Flutsoli?

Ich weiss nicht, wer die Idee aufgebracht hat, für die Flutopfer einen sogenannten Flutsoli einzurichten, was heissen würde, dass dieser Solidaritätsbeitrag von allen zu leisten wäre, die Steuern auf ihr Einkommen bezahlen.

So sehr ich die betroffenen Menschen auch bedauere, jedenfalls in der Mehrheit (dazu komme ich gleich noch), sehe ich nicht ein, warum wir einen Soli bezahlen sollen. Die Flut ist natürlich einerseits eine Naturkatastrophe. Aber man darf nicht vergessen, dass sie auch „hausgemacht“ ist. Den Flüssen wurde nämlich ihr natürliches Überschwemmungsgebiet genommen um darauf Wohnsiedlungen oder landwirschaftliche Flächen zu errichten, d.h. die Entscheidungen, dies zu tun, haben die Kommunen/Landkreise/Länder zu verantworten. Desweiteren ist zu lesen, dass einige Kommunen/Kreise/Länder nichts aus den Überschwemmungen des Jahres 2002 gelernt und nicht die notwendigen Schritte unternommen haben, zukünftige Überschwemmungen zu vermeiden. Sollen die doch nun so viel Geld in die Flut pumpen, dass die, die durch diese einen Schaden erlitten haben, diesen ersetzt bekommen können.

Und nun zum Thema Mehrheit der Flutopfer: Es gibt einen elitären Kreis der kleinen Stadt Leidersbach, der sich mittels eines Bürgerentscheids erfolgreich gegen eine Verbesserung des Flutschutzes gewehrt hat. Tja, und nun steht diesen Menschen, und mit ihnen noch anderen, das Wasser bis zum Hals.

Und für Versäumnisse der Politik und für die Kurzsichtigkeit einger Bürger soll ich ein Opfer bringen? Nein, absolut nein! Und nochmals nein! Ich bin auch nicht bereit, auch nur einen fucken Cent dafür zu spenden!

10 Gedanken zu „Flutsoli?

  1. Inge aus den Alltagsgeschichten

    Hallo Hans-Georg,

    erinnerst du dich an Inge Meisel? Sie hatte schwer dagegenan gekämpft, dass bei ihr der Deich erhöht wird. Leider! Allerdings hab ich sehr viel Verständnis für die Hochwassergeschädigten. Sie können am wenigsten dafür, das ist wohl eher eine Regierungssache. Geschädigt sind die kleinen Leute, weniger die Großen. Man sollte auch nicht alle über einen Kamm scheren, mir tun die Betroffenen sehr Leid und ich möchte nicht ihn ihrer Haut stecken.

    Lieben Gruß von Inge

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    1. Hans-Georg

      Inge, ich möchte auch nicht in deren Haut stecken. Und ich bin sehr froh, dass wir in einem Gebiet wohnen, welches nicht betroffen ist – obwohl wir Luftlinie nur ca. 200/300 m von der Elbe entfernt wohnen. Hier ist wirklich die Politik gefordert, endlich alles zu tun, damit solche Katastrophen in Zukunft vermieden werden, d.h. den Flüssen einen Grossteil des natürlichen Raums zurückgeben und Hochwasswerschutz zu verbessern. Aber nun erstmal den Betroffenen unter die Arme greifen und das nicht auf andere abwälzen und zu Spenden aufrufen.

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  2. Hagen Ulrich

    Flutsoli? Wohl den Schuß nicht gehört? Ich wohne selber 50m vom Rhein entfernt, und so alle 10 bis 15 Jahre schaut er mal vorbei, ob wir noch da sind. Leider hinterläßt Vater Rhein dann immer ziemlich viel Dreck. Aber mittlerweile kennt man ihn ja und hat sich darauf eingestellt. Das Erdgeschoß ist komplett gefliest und gekachelt, Stromanschlüsse sind höher gelegt. Was man eben so macht, wenn man weiß, wo man wohnt.

    Spätestens seit dem letzten „Jahrhunderthochwasser“ haben die betroffenen Gegenden gewußt, was los ist. Und in den Berichterstattungen der letzten Tage wurde ja auch deutlich, wo die Fehler liegen. Wenn Deichbau von örtlichen Bürgerinitiativen verhindert wird, Landwirte u.a. Grundstücke nicht verkaufen wollen usw. usf. – ja dann sollen die eben die Suppe auslöffeln, die sie sich selber eingebrockt haben.

    Wo jemand unverschuldet in Not geraten ist, da ist Hilfe angebracht. Aber mit Augenmaß bitte. Und nix da mit Soli. Da gibt es schon einen Soli, der dafür sorgt, daß z.B. das Straßennetz im Osten besser ist als auf dem Kölner Ring.

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  3. Achim

    Das erste mal, ist mir danach einen Kommentar zu schreiben. Bitte sagt doch mal dem Kommentierer aus Köln, das „die“ aus dem Osten auch von Anfang an Soli von ihrem Einkommen bezahlen, von dem tatsächlich viele Infrastruktur geschaffen wurde, auch ganz tolle Strassen, die leider jetzt schon wieder repariert werden müssen, da offensichtlich das Können der großen westdeutschen Baukonzerne und ihrer im Osten installierten Firmenableger auch nicht mehr so toll sind. Ich wohne am Zusammenfluß von Mulde und Elbe. 2002 hat es uns furchtbar erwischt, Stichwort „Waldersee“. Übrigens haben uns damals wie auch diesmal erfahrene Feuerwehrmänner und Wasserwachtleute vom Rhein ganz toll und wirksam geholfen. Vieleicht spricht der Hagen Ulrich mal mal mit solchen Leuten. Soli hat sehr viele Seiten, leider auch immer finanzielle. Und weil gerade Betroffene zur Zeit wieder furchtbar bangen und hoffen, sollte man einfach sich zurückhalten, denn mit Höherlegen der E-Leitungen und Komplettfliesen ist es für viele hier nicht getan. Viele Grüße vom mittleren Teil der Elbe.

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    1. Hans-Georg

      Hallo Achim, vielen Dank für deinen Kommentar.
      Zu deiner Info: Jeder, der hier kommentiert, kann nachlesen, was andere Leser zum Thema gesagt haben. Insofern ist es überflüssig, dass ich darauf aufmerksam mache, was später gesagt bzw. geschrieben wurde. Insbesondere bin ich nicht der Oberlehrer, der andere Kommentatoren informieren muss, was sonst noch gesagt worden ist.
      Zum Thema Soli:
      Der Kanzler der Einheit, Herr Kohl, hat anlässlich der Wiedervereinigung gesagt: Niemand muss den Gürtel enger schnallen. Das Resultat ist der Soli!
      Wenn ihr den auch bezahlen müsst, ist es ja nur gut, dass ihr für eure Infrastruktur sorgt. Leider ist es so, dass fast das ganze Geld zu euch fliesst.
      Kurz nach der Wiedervereinigung war ich in Warnemünde und entdeckte dort die neuesten Personenwaggons der DB während ich als Pendler von Lübeck nach Hamburg in den allerältesten Waggons sitzen musste!

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      1. Achim

        Hallo Hans Georg,
        schön, dass du gleich antwortest. ich könnte jetzt so viele Gedanken schreiben, denn du sprichst gerade die DB AG an. Nun ist es nämlich so, dass ich seit 1970 ein deutscher Eisenbahner bin, vor kuzem sogar für 40 Jahre Betriebszugehörigkeit ausgezeichnet wurde. Du kannst also davon ausgehen, dass ich dazu ne Menge weiß. Heute bin ich immer noch im selben Betrieb der DB, welcher alle Elektrolokomotiven der DB und einiger privater Eisenbahnunternehmen repariert, d.h. schwere Unfallinstandsetzung und planmäßige Revisionen. Hans Georg ich kann dir mit ruhigem Gewissen sagen, die Vereinigung der beiden deutschen Bahnen, von ganz oben bis hin auf die untersten Ebenen hat als einige der wenigen Vereinigungsprobleme sehr gut funktioniert. Auch die von uns allen argwöhnisch betrachtete Privatisierung der deutschen Bahn wurde von uns allen gestemmt, selbstverständlich mit vielen Turbolenzen und vielen einzelnen Problemen. Weist du warum das funktioniert hat? Wir waren bei DB und DR auf Augenhöhe. In 40 Jahren hat es bei beiden deutschen Bahnen eine nahezu identische Entwicklung, technisch, organisatorisch u. logistisch gegeben. Die tollen ICE hattet ihr ab 1991, aber beim Rest sah es traurig aus. Böswillige haben auch schon mal behauptet DB u. DB haben auf gleichem Niveau abgewirtschaftet. Die neuen Waggons, die du gesehen hast, passen dazu. Wahrscheinlich hast du aber nicht die Lokomotiven davor beachtet. Denn kurz nach der Wende haben wir gleich mal ca. 50 Lokomotiven der DR an die DB verliehen, da bei euch ein ziemlicher Schadstand und Lokmangel vorhanden war. Unsere Lok`s leisten bis heute Dienst, u.a. auch in Norddeutschland auf den Strecken Hamburg – Rostock, oder Hamburg -Kiel. Wir hatten auch gerade vor der Wende ein dringend nötiges Waggon-Neubauprogramm, diese hast du sicher gesehen. Ich hätte mir manchmal gewünscht, dass die Wiedervereinigung annähernd so geklappt hätte wie bei den deutschen Bahnen. Sicher hatte das mit der sehr großen Aufgabe zu tun, Absicherung des gesamtdeutschen Schienentransport, und mit den Menschen, die das stemmen wollten. Ich habe so viele wunderbare Eisenbahner kennengelernt und dann bis heute mit ihnen zusammen gearbeitet. Helmut Kohl hat viel gesagt damals, u.a. die blühenden Landschaften versprochen. Wir haben das so richtig nicht geglaubt, denn irgendwie haben wir ganz schnell die Größe und Schwere der Wiedervereinigung gespürt. Sorry, dass habt ihr anderst empfunden. Und noch eins, ist es denn wirklich so schlimm, dass der Starke dem Schwachen hilft, ob mit Soli zur Wiedervereinigung oder jetzt zur Fluthilfe? Sind wir nicht auch gerade deshalb ein anerkanntes, atraktives starkes Land? Das soll es aber jetzt mal sein, viele Grüße Achim.

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