
Früher war ich ja, zusammen mit meiner Frau, Eigentümer eines Secondhand Reihenhauses in Lübeck. Das Geld war knapp, wie das in jungen Jahren so üblich ist – oder war. Deshalb habe ich viel selbst gemacht, learning by doing. Internet gab es noch nicht, da kann man sich über YouTube ja heute viel Zeugs angeignen.
Heute sind mein Schatz und ich ja Eigentümer einer Wohnung, in der wir nun auch schon fast 19 Jahre wohnen. Hier fällt ja kaum etwas an, was erneuert werden muss. Und da die Wohnung Teil eines Ganzen ist, muss man eh vorsichtig sein und keinen Schaden für die Miteigentümer anrichtet. Also wird schon mal ein Handwerker beauftragt. Aber einen Wasserhahn austauschen, das kann ich.
Der Wasserhahn an der Aussenzapfstelle auf der Terrasse war undicht. Ich weiss, dass man innen eine Dichtung austauschen kann. Dann fährt man zum Baumarkt, steht da vor dem Regal mit tausenden verschiedenen Dichtungen, entscheidet sich für eine, fährt nach Hause, will die einbauen – und dann war es doch die falsche. Ich entschied, einen neuen Wasserhahn zu bestellen und baute den ein. Alles super, alles dicht, alles perfekt.
Nach ein paar Tagen lief Wasser aus der Wand, dort, wo der neue Hahn eingeschraubt war. Ich sperrte die Leitung hab und schraubte den Hahn wieder raus, umwickelte das Gewinde neu mit Dichtband und schraubte das Teil wieder ein, bis sich nichts mehr schraubte. Ach, ein kleines Stück muss aber noch, das Ding soll ja gerade an der Wand sitzen. Noch ’n Stück, noch ’n Stück – und dann passierte es: Der Wasserhahn fiel von der Wand. Das Endstück des Gewindes steckte im Rohr in der Wand, ich hatte es abgedreht. Da war ich dann mit meinem Handwerkerlatein am Ende.
Ich suchte im weltweiten Netz nach einer Lösung. Ja, vielleicht hätte ich es hinbekommen, dazu hätte es aber neues Werkzeug gebraucht, dass ich für eine einmalige Gelegenheit hätte teuer erwerben müssen und möglicherweise hätte es trotzdem nicht funktioniert. Ich bestellte erstmal einen neuen Wasserzhahn und beauftragte dann lieber einen örtlichen Sanitärfachhandwerksbetrieb.

Heute Morgen erschien ein netter junger Mann und schaute sich den Schaden an. Mit einem Spezialschlüssel drehte er die Hahnverlängerung, in der das abgebrochene Gewindestück steckte, aus der Wand. Hahnverlängerung? Die Abdeckrosette des alten Wasserhahns hatte nie direkt an der Wand gesessen, sah nicht so schön aus. Könnte es sein, dass das kleine Problem ohne die erwähnte Hahnverlängerung gelöst sei? Ich erklärte die Situation. Obwohl der nette Monteur vorher gesagt hatte, dass er den neuen Wasserhahn aus versicherungstechnischen Gründen nicht montieren dürfe, erklärte er sich dann doch bereit, eben dies zu tun, ohne die rausgedrehte Hahnverlägerung. Und jetzt ist alles perfekt. Natürlich gab es ein angemessenes Trinkeld.
Als ich den Auftrag telefonisch erteilte, wurde mir gesagt, der Monteur käme ca. 7/7:30 Uhr. Na ja, Dienstbeginn 7 Uhr, der kommt wohl eher um halb acht, dachte ich. Trotzdem stellte ich den Wecker auf 06:15 Uhr, man will ja einen frischen Eindruck machen und die Katzen sollten vorher auch noch versorgt werden.
Der Wecker holte mich aus tiefstem Schlaf, der lief schon im Dauermodus als ich wach wurde. Und es war dann natürlich doch nach halb 8 als der Monteur kam. Aber besser war es doch, den Wecker zu stellen, man weiss ja nie.
