo ein Ball auftaucht, der ja eigentlich gar nicht vorhanden ist – das ist schon eine beachtliche Leistung und war einen Sonderbeifall wert.

Nicht nur im Fußball gab es ein Happyend, was ja seit 60 Jahren bekannt ist, auch die Familie fand wieder zusammen und alles war wieder gut. Standingovations vom begeisterten Publikum am Schluss.

Soweit so gut. Mir hat’s gefallen und ich würde mir das Musical noch einmal ansehen, wenn es sich denn mal ergibt. Ich würde also nicht unbedingt in absehbarer Zeit Karten kaufen wollen. Und mein Mann? Der fand das gar nicht gut. Die Geschichte der Vater-Sohn-Beziehung gefiel ihm z.B. nicht, die Musikstücke auch nicht. Bernd würde sich das Stück nicht mehr anschauen. Er sagte, er kann sich in das Stück nicht reinfinden. Tja, ungewöhnlich, dass wir nicht einer Meinung sind.

Die Welturaufführung findet am 23. November statt. Gestern war es nicht mehr als eine öffentliche Probe, von der Eröffnung des Theaters mal abgesehen. Vielleicht werden in den verbleibenden zwei Wochen noch ein paar Änderungen vorgenommen.

6 Gedanken zu „Nicht ganz einer Meinung

  1. ossi1967

    Also der Meinige und ich, wir sind ja immer einer Meinung. Und wenn er irrtümlicherweise mal nicht meiner Meinung ist, weiß er sofort, daß er sich geirrt hat. 🙂

    Ich hab mal so einen kurzen PR-Ausschnitt des Musicals gesehen im TV. Die Sache mit den Fußballern an der Wand war IMHO eine wirklich gute Teater-Idee. Ich kann mich auch erinnern, daß ich die paar angespielten Melodien überraschen gut fand. Aber an sich ist das Thema Fußball nicht so wirklich meins. Nicht nur, daß es mich vom Spiel her nicht interessiert… Das ganze Drumherum stößt mich ab. Es ängstigt mich, wenn der Mensch zur Masse wird, wenn die Gewalt und das „Besiegen wollen“ sich in der Gruppe ihren Weg bahnen und die zivilisatorischen Hemmungen überrollen, die der einzelne vielleicht noch hätte. Allein die Geräuschkulisse in einem Stadion während eines „großen“ Spiels… Nö.

    Insofern hätt ich wahrscheinlich eine gewisse innere Distanz zum „Wunder von Bern“ selbst dann, wenn Musik, Inszenierung und die rundherum konstruierte Familiengeschichte „passen“. U.U. hilft in einem solchen Fall, sich zerscht amal nur die CD zu besorgen? 😉

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    1. Hans-Georg

      Die Musik-CD würde ihm nicht helfen. Er hat ein sehr gutes Musikgehör und er erinnert sich an jeden Titel, den er irgendwann irgendwo schon mal gehört hat. Unfassbar. Es ist wohl tatsächlich so, dass Bernd das ganze Stück irgendwie „unrund“ findet und wie ich schon oben erwähnte, er kann kann sich da nicht reinfinden, reindenken – wie man immer das auch nennen mag. Sowas gibt’s halt.
      Mich hat das Musical „nicht vom Hocker gerissen“, ich finde es aber durchaus sehenswert.

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  2. karin

    in wichtigen dingen einer meinung-das wär schon wichtig, aber sonst? never ever, seid doch keine eineiigen zwillinge, passt schon so

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