Wunschkonzert

Kennt das noch jemand? Wunschkonzert? Früher war’s, als es nur öffentlich-rechtliche Rundfunksender gab und die konnte man an einer Hand abzählen. Man musste einen Brief oder eine Karte an den Sender schreiben. Tja, die gute alte Zeit, da gab es weder Email, Facebook, Whatsapp und wie das alles heisst. Die Post war gefragt um seinen Musikwunsch kundzutun und wen und warum man damit grüssen wollte. Silberne und Goldene Hochzeiten, runde Geburtstage – zu allen möglichen Anlässen wurden Musikwünsche über den Äther gejagt. Die gewünschten Musiktitel waren immer die selben. Vor meinem Vaterhaus steht eine Linde“ war sehr beliebt, oder „Ich möchte nochmal 20 sein“. Ich weiss gar nicht, wie man diesen Musikstil bezeichnet. Auch die Interpreten waren immer die selben, Rudolf Schock, Willy Schneider usw. usw. Die Familien der bewünschten Jubilare sassen an der Kaffeetafel während im Hintergrund aus dem Radio die gesendeten Grüße und der gewünschte Musiktitel zu hören waren.

Hat sich was geändert? Nein! Es ist halt nur moderner geworden. Private Musiksender machen jeden Nachmittag Wunschkonzert. Man kann anrufen, eine Mail schicken, seinen Musikwunsch per Whatsapp oder via Facebook einreichen. Und wenn man Glück hat, wird der Titel auch gleich gespielt. Wer mittels Telefonanruf „live on air“ ist, wird gefragt, warum er/sie denn ausgerechnet diesen Titel hören möchte und ob er/sie noch jemand grüßen möchte. Und dann wird der gewünschte Titel gesendet.

Wer nun glaubt, dass aussergewöhnliche Songs ausgesucht werden oder welche, die nicht oft gesendet werden, der irrt sich gewaltig. Es ist der gleiche Musikbrei, der eh mehrmals am Tag gesendet wird und den man deshalb gar nicht mehr hören mag, sozusagen totgespielt. Man bin ich froh, dass wir eine neue Musikanlage im Arbeitszimmer haben. Da bin ich der Boss, da bestimme ich, welchen Sender ich hören möchte oder welche CD ich einlege, also welche Musik hier erschallt, mein ganz persönliches Wunschkonzert.

11 Gedanken zu „Wunschkonzert

  1. Gerrit

    Genau, es geht doch nichts über eine große Auswahl an CDs (wer derlei noch hat) oder eine 1-Terrabyte-Festplatte mit unzähligen mp3 und selbst zusammengestellten Playlists.

    Von dem Mainstream-Zeug interessiert mich nur wenig – derzeit höre ich ab und zu mal „Wolke 4“ von Philipp Dittberner oder die Songs von George Ezra, das war’s aber auch schon.

    Die Musik, die ich wirklich mag, wird ohnehin nicht im Radio gespielt – Künstler wie Guus Meeuwis aus den Niederlanden, Rasmus Walter aus Dänemark oder Bo Sundström und Caroline af Uglass aus Schweden. Oder wenn’s unbedingt Englisch sein muss, dann kleinere, aber hochtalentierte Independent-Acts, die nicht von großen Labels unverhältnismäßig hoch gepusht werden wie Iwan Rheon (als Schauspieler auch aus der ITV-Sitcom „Vicious“ bekannt), John Grant oder die New Yorker Entertainerin Jenna Esposito.

    Tolle Musik, die sich nirgends verstecken muss, aber nicht zum Zug kommt, weil die großen Labels mit ihrem Einheitsbrei die Vielfältigkeit der Musikszene völlig zerstören.

    Aus dem selben Grund schaue ich auch kein deutsches Fernsehen mehr – die Sender haben’s einfach nicht drauf, gutes Fernsehen zu machen.. Wer mal – Internet sei Dank! – eine hochspannende BBC-Krimiserie wie „Ripper Street“ oder „White Chapel“ geschaut hat, eine Sitcom wie „Vicious“, „Mrs Brown’s Boys“ oder „Are You Being Served“, ein Period Drama wie „Call The Midwife“ und „Poldark“ oder eine Filmbiografie wie ITV’s „Cilla“ über Cilla Black – für den wird es sehr schwer, zu dem lieblos und ambitionsfrei hingerotzten Zeug wie „Tatort“ oder dem „Traumschiff“ zurückzukehren.

    Auch der Blick in die Niederlande lohnt sich – clever gemachte Unterhaltungsserien wie „Gooische Vrouwen“ mit Linda de Mol (als Schauspielerin großartig!) und „Lieve Lust“ mit dem wunderbaren Waldemar Torenstra oder pure Comedy-Serien wie „‚t Schaep met de fijf poeten“ mit der brüllend komischen Loes Luca stellen deutsche Produktionen weitgehend in den Schatten. Ja, es kommt op Nederlands daher – aber man kann sich ja die DVDs bestellen, die kommen zumindest mit englischen Untertiteln, wenn’s mit dem Nederlands hapert.

    Eigentlich brauche ich meinen Fernseher nur noch als Monitor für den DVD-Player oder wenn ich per PC was im Internet schaue. Ein deutscher Sender ist bei mir schon seit gut drei Jahren nicht mehr eingeschaltet worden.

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    1. Hans-Georg

      „Wolke 4“ wird hier auch totgespielt vom Sender.
      Und unsere Fernseher sind hängen auch mehr oder weniger tot an der Wand im Schlafzimmer bzw. stehen auf dem Regal im Wohnzimmer. Es ist sehr selten geworden, dass die mal eingeschaltet werden.

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  2. Heidi

    oh ja, kenne ich auch noch. Fritz Köhler auf NDR.
    Nadem ich einmal einen Glückwunsch über NDR geschickt hatte,mit einem kleinen Gedicht, wollte die ganze Verwandtschaft solche Grüße haben.
    Wenn Fritz Köhler nicht genug Grüße hatte, rief er mich an, um zu fragen..“haste nicht noch nen Gruß mit Gedicht?“

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    1. Hans-Georg

      An den Namen des Moderators erinner ich mich nicht.
      Und ich dachte immer, der hätte eh genug Glückwünsche, die er über den Sender jagen könnte. Alles Fake *lach*

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      1. Gerrit

        Ich selbst hab‘ ihn nicht mehr erlebt, weil er schon in den 1950ern verstorben ist, aber in einer Doku bin ich mal auf den NWDR- bzw. NDR-Moderator Just Scheu mit seiner „Funklotterie“ (später von Annette von Aretin moderiert) aufmerksam geworden.

        Der hatte so eine schöne, charmante Verabschiedung, die mir ausgesprochen gut gefällt: „Alles Liebe, alles Gute, alles Schöne – für Sie, für Sie und ganz besonders für SIE!“

        🙂

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  3. Inge

    Hallo Hans-Georg,

    Ich hab lange kein Wunschkonzert mehr im Ohr gehabt, eigentlich schade. Muss mal schauen, ob es an morgentlichen Sonntagen noch was auf 90,3 gibt.

    Gruss von Inge

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  4. Wolfgang

    @Herr Gerrit:
    Ja, wie recht Sie haben! 🙂
    Ich lerne ja gerade den Herrn Rheon kennen, und auch ‚Vicious‘ bekomme ich vielleicht demnächst von der Insel importiert. 😉
    Dank den vielen Tipps von Ihnen… bannigsten Dank wieder mal. *g*

    @Hans-Georg:
    Ich kann mich erinnern, bei uns auf ‚Radio Niederösterreich‘ (oder war es ‚Radio Burgenland ‚??) das ‚Wunschkonzert‘ gehört zu haben. Danach war immer das ‚Punschkrapferl‘, eine witzige Melange an feiner Musik.
    Es hat die heutige Emailbestellung *so gar nix* mit dem Wunschkonzert von damals gemein… damals wurde am Telefon noch lustig mit dem Anrufer gescherzt und es war so heimelig irgendwie. (Vielleicht lag’s auch am guten Essen meiner Oma, ich weiß es nicht… *gg*)

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  5. Arne

    Ich empfehle das Wunschkonzert bei Bremen Eins.

    Von Montag bis Samstags – 18 bis20 Uhr.

    Dort laufen sehr viele Oldies & Lieder, die sonst selten im Radio zu hören sind.

    Allgemein ein hat Bremen Eins mittlerweile eine sehr angenehme Musik-Rotation – fernab des Mainstreams der deutschen Radiolandschaft!

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