Ja zu Erdogan!

Die in Deutschland lebenden Türkischen Wahlberechtigten, die zu dieser ominösen Abstimmung gegangen sind, haben mit Mehrheit für Erdogan abgestimmt. Auf Radio Hamburg wurde heute morgen ein paar Meinungen per Telefon gebeten. Ein Türke, der ein einwandfreies Deutsch sprach und auch seiner Aussprache konnte man nicht entnehmen, dass er Türke ist, ist der Meinung, dass man den Europäern mal zeigen will, was Sache ist. Man will sich von den Europäern nicht länger verarschen lassen. Die Sache mit Armenien brachte er ebenfalls zur Sprache. Von einer Protestwahl war die Rede.

Dazu kann man eigentlich nur sagen: Denn sie wissen nicht, was sie tun.

Und noch eins: Alle Türken, die in Deutschland und anderswo in Europa, für Erdogan abgestimmt haben, sollen bitte schleunigst in ihr Heimatland gehen und sich dort dem Ausnahmezustand und den Gesetzen und dem Despoten unterwerfen. Man kann nur sagen: Raus hier!

7 Gedanken zu „Ja zu Erdogan!

  1. Elke

    Obwohl ich ja eigentlich prinzipiell nichts Politisches schreibe, muss ich dieses Mal sagen: JA! Du hast 100% Recht. Die sitzen hier fein im Trockenen und fachen das Kackfeuer in der Heimat an. So eine Sauerei. Ich versuche ja immer, vorurteilsfrei zu sein, aber hier kommen sie hoch, alle Vorurteile, die man gegen Ausländer haben kann, sind jetzt bei mir vorhanden. Danke für Dein Post 🖒. LG und trotz der Wut eine schöne Woche – Elke

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  2. Michi

    Hallo Hans-Georg, ich lese deinen Blog auch schon einige Jahre, habe aber noch nie was geschrieben.
    Auch ich stimme deinem Post ausnahmslos zu (bravo! für die harten Worte) – alle zurück in die Türkei die Erdogan gewählt haben!!!
    LG Michaela

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  3. ossi1967

    Ganz ehrlich – ganz kann ich die Aufregung nicht ganz verstehen. Ein bißchen, ja, aber nicht ganz. Das liegt aber auch daran, daß ich in der jüngeren österreichischen Geschichte vergleichbare Beispiele finde: Auch wir Österreicher haben gelegentlich mal irgendwas Dummes gewählt, nur um „den Europäern zu zeigen, was Sache ist.“

    Wenn überhaupt, dann zeugt diese Aussage im Radio von einer ziemlichen Dummheit. Als obs mich was jucken tät, welche Verfassung die da unten in Anatolien haben. Nicht mir als Europäer hat der Typ damit eins ausgewischt, sondern seinen ev. noch in der Türkei lebenden Verwandten oder Freunden. Die müssen sich dem neuen System arrangieren. Daran zu denken, dafür hats wohl nicht gereicht.

    Insofern kann ich die Forderung nach einer Ausreise auch nur im Interesse der Türken in der Türkei unterschreiben: Wer für das dortige politische System zur Wahl geht, der soll dann auch die Konsequenzen am eigenen Leib spüren. In Mitteleuropa zu leben und aus der Ferne über das Schicksal der Türkei zu bestimmen… das ist ja in Wahrheit genau die „Einmischung aus Europa“, die sie angeblich nicht haben wollen, die Türken.

    Ansonsten wird mir die Türkenhatz grad ein bißchen zu extrem und emotional. Nicht hier dieser Artikel, sondern ganz allgemein und insgesamt im Netz. Auf derstandard.at (die Homepage einer Zeitung, die als übertrieben Linksliberal verschrieen ist, also sicher kein Sammelpool rechtsextremer Leser) überlegen sich die User in den Kommentaren grad ernsthaft, wie man denn die „guten“ Türken (=Nein) von den „schlechten“ (=Ja) unterscheiden kann. Weil: Bei den „guten“ wollen sie gern weiterhin einkaufen, bei den „schlechten“ aber nicht. Wohin steuert das alles? Wenn wir wissen, daß Mehmet vom Gemüseladen mit „Evet“ gestimmt hat – sprühen wir dann „Kauft nicht bei Türken“ auf sein Geschäft? Muß er sich (zwecks Unterscheidung vom „guten“ Hasan) einen Halbmond auf den Ärmel nähen? Wenn sich dann der Volkszorn spontan entlädt und die ersten Kebap-Buden in Scherben liegen… was ist der nächste Schritt? Hatten wir das alles nicht schon einmal?

    Mich stören zwei grundlegende Dinge:
    Erstens müßten sich die Wähler unserer eigenen rechtsextremen Parteien die gleichen Vorwürfe gefallen lassen wie die Unterstützer des neuen Sultans. Da wird aber, kommt mir vor, mit anderen Maßstäben gemessen.
    Zweitens wird so getan, als hätten die Menschen mit „Evet“ bewußt und in voller Kenntnis der Fakten für ein autokratisches, weniger demokratisches System gestimmt, in dem die Gewaltenteilung aufgehoben und der Präsident zum uneingeschränkten Machthaber befördert wird. Das stimmt so nicht: Der neue Verfassungsentwurf scheint auf den ersten Blick mehr Demokratie und eine besser funktionierende Gewaltenteilung zu bringen. Genau damit wurde vom „Evet“-Lager auch geworben, damit und mit mehr Stabilität. Die sind ja nicht durch die Sttraßen gezogen und haben gerufen „Macht Erdoğan zum Diktator!“, ganz im Gegenteil. Um zu verstehen, wo die Probleme dieses Verfassungsentwurf liegen, reicht es nicht, ihn kurz mal zu lesen. (Was mangels Alphabetisierung ohnehin nicht alle könnten.) Man muß sich das politische Getriebe vorstellen könnem, man muß wissen, welche Kontrollmechanismen andere Präsidialsysteme eingebaut haben (und warum)… Das trau ich dem durchschnittlichen deutschen/österreichischen Kritiker Erdoğans nicht zu, der umfassender und freier informiert ist als ein der AKP-Presse ausgelieferter Türke. Umso weniger möchte ich diesem von der AKP-Propaganda vernebelten Türken unterstellen, daß er die volle Tragweite der Änderungen erkannt und sich bewußt dafür entschieden hat. Manche von ihnen vielleicht. Aber ganz sicher nicht alle, mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht einmal die Mehrheit der Ja-Sager.

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