775 Prozent!

Kann das sein oder habe ich mich verrechnet: 1 stinknormales Brötchen ist heute 775 Prozent teurer als vor 50 Jahren?

Ich erinnere mich daran, dass damals, als ich meine Füsse noch unter den Esstisch meiner Eltern stellte, ein Brötchen 8 Pfennig kostete. Es mag so ca. 50 Jahre her sein. Mein Vater verdiente im Verhältnis weniger Geld als ich heute. Dazu war er Alleinverdiener. Welche Mutter hat damals schon gearbeitet?! Meist gab es Brot, welches vom Bäcker geholt wurde. Brötchen gab es eher selten.

Seit ein paar Monaten backen wir unser Brot am Wochenende im Brotbackautomaten selbst. Da Bernd meistens am Samstag arbeiten muss, Frühstücken wir mit frischem Brot wenn er zur Pause nach Hause kommt. Das Brot reicht für 3 Tage: Samstag und Sonntag für Bernd und mich und am Montag isst Bernd dann den Rest auf. An diesem Wochenende passt es mit dem Brotbacken nicht. Ich holte mir also ein frischen Brötchen vom Bäcker. Als ich bezahlen sollte, verstand ich 30 Cent (!), welche ich passend hatte. Nein, die Backfachverkäuferin wollte von mir 35 Cent haben! Das entspricht etwa 70 Pfennig!

Nun, wir wissen alle, dass im Lauf der Jahrzehnte alles teurer geworden ist. Aber ist alles im gleichen Verhältnis teurer geworden wie stinknormale Brötchen?

13 Gedanken zu „775 Prozent!

  1. ossi1967

    Gibt es „das Brötchen“? Ist es der gleiche Bäcker und das gleiche Rezept? Bei uns kannst für ein Semmerl zwischen 7 und 70 Cent ausgeben (und das sind nur die Geschäfte, die ich kenne… wahrscheinlich ist die Preisspanne noch größer). Für eine Inflationsbetrachtung über 50 Jahre hinweg ist der Preis trotzdem völlig ungeeignet: Vor 50 Jahren gabs bei uns noch die amtliche Brotpreisbindung. Da hat eine Semmel umgerechnet 4 Cent gekostet – behördlich verordnet.

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    1. Hans-Georg

      Für 7 Cent gibt’s hier sicher kein Semmel bzw. Brötchen, es sei denn an irgendeiner Backstation im Supermarkt. Ich habe aber da bisher nicht auf die Preise geachtet. Werde das beim nächsten Mal machen.

      4 Cent, das ist ja das, was ich sagte: 8 Pfennig!

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      1. ossi1967

        Ich wollte damit eigentlich zum Ausdruck bringen: Man nicht von zwei willkürlich ausgewählten Brötchen die Aussage ableiten, daß ein Brötchen heute um 775% teurer ist als vor 50 Jahren. Genausogut könnte ich das damalige amtlich regulierte 4-Cent-Semmerl mit seinem heutigen 7-Cent-Gegenstück vergleichen. Beide Vergleiche sind anekdotisch.

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        1. Hans-Georg

          Damals gab es nur die Auswahl zwischen einem ganz ordinären Bäckerbrötchen zu 8 Pfennig und einem Möhnbrötchen, was vermutlich etwas teurer war.
          Ich rede hier und heute auch von einm ganz ordinären Bäckerbrötchen. Da gibt es keine Unterschiede.

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          1. ossi1967

            OK, ich wußte nicht, daß der Markt in Deutschland keine Preisunterschiede bei Semmeln kennt. Wie gesagt: Bei uns kannst Du für Dein Semmerl auch 70 Cent zahlen beim Bäcker, wenn Du magst. Wir *haben* Preisunterschiede.

          2. Hans-Georg

            Unterschiede gibt es bei uns auch, aber die sind dann in der Sorte begründet. Ein leckeres fettiges Franzbrötchen kostet z.B. plus/minus 1 Euro,

  2. Nickeneck

    So lange immer noch halbe Brote oder gar ganze Semmeln in der „Schnuffi-Tonne“ landen sind Lebensmittel immer noch zu billig.
    Oder anders gesagt: Muss es jeden Tag das frische Brötchen sein? Man kann ein Brötchen auch am nächsten Tag noch essen (jedenfalls, wenn es nicht das 7-Cent-Brötchen aus der Penny-Backstation ist – das ist schon nach einer Stunde nur noch für die Tonne).

    Ich zahle gern 3,50 EUR für ein Brot – wenn es schmeckt und wenn man es auch so lange essen kann bis es wirklich alle ist. Meine Arbeit soll gerecht bezahlt werden – und die des Bäckers auch.

    Das war das! Best wishes.

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    1. Hans-Georg

      Nickeneck, es geht hier nicht um die Qualität eines Brötchen oder um die gerechte Bezahlung. Es geht mir darum festzustellen, dass der Preis für ein simples Brötchen in den vergangenen 50 Jahren unproportional gestiegen zu sein scheint.

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  3. Elvira

    Als Jugendliche konnte ich für 20Pfennig die ganze Nacht mit meinem Freund telefonieren 🙂
    Das war die preiswerteste Flatrate aller Zeiten (obwohl dieser Begriff natürlich völlig unbekannt war).

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    1. Hans-Georg

      Stimmt, das waren noch Zeiten. Dann wurde der 8-Minuten-Takt eingeführt. Und es gab überall diese schrecklichen Sanduhren damit man ja rechtzeitg vor dem Ablauf der 8 Minuten das Gespräch beenden konnte.

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  4. Chris

    Also:
    1. Die Energiekosten sind immens gestiegen (Brötchen – Backen – Energie)
    2. Die Brötchen werden heute völlig anders gebacken, als damals! Wer glaubt denn heute noch daran, dass der Bäcker den Teig selbst macht? 😆 Von daher ist der Preisanstieg ungerechtfertigt!
    3. Gewinne machen, und davon bitte schön immer mehr, ist den meisten Unternehmern heutzutage wichtiger, als ein wirklich gutes Produkt und eine Spur Idealismus!
    4. WETTEN, Dein Gehalt ist im selben Zeitraum ebenfalls um satte 775% gestiegen? 😛

    So, da jetzt mal drüber nachdenken… 😆

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    1. Hans-Georg

      Hallo Chris.
      Wie ich erwähnte, wohnte ich damals noch bei meinen Eltern. Ich bekam zwar Taschengeld, hatte als Schüler aber sonst kein eigenes Einkommen. Insofern gibt es keinen Vergleich zwischen meinem damaligen und meinem jetzigen Gehalt. So ein Vergleich würde eh hinken weil sich Gehälter nicht nur ständig sowieso erhöhen sondern weil es auch Erhöhungen durch „hocharbeiten“ gibt.
      Sicher könnte man in irgendwelche Statistiken schauen, wie die Durschnittsgehälter vor 50 Jahren waren und wie hoch sie jetzt sind.

      Wenn ich das richtig sehe, ist der Preis von Milch nicht in dem Maße angestiegen wie bei Brötchen. Ein Liter Milch kostete seinerzeit etwa 45 Pfenning.

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  5. kalle

    Hallo Hans-Georg,

    ich finde auch, dass Brötchen etwas überteuert sind, die Qualität aber nicht gleich bleibt, oder sich verbessert, sondern manche „Bäckerbrötchen“ genauso „schlecht“ wie Rohlinge in den Billigläden oder Aufbackware sind. Da muss man heute schön länger suchen bis man den richtigen Bäcker findet, auch wenn es scheinbar an jeder Ecke einen gibt. Selberbacken heisst da die Devise!

    Liebe Grüsse Kalle

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