Die Faszien-Helden


Ich hab Hüfte, das ist klar. Hat mir vor mehreren Jahren schon ein Orthopäde bestätigt, inzwischen noch zwei mehr. Der letzte Orthopäde verschrieb mir Krankengymnastik und Schmerzmittel. Wie jedem klar sein sollte, heilen Schmerzmittel keine Arthrose, sie vernebeln nur den Schmerz, die Ursache verschwindet nicht. Eigentlich gibt es nur eine Lösung: Eine Hüft-OP, die mir beim letzten Besuch eines Orthopäden schon mal vorsichtig vorgeschlagen wurde.

Vor der OP selbst habe ich keine Angst, aber die darauf folgenden Wochen, vielleicht Monate, sollen schwer sein, so hört man. Inzwischen gibt es eine OP, die nicht so drastisch ist. Dabei werden die Muskeln nicht durch- bzw. abgetrennt sondern gespreizt. So kommt der Operateur auch an die Hüfte und kann diese tauschen. Gerade die Heilung der Muskeln nach einer herkömmlichen OP ist es wohl, was die Rehabilitation so langwierig macht. Wenn die Muskeln nur gespreizt werden, ist das einfacher.

Mein Therapeut bei der KG sagte mir, wenn ich „in Bewegung“ bleibe, sei eine OP nicht notwendig. Ähnlich äusserte sich auch mein Homöopath. Und wenn man mit Leuten über die Hüfte spricht, bekommt man manchmal auch Hinweise. Und so landete ich bei den Faszien-Helden. Dort war ich gestern.

Ich hatte mich online für den gestrigen Termin angemeldet. Wie üblich fuhr ich mit Bus und Bahn in die grosse Stadt an der Elbe. Die Praxis befindet sich in einem altehrwürdigen und renovierten Haus in bester Lage nahe der Binnenalster. Allein der Eingangsbereich war atemberaubend.

Nahezu pünktlich wurde ich gebeten, in den Behandlungsraum zu kommen. Herr M. befragte ich zu verschieden gesundheitlichen Themen, man kennt das. Dann „Schuhe und Hose aus und auf den Rücken legen.“ Die Behandlungsliege war mit einem weissen Baumwollspannlaken abgedeckt. Ich tat, wie mir geheissen und legte mich hin.

Zuerst wurden ein paar Test mittels ziehen, biegen und fühlen/drücken gemacht. Und dann wurde ich „behandelt“. Ohaohaoha! Ohne Öl drückte, zerrte und kniff Herr M. an den Stellen herum, die er meinte, behandeln zu müssen. Er könne jederzeit aufhören oder eine Pause machen wenn es zu doll wäre. Na ja, ich hielt es aus, gerade so. Ab und zu entfleuchte mir ein leichtes Stöhnen. Es war schon heftig. Mir wurden rote Stellen, blaue Flecken und Muskelkater avisiert.

Eine Stunde dauerte die Behandlung inklusive Vorgespräch und Voruntersuchung. Bei einer Physiotherapie oder Krankengynastik sind es nur 20 Minuten, die zur Verfügung stehen. Bei Folgeterminen fällt natürlich die Zeit für die Voruntersuchung weg und es steht eine ganze Stunde für die Behandlung zur Verfügung.

Nach jeder Behandlung muss man diese direkt Bezahlen. Die Rechnung wird per Email geschickt. € 149,00 kostet die Stunde, die zum Teil VIELLEICHT von der Krankenkasse übernommen werden. Ich vereinbarte zwei Folgetermine, vielleicht benötige ich noch einen Termin mehr. Mal gucken.

Nachdem ich zurück zu Hause war, merkte ich, wie anstrengend die Behandlung war obwohl ich mich selbst dabei überhaupt nicht bewegt hatte. Im Bereich Oberschenkel, Hüften, unterer Rücken trat der angekündigte Muskelkater ein. Ich war völlig schlapp und kaputt. Noch vor 21 Uhr machten wir das Licht aus und die Augen zu.

Heute Morgen wachte ich mit leichtem Schmerz auf, der aber nach dem Duschen und den üblichen morgendlichen Bewegungen weitgehenst verschwand. Ohne vorher Schmerzmittel nehmen zu müssen, ging ich ein paar Einkäufe erledigen. Gut, als ich zu Hause war, war ich froh, mich erstmal hinsetzen zu können. Die Einkaufstaschen waren aber auch nicht gerade leicht. Allein drei Sorten Käse sind schon schwer. Dann noch ein paar Dinge, die wir für unser Sonntagsessen benötigen. Jedes Mal auf dem Heimweg denke ich darüber nach, mir einen Einkaufstrolley zum Schieben anzuschaffen. Aber dann denke ich wieder, so lange ich das noch aushalten und das Gewicht tragen kann, ist das auch ein gewisses Training für mich. Wenn es denn eines Tages sein muss, werde ich keinesfalls einen Trolley zum Ziehen kaufen. Den Körper dafür zu verdrehen kann nicht gesund sein.

2 Gedanken zu „Die Faszien-Helden“

  1. Birte

    In dem Haus war ich als Kind sehr oft. Dort residierte mein Augenarzt 🙂
    Faszien-Training wurde den Mitarbeitenden der Diakonie im Haus angeboten. Galt aber leider nicht für uns, die wir nur Untermieter bei der Diakonie waren.
    Dann wünsche ich Dir, dass Du an einer OP vorbei kommst.

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    1. Hans-Georg

      Vielen Dank. Ich hoffe sehr, dass mir das erspart bleibt. Auf jeden Fall muss ich mich bemühen, mit den Übungen am Ball zu bleiben und möglichst viel spazieren zu gehen.

      Antworten ↓

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