Ostsee in Flammen

Nein, es ist kein Öltanker, der eine Kollision hatte und in Flammen aufgegangen ist. „Ostsee in Flammen“ ist seit 29 Jahren ein Publikumsmagnet im Ostseebad Grömitz, ein Feuerwerk, das mit passender Musikbegleitung an der Seebrücke abgebrannt wird. Teilweise wird es so geschickt installiert, dass die Effekte aus dem Wasser aufsteigen. Im letzten Jahr haben 70.000 Menschen das Spektakel beobachtet.

Um dabei sein zu können, ist es notwendig, schon am zeitigen Nachmittag nach Grömitz anzureisen. Bernd holte mich vom Büro ab und von dort sind wir direkt mit dem Wagen nach Grömitz gefahren, bei dem schönen Sommerwetter natürlich offen. Wir wählten einen der etwas ausserhalb gelegenen Parkplätze. Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, dass man sonst mindestens eine Stunde auf der Stelle steht, wenn alle nach dem Feuerwerk wieder nach Hause fahren.

An der Seebrücke trafen wir uns mit Olli und Melli, ihren Eltern, Brüdern und Freunden. Bernd und ich gingen erst mal was essen. Die Anderen suchten sich am Strand ein Plätzchen, um dort auf noch ca. 6 Stunden – es war erst 17.00 Uhr – auf den Beginn des Feuerwerks zu warten. Wir fanden ein wenig abseits vom Trubel ein Chinesisches Restaurant, in dem ein Buffet angeboten wurde. Hier konnten wir uns die Wartezeit auf angenehme Art verkürzen während die Anderen den Platz am Strand gegen den Massenansturm verteidigten.

Grömitz bedeutet für mich nicht nur Sonne, Strand und Meer sondern auch Eis essen. Es gibt dort eine Eisdiele, in der Eis aus eigener Herstellung angeboten wird. Ich war einige Jahre nicht mehr in Grömitz und war deshalb glücklich als ich feststellte, dass es diese Eisdiele noch gibt. Nach dem reichlichen chinesischen Essen war ich ja eigentlich satt, aber das leckere Eis konnte ich mir nicht entgehen lassen – wenn ich schon mal hier bin. 3 Kugeln mussten es sein, leider konnte ich mehr auch nicht essen.

Ein mittlerweile eingesetzter Menschenstrom schob uns zum Strand. Unsere Freunde hatten es sich beim Tretbootlager gemütlich gemacht, ein Platz, den wir schon vor vielen Jahren ausfindig gemacht hatten. Er bietet von einer Seite Schutz vor den dicht an dicht im Sand sitzenden Menschen.



Mit zunehmender Dunkelheit wurde es voller und voller. Wer jemals im Sommer auf Mallorca Urlaub gemacht hat, wird wissen, wie es dort am Strand aussieht. Es gibt nur einen Unterschied: Dort liegen die Menschen dicht an dicht. In Grömitz sitzt oder hockt man dicht an dicht im Sand. Besucher, die statt am Wasser entlangzugehen um sich einen Platz zu suchen, sich unvernünftiger Weise einen Weg durch die am Strand hockenden Menschenmassen zu bahnen versuchen, stolpern über Beine und Arme. Melli ist ganz arg von Jemanden auf die Hand getreten worden.

Endlich hatte das Warten ein Ende. Die Lampen auf der Seebrücke erlöschen, ein sicheres Zeichen, dass es in wenigen Augenblicken losgehen würde. Aus den am Strand aufgestellten Boxen erklang ein dumpfes Dröhnen. „Also sprach Zaharustra“ – zu dieser grandiosen Musik begann ein ebenso grandioses Feuerwerk. Auf den Punkt genau im Takt der Musik öffneten sich die Raketen und sprühten ihren Funkenregen in den nächtlichen Himmel über der Ostsee. Die Musik wechselte zu Stücken aus der Show „Lord of the Dance“. Bernd hatte den Einfall: Los, alle aufstehen und steppen! Das Finale, das leider viel zu schnell erreicht war, wurde zur Musik aus „Carmina Burana“ abgebrannt.

Beifall brandete auf. Die Verantwortlichen bedankten sich von der Seebrücke aus durch winken mit grünen Lampen. Durch die Erfahrungen der vergangenen Jahre bei dieser Veranstaltung wussten wir, dass es keinen Zweck hat, sofort den Strand zu verlassen und zum Wagen zu gehen. Erstens würde eine dichtgedrängte Menschenmasse die Strassen und Wege verstopfen. Zweitens würden wir auf dem Parkplatz noch eine Weile warten müssen, bis wir uns uns in den Verkehrstrom einfädeln könnten. Also standen wir noch ein wenig herum und unterhielten uns. Die Länge des Feuerwerks schien uns reichlich kurz gewesen zu sein, ansonsten war die einhellige Meinung, dass es wieder mal sehr schön war. Weiter beratschlagten wir, was mit Mellis Hand geschehen zu hätte. Sie hatte starke Schmerzen und kühlte die Trittstelle mit einen Kühlakku. Olli wollte mit Melli, sobald sie zurück in Lübeck sein würden, in die Klinik fahren um dort die Hand untersuchen zu lassen ob nicht vielleicht ein Bruch vorliegt.

Langsam wurde es leerer am Strand und wir machten uns auf den Weg zum Parkplatz. Die Strassen in Ortskern von Grömitz waren verstopft mit Autos, ganz Grömitz war ein einziger Stau. Das hat man davon, wenn man eine Parkmöglichkeit möglichst nahe am Ort des Geschehens aufsucht. Von unserem Parkplatz war es einfach, sich in den Verkehr einzufädeln. Ganz langsam wälzte sich die Autokolonne in Richtung Autobahn. Mit offenem Dach fuhren wir in der Schlange mit. Hinter dem kleinen Ortschaft Cismar wurde es dann zügiger und damit auch zugiger. 18 Grad Aussentemperatur sind dann doch etwas zu wenig. Auf der Autobahn wurde es dann ziemlich frisch. Ich konnte mir nicht vorstellen, bis Hamburg durchzuhalten. Kurz vor Lübeck fuhren wir einen Parkplatz an und igelten uns ein. Als wir zu Hause ankamen, war es bereits 2 Uhr. Wir gingen sofort schlafen – Seeluft macht müde.

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