einerseits löblich,

aber ein Hotel für Schwule oder Lesben halte ich nicht für sinnvoll.

1. Man könnte meinen, dass damit eine Art Ghettisierung verfolgt werden soll mit dem Hintergrund, anderen Hotelgästen Schwule und/oder Lesben nicht zumuten zu wollen.

2. Mit so einer Aktion wird wieder eine Sonderstellung von Schwulen und Lesben hervorgehoben, was einer Normalisierung unseres Lebens entgegenwirkt.

3. Vermutlich würde ich eine oder zwei Wochen zusammen mit anderen Schwulen gar nicht aushalten.

Mein Mann und ich führen ein normales Leben, wohnen in einer ganz normalen Wohnsiedlung, in der wir angesehen sind und Freunde und nette Nachbarn haben. Hotels extra für Schwule – wer dort bucht, ist doch wohl eher auf ein Abenteuer aus. Wir fühlen uns jedenfalls in unserer Normalität sehr wohl. Und Fremdpoppen haben wir nicht nötig.

10 Gedanken zu „einerseits löblich,

  1. Elvira

    Sicher ist das nicht für jeden, aber eine eine gewisse Klientel unter den Homosexuellen bleibt gerne unter sich. Das kann ich auf GC immer wieder gut beobachten. Zwar gibt es meines Wissens keine reinen Schwulen- oder Lesbenhotels der Reiseveranstalter, einige Hotels werden aber fast ausschließlich von ihnen gebucht. Meine zwei besten schwulen Freunde (kein Paar!) würden z.B. auch nie in einem solchen Hotel ihren Urlaub verbringen wollen. Sie führen in jeder Beziehung ein, wie Du es nennst, völlig normales Leben.

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  2. fabi

    Hallo,

    also ich sehe mich auch als ganz normalen Menschen und mein erster Gedanke als ich das gelesen hatte ging auch sofort in Richtung Getto

    grüße
    Fabi

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  3. Hans-Georg

    Erstmal danke für deinen Besuch bei Queergedacht.
    Es mag ja Schwule und Lesben geben, die gern unter sich sind und zusammen Spass haben wollen. Für die ist sowas natürlich ideal.

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  4. Ossi

    Ich bin mir auch nicht so sicher, was ich davon halten soll… Es ist wohl auch nicht immer Schwulenhotel=Schwulenhotel. Bei einigen davon geht schon aus dem Webauftritt klar hervor: Da fährst Du hin, um am Pool und in der Sauna wen aufzureißen und Dir eine Woche lang… ja, genau das eben.

    Andere scheinen unter dem Motto “gay friendly” mehr die Zielgruppe zu bedienen, die sich einfach nicht traut, offen zu ihrer Homosexualität zu stehen. So nach dem Motto: Zuhause geh ich einen Meter entfernt von meinem Mann auf der Straße, damit ja keiner auf Ideen kommt. Wenigstens im Urlaub möcht ich ihn dann aber beim Frühstücksbuffet umarmen können.

    Und schließlich suchen sich Hotels das prädikat “gay friendly” wohl auch aus, um ausländischen Gästen mitzuteilen: Schau, Du mußt Dich mit den Sitten und Gebräuchen unseres Landes nicht auseinandersetzen. Innerhalb unserer Ferienanlage bist Du willkommen und keiner sagt was, wenn Du mit einem Mann ein Doppelbett buchst. (Letzteres ist mit in einer Pension in Irland passiert: Die Gastgeberin hat sich 1000x entschuldigt, daß sie die Buchung offenbar mißverstanden hat… Es sei ihr so unangenehm, daß wir als 2 Männer in einem Doppelbett schlafen müssen, wir wollten doch sicher zwei getrennte Betten und sie hätte noch ein Einzelzimmer, das sie einem von uns anbieten könnte… Wir wollten sie zunächst beruhigen und ihr erklären, daß wir das Doppelzimmer natürlich genau so haben wollten. Dann haben wir kapiert: Ja, eh, aber sie wollte das so nicht haben unter ihrem Dach. Wer sich solchen Szenen nicht aussetzen will, bucht vielleicht gern ein “Schwulenhotel”, gerade wenn er das Land nicht kennt.)

    Tja… und weils so viele mögliche Bedeutungen für “Schwulenhotel” gibt, hab ich keine echte Meinung. Die Aufriß- und F*ckburg wär nicht meins, aber ich verurteils auch nicht. Den Ausbruch aus dem “Ich bin ja eigentlich Hetero”-Alltag… Genügend Leute brauchen das, es sei ihnen vergönnt. Und die Bezeichnung “Schwulenhotel” quasi als administrative Erleichterung, als Versprechen dafür, daß man an der Rezeption seine Buchung kein zweites Mal erklären oder rechtfertigen muß… auch OK.

    Was ich viel witziger finde: Ich hab nach meinem letzten Usedom-Urlaub einen Artikel darüber gelesen, daß die Usedom Tourismus GmbH vor einiger Zeit extra Vertreter der schwulen Reiseindustrie eingeladen hat. Die Intention dahinter: Den Anbietern auf Usedom zu erklären, wie sie diese finanziell oft attraktive Zielgruppe gut bedienen. Wie sieht der typische schwule Feriengast so aus, was erwartet er, wie kann man das vorhandene Angebot für ihn optimieren? Diese Herangehensweise find ich besonders interessant. Da wird nicht ein abgesondertes “Gay Hotel” hingestellt, sondern die Tourismusindustrie insgesamt will schwule Gäste besser bedienen – und holt sich extra Rat dafür.

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  5. Hans-Georg

    Grüß Gott Ossi!
    Wow, das ist wohl mit Abstand der längste Kommentar in Queergedacht. Vielen Dank für deine Mühe.
    Du hast ja ein paar Aspekte dafür aufgedeckt und das klingt logisch.
    Wir hatten einmal ähnliche Erfahrungen wie ihr in Irland. Es war in Lübeck in einer Break and Bedfast Pension. Die Dame war etwas überrascht, dass 2 Herren eincheckten. Auf ihre Ansage, dass es in dem Zimmer nur ein Doppelbett gäbe, sagten wir natürlich, dass das so in Ordnung sei. Das war dann auch alles. Sie hatte damit wohl kein Problem, jedenfalls hat sie es sich nicht anmerken lassen.

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  6. Wolfgang

    Also, ich denke mir zu diesem Thema, dass es ja nicht unbedingt und zwingend eine ‘Poppburg’ oder eine ‘F*ckbude’ sein muss, wenn man sich für ein ‘gayfriendly’ hotel entscheidet. Es soll ja Leute geben, die zwingend einen IPod-Anschluss benötigen, wenn sie ein Hotelzimmer buchen. Dann sind sie in den ‘gayfriendly’ Hotels sicher gut aufgehoben. 😉
    Nein, im Ernst:
    Wir hatten in Berlin eine gute Erfahrung mit dem Hotel ‘Axel’, das dezitiert schwulenfreundlich ist. Wenn wer im Jacuzzi grapschen und poppen (schwieriger) will, dann kann er ja. Warum nicht? Ist ja jedermann selbst überlassen. Aber grundsätzlich fand ich die Atmosphäre dort sehr angenehm, weil unkompliziert. Ich denke, es wäre kein guter Städtetrip, wenn Dich jemand an der Rezeption schief anschaut, nur weil du ein Doppelbett-Zimmer bestellt hast…

    Und warum sich als Hotel nicht extra für die schwule Klientel präsentieren? Wenns Geld bringt, ist es allemal ok. Und die Leute, die’s nicht wollen, können ja woanders buchen.
    Simple as that!

    Küß die Hand (aus Wien),

    :o)

    Wolfgang

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  7. Hans-Georg

    Grüß Gott Wolfgang – und vielen dank für den charmanten Handkuss.
    Zum Thema: Ich habe ja nichts dagegen, dass, wer gern möchte, in einem Gayfriendly- oder reinem Gay-Hotel logieren möge. Nur sehe ich dadurch unsere Entwicklung dahin, als ganz normale Menschen wahrgenommen zu werden, nicht auf dem richtigen Weg.
    Ich bin schwul und reise mit meinem Mann. Wenn wir irgendwo schief angesehen werden weil das so ist, dann stimmt was nicht mit dem Personal des Hotels. Und wenn uns mal Hotelpersonal schief ansehen oder gar dumme Bemerkungen machen sollte, weiss ich, damit umzugehen und mich gegebenenfalls entsprechend zu wehren.
    In einem guten Hotel wird sich das Personal aber eh nichts anmerken lasen, wenn es denn nicht gefallen sollte, dass ein schwules Paar in einem Doppelzimmer logiert.
    Liebe Grüsse aus dem mal sonnigen Hamburg.

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  8. Ossi

    @Wolfgang:
    Ob ein Haufen affektierter Tucken die Atmosphäre “angenehm” bzw. “unkompliziert” macht, sei jetzt mal dahingestellt. (Für mich sind schon relativ kurze Abendessen in Lokalen wie der Villa oft an der Grenze des Erträglichen… Ich will mir nicht vorstellen wie’s is, einen ganzen Urlaub lang so verbringen zu müssen.)

    Zum “Warum soll ein Hotel nicht… wenns Geld bringt?”:
    Ja, eh, wieso nicht? Aus Sicht des Hotels völlig OK, den vorhandenen Markt zu beackern. Und, wie oben beschrieben, es gibt ja auch die verschiedensten gut nachvollziehbaren Gründe, warum dieser Markt existiert.

    Die andere Frage ist, ob man es mit dem eigenen Gewissen vereinbaren kann, ohne Not in sowas abzusteigen. Wie gesagt: Bei einem Urlaub in China oder dem Iran würd ichs wahrscheinlich sicherheitshalber tun. Aber bei meinem Sommerurlaub in Deutschland? Was richte ich denn an, wenn ich aus dem allgemeinen Touristenstrom raus und rein ins Ghetto geh? Wir wären wieder ein schwules Paar mehr, das nicht sichtbar ist in der Öffentlichkeit… an dessen Normalität (und sag da jetzt nichts Unbedachtes!!! gg) sich die Kinder vom Nebentisch nicht gewöhnen können. Wir wären versteckt und weggeräumt in einem Hotel, über das wahrscheinlich in der Nachbarschaft getuschelt wird, weil da angeblich “solche” drin wohnen – aber die sieht man nie, die lernt man nie kennen.

    Ich halte das für eine ziemlich kritische Sache – jetzt konkret auf mich als Gast bezogen und auf einen Aufenthalt in Mitteleuropa, wo man die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen eigentlich ja kennt.

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