Es begann mit Cats

Heute vor 40 Jahren wurde der Grundstein für Deutschlands Musicalhauptstadt gelegt: Im Operettenhaus am Spielbudenplatz gab es die Deutsche Erstaufführung des Musicals Cats. Sowas gab es vorher noch nie: Ein Theater, in dem nur ein einziges Stück aufgeführt wurde, und das 8 Vorstellungen in der Woche.

Musicals, wurden vorher nur in Repertoire-Theatern aufgeführt, d.h. Operetten, Oper, Ballet und Musicals wechselten sich während der Spielzeit ab. Als Abonnent des Theaters Lübeck schon während der Schülerzeit kam ich den Genuss diverse Musical zu sehen, die Klassiker: My Fair Lady, Kisse Me Kate, Oklahoma, The King And I, Applaus, Hello Dolly.

Doch ab jetzt gab es etwas ganz neues, nämlich ein Theater mit einem festeingebauten Bühnenbild, nur für ein Stück. Cats lief ununterbrochen 14 Jahre in Hamburg. Ich habe dieses Musicals während der Anfangszeit zweimal gesehen. Es war wohl die Zeit, als man noch Unterstützung brauchchte, das Haus vollzubekommen. Angestellte in Konzernen und grossen Firmen konnten über diese vergünstigte Karten bekommen. So kam auch ich mit meiner Familie über Freunde in den Genuss, dieses neuartige Musical sehen zu können.

Was heisst Genuss? So richtig begeistert war ich noch nicht. Die Sängerinnen und Sänger sangen zwar Deutsch aber mit einem starken englischen oder amerikanischen Akzent. Erinnert ihr euch noch an den Schlagersänger Graham Bonney? Genau so hörte sich das an. Erst im Lauf der Zeit achtete man beim Casting darauf, dass die Darsteller vernünftig und verständlich singen und sprechen konnten.

Cats war ja in ein bestehendes Theater gezogen. Für das Musical Phantom der Oper wurde ein neues Theater gebaut, Neue Flora. Der Bau war nicht unumstritten, sollte das Theater ursprünglich doch auf einem Grundstück eines der autonomen Szene zugerechnetem provisorischem Kaufhauses gebaut werden. Es gab Proteste gegen den Bau des Theaters. Man fand einen anderen und besseren Standort. Den Bewohnern im Viertel gefiel das aber nicht, es gab Klagen, doch letztendlich wurde das Theater gebaut. Bei der Premiere schützten 3.500 Polizisten die Gäste vor etwa 1.000 gewaltbereiten Demonstranten. Das Phantom der Oper lief dann aber ungestört 11 Jahre am gleichen Standort.

1994 wurde ein drittess Musicaltheater in Hamburg eröffnet, das Theater im Hafen gegenüber den Landungsbrücken. Zuerst gab es dort das Stück Buddy. Seit 2001 läuft dort ununterbrochen das Musical König der Löwen. Ein Ende ist derzeit nicht abzusehen.

Seit 2014 steht direkt nebenan das Theater an der Elbe. Eröffnet wurde die Spielstätte mit der Welturaufführung des Musicals Das Wunder von Bern. Durch einen Glücksfall konnten Bernd und ich der allerersten öffentlichen Auffühung, eine Preview, beiwohnen.

Alle vier erwähnten Theater werden von einer Firma betrieben, der Stage Entertainment. Das Theater Neue Flora ist von allen vieren mein Lieblingstheater.

Ausser den vier grossen Spielstätten gibt es noch kleine Theater in Hamburg, die ebenfalls Musicals auf die Bühne bringen, u.a. das St. Pauli Theater, Schmidts Tivoli, Schmidt Theater, Hansatheater, First Stage Theater, es gibt vielleicht noch ein paar kleine Theater mehr.

Seit fast 30 Jahren bin ich mit meinem lieben Mann zusammen. In dieser Zeit haben wir 47 verschiedene Musicals gesehen, allein 29 davon in Hamburg. Wir sind nach Stuttgart und nach London geflogen, mit der Bahn nach Oberhausen gefahren und mit dem Wagen nach Tecklenburg und Magdeburg. 1986 wurde der Musicalboom durch Cats ausgelöst. Nicht immer hatten die Verantwortlichen bei Stage oder der Vorgängerfirma ein glückliches Händchen bei der Stückauswahl. Die Eintrittspreise sind hoch, die Inszenierungen hochwertig, staatliche Zuschüsse gibt es nicht. Nicht jedes Musical, das in Hamburg läuft, schauen wir uns, wir selektieren schon. Aber wenn wir uns Karten kaufen, sitzen wir auf den teuersten Plätzen. Und das machen wir gern.

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