Fix und alle!


Heute war die dritte und vorerst letzte Therapiestunde bei den Faszien-Helden in Hamburg.

Vor der Therapie gab es erstmal ein Gespräch darüber, wie es mir geht, wie es nach der letzten Stunde war und wie es bis heute weiterging. Dazu muss ich sagen, dass es keine Linie gibt. Mal tut es hier weh, mal da. Es gibt Tage, da ist alles gut. Am nächsten Tag ist alles wieder Mist. Vorgenommen hatte ich mir, Paul, den Therapeuten, danach zu fragen, ob noch eine Behandlung nötig sei. Das wollte er mir nach der heutigen Stunde beantworten.

Es gibt am linken Oberschenkel halbaussen einen Punkt, der mir manchmal zu schaffen macht. Ich wollte heute Morgen dort ein Zeichen hinmalen. Tja, heute war natürlich nichts. Aber ich konnte Paul so ungefähr zeigen, wo das Problem sitzt. Anhand einer Grafik wurde mir erklärt, wie der Muskel arbeitet und einiges mehr. Ich konnte dem nur zustimmen, genau so ist es – manchmal.

Danach ging es an die eigentliche Therapie, hauptsächlich wurde die linke Seite bearbeitet. Wenn ich genau „hinfühle“ kann ich mir vorstellen, wie die Faszien hin- und hergeschoben werden – faszinierend.

Dann sollte ich ein paar Schritte gehen. Währenddessen griff mir Paul mittig am unteren Rücken in die Hautschicht und arbeitete sich dort ab, im Gehen! Tricks und Griffe kennen die Therapeuten, unfassbar. Ich bot an, ihn zu engagieren, das zu tun, was er dort machte, während ich spazieren gehe.

Nach der Therapiestunde sprachen wir darüber, wie es weitergehen könnte. Ich hatte mir schon was ausgedacht, was ich auch vorschlug: Erstmal eine Behandlungspause zu machen und ich mach währenddessen weiter meine Übungen. Gegebenenfalls würde ich mir einen weiteren Termin für Ende November holen. Die Idee fand anklang.

Ich befürchte, dass ich morgen nicht dazu in der Lage sein werde, mich zu ungewöhnlichen Bewegungen hinreissen zu lassen. Aber wer weiss das schon, vielleicht hat es ja heute gut was gebracht.

Heute habe ich Teile des Treppenhauses dieses Hauses fotografiert. Hamburg wurde während des 2. Weltkrieges ja ziemlich durch Bomben zerstört, aber dieser kleinen Strassenzug, Colonnaden, wurde glücklicherweise verschont. Er Bauherr dieses Hauses muss mal viel Geld gehabt haben.

Mich interessiert ja die Geschichte hinter solchen mondänen Häusern. Wer mag darin gelebt haben, wer hat es bauen lassen. Herausgefunden habe ich, dass es zwischen 1979 und 1880 erbaut wurde. Der Architekt war Wilhelm Hauers.

Auf meiner Suche nach diesem Haus fand ich folgendes, Zitat aus dem Hamburger Abendblatt vom 2.11.2004:
„Sie nannte sich Gloria, war blonder als die Bardot, steuerte in einer Leopardenpelzjacke ein mit Leopardenfell gepolstertes Cabrio, die beide eigentlich nicht in das Nachkriegstrümmer-Deutschland von 1954 paßten, und war die beste Frauenflüsterin ihrer Zeit: Im Oktober 1954 eröffnete Irmentraut Schramm, geborene Hanz, aus Zoppot im Souterrain des Hauses Colonnaden 5 ein Modegeschäft, das sie „Gloria’s boutique“ (später: „bei Gloria“) nannte. Laut Experten war es „Deutschlands erste Boutique“ – und ein Knüller dazu.

Hier kauften Kaiserin Soraya und Aristoteles Onassis, gingen Stars und Starlets wie Luise Ulrich, Marika Rökk, Grethe Weiser, Anja Silja, Grace Bumbry, Mireille Mathieu, Ruth Maria Kubitschek, Dagmar Koller und Heidi Brühl ein und aus.

In dem düsteren, etwas kramigen, aber mit den unglaublichsten textilen Delikatessen überladenen „Mode-Tempel“ (so der Filmstar Hans Söhnker) wurde nicht nur Hamburger Modegeschichte geschrieben: „Kein Trip nach Hamburg ist komplett ohne Gloria“, jubelte Hildegard Knef. „Gloria hat das Neueste und Ausgefallenste, was man sich denken kann. Sie ist der Mode immer um ein paar Nasenlängen voraus“, sagte Liselotte Pulver.“

Heute ist das Souterrain ein Nichts, jedenfalls äusserlich. Wer weiss, was sich hinter den düsteren Fenstern verbirgt.

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