
Heute hatte ich meine zweite Behandlung bei den Faszien-Helden. Paul, mein Held und Therapeut, fragte mich anfangs, wie es mir nach der ersten Behandlung, und dazwischen bis heute, gegangen ist. Ich erzählte ihm von den Problemzonen und was so war. Und dann ging es auf die Liege, Bank, oder wie immer das heisst.
Paul hatte mich fest im Griff, teilweise sehr fest. Aber ich war tapfer und hielt das aus. Na ja, eine Sache war noch „gerade so. Hauptsache es hilft dachte ich mir und ertrug das Leiden.
Als ich in der kleinen Stadt an der Elbe aus dem Bus stieg, merkte ich, was Paul mir angetan hatte. Ich machte mich auf den Heimweg und dachte mir, dass der heute sehr lang war. Ich fühlte mich wie ein alter Mann. OK, ich bin alt und manchmal denke ich, wenn ich in den Spiegel schaue, hoffentlich werder ich so alt wie ich aussehe. Zuhause liess ich mich nur noch auf einen Stuhl fallen und war erledigt.
Während der Behandlung hatte ich Gelegenheit, Paul auf die Räumlichkeiten anzusprechen. In der Tat war das früher mal eine Wohnung, EINE Wohnung. Ich weiss nicht, wieviele Behandlungszimmer es gibt. Aber überall ist reichhaltiger Stuck zu finden. Wo ich gerade über die bel etage schreibe, habe ich den Gedanken, dass ein Teil der Wohnung in früheren Zeiten mal Personal beherbergte. Man kennt das aus Romanen und Krimis: Man wird vom Butler oder der Hausdame empfangen und in den Salon gebeten. Nach einer angemessenen Wartezeit erscheint dann der Hausherr oder die Hausherrin und fragt nach dem Begehr. Vielleicht gibt es Tee, bestenfalls ein Glas Port, dazu hausgebackenes Gebäck der Köchin.
Das Personal wohnte in Wohnung. Man brauchte nur zu läuten und jemand erschien, um zu servieren. Mit einem Handwedeln wurde der gute Geist aus dem Salon entlassen, „danke Trude“. Und Trude verliess den Salon, vermutlich um hinter den herrschaftlichen Türen darauf zu warten, bis sie wieder erwünscht war.

Genau so sieht es aus, wenn ich in der Dependance Collonaden 5 der Faszien-Helden auf meine Behandlung warte. Decken mit Stuck, Säulen, hohe Decken und Türen – es ist ein Traum. Grossbürgerliches Flair, diesen Ausdruck entdeckte ich heute auf einem Immo-Portal. Und ja, so wird es gewesen sein, damals, früher, ganz früher, als noch Tee und Port serviert wurde.
Einen Termin habe ich noch, nächste Woche. Dann werde ich mal versuchen, Fotos von dem hochherrschaftlichen Treppenhaus zu machen.
