
Wir waren lange nicht weder in noch auf der Elphie. Man kann das sehen wie man will. Wenn ich sage „in“ der Elphie, heisst das für mich den Besuch eines Konzertes im Grossen Saal. Wenn ich sage „auf“ der Elphie assoziiere ich das mit dem Besuch der Plaza mit dem Blick über den Hafen bzw. über die Dächer Hamburgs. Heute ergab sich ein Besuch in und auf der Elphie, wobei das „In“ der eigentliche Grund des Besuches war, nämlich in Geburtstagsgeschenk meines Schatzes.

Wir sind extra etwas früher in die grosse Stadt gefahren um ein wenig auf der Plaza zu lustwandeln. Beginn des Konzertes war Sonntag um 11 Uhr. Touris und Einheimische sind kurz nach 10 Uhr noch nicht in Horden unterwegs. So kamen wir in den Genuss eines ungetrübten Ausblicks.

Als es an der Zeit war, machten wir uns auf den Weg in den Grossen Saal zu Ebene 15. Schatz hatte dort Plätze in der 1. Reihe gebucht. Das war ganz schön weit oben. Mich würde mal interessieren, wie viele Meter das über der Bühne sind. Von dort oben hatten wir jedenfalls einen direkten Blick auf das Orchester und den Dirigenten.
Auf dem Programm stand das 10. Abo-Konzert des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg. Zu Gehör gab es das Violinkonzert Nr. 1 g-Moll von Max Bruch und nach der Pause die Symphonie Nr. 9 e-moll „Aus der Neuen Welt“ von Antonin Dvorak.
Der 1. Satz des Violinkonzerts war nicht das Original von Max Bruch. Die Komponistin Barbara Assiginaak hat diesen Satz „überschrieben“, so steht es im Programmheft. Ich habe keinen Vergleich zum Original weil ich dieses Musikstück bisher nicht kannte und deshalb auch keine Vergleichsmöglichkeit habe.
Als Solistin stand Hilary Hahn auf dem Podium, eine begnadete Künstlerin. Sie verstand es, ihrem Instrument ganz zarte und leise Töne zu entlocken. Ich bin mir sicher, nicht alle Personen des überwiegenden älteren Publikums haben das überhaupt hören können. Ich war über mein Hörvermögen überrascht, dass ich wirklich bis fast zum allerletzten Ton alles hören konnte. Fast! Ich habe dann nur noch gesehen, dass Hilary Hahn den Bogen noch ein paar wenige Zentimeter über die Saiten strich, hören konnte ich das auch nicht mehr. Zu recht bekam sie am Ende ihres Auftritts jubelnden Applaus und Blumen für die Dame. Sie spielte dann zwei Solostücke auf ihrer Geige als Zugaben.
Die Sätze 2 und 3 des Violinkonzertes waren mir bekannt. Womöglich habe ich in meiner CD-Sammlung klassischer Musik Auskopplungen davon, ich muss mal danach suchen.

Nach der Pause dann die Sympohnie Nr. 9 von Antonin Dvorak. Teils wuchtige Musik lösten das vorherige leise Spiel der Violine ab. Der Mann an den Pauken hatte alle Hände und Schlägel zu tun. Statt uns auf die Solistin aus dem ersten Teil zu konzentrieren, konnten wir das ganze Orchester beobachten. Überwiegend kamen Streichinstrumente zum Einsatz. Die Blasinstrumente setzten nur ab und Akzente. Ich entdeckte eine Tuba, neben der der dazugehörige Spieler sass. Er hatte nur einen kurzen Einsatz im 2. Satz, danach sass er wieder ohne Tätigkeit und konnte alles von seinem Platz im Hintergrund beobachten. Diese Symphonie hatte ich auch noch nie in Gänze gehört. Lediglich den 4. Satz kannte ich schon, wie auch mein Schatz.
Neben den Pauken sass ein Herr mit Becken und einer an einer grossen Trommel. Die hatten erst während der Zugabe was zu tun.
Beide Konzerte wurden vom Generalmusikdirektor des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg geleitet, Omer Meir Wellber. Es ist ja unglaublich, welch eine Kondition ein Dirigent haben muss! Nach dem 1. Satz brauchte er ein paar Sekunden, um sich zu erholen.
Am Ende der Zugabe holte Omer Meir Wellber den Interimsgeschäftsführer der Hamburgischen Staatsoper, Jügen Braasch, auf den Podest. Er wurde mit dem gemeinsamen Dirigat der letzten Takte von seinem Posten verabschiedet.

Für Omer Meir Wellbar war es die erste Spielzeit als Generalmusikdirektor. Er kündigte für die nächste Spielzeit spannende Projekte an. Gestern Vormittag war der Grosse Saal der Elbphilharmonie nahezu ausverkauft. Wir konnten nur wenige freie Plätze sehen. Wie es aussah, war ein grosser Teil der Gäste Einzelkartenkäufer, von denen viele das erste Mal in der Elbphilharmonie waren, erkennbar daran, dass sie nach ihren Plätzen suchten, was ein wenig kompliziert ist, und auch daran, dass viele Besucher Fotos im Grossen Saal machten. Wie viele Plätze im Abo gebucht sind, konnte ich leider nicht herausfinden. Eins muss ich positiv feststellen: Das grosse Abo für 10 Konzerte kostet knapp € 750, d.h. rund € 75 für eine Karte bei einer Ermässigung von 30 %. Das ist wirklich nicht zu viel.

Ich muss zugeben, dass ich damals den Bau der Elbphilharmonie für unnötig fand, kann aber nicht umhin, sie nun für großartig zu halten, innen wie außen. Und das zeigen deine besonders gelungenen Aufnahmen hervorragend.