Unser Star für Baku

Seit Donnerstagabend steht fest, wer Deutschland beim diesjähren ESC in Baku vertreten wird: Roman Lob.

In acht Ausscheidugsshows wurde per Abstimmung nur durch die interessierten Fernsehzuschauer festgestellt, wer am 26. Mai den Deutschen Beitrag singen wird. In den Medien wird, wie üblich, das ganze Ding mal wieder runtergemacht. Es ist aber nicht von der Hand zu weisen, dass ca. 120.000.000 Zuschauer dem Ereignis beiwohnen werden.

Ähnlich wie vor 2 Jahren bei Lena, war Roman von der ersten Sendung an der Favorit und der Liebling zumindest des Saalpublilkums, zu merken am Beifall nach seinen Auftritten in jeder Show.

Gestern Abend erkannte ich, dass Roman ein wenig was von Lena hat, so wie wir sie vor 2 Jahren kennengelernt haben: Eine unbekümmerte Unbefangenheit, ja, eine gewisse Art von Naivität.

Charme hat der junge Mann (21 Jahre alt), singen kann er auch und er kann sich auf der Bühne bewegen. Ob allerdings der Song das Zeug hat, sich europaweit zu behaupten, wage ich zu bezweifeln. Aber es hat sich immer wieder gezeigt, dass sich der Geschmack der abstimmenden Fernsehzuschauer und der nationales Juries jährlich ändert. Überraschungen gab und gibt es immer wieder. Wir drücken Roman Lob die Daumen, d.h. warum Roman? Der ESC ist ja ein Komponistenwettbewerb und kein Sängerwettstreit! Das wird leider immer wieder vergessen.

Baku? Was ist das für eine Stadt? Nun, es ist die Hauptstadt von Aserbaidschan und ich war überrascht, was die Fernsehbilder uns zeigten: Eine Stadt mit hypermodernen Bauten aus Stahl, Glas und Beton neben historischen Gebäuden, eine Symbiose, wie ich sie liebe. Uns wurder aber nicht gezeigt, wie es ausserhalb der Metropole aussieht.

Und man sollte nicht ausser Acht lassen, dass es, wie es heisst, mit den Menschenrechten in Aserbaidschan nicht so weit her ist und dass die Einnahmen aus dem sprudelnden Erdöl nicht unbedingt dort ankommen, wo sie benötigte werden, nämlich bei der Bevölkerung. Es heisst weiter, dass sich das Land dem Westen annähern möchte. Vermutlich wird der Westen auf die Regierung wenig Einfluss nehmen wollen – es gibt ja Öl in Aserbaidschan!

9 thoughts on “Unser Star für Baku

  1. Frau Momo

    Ich finde es schon zynisch, das in einem Land stattfinden zu lassen, in dem Menschen verschleppt werden, wo über Nacht tausende ihre Wohnungen und Häuser verlieren und keine Rechte haben.
    Die Diskussion wollen die Veranstalter nicht, sie seien eben unpolitisch. Ich finde, man kann nicht unpolitisch sein in einem Land wo die Menschenrechte mit Füßen getreten werden.
    Die ARD macht sich inzwischen allerdings schon so 1-3 Gedanken.

    Antworten
  2. Hans-Georg

    Die Regeln sind nun mal so, dass der ESC im Folgejahr im Gewinnerland ausgetragen wird. Andernfalls sollte man Länder, die auf irgendeine Art und Weise nicht genehm sind, gar nicht erst teilnehmen lassen – so das denn Regeln dafür gibt.
    Eine derart grosse Veranstaltung kann auch positive Einflüsse haben, das sollte man nicht vergessen.

    Antworten
  3. Frau Momo

    Wenn es um Folter und Menschenrechtsverletzungen geht, finde ich es ein schwaches Argument, die Regeln seien eben so.
    Ich bin gespannt auf das große Konzert, das dort geplant ist, als Protest gegen die Zustände in dem Land.
    Ein Land, das gegen jedwede Menschlichkeit verstößt, sollte einfach nicht teilnehmen dürfen. Wohin geht´s als nächstes? Nach Weißrussland?
    Die Veranstaltung könnte vielleicht was bewirken, aber nicht, wenn alle weggucken und nur Spaß haben wollen.
    Ich hab mit Grand Prix nix am Hut, aber darum geht es hier auch gar nicht. Ich will auch niemandem den Spaß daran verderben, der da mitfiebert. Ich finde nur, Unterhaltung hat Grenzen und hier sind die Grenzen des guten Geschmacks einfach überschritten.
    Danke übrigens für den Link. Ich habe mal eine entsprechende Email an die ARD geschickt.

    Antworten
  4. Hans-Georg

    Frau Momo, siehe doch was ich unter 2. geschrieben habe: “Andernfalls sollte man Länder, die auf irgendeine Art und Weise nicht genehm sind, gar nicht erst teilnehmen lassen”

    Wenn du schon dabei bist, an die ARD zu schreiben, dann schreibe doch bitte auch gleich an das IOC und andere internationale Sportverbände.

    Antworten
  5. Ossi

    Tja. Mich hat das Ergebnis meiner Urlaubsdestination Deutschland auch etwas ratlos zurückgelassen. Dieser Roman Lob… Ja, so ein Dackelblick halt. Niedlich. Auf den blauen Seiten kommt das sicher gut, aber obs für den ESC reicht? Der Song selbst ist ja keineswegs schlecht, er ist nur genau das, was man auf gar keinen Fall sein darf: unauffällig. Mir ist er auch noch nicht ins Ohr gegangen, ich wäre unfähig, jetzt den Refrain zu summen.

    Zum Austragungsort Aserbaidschan: Diese Diskussion finde ich scheinheilig und lächerlich. Jeder der Teilnehmer ist ein potentieller Veranstalter. Wie unser Gastgeber hier richtig sagt: Wenn man ein Land nicht als Veranstalter möchte, darf dieses Land eben auch nicht teilnehmen. Aber teilnehmen, gewinnen, monatelang vorbereiten, eine eigene Halle bauen… und 3 Monate vorher kommen dann ein paar Gutmenschen und kommen drauf, daß sie einen Song Contest (den sie sowieso nie sehen) dort nicht haben wollen? Bizarr.

    (Erinnert mich ein bißchen an Spanien 1969: Da hat ja unter anderem der ORF nicht mitgemacht, weil auf diese Weise die Ablahnung der Franco-Diktatur zeigen wollte. Meine Güte…)

    Antworten
  6. Wolfgang

    Unauffällig,… ja, das ist er, der Herr Lob. Ich bin ja neugierig, ob in Österreich die Frau / der Herr Wurst die Vorausscheidung gewinnen wird. Denn ‘unauffällig’ ist er/sie dann jedenfalls nicht.
    Allerdings: Wie auch immer die Kandidaten auffallen oder nicht: Ossi hat schon recht: Ein Land antreten lassen, sogar den Gewinn nach Hause bringen und nach all den Vorbereitungen nachher übermäßgi political correctness an den Tag zu legen, ist schlichtweg Heuchelei. Ja, dann lasst doch diese Länder gar nicht antreten! Denn – die Chance für einen Sieg besteht ja allemal. Und dann auch die Möglichkeit einer Austragung.
    Nachher zu matschgern (H.G.: mäkeln) ist nicht nur dumm, sondern auch unnütz.

    Antworten
  7. Ossi

    Das mit dem “Begriffe übersetzen” tut man ja grundsätzlich gern. Es scheitert nur hin und wieder daran, daß wir gar nicht wissen, welche Begriffe in Deutschland nicht verstanden werden (siehe Austriazismen in meinem Blog gg).

    Antworten
  8. Hans-Georg

    Na ja, ich bin ja kein kleiner Dummer und kann mir schon denken, was gewisse Begriffe bedeuten.
    In der Warmen Küche waren aber Dinge, die mir unbekannt waren und hatte mal nachgefragt.
    Aber bitte bitte, macht weiter so, ich freu mich darüber!

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.