50 Jahre Stonewall

Heute vor 50 Jahren haben wir uns gewehrt: In der Nacht vom 27. auf den 28. Juni, kurz nach Mitternacht, haben sich Schwule, Transvestiten und Dragqueens gegen eine Razzia der Polizei gewehrt. Die Polizei in New York veranstaltete eine Razzia in der Bar Stonewall Inn an der Christopher Street, und dass ließen sich die anwesenden Personen nicht gefallen.

Es kam zu einer Schlacht, die Polizei musste Verstärkung herbeirufen. Dieses Ereignis gilt als Wendepunkt in der Schwulenbewegung. Eine offene homosexuelle Befreiungsbewegung entstand. Ein Jahr nach wurde ein Gedenkmarsch an den Stonewall-Aufstand organisiert, der erste Christopher-Street-Day war geboren. Heute wird dieser Tag weltweit in allen offenen und freien Ländern als „Pride Day“ mit einer Parade, Straßenfesten und anderen Veranstaltungen begangen. In vielen Ländern ist der Juni der „Pride Month“, deshalb, weil im Juni der Aufstand stattgefunden hat.

Der Aufstand von Stonewall war der Beginn einer ganz langsamen Akzeptanz von uns Schwulen und eines ganz langsamen Umdenkens der Politik. In vielen Ländern, auch in solchen, von denen man es nicht gerade erwartet hätte, dürfen Schwule heiraten. Bernd und ich haben uns vor 5 Jahren „verpartnert“, ein Begriff, der eher abwertend klingt. Von einer Ehe wagte die Politik seinerzeit nicht zu sprechen. Es ist jetzt gerade 2 Jahre, dass die SPD mit einem Überraschungscoup eine Abstimmung über die „Ehe für Alle“ in den Deutschen Bundestag einbrachte. Es gab 226 Gegenstimmen, von welchen 225 aus der Fraktion der CDU/CSU kamen! Vor 2 Jahren, 48 Jahre nach Stonewall, waren wir Schwule in Deutschland endlich gleichberechtigt. Seit November des gleichen Jahres sind Bernd und ich hochoffiziell verheiratete Eheleute.

In den 50 Jahren seit Stonewall hat sich viel getan, sehr viel. Aber es gibt noch immer Ressentiments, Abneigung und Intoleranz gegenüber schwulen Menschen. Bernd und ich haben sowas zum Glück nicht erleben müssen, jedenfalls nicht offiziell. Man weiß ja nie, was die Leute hinter unserem Rücken reden. Aber das ist uns total egal. Wir lieben uns, und das ist die Hauptsache.

2 Gedanken zu „50 Jahre Stonewall

  1. Trulla

    Danke für diese Erinnerung – ich bin auch deshalb noch der SPD treu. Wenn auch nicht immer mit allen einverstanden (als ob es das in irgendeiner Partei geben könnte). Aber als Jahrgang 1945 habe ich eben miterlebt, auch innerhalb der Partei mit vorangetrieben, dass Fortschritt wie der von Ihnen beschriebene, der Wegfall des §175, ebenso wie die Änderung des Ehe- und Familienrechts (weg mit dem Verschuldensprinzip und schmutzige Wäsche waschen), der Abtreibungsparagraph 218, i m m e r nur gegen den Widerstand der konservativen CDU erkämpft werden konnte. Ich versuche, wenn es sich ergibt, jungen Menschen diese Erfahrung mitzuteilen, denn Sie profitieren davon, wissen aber oft keine Hintergründe.
    Die Vorstellung, dass ihre Großmütter noch vor 50 Jahren ohne Zustimmung des Ehemannes keine Berufstätigkeit ausüben durften, ist ihnen unvorstellbar.

    Eine kleine private Anmerkung: ich habe drei Söhne und natürlich hätte einer von ihnen schwul sein können. Mir war es deshalb wichtig, eine familiäre Atmosphäre zu schaffen, in der jederzeit ein Outing selbstverständlich gewesen wäre. Schwiegersöhne wären ebenso willkommen gewesen wie Schwiegertöchter. Denn vor allem wünschte ich meinen Söhnen eine erfüllte Liebe zu finden.

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