Paragraf 175

175er, das war zu meiner Jugend ein Ausdruck für Schwule, denn das Wort „schwul“ auszusprechen, das war unschicklich, das tat man nicht. 175er – jeder wusste, was gemeint war, aber man meinte, die Contance zu wahren.

Woher kam der Ausdruck 175er?: Der Paragraf 175 des StGB stellte Homosexualität unter Strafe. Er tauchte zum ersten Mal 1871 in der deutschen Rechtssprechung auf und wurde erst 123 Jahre (!) später aus dem Strafgesetzbuch gestrichen.

Unter diesem Gesetz sind zahlreiche Männer verfolgt und bestraft worden. Viele haben freiwillig den Tod gesucht. Noch lebende Männer, die unter dem Paragraf 175 bestraft worden sind, warten noch immer auf Rehabilitation und/oder Entschädigung. Bisher sind alle Bemühungen dieser Art erfolglos geblieben.

Jetzt gibt es die Möglichkeit zu versuchen, mit einer Petition die Gesetzgebung zu bewegen, die Opfer des Paragrafen 175 zu entschädigen, mindestens zu rehabilitieren. Es versteht sich von selbst, dass ich diese Petition unterschrieben habe, natürlich nicht anonym, wie es auch möglich ist, sondern mit meinem vollen Namen.

2 Gedanken zu „Paragraf 175

  1. Frau Momo

    Ich finde dieses anonyme Unterschreiben einfach nur doof. Entweder ich stehe zu dem, was ich denke oder tue oder ich lasse es bleiben. Aber ich habe Verständnis für Menschen, die aufgrund Ihrer Unterschrift vielleicht schon mal Opfer geworden sind oder Nachteile erlitten haben.

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